Facts:
Genre: Thriller
Regie: Baran bo Odar
Genre: Thriller
Regie: Baran bo Odar
Cast: Tom Schilling, Elyas M'Barek, Wotan Wilke Möhring
Laufzeit:
105 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Releasing
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Releasing
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| (c) Sony Pictures Releasing |
Inhalt:
Völlig neben der Spur stellt sich der Hacker Benjamin (Tom Schilling) der
Europol-Cybercrime-Expertin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm) und erzählt
ihr im Verhör seine Geschichte: Er wollte die die hübsche Studentin Marie
(Hannah Herzsprung) beeindrucken und hackte sich in Uni-Server, wurde aber erwischt.
Beim Ableisten der ihm für die Tat aufgebrummten Sozialstunden lernte er
den charismatischen Max (Elyas M’Barek) kennen, der mit ihm die
Verehrung für das mysteriöse Hacker-Idol MRX teilt. Mit Max, dem
durchgeknallten Stephan (Wotan Wilke Möhring) und
Verschwörungstheoretiker Paul (Antoine Monot jr.) gründete Benjamin
schließlich das Hacker-Kollektiv CLAY.
Sie machten Social Engineering
zu ihrer bevorzugten Methode, denn nicht Computer oder Programme sind
die Schwachstelle, sondern der Mensch, der diese bedient. Zuerst waren
die CLAY-Aktionen vor allem spaßig, die Gruppe hat Nazis lächerlich
gemacht oder der Finanzwirtschaft den Mittelfinger gezeigt. Doch Max
hatte laut Benjamin immer höhere Ziele, er wollte, dass sein Idol MRX
auf ihn aufmerksam wird. So entwickelte das Quartett einen Coup, der
alles in den Schatten stellen sollte: eine Hackattacke auf den BND. Sie
ahnten nicht, dass sie dabei mit der russischen Cyber-Mafia ins Boot
stiegen. Kurz darauf gab es den ersten Toten… und nun sitzt Benjamin
völlig verängstigt vor Hanne Lindberg und liefert ihr Informationen, die
sie schon seit Jahren sucht. Doch ist seine unglaubliche Geschichte
wirklich wahr?
Bewertung:
Baran bo Odar wählt in „Who Am I – Kein System ist sicher“ für
eine fiktive Geschichte mit eher allgemeinen Bezügen zur realen Welt
einen ganz anderen Weg, der über weite Strecken ähnlich gut funktioniert
– jedenfalls was den Suspense angeht: Er setzt einen subjektiven
Erzähler ein, dem nicht hundertprozentig zu trauen ist. So hinterfragt
das Publikum das Geschehen immer wieder und der Film wird in seinem
Verlauf zunehmend von einer Atmosphäre der Unsicherheit und Ungewissheit
durchzogen. Um diese Stimmung zu etablieren, braucht Baran bo Odar
allerdings zu lange. Gerade das einleitende Porträt der Hauptfigur
Benjamin als von allen gehänselter Außenseiter wirkt bemüht und
redundant, zwischen tristem Alltag, hippen Partys und stylishen
Hacker-Treffen findet der Regisseur daneben lange Zeit keine klare
Linie. Die Einführung der weiteren Figuren ist zudem nicht gerade subtil
(jedem sind sofort seine wichtigsten Eigenschaften anzusehen) und wenn
sich Max und Benjamin während ihrer Sozialstunden in Müllarbeiteruniform
die Hacker-Vokabeln um die Ohren schmeißen, klingt das eher gestelzt
als glaubhaft.
Nach der sehr wechselhaften, teils langweiligen ersten halben Stunde findet Baran bo Odar zunehmend in die Geschichte und das liegt in erster Linie an zwei guten Ideen. Zum einen löst der Regisseur das Eingangs erwähnte Problem der filmischen Vermittlung eines äußerlich sehr öden Vorgangs, indem er CLAY Social Engineering betreiben lässt. Das ist so etwas wie die Action-Variante des Hackens, denn die vier Jungs sitzen nicht in ihrer Bude vor dem Computer, sondern sie sind direkt vor Ort. Sie täuschen Mitarbeiter, verschaffen sich unter falscher Identität Zugang zu ihren Zielen oder brechen auch mal in Nacht-und-Nebel-Aktionen dort ein, um an die angepeilten Rechner und Server physisch heranzukommen. So hat „Who Am I“ bisweilen mehr von einem Heist-Movie als von einem Computer-Thriller. Dazu findet der Regisseur einen durchaus naheliegenden, aber überzeugenden Weg, die Kommunikation zwischen verschiedenen Hackergruppen in virtuellen Untergrund-Chaträumen zu illustrieren. Als bildliche Entsprechung dient ihm ein dunkler U-Bahn-Waggon, in dem die Hacker sich treffen. Sie tragen Masken, da sie sich alle ja nur mit Tarnnamen kennen, und prahlen mit ihren Erfolgen.
