Samstag, 27. Juni 2015

Minions 3D



Facts:

Genre: Animation
Regie:
Pierre Coffin, Kyle Balda


Cast/Stimmen: Sandra Bullock, Jon Hamm, Michael Keaton


Laufzeit: 91 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

Die Minions gibt es schon seit Anbeginn der Zeit und die kleinen, gelben Helferlein sehen den einzigen Zweck ihrer Existenz darin, einem Bösewicht zu dienen. Doch immer wieder sterben ihnen die Meister, darunter auch Graf Dracula und Napoleon, vor der Nase weg – und die tollpatschigen Minions tragen meistens eine gewisse Mitschuld. Doch ohne Aufgabe sind die Kleinen todunglücklich und als ihnen die Bösewichte ausgehen, ziehen sie sich in die Eiswüste zurück und verharren dort viele, viele Jahre in Depression – bis schließlich in den 60er Jahren, also 42 Jahre vor der Begegnung mit Gru, der mutigste Minion und zwei Gefährten den Entschluss fassen, einen neuen Meister zu suchen. Und so machen sich Stuart, Kevin und Bob (jeweils Stimme im Original: Pierre Coffin) auf zu einer Tagung der allergrößten Fieslinge. Dort laufen sie der größenwahnsinnigen Scarlet Overkill (Sandra Bullock/ deutsche Stimme: Carolin Kebekus) und ihrem Ehemann, dem Wissenschaftler Herb Overkill (Jon Hamm), in die Arme. Scarlet will der erste weibliche Oberbösewicht werden und die kleinen Handlanger kommen ihr da gerade recht…

Bewertung:

Diesmal kommt das Allerbeste gleich am Anfang. Für alle Minion-Fans und alle Freunde des absurden Humors ist die erste halbe Stunde des Films, der sich erst am Ende mit einer gelungenen Überraschung als echtes Prequel zu „Ich – Einfach unverbesserlich“ und „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ entpuppt, ein reines Fest. In einer Mischung aus anarchischem Humor, unwiderstehlicher Niedlichkeit und alle Altersgruppen ansteckender fröhlicher Albernheit wird von den Ursprüngen der gelben ein- oder zweiäugigen Wichte mit den überdimensionierten Schwimmbrillen erzählt und die Worte von Oscar-Preisträger Geoffrey Rush aus dem Off (im Original) werden von einem regelrechten Stakkato aus visuellen Gags und skurrilen Einfällen begleitet: Es ist zu sehen, wie die kleinen Bananenliebhaber sich immer wieder mit unschuldigem Feuereifer an die Seite der Bösen stellen und dabei regelmäßig alles im Chaos endet: ein mächtiger Dinosaurier landet in einem Vulkan, ein Pharao wird unter einer Pyramide begraben, Graf Dracula zerfällt zu Staub. Köstlich ist auch die Massendepression, die unter den arbeitslosen Minions ausbricht – bei einem Fußballspiel schleppen sich beide Mannschaften mit hängenden Köpfen über den Platz. Wenn Kevin, Stuart und Bob schließlich auf die Reise gehen, dann lässt die Dichte der gelungenen Gags (die oft in direkter Beziehung zur Menge der beteiligten Minions steht) nach und es zeigt sich, dass die süßen Eierköpfe nur bedingt als individuelle Helden einer klassisch erzählten Geschichte taugen.

Selbst wenn sie in der Folterkammer des Tower of London landen, kommt bei den quirligen Gelblingen fröhlicher Unsinn heraus (samt einer neuen Definition von „Galgenhumor“), aber eben diese Unverwüstlichkeit, die mit einer gewissen Beschränktheit Hand in Hand geht, macht es auch manchmal schwer, mit den Minions mitzufiebern. Ihre elementaren Bedürfnisse lassen sich in den Worten „Boss“ und „Banana“ - zwei der wenigen verständlichen Vokabeln in dem ständigen Fantasie-Gebrabbel der gelben Helferlein - gut zusammenfassen. Umso wichtiger ist da die Rolle des erwählten Bösewichts. Und die fällt nicht nur im Vergleich zum herzensguten Schurken Gru enttäuschend aus: Sandra Bullocks Scarlet Overkill macht ihrem Nachnamen alle Ehre und erscheint als schrille Schreckschraube mit unbewältigtem Kindheitstrauma. Sympathien gewinnt sie keine und so fehlt dem Film ein wenig das Herz. Mit der Bankräuber-Familie Nelson, die Kevin, Stuart und Bob als Anhalter mitnimmt, im Zentrum hätte sich vermutlich eine überzeugendere Geschichte erzählen lassen, aber hier sind sowieso die Gags am Rande wichtiger als die oft wenig schlüssige Handlung. Und dabei landen die Minions deutlich mehr Treffer als andere zu Protagonisten beförderte Sidekicks wie „Die Pinguine aus Madagascar“: von Anspielungen auf die Artus-Sage über die beschwingte Sixties-Musik bis zur abschließenden Cover-Version des Beatles-Hits „Revolution“, den sie in einen unwiderstehlichen Nonsens-Gassenhauer verwandeln. Und wenn die Minions 2017 in „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ an die Seite von Gru zurückkehren, dann könnte das ein noch größeres Vergnügen werden.

