Freitag, 31. Januar 2014

Mandela - Der lange Weg zur Freiheit



Facts:

Genre: Drama, Biografie
Regie: Justin Chadwick
Cast: Idris Elba, Naomie Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa, Zolani Mkiva
Laufzeit: 152 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Senator Filmverleih

(c) Senator Filmverleih

Inhalt:

Der Südafrikaner Nelson Mandela (Idris Elba) hegt schon während seines Jurastudiums großes Interesse am politischen Geschehen, setzt sich bald aktiv gegen die Apartheidspolitik in seiner Heimat ein und schließt sich 1944 der schwarzen Protestbewegung African National Congress (ANC) an. Nachdem die weißen Ordnungskräfte bei einer Kundgebung in Sharpeville 1960 zahlreiche unbewaffnete Demonstranten töten, setzt sich Mandela an die Spitze des bewaffneten Flügels des ANC, was ihn wiederum auf der Fahndungsliste des Regimes ganz nach oben katapultiert. Seine Verhaftung lässt nicht lange auf sich warten und im Juli 1964 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. Aber seinen Widerstand gibt er auch unter den schweren Bedingungen im Gefängnis auf Robben Island nicht auf. Unterstützt wird er von seiner zweiten Frau Winnie (Naomie Harris), die ihn allerdings zunächst mehrere Jahren nicht besuchen darf. Erst nach mehr als einem Vierteljahrhundert im Gefängnis wird Nelson Mandela schließlich entlassen und kann seinen Kampf gegen die Apartheid aktiv fortsetzen.

Bewertung: 

Er gilt neben dem 1968 ermordeten Martin Luther King als bedeutendster Kämpfer im globalen Feldzug gegen die Unterdrückung von Schwarzen und er hat mit der Überwindung der Apartheid einem neuen Südafrika den Weg bereitet – der zu Filmstart bereits 95-jährige Nelson Rolihlahla Mandela ist ohne Übertreibung eine der meistverehrten Persönlichkeiten des Planeten. So inspirierte sein Wirken und Leben auch schon mehrere Filme, aber bisher hat sich noch niemand an die große biografische Gesamtschau gewagt. An der versuchen sich nun Produzent Anant Singh und Regisseur Justin Chadwick, die sich für „Mandela - Der lange Weg zur Freiheit“ die 1994 erschienene 700-seitige Autobiografie des Freiheitskämpfers vorgenommen haben. 16 Jahre und 34 (!) Drehbuchfassungen benötigte Singh, ein persönlicher Bekannter Mandelas, um das Mammutprojekt zum Abschluss zu bringen, das sich im Lauf der Jahre zum teuersten südafrikanischen Film aller Zeiten entwickelte. Dabei mag „Mandela“ gerade auch durch den sehr persönlichen Blickwinkel des Produzenten mehr eine Hommage an seinen Titelhelden als eine kritische Würdigung geworden sein, eine hohle Beweihräucherung ist er trotzdem nicht. Das bildgewaltig-kraftvolle Biografie-Drama fesselt dabei vor allem durch beeindruckende visuelle Qualitäten und einen herausragenden Hauptdarsteller Idris Elba, der das legendäre Charisma und die starke Persönlichkeit Mandelas meisterhaft auf die Leinwand bringt.

Eine enorme Zeitspanne von mehr als 50 Jahren bewältigt Regisseur Justin Chadwick („Die Schwester der Königin“) in seinem Biopic „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ in zweieinhalb Kinostunden. Für einen solchen filmischen Kraftakt braucht es nicht nur Ausdauer und Disziplin, sondern auch starke Leitmotive und klare Schwerpunkte. In bisherigen Mandela-Filmen wie Bille Augusts „Goodbye Bafana“ (mit Dennis Haysbert) oder „Invictus“ von Clint Eastwood (mit Morgan Freeman) ging es von vornherein nur um einzelne Kapitel aus dem Leben Mandelas, während Chadwick die Herausforderung des großen Ganzen annimmt, dabei aber auch einen ganz deutlichen Akzent setzt, indem er insbesondere Mandelas Rolle als einer der größten politischen Aktivisten und Staatsmänner des vergangenen Jahrhunderts hervorhebt. Er würdigt die historische Lebensleistung des Freiheitskämpfers und Politikers, seinen maßgeblichen Beitrag zur Beendigung der absurden Rassentrennung in Südafrika, aber auch seine außerordentliche Fähigkeit zur Vergebung und seinen Einsatz für die Versöhnung zwischen weißen und schwarzen Südafrikanern - eine Annäherung, die damals von beiden Seiten für nahezu unmöglich gehalten wurde: Mandela, oder Madiba (so sein Clan-Name), hat den Friedensnobelpreis, den er 1993 erhielt, mit jeder Faser seines Körpers verdient und auch die Zukunftshoffnungen, die mit der Vergabe verbunden waren (anders als andere mit der Auszeichnung bedachte Persönlichkeiten), weitgehend erfüllen können.

