Facts:
Genre: Drama, Komödie
Regie: Ben Stiller
Genre: Drama, Komödie
Regie: Ben Stiller
Cast: Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn
Laufzeit:
114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Fox Deutschland
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Fox Deutschland
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| (c) Fox Deutschland |
Inhalt:
Walter Mitty (Ben Stiller) führt ein zurückgezogenes Leben. Seit Jahren arbeitet er schon im Fotoarchiv des renommierten "Life!"-Magazins. Dem grauen Alltag versucht Walter durch Tagträume zu entfliehen, in denen er heldenhafte Abenteuer erlebt und die ganz große Liebe findet. Doch dann begegnet er seiner Kollegin Cheryl (Kristen Wiig) und plötzlich ist die große Liebe Realität geworden. Doch Walter traut sich nicht, seinen Schwarm anzusprechen. Als bekanntgegeben wird, dass das Magazin nur noch online erscheinen wird, läuft Walter Gefahr, auch noch seinen Job zu verlieren. Die letzte Print-Ausgabe des Magazins soll eine Aufnahme des bekannten "Life!"-Fotografen Sean O‘Connell (Sean Penn) zieren, doch ausgerechnet dieses Negativ ist verschwunden. Walter nimmt seinen ganzen Mut zusammen und begibt sich für seinen Job und seine große Liebe auf die Suche nach dem fehlenden Foto und damit auf ein Abenteuer, von dem er sonst immer nur geträumt hat.
Bewertung:
1939 veröffentlichte der amerikanische Humorist James Thurber seine
Kurzgeschichte „The Secret Life Of Walter Mitty“, die bereits acht Jahre
später unter der Regie von Norman Z. McLeod als „Das Doppelleben des Herrn Mitty“
ins Kino gebracht wurde. Während Thurber selbst seine Tagträumer-Fabel
nicht wiedererkannte, wurde der Film vor allem wegen der typischen
Slapstick- und Nonsens-Einlagen des Stars Danny Kaye ein kleiner
Komödien-Klassiker. 1994 kamen schließlich konkrete Pläne für eine
Neuverfilmung auf, doch das Projekt sollte für zwei Jahrzehnte in der
Entwicklungshölle schmoren und ein selbst für Hollywood-Verhältnisse
bemerkenswertes Besetzungs-Ping-Pong erleben. So waren für die
Hauptrolle unter anderem Jim Carrey, Owen Wilson, Mike Myers, Sasha
Baron Cohen und Will Ferrell im Gespräch, während wahlweise Steven
Spielberg, Ron Howard oder Gore Verbinski auf dem Regiestuhl Platz
nehmen sollten. Diese turbulente Vorgeschichte ist dem nun tatsächlich
fertigen Film indes nicht anzumerken, denn mit „Das erstaunliche Leben
des Walter Mitty“ wuchtet Ben Stiller als Regisseur und Titelheld in
Personalunion ohne Kompromisse seine ureigene Vision des Thurber-Stoffes
auf die Leinwand. Er leugnet die heute nicht mehr ganz zeitgemäße
Naivität der Vorlage nicht und setzt für den Genuss seines
optimistischen Abenteuer-Märchens die Bereitschaft zur scham- und
grenzenlosen Träumerei voraus - das geneigte Publikum nimmt er dafür mit
auf einen herzerwärmenden Trip voller betörender Bilder.
Nachdem sich die Kreativen der Traumfabrik 20 Jahre lang die Zähne an
einer passenden Neu-Interpretation der „Mitty“-Story ausgebissen