Fazit: 

Temporeiches, originelles und oft sehr lustiges Animationsspektakel, bei dem die eigentliche Geschichte etwas kurz kommt. Die 3D Effekte lohnen sich auch noch im Abspann. Wir vergeben lustige 8 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 14. Juni 2015

Jurassic World 3D



Facts:

Genre: Abenteuer, Action, Sci-Fi
Regie:
Colin Trevorrow
Cast: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Nick Robinson
Laufzeit: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

22 Jahre nach den Ereignissen in „Jurassic Park“ lockt das Luxus-Resort „Jurassic World“ Besucher aus aller Welt auf eine Insel vor Costa Rica, Dinosaurier von nahem zu erleben. Kinder reiten auf Mini-Triceratopsen, Familien schauen dem riesigen Wasserdinosaurier Mosasaurus beim Verspeisen eines Weißen Haies zu. Der Genetiker Dr. Henry Wu (BD Wong) kreiert die Dinosaurier, er arbeitet im Auftrag des milliardenschweren Stifters Simon Masrani (Irrfan Khan). Doch weil Riesenechsen zwar anfangs aufregend sind, das Publikum aber irgendwann alle von ihnen kennt, wurde Wu dazu gedrängt, ein Raubtier zu züchten, das es in der Natur nie gab: den Indominus Rex. Die riesige Kreatur soll die größte Attraktion von „Jurassic World“ werden – und wird zur größten Bedrohung, als sie ausbricht. In dem entstehenden Chaos gelingt vielen Dinosauriern die Flucht aus ihrem Gehege, sodass alle Besucher potentielles Reptilienfutter werden. In Lebensgefahr schweben nun auch die beiden jungen Brüder Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins). Ihre Tante Claire (Bryce Dallas Howard), deren Aufgabe es ist, den Park zu überwachen, beginnt eine abenteuerliche Suche nach ihren Neffen. Sie wird dabei von Owen (Chris Pratt) unterstützt, einem Militärexperten, der eine Gruppe Velociraptoren abgerichtet hat… 

Bewertung:

In „Jurassic Park“ reichte noch ein entfernter Blick auf ein Brachiosaurus-Trio und eine Parasaurolophus-Herde, um Sam Neil als Paläontologen Dr. Alan Grant und mit ihm das Publikum in Trance zu versetzen. Regisseur Colin Trevorrow muss da in Anbetracht des inzwischen allgegenwärtigen CGI-Bombasts zwangsläufig ein paar Schippen drauflegen – und nimmt diese Herausforderung auch mit der nötigen Chuzpe an: Wenn es nicht mehr reicht, ein paar Pflanzenfresser auf einer Wiese grasen zu lassen, dann wird in seiner Dino-Version einer Delfinshow eben ein gigantischer Mosasaurier mit ausgewachsenen Haien als Leckerlis gefüttert – das schindet genauso sicher Eindruck wie eine „Die Vögel“-Reminiszenz mit scharfschnabeligen Flugsauriern. Auch der inzwischen eröffnete Park entpuppt sich als XXL-Version (inklusive Starbucks-Filiale) der ursprünglichen Vision des inzwischen verstorbenen Gründers John Hammond – und statt mit Geländewagen auf Schienen lassen sich die Reservate nun in unzerstörbaren Glaskugeln nahezu völlig frei erkunden. Während viele Kinobesucher nach der ersten Dino-Sichtung bei Spielberg ihre Münder bis zum Rollen des Abspanns vor lauter Staunen gar nicht mehr zubekamen, sind es in „Jurassic World“ vor allem einzelne Sequenzen, die nachhaltig begeistern. Aber dafür gibt es von solchen Wow-Momenten zumindest eine ganze Menge.