In der ersten Stunde des Films hakt Chadwick etwas pflichtschuldig die wichtigsten Stationen im vorwiegend politischen Leben Mandelas bis zu seinem Haftantritt 1964 auf Robben Island im Takt nur wenige Minuten währender Sequenzen ab. Diese kurzen Episoden wirken in ihrer stakkatoartigen Abfolge etwas klinisch, das Publikum bekommt kaum eine Möglichkeit, emotional „anzudocken“. Letztlich lässt sich der faktenreiche Reigen aber auch einfach als ausführliche Exposition betrachten, als notwendiger Hintergrund für den eigentlichen Kern des Films – und für den nimmt sich Chadwick entsprechend mehr Zeit. Nun wird sein Film zur Charakterstudie eines außergewöhnlichen Mannes, der Regisseur zeigt uns ausführlich die Wandlung Mandelas vom „Bombenleger-Gandhi“, der gegen seine innere Überzeugung den Zweck auch die gewalttätigen Mittel heiligen lässt, zum Pazifisten und Menschenfreund. In den Gefängnisszenen bekommt die Figur schärfere Konturen und schließlich beginnt ein Prozess der Annäherung zwischen dem Häftling und seinen weißen Bewachern, die nun zunehmend individuelle und menschliche Züge bekommen, nachdem sie zuvor als ununterscheidbare Inkarnationen des Bösen inszeniert waren. Diese Dynamik wird mit Fingerspitzengefühl gezeichnet und so wirkt es fast wie ein Wunder, dass Mandela in 27 Jahren Haft nicht verzweifelt und verbittert ist, aber seine schwer errungene Haltung hat gerade in ihrer tiefen Menschlichkeit zugleich etwas geradezu Selbstverständliches.

„Mandela“ ist durchaus nicht frei von Überhöhung, schon mit dem alten Initiations-Ritual des Xhosa-Stammes ganz zu Beginn, bei dem der Titelheld symbolisch vom Jungen zum Mann wird, kündigt uns Chadwick gleichsam die Geburt eines Heilands an und später läuft die Geschichte ganz auf den Triumph der Freilassung Mandelas nach jahrzehntelangem Gefängnisaufenthalt sowie auf die Apotheose seiner Amtszeit als erster demokratisch gewählter Präsident aller Südafrikaner hinaus. Tatsächlich haben wir es hier mit einer klassischen Heldengeschichte zu tun, die gerade in ihrer Dramaturgie überaus konventionell angelegt ist. Dieses zuweilen etwas enge erzählerische Korsett sprengt der entfesselt aufspielende Idris Elba („Prometheus“, „Pacific Rim“) als Mandela jedoch immer wieder mühelos. Die „The Wire“-Ikone hat die nötige darstellerische Statur für diese schwierige, mit so vielen Vorstellungen und Erwartungen verbundene Rolle einer lebenden Legende. Aber Elba bringt uns nicht nur das Charisma und die Faszination der weltbekannten Persönlichkeit nahe, sondern porträtiert Mandela auch als Menschen mit Zweifeln und Schwächen und überzeugt eben auch in den ruhigen Momenten, in denen Zurückhaltung gefordert ist. Unterstützt wird seine überragende Darbietung durch die sensationelle Leistung der Make-Up-Künstler, die den Leinwand-Mandela in jeder Szene des Films dem jeweiligen Alter angemessen erscheinen lassen. Selten ist jemand auf der Leinwand so stimmig über so viele Jahre gealtert wie hier – und so entsteht ein inner- wie äußerlich glaubwürdiges und berührendes Porträt.

Im Vergleich zu ihrem Film-Ehemann altert die von Naomie Harris („Skyfall“) verkörperte Winnie Mandela über die Jahrzehnte kaum sichtbar. Sie spielt die einflussreiche zweite Gattin kraftvoll als wahre Furie, die in ihrer Wut kein Maß mehr findet und sich immer mehr von Mandela entfernt. Dabei kommt die ursprüngliche Attraktion zwischen den beiden etwas kurz, vielmehr erscheinen sie zunehmend als Gegenpole und Vertreter rivalisierender Strategien in der Widerstandsbewegung, was folgerichtig in der Scheidung mündet. Es liegt dabei fast in der Natur der Sache, dass im mächtigen Schatten Mandelas keine zweite Figur ähnliches Profil gewinnt. Wenn es neben dem Titelhelden hier einen zweiten Star gibt, dann sind es die Schauwerte des Films. Regisseur Justin Chadwick erreicht mit dieser südafrikanischen Produktion (Budget: 35 Millionen Dollar) Hollywood-Standard und muss sich mit seinen detailgenauen Dekors und der dynamischen Bildsprache nicht vor noch aufwändigeren Biopics wie „Ray“ oder „Aviator“ verstecken. Die jeweilige Handlungszeit wird überzeugend und unaufdringlich zum Leben erweckt, die Massenszenen, Demos und Krawalle wirken authentisch und elektrisierend, die Bildgestaltung von Kameramann Lol Crawley („Four Lions“) ist kraftvoll und modern. Besonders gegen Ende streut Chadwick dazu geschickt auch einige Originalaufnahmen ein - etwa vom 1988er Free-Mandela-Konzert im Londoner Wembley-Station – so dass „Mandela“ alles in allem trotz der inhaltlichen Konventionalität zu einem mitreißenden und lebendigen Historien-Drama wird.