Während bo Odar bei der Inszenierung einige frische Ideen hat, geht er bei der Story zu sehr auf Nummer sicher. Das mindert deutlich den Überraschungseffekt, denn die meisten Zuschauer dürften die gemeinten Filme relativ früh erkennen. Bo Odar versucht auch erst gar nicht, seine Vorbilder zu verbergen, sondern zitiert vielmehr fast wörtlich ihre Dialoge und einmal ist im Hintergrund sogar ein entlarvendes Filmplakat zu sehen. Ähnlich offensichtlich wie dieser nicht sehr originelle Umgang mit den berühmten Vorläufern ist auch die Besetzung der einzelnen Rollen in dem hochkarätigen Ensemble des Films: Jeder spielt hier genau den Typ, den er vorher schon öfter verkörpert hat.
Nach der sehr wechselhaften, teils langweiligen ersten halben Stunde findet Baran bo Odar zunehmend in die Geschichte und das liegt in erster Linie an zwei guten Ideen. Zum einen löst der Regisseur das Eingangs erwähnte Problem der filmischen Vermittlung eines äußerlich sehr öden Vorgangs, indem er CLAY Social Engineering betreiben lässt. Das ist so etwas wie die Action-Variante des Hackens, denn die vier Jungs sitzen nicht in ihrer Bude vor dem Computer, sondern sie sind direkt vor Ort. Sie täuschen Mitarbeiter, verschaffen sich unter falscher Identität Zugang zu ihren Zielen oder brechen auch mal in Nacht-und-Nebel-Aktionen dort ein, um an die angepeilten Rechner und Server physisch heranzukommen. So hat „Who Am I“ bisweilen mehr von einem Heist-Movie als von einem Computer-Thriller. Dazu findet der Regisseur einen durchaus naheliegenden, aber überzeugenden Weg, die Kommunikation zwischen verschiedenen Hackergruppen in virtuellen Untergrund-Chaträumen zu illustrieren. Als bildliche Entsprechung dient ihm ein dunkler U-Bahn-Waggon, in dem die Hacker sich treffen. Sie tragen Masken, da sie sich alle ja nur mit Tarnnamen kennen, und prahlen mit ihren Erfolgen.
Während bo Odar bei der Inszenierung einige frische Ideen hat, geht er bei der Story zu sehr auf Nummer sicher. Das mindert deutlich den Überraschungseffekt, denn die meisten Zuschauer dürften die gemeinten Filme relativ früh erkennen. Bo Odar versucht auch erst gar nicht, seine Vorbilder zu verbergen, sondern zitiert vielmehr fast wörtlich ihre Dialoge und einmal ist im Hintergrund sogar ein entlarvendes Filmplakat zu sehen. Ähnlich offensichtlich wie dieser nicht sehr originelle Umgang mit den berühmten Vorläufern ist auch die Besetzung der einzelnen Rollen in dem hochkarätigen Ensemble des Films: Jeder spielt hier genau den Typ, den er vorher schon öfter verkörpert hat.
Leider bleiben auch bei den
Schauspielern die Überraschungen aus: Tom Schilling spielt
einmal mehr den schüchternen Ziellosen und Elyas M’Barek ist natürlich der charismatische Frauenheld. Wotan Wilke Möhring wiederum darf als von Kopf bis Fuß (und sogar auf dem
Hintern) tätowierter Draufgänger mal wieder so richtig dem Affen Zucker
geben und hat dabei eine denkwürdige, im Hintergrund ablaufende
Tanzszene in roter Unterhose. Der mittlerweile fast mehr als „Tech-Nick“
aus der Werbung für eine Elektromarktkette als durch seine ernsthafte
Schauspielerei bekannte Antoine Monot jr. verkörpert
mit wildem Zauselbart noch am ehesten so etwas wie den Inbegriff des
typischen Nerds, während Hannah Herzsprung als Love Interest nur wenige Szenen hat.
Fazit:
„Who Am I – Kein System ist sicher“ ist trotz einiger Schwächen in der ersten Hälfte und in der Erzählweise ein vor
allem in der zweiten Filmhälfte durchaus sehenswerter, wendungsreicher
Thriller. Wir vergeben 6,5 von 10 Punkte. (mk)

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