Der neugeschaffene Indominus Rex kann hingegen nicht ganz halten, was sein herrschaftlicher Name verspricht: Der Riesensaurier ist zwar nicht einfach nur ein gefährlicherer T-Rex, sondern eine Art Multifunktions-Monster mit allerlei ungeahnten Talenten und Eigenschaften, doch werden diese speziellen Fähigkeiten jeweils immer nur genau einmal demonstriert: So wirkt das Schweizer Taschenmesser unter den Dino-Schöpfungen irgendwann ziemlich beliebig ausgedacht. Viel spannender ist da die Idee, dass die allesfressenden Velociraptoren inzwischen soweit trainiert sind, dass sie von ihren Besitzern als Waffe eingesetzt werden können: Wenn Owen Grady seinen Tieren aus nur wenigen Zentimetern einschüchternd in die Augen starrt wie ein Alphawolf seinen Herausforderern im Rudel, dann sind das die intensivsten Szenen des gesamten Films. Apropos Velociraptoren: Aus dem „Jurassic Park“-Finale ist uns vor allem ihr Besuch in der Küche mit den spiegelnden Schränken in Erinnerung geblieben – statt auf solche inszenatorische Finesse setzt Colin Trevorrow lieber voll auf Überwältigungs-Bombast, sein gewaltiger Showdown könnt nahezu eins zu eins auch aus einem „Godzilla“-Film stammen. Aber immerhin macht die Dino-Materialschlacht eine Menge Laune (und es ist tatsächlich eine Überraschung, welche Spezies am Ende den Tag rettet).

Es gibt kaum einen Blockbuster mit einer besseren Besetzung als „Jurassic Park“: Sam Neill als Dr. Alan Grant, Laura Dern als Dr. Ellie Sattler, Jeff Goldblum als Dr. Ian Malcolm und Richard Attenborough als John Hammond – ein legendäres Charakter-Quartett. Von den Darstellern aus „Jurassic World“ spielt einzig die aktuelle Franchise-Wunderwaffe Chris Pratt in dieser Liga mit, der seinen selbstironischen Humor im Vergleich zu seinem Auftritt als Starlord in „Guardians of the Galaxy“ gerade weit genug runterfährt, um den intensiv-düsteren Szenen nicht die Spannung zu nehmen: eine perfekte Bewerbung für die Nachfolge von Harrison Ford als Indiana Jones. Ansonsten bleiben die Figuren diesmal eher blass: Bryce Dallas Howard („The Village“) spielt trotz Management-Position eine letztendlich doch arg klassische Bitte-rettet-mich-ich-trage-High-Heels-Rolle – ein deutlicher Rückschritt gegenüber dem progressiven Auftreten von Laura Dern. Und Irrfan Khan („The Amazing Spider-Man“) strahlt als neuer Parkbesitzer nicht annähernd eine solche Begeisterungsfähigkeit aus wie einst Richard Attenborough, der schmerzlich vermisst wird, sobald man ihn als Statue im alten Besucherzentrum erspäht.

Fazit: 

Ein gut unterhaltender Sommerblockbuste mit tollen 3D Effekten und dem einen oder anderen Gag. Dafür vergeben wir 8 von 10 prehistorische Punkte. (mk)

Freitag, 12. Juni 2015

Spy - Susan Cooper undercover



Facts:

Genre: Action, Komödie
Regie: Paul Feig
Cast: Melissa McCarthy, Jason Statham, Jude Law


Laufzeit: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 

Susan Cooper (Melissa McCarthy) ist eine bescheidene CIA-Analystin, die ausschließlich am Schreibtisch arbeitet. Auch wenn sie damit für die eigentliche Planung der gefährlichen Missionen des Geheimdienstes verantwortlich ist, sind es die Agenten im Feldeinsatz, die anschließend die Lorbeeren für einen erfolgreich abgeschlossenen Job ernten und Susan bleibt weitgehend unbeachtet. Doch als ihr Partner Bradley Fine (Jude Law) den Machenschaften der schönen Raina Boyanov (Rose Byrne) und ihren Strippenziehern im Hintergrund zum Opfer fällt, meldet sich Susan kurzerhand freiwillig für einen heiklen Undercover-Einsatz. Bei diesem soll sie die Organisation eines gefährlichen Waffenhändlers infiltrieren und gleichzeitig wird ihr so die Möglichkeit geboten, Vergeltung für ihren Partner zu üben. In zum Teil unglamourösen Tarnungen, etwa als Katzenliebhaberin aus Iowa, erlebt Susan das Abenteuer ihres Lebens, bei dem sie zur Heldin der gefährlichsten Mission des CIA wird. 