Fazit: 

Der Südafrikaner Justin Chadwick setzt Nelson Mandela in dem klassischen Biopic-Drama „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ ein packendes filmisches Denkmal, das dem legendären Freiheitskämpfer tatsächlich gerecht wird - selbst wenn die Inszenierung oft sehr konventionell ausfällt. Für diese gelungene Umsetzung gibts 8,5 von 10 Punkte von uns. (mk)

Sonntag, 26. Januar 2014

I, Frankenstein 3D



Facts:

Genre: Action, Horror
Regie: Stuart Beattie
Cast: Yvonne Strahovski, Miranda Otto, Bill Nighy, Jai Courtney, Aaron Eckhart
Laufzeit: 93 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Splendid Film GmbH

(c) Splendid Film GmbH

Inhalt:

Einst erschuf der Wissenschaftler Dr. Victor Frankenstein (Aden Young) aus Leichenteilen ein menschenähnliches Wesen und erweckte es durch Stromstöße zum Leben. Inzwischen sind 200 Jahre vergangen, das Monster (Aaron Eckhart) wandert einsam durch die entlegensten Gegenden der Erde und meidet Gesellschaft. Als es von einer Gruppe Dämonen angegriffen wird, eilen ihm die Gargoyles zu Hilfe. Diese himmlischen Krieger beschützen die Menschen vor der Dämonenschar und ihrem Anführer Naberius (Bill Nighy). Der Finsterling will eine Zombie-Armee erschaffen, um die Menschheit zu versklaven und die Weltherrschaft zu übernehmen. Bisher sind die Experimente zur Wiedererweckung der Toten, an denen die Wissenschaftlerin Dr. Terra Wade (Yvonne Strahovski) für Naberius arbeitet, allerdings fehlgeschlagen. Der Ober-Dämon muss unbedingt das Geheimnis von Dr. Frankensteins Schöpfung lüften, damit er seine düsteren Pläne doch noch in die Tat umsetzen kann.

Bewertung:

In einer der berühmtesten Szenen aus James Whales Horror-Klassiker „Frankenstein“ von 1931 trifft das von Boris Karloff gespielte Monster am Ufer eines Sees auf das kleine Mädchen Maria. Sie freunden sich an und spielen mit Blumen, ehe das Geschehen eine herzzerreißend-tragische Wendung nimmt. Das von Dr. Frankenstein aus Leichenteilen zusammengesetzte und durch Elektrizität animierte Wesen erfährt Menschlichkeit und entdeckt sie in sich, aber es findet dennoch keinen Platz in unserer Welt. Dieses zeitlose Thema von  Mary Shelleys bereits vielfach verfilmtem Schauerroman, den Whale so unvergesslich auf die Leinwand gebracht hat, inspirierte den Autor, Schauspieler und „Underworld“-Co-Schöpfer Kevin Grevioux zu einer Art Fortsetzung der Geschichte in Form einer Graphic Novel. In ihr überlebt Frankenteins Kreatur, wird mehrere hundert Jahre alt und gerät zwischen die Fronten einer epischen Schlacht zwischen Gut und Böse - die Frage nach dem Menschlichen und was es ausmacht bleibt dabei ein zentrales Motiv. In der Filmversion des Comics (die Bearbeitung hat Grevioux gemeinsam mit Regisseur Stuart Beattie vorgenommen) wird der thematische Reichtum des Stoffes nun jedoch zugunsten einer Effektorgie in 3D vernachlässigt. Die ist zwar immerhin kurzweilig und visuell imponierend, aber die filmische Erzählung von der Suche nach einer Seele bleibt am Ende selbst seelenlos.  

Stuart Beattie und Kevin Grevioux erschaffen für ihre Fortschreibung des Frankenstein-Stoffes eine spektakuläre Fantasy-Welt  und bieten von der monumentalen, mit Kerzenlicht erleuchteten Kathedralen-Heimstatt der Gargoyles bis zur äußeren Erscheinung dieser majestätischen Menschheitsbeschützer und ihrer furchteinflößenden höllischen Widersacher jede Menge beeindruckender Schauwerte. Die Wesen, die hier im epischen Widerstreit liegen, besitzen zudem die Fähigkeit, sich zu verwandeln („Buffy“ lässt grüßen), was den Effektspezialisten ausgiebig Gelegenheit gibt, sich auszuzeichnen. Der Look des Films ist eine reizvolle Kombination aus Neo-Noir-Düsternis, High-Tech-Designs und Gothic-Chic mit einer Vorliebe für das Blau der Nacht, die sicher nicht ganz zufällig an das „Underworld“-Universum erinnert. Auch in der ebenfalls von Lakeshore produzierten Erfolgsreihe mit Kate Beckinsale (und Bill Nighy) bekriegen sich übernatürliche Mächte auf Erden, ohne dass deren menschliche Bewohner davon etwas ahnen – nur sind es diesmal keine Vampire und Lykaner, sondern Gargoyles und Dämonen. Die Menschen, um deren Wohl und Wehe hier so erbittert gerungen wird, kommen allerdings so gut wie gar nicht vor. Und dadurch fehlt dem zentralen Thema der Selbstfindung und endgültigen Menschwerdung von Frankensteins Kreatur – sie wird nicht umsonst auf den Namen Adam getauft – die erzählerische Unterfütterung.

Die einzige wichtige Menschenfigur ist die von Yvonne Strahovski („Chuck“, „Dexter“) gespielte Wissenschaftlerin, deren Stellvertreter-Funktion schon in ihrem Namen Terra (= Erde) deutlich wird. Sie leitet im Auftrag von Dr. Wessex (das ist die menschliche Tarn-Identität des Ober-Dämonen Naberius) die Reanimations-Experimente und wird von den Ereignissen schnell überrollt. Für moralische Fragen bleibt da abgesehen von Worthülsen keine Zeit, die  existenzielle Dimension des Ringens um die Seelen der Menschen zeigt sich nur einmal in einer kurzen Szene in einer Halle voller präparierter Leichen, die wiederbelebt werden und als Naberius' Monster-Armee die Menschheit unterwerfen sollen. Nun muss ein Genrefilm wie dieser sicher nicht unbedingt philosophische Tiefe besitzen, aber hier ist noch nicht einmal etwas von der Faszination und der Verführungskraft des Bösen spürbar – und das trotz der Besetzung der Rolle des teuflischen Schurken mit einem Könner wie Bill Nighy („Alles eine Frage der Zeit“). Nach einer vielversprechenden Einführung und einigen gelungenen Momenten zwischen süffisanter Belustigung und arroganter Ungeduld fällt die Fassade des scheinbar Übermächtigen auf überaus enttäuschende Weise zusammen.

Die breitgefächerten erzählerischen Erfahrungen, die Stuart Beattie als einer der Drehbuchautoren von Filmen wie dem ersten „Fluch der Karibik“ und „Collateral“ gesammelt hat, hinterlassen in „I, Frankenstein“ wenig Spuren. Ausstattung, Effekte, Beleuchtung, Sound und Action – alles das ist hier wichtiger als die Handlung und ihre Themen. So ist Adam mit seiner Langlebigkeit, seiner Regenerationsfähigkeit, seiner Kraft, seiner Schnelligkeit und seinem starken Willen weniger ein verlorenes Wesen, das seine Seele entdeckt, als ein übermenschlicher Außenseiter mit Superheldenpotenzial. Für ein angebliches Monster ist Aaron Eckhart, der hier nicht halb so furchteinflößend aussieht wie als Two-Face in „The Dark Knight“, schon äußerlich viel zu attraktiv und auch sonst kommen seine dunklen Seiten sehr kurz – von einer tiefgreifenden Wandlung kann jedenfalls keine Rede sein. In Ermangelung anderer schauspielerischer Herausforderungen stürzt der Star sich mit Eifer in die ausgedehnten Kampfsequenzen: Sein ausgiebiges Training mit dem Kali-Stock macht sich bezahlt und so erleben wir schließlich Frankenstein als Action-Helden.

Fazit: 

Stuart Beatties „I, Frankenstein“ ist eine visuell ansprechende und temporeich inszenierte Fantasy-Variation des berühmten Stoffes. Der mythologische Touch kommt deutlich zu kurz kommt und hätte der Gesamtatmosphäre sehr gut getan. Daher gibts nur gruselfreie 7 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 11. Januar 2014

Diana



Facts:

Genre: Drama, Biografie
Regie: Oliver Hirschbiegel
Cast: Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge, Geraldine James, Charles Edwards
Laufzeit: 113 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

(c) Concorde Filmverleih GmbH


Inhalt:

Im Jahr 1995 steht Prinzessin Diana (Naomi Watts) mehr denn je im Schlaglicht der Öffentlichkeit und wird auf Schritt und Tritt von Paparazzi verfolgt, die alle auf eine wertvolle Aufnahme der meisterfotografierten Frau der Welt hoffen. Obwohl sich die Princess of Wales nach außen hin stark zeigt und sich für zahlreiche humanitäre Projekte einsetzt, leidet die Noch-Frau des britischen Thronfolgers Charles unter dem öffentlichen Druck nach der Trennung. Doch dann trifft sie den Herzchirurgen Dr. Hasnat Khan (Naveen Andrews). Der ist von Dianas Ruhm unbeeindruckt, aber sie gewinnt dennoch seine Zuneigung und sie beginnen schließlich eine heimliche Liebesaffäre. Die gerät allerdings recht bald an das gleißende Licht der Öffentlichkeit, worunter vor allem Khan leidet, der den ganzen Rummel verabscheut und in Ruhe seiner Arbeit nachgehen will. Diana sucht zunehmend verzweifelt nach einer Möglichkeit, ihrer Liebe eine echte Chance geben zu können.