Bewertung:

Wer Melissa McCarthy 2011 in ihrer oscarnominierten Rolle als schmerzbefreit-resolute Brautjungfer in „Brautalarm“ gesehen hat, dem muss sofort klargewesen sein: Die herzensgute Köchin aus „Gilmore Girls“ ist auf ihrem Weg zum Comedy-Superstar nicht mehr aufzuhalten! Aber auch wenn sich ihre Folgeprojekte „Voll abgezockt“, „Taffe Mädels“ und „Tammy“ an den Kinokassen allesamt als Hits erwiesen, waren wir kurz davor, die Geduld mit McCarthy zu verlieren – denn sonderlich lustig fanden wir keinen der Filme. Da kommt „Spy – Susan Cooper undercover“ gerade zum rechten Moment, denn die Agenten-Komödie von „Brautalarm“-Regisseur und „Ghostbusters“-Reboot-Maestro Paul Feig ist der Film, den wir uns schon nach ihrer Naturgewalt-Performance vor vier Jahren von McCarthy erhofft haben. In „Spy“ ist sie nicht nur liebenswürdig, schlagfertig, schwarzhumorig und saulustig, wir können ihr auch ruhigen Gewissens das denkbar größte Kompliment machen: Sie lässt sich nämlich selbst von Jude Law, Jason Statham und Rose Byrne nie an die Wand spielen – und die drei verkörpern hier immerhin drei der lustigsten Nebenfiguren der jüngeren Kinogeschichte.  

Paul Feig tut übrigens auch gut daran, Susan Cooper nicht als Schreibtischtäterin einzuführen, die völlig hilflos in das Agenten-Abenteuer taumelt. Stattdessen präsentiert er recht früh eine Rückblende, in der sie während ihrer Ausbildung bei einem Nahkampftraining völlig ausrastet und selbst ihren Anleiter problemlos aufs Kreuz legt. So legt der Regisseur den Grundstein für Action-Szenen, die zwar mit einem Augenzwinkern präsentiert werden, aber darüber hinaus auch einen echten Punch entwickeln. Gerade bei einer Küchenschlägerei inklusive durchstochener Hand macht Feig keine falschen Gefangenen - das R-Rating ist dem Film schon wegen McCarthys Fluch-Tiraden sicher, warum also in Sachen Gewalt noch Abstriche zugunsten einer Jugendfreigabe machen? So ätzt nun einem Mann in „Spy“ in Nahaufnahme der Kehlkopf weg und ein anderer wird brutal aufgespießt – solche Gore-Einlagen gäbe es in einem der PG-13-Bond-Filme jedenfalls definitiv nicht zu sehen.

Auch wenn es bis hierhin ein wenig so klingt, ist „Spy“ keinesfalls eine McCarthy-One-Woman-Show: Jude Law („Sherlock Holmes“) liefert eine grandios-schmierige 007-Parodie, während Szenendieb Jason Statham („Fast and Furious 7“) sein eigenes Dampframmen-Image mit einer Chuzpe durch den Kakao zieht, die wir ihm gar nicht zugetraut hätten. Dazu brilliert Rose Byrne („Bad Neighbors“) als superarrogante, von allem megaangeödete Blaublüterin, die mit ihren trocken-herablassenden Kommentaren selbst McCarthy in ihrem patentierten Beleidigungs-Dauerfeuer-Modus Paroli bieten kann. Dass Miranda Hart („Miranda“) als Susans Kollegin, Morena Baccarin („Homeland“) als elegante Agentin und Bobby Cannavale („Blue Jasmine“) als Waffenschieber hingegen ziemlich blass bleiben, fällt bei so einer geballten Comedy-Power zum Glück kaum weiter auf.

Fazit: 

„Spy – Susan Cooper undercover“ ist keine doppelbödige 007-Meta-Spielerei wie zuletzt „Kingsman: The Secret Service“, sondern eine kerzengerade Action-Komödie – allerdings eine verdammt Lustige! Selten haben wir so viel gelacht und vergeben gut gelaunte 9 von 10 Punkte. (mk)