Bewertung:

Ein ganzes Königreich stürzte am 31. August 1997 in ein Trauma, als das Leben von Diana Frances Spencer, der Princess Of Wales und Frau des britischen Thronfolger Charles, an einem Tunnelpfeiler in Paris tragisch zerschellte. Bis in die Gegenwart ranken sich Verschwörungstheorien um den (Auto-)Unfall-Tod, der die gerade einmal 36 Jahre alte Lady Di in der Blüte ihrer Popularität ereilte. „Der Untergang“-Regisseur Oliver Hirschbiegel schildert in seinem Biografie-Drama „Diana“ nun die letzten zwei Jahre im Leben der „Königin der Herzen“, um über die Liebesbeziehung zu dem britisch-pakistanischen Herzchirurgen Dr. Hasnat Khan ihre gereifte Persönlichkeit zu entschlüsseln. Trotz der Beteiligung hochtalentierter Künstler auf allen Ebenen der Produktion erreicht er sein Ziel jedoch nicht. Durch die zuweilen seifenopernartige Inszenierung, die allzu oft seichten Dialoge und die schlichte Auslassung von wichtigen Aspekten fehlt seinem misslungenen Celebrity-Drama die Substanz. Der Aufschrei des Entsetzens, der nach der Premiere durch Großbritannien hallte (die Kritik war gnadenlos wie selten), hing aber auch stark damit zusammen, dass Hirschbiegel den Mythos Diana geradezu entzaubert. Sein Film ist weniger eine klassische Biografie als eine So-könnte-es-theoretisch-gewesen-sein-Romanze, in der Diana bei ihrer Suche nach dem wahren Leben oft genug als bestenfalls bauernschlaues Dummchen erscheint – und das sorgt bei ihren loyalen Bewunderern auf der Insel für besondere Verstimmung.

Ein Blick auf die Mitwirkenden vor und hinter der Kamera lässt bei „Diana“ eine prestigeträchtige Produktion über ein britisches Nationalheiligtum im Stile von renommierten Filmen wie „Die Queen“ oder „Die Eiserne Lady“ erwarten: Mit Oliver Hirschbiegel steht dem Projekt ein exzellenter Regisseur vor, Drehbuchautor Steven Jeffreys („The Libertine“) wird für seine Bühnenarbeiten gefeiert, Kameramann Rainer Klausmann (Hirschbiegels Stammkraft) ist ein Könner seines Fachs und über die Extraklasse der zweifach oscarnominierten Naomi Watts (für „21 Gramm“ und „The Impossible“) besteht ohnehin kein Zweifel. Und dennoch ist „Diana“ ein verunglückter Film. Hirschbiegel räumte ein, dass er zu Beginn keine sonderliche Begeisterung für die Titelfigur aufbrachte („Prinzessin Diana interessierte mich nicht“), ihn jedoch die Liebesgeschichte des Drehbuchs faszinierte, das Jeffreys sehr frei nach der Biografie „Diana: Her Last Love“ von Kate Snell verfasste. Dr. Hasnat Khan gab gegenüber der britischen Justiz zu, zwischen dem Spätsommer 1995 und Juni 1997 ein Verhältnis mit Lady Diana unterhalten zu haben, aber mehr war und ist aus seinem Munde zu diesem Thema nicht bekannt. Der Rest sind Erzählungen und Mutmaßungen aus Dianas Umfeld – eine Melange, aus der Jeffreys ein Drehbuch gezimmert hat, das sich als großer Schwachpunkt des Films herausstellt.

Natürlich kann man sich in einem biografischen Film durchaus mit künstlerischem Gewinn auf einzelne Episoden oder Lebensphasen konzentrieren – so wie hier auf die beiden letzten Jahre Dianas und die Khan-Affäre. Auslassungen sind unvermeidbar und Freiheiten erlaubt, doch was Hirschbiegel und Jeffreys machen, ist zumindest irritierend: Prinz Charles, immerhin Dianas damals amtierender Ehemann und Vater ihrer beiden Kinder, kommt nur einmal als Stimme im Fernsehen vor und sonst höchstens als flüchtige Referenz im Dialog. Ähnliches gilt für die geliebten Söhne William und Harry („die Jungs“), die einmal kurz von weitem einem Flugzeug entsteigend durchs Bild laufen – von der Diana-feindlichen Queen Elizabeth II. ganz zu schweigen. Hirschbiegel und Jeffreys sind offensichtlich nicht an einem umfassenden oder auch nur präzisen Porträt der historischen Persönlichkeit Diana interessiert und unterlaufen die Erwartungen an ein Biopic über diese ganz gezielt. Damit zeigen sie Risikobereitschaft, allerdings wirkt ihr alternativer Ansatz unausgereift. Sie legen „Diana“ als märchenhaft-eskapistische Romanze an, als eine recht lose in Fakten verankerte Fantasie über das Leben einer Prinzessin im Medienzeitalter, kommen dabei erzählerisch jedoch kaum über Gemeinplätze hinaus. Mit Schauplätzen rund um den Globus und mit schicken Aufnahmen von Yachten, Palästen und Luxushotels bieten sie eine attraktive Oberfläche, die emotionale Tiefe fehlt dem Geschehen indes.

Die Romanze zwischen der unglücklichen Prinzessin und dem edlen Arzt und Lebensretter inszeniert Hirschbiegel als weichgespülte Seifenoper im Kinoformat – Dianas zahlreiche weitere Affären finden kaum Erwähnung, dafür scheint die Begegnung mit dem rücksichtslos-idealistischen Khan die Adlige auf Abwegen erst so richtig zur engagierten Kämpferin für die gute humanistische Sache zu verwandeln. Die großen Gefühle wirken aufgesetzt, die Dialoge sind holprig, die Konflikte plump eingefädelt und die Figuren bleiben überaus oberflächlich. „Ich wusste nicht, dass man Hamburger selbstmachen kann“, gibt sich Diana in einer Szene erstaunt, als ihr Liebhaber ihr nach einem missratenen Kochversuch rät, stattdessen einfach Fast Food zuzubereiten. Dass Diana möglicherweise eine eher schlichte Frau war, die unter dem Ruhm und der Öffentlichkeit schwer zu leiden hatte, mag der Realität entsprechen, doch in „Diana“ erscheint sie zuweilen als geradezu dumm. Wie ein kleines, naives Mädchen himmelt sie den stolzen Khan an, der wiederum das Klischee des echten Kerls erfüllt, der auf Bier, Zigaretten, Fußball und Hamburger steht – und der genau weiß, was er will.

Prinzessin Diana ist vor allem im Vereinten Königreich eine Ikone – in diesem Film lässt sich allerdings kaum erahnen, warum sie so verehrt wird, viel von ihrem Charme verpufft einfach. Daran kann auch Naomi Watts, die für die ursprünglich vorgesehene Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) einsprang, kaum etwas ändern, obwohl sie sich nach Kräften müht und ihrer Figur zumindest einen Hauch von Komplexität und Geheimnis bewahrt. Der britisch-australische Hollywood-Star hat sich zwar die scheuen Gesten und den wenig royalen Akzent Dianas angeeignet und die Maskenbildner trimmen ihn auch äußerlich recht überzeugend auf Lady Di, doch die stärksten Momente hat Watts (und mit ihr der Film), wenn sie vom Korsett konkreter Vorstellungen und Erinnerungen befreit das Porträt einer Getriebenen zeichnen kann: Der Druck eines gläsernen Lebens und die ständige (Selbst-)Verpflichtung auf allerlei absurde Regeln und Erwartungen machen aus der Film-Diana eine widersprüchliche Figur, die unter der Kasernierung in ihrem Goldenen Käfig leidet, zugleich aber mit ihren Privilegien und ihrer Berühmtheit kokettiert. Sie sei eine Prinzessin und bekomme immer, was sie wolle, sagt sie an einer Stelle zu Khan, auch im Medienkrieg spielt sie eine aktive Rolle und geht sogar so weit, Paparazzi-Fotos selbst zu inszenieren und zu verbreiten. Diese Ambivalenz ist spannend, aber über vielversprechende Ansätze kommt Hirschbiegel nie hinaus.

In „Diana“ stecken Fragmente einer Studie über Berühmtheit und Öffentlichkeit, Einsamkeit und den Widerspruch zwischen Schein und Sein, dieser potentiell spannende Film ist jedoch weitgehend unter einer banalen und unglaubwürdig zusammenfabulierten Liebesgeschichte verschüttet, in der „Lost“-Star Naveen Andrews („Der englische Patient“) mit noch weniger Substanz arbeiten muss als seine Partnerin. Er hat keine Chance, seiner eindimensionalen Figur irgendeine interessante Färbung zu geben und muss sich mit holprigen Dialogen wie „Nicht du leitest die Operation, die Operation leitet dich“ herumschlagen. Das rückt „Diana“ gefährlich nah an das zweifelhafte Fahrwasser einer höchstens durchschnittlichen Rosamunde-Pilcher-Verfilmung und wenn Diana zu heiter-absurder Musik Khans vermüllte Bude quietschvergnügt auf Vordermann bürstet, stürzt der Film zwischendurch gar in die Gefilde unfreiwilliger Komik ab. Die Groschenheft-Verbindung zwischen Diana und Khan wird zur „Liebe ihres Lebens“ stilisiert, die Beziehung der Prinzessin zu dem Jet-Set-Millionär Dodi Al-Fayed (Cas Anvar), der mit Diana bei dem tragischen Autounfall im Pariser Tunnel umkam, ist dagegen laut Drehbuch nur eine vorgetäuschte Affäre, mit der Khan eifersüchtig gemacht werden sollte. Der arme Al-Fayed darf nicht einmal einen zusammenhängenden Satz sagen, er ist nur eine fast lächerlich wirkende Marionette in den Händen Dianas – und Hirschbiegel schießt einmal mehr deutlich über sein Ziel hinaus.

Fazit: 

Oliver Hirschbiegel wählte für sein Biopic „Diana“ einen extravagant-riskanten Ansatz und geht damit unter. Sein sentimental-romantisches Drama „Diana“ bietet hochspannenden Grundstoff, aber letztlich scheitert das kuriose Unternehmen trotz all des versammelten Talents spektakulär. Dafür gibts leider nur 3 von 10 adelsfreien Punkten. (mk)

Donnerstag, 2. Januar 2014

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty



Facts:

Genre: Drama, Komödie
Regie: Ben Stiller
Cast: Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn
Laufzeit: 114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Fox Deutschland

(c) Fox Deutschland

Inhalt:

Walter Mitty (Ben Stiller) führt ein zurückgezogenes Leben. Seit Jahren arbeitet er schon im Fotoarchiv des renommierten "Life!"-Magazins. Dem grauen Alltag versucht Walter durch Tagträume zu entfliehen, in denen er heldenhafte Abenteuer erlebt und die ganz große Liebe findet. Doch dann begegnet er seiner Kollegin Cheryl (Kristen Wiig) und plötzlich ist die große Liebe Realität geworden. Doch Walter traut sich nicht, seinen Schwarm anzusprechen. Als bekanntgegeben wird, dass das Magazin nur noch online erscheinen wird, läuft Walter Gefahr, auch noch seinen Job zu verlieren. Die letzte Print-Ausgabe des Magazins soll eine Aufnahme des bekannten "Life!"-Fotografen Sean O‘Connell (Sean Penn) zieren, doch ausgerechnet dieses Negativ ist verschwunden. Walter nimmt seinen ganzen Mut zusammen und begibt sich für seinen Job und seine große Liebe auf die Suche nach dem fehlenden Foto und damit auf ein Abenteuer, von dem er sonst immer nur geträumt hat.

Bewertung:

1939 veröffentlichte der amerikanische Humorist James Thurber seine Kurzgeschichte „The Secret Life Of Walter Mitty“, die bereits acht Jahre später unter der Regie von Norman Z. McLeod als „Das Doppelleben des Herrn Mitty“ ins Kino gebracht wurde. Während Thurber selbst seine Tagträumer-Fabel nicht wiedererkannte, wurde der Film vor allem wegen der typischen Slapstick- und Nonsens-Einlagen des Stars Danny Kaye ein kleiner Komödien-Klassiker. 1994 kamen schließlich konkrete Pläne für eine Neuverfilmung auf, doch das Projekt sollte für zwei Jahrzehnte in der Entwicklungshölle schmoren und ein selbst für Hollywood-Verhältnisse bemerkenswertes Besetzungs-Ping-Pong erleben. So waren für die Hauptrolle unter anderem Jim Carrey, Owen Wilson, Mike Myers, Sasha Baron Cohen und Will Ferrell im Gespräch, während wahlweise Steven Spielberg, Ron Howard oder Gore Verbinski auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollten. Diese turbulente Vorgeschichte ist dem nun tatsächlich fertigen Film indes nicht anzumerken, denn mit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ wuchtet Ben Stiller als Regisseur und Titelheld in Personalunion ohne Kompromisse seine ureigene Vision des Thurber-Stoffes auf die Leinwand. Er leugnet die heute nicht mehr ganz zeitgemäße Naivität der Vorlage nicht und setzt für den Genuss seines optimistischen Abenteuer-Märchens die Bereitschaft zur scham- und grenzenlosen Träumerei voraus - das geneigte Publikum nimmt er dafür mit auf einen herzerwärmenden Trip voller betörender Bilder.
 
 Nachdem sich die Kreativen der Traumfabrik 20 Jahre lang die Zähne an einer passenden Neu-Interpretation der „Mitty“-Story ausgebissen haben, kann auch Ben Stiller („Reality Bites“, „Meine Braut, ihr Vater und ich“) die Zweifel nicht sofort zerstreuen. Sein Film kommt zu Beginn nicht so recht in Gang, man glaubt zunächst es mit einer romantischen Komödie von der Stange und mit arg klischeelastiger Dutzendware zu tun zu haben. Aber die Einführung der schüchternen Hauptfigur Walter als von der Welt bestenfalls missverstandener, im Prinzip aber komplett ignorierter Außenseiter erweist sich bald als notwendige erzählerische Vorbereitung des folgenden Abenteuers. Erst durch sie wird der emotionale Quantensprung deutlich, den der Träumer Mitty vollführt, als er aus seinem Schneckenhaus in die große weite Welt hinauszieht. Mit dem Beginn von Walters Odyssee über Grönland, Island bis in den Himalaya hebt der Film dann sprichwörtlich ab und entwickelt einen atemberaubenden Sog. Kameramann Stuart Dryburgh („Das Piano“, „Bridget Jones“) vollbringt dabei nicht nur mit den perfekt arrangierten farbgesättigten Landschaftsaufnahmen der über den halben Erdball verstreuten Schauplätze wahre Wunder, sondern kreiert mit seinen präzise aufeinander abgestimmten Einstellungen auch tolle, phantasievolle Bildübergänge und befeuert mit ihnen immer wieder die melancholisch-träumerische Grundstimmung des Films.

Regisseur Stiller zeigt in seiner fünften Kinoarbeit beachtliche erzählerische Reife, der Ton der Geschichte verändert sich stetig, aber die Entwicklung erfolgt auf ganz selbstverständliche und schlüssige Weise. Nach dem nüchternen Grau der Einführung wird es immer abenteuerlicher und träumerischer – dabei entgleitet Walters unfreiwilliger Selbstfindungstrip nicht etwa ins abgehobene Reich der reinen Fantasy, sondern alles erscheint als ebenso kühnes wie organisches Weiterdenken und Auf-die-Spitze-Treiben der Realität. So behält das Märchen trotz aller Überhöhung die Bodenhaftung und entfaltet dadurch in vielen Momenten eine umso stärkere emotionale Wirkung. Auch der gelegentlich eingeflochtene rau-herzliche Humor driftet eben nicht in Klamauk ab (außer bei einem unsinnigen „Benjamin Button“-Zitat), sondern steht im Dienst der Geschichte, etwa wenn überaus treffend aalglatte, karrieregeile Business-Löwen karikiert (man achte auf: Adam „der Bart“ Scott) werden. Amüsant sind auch die Szenen, in denen Walter seine Skateboard-Künste demonstriert. Er ist ein echter Champion auf dem Board und das ist nicht nur das einzige, was an der grauen Maus Mitty auch nur annähernd cool ist, sondern es bringt auch immer wieder willkommene und spaßige Action in die Handlung.

Auch die Elemente der Erzählung, die man leichthin auf ihre dramaturgische Funktion reduzieren könnte, bekommen von Stiller eigenes Gewicht. Das gilt für die wiederkehrenden Telefonate des einsamen Singles Walter mit einer Partneragentur (genau hinhören, wer den eHarmony-Mitarbeiter spricht!) genauso wie für das ominöse fehlende Negativ und die Jagd nach Sean O’Connell, die es auslöst. Diese führt zu immer wahnwitzigeren Situationen und mündet schließlich in der herzenswärmsten Filmauflösung des Jahres – ein magischer Moment, in dem die Gefühle von fast zwei Stunden Film in einer einzigen Einstellung komprimiert werden. Die emotionale Wärme dieser Szene wäre ohne die überzeugend angelegte und einfühlsam gespielte Hauptfigur indes kaum denkbar. Walters Entwicklung mag extrem sein und von vornherein unumkehrbar scheinen, aber Ben Stiller macht den Spießer sympathisch und seine Wandlung nachvollziehbar. Daneben spielt der gewohnt extrovertierte Hasardeur Sean Penn („Milk“, „Mystic River“) als legendärer Fotograf zwar ein Phantom, aber seine kurzen Auftritte strotzen nur so vor Verwegenheit und er verleiht seiner zunächst so schematisch wirkenden Figur etwas unerwartet Großmütiges. Die radikal entblondete Komikerin Kristen Wiig („Brautalarm“, „Anchorman 2“) kann da nicht ganz mithalten, ihre Cheryl bleibt unterbelichtet und überraschend uncharmant. Deshalb köchelt die zarte Romanze zwischen Stiller und Wiig auch nur auf Sparflamme.

Fazit: 

„Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist nicht nur einer der bestfotografierten Filme des Jahres, sondern auch eine traumhaft optimistische Fabel darüber, dass es sich lohnt, die Gelegenheiten, die einem das Leben bietet, einfach beim Schopf zu packen: ein höchst eigensinniger, wunderbar wüster Film voll schrägen Charmes! Dafür vergeben wir traumhafte 9 von 10 Punkte zum Jahresbeginn. (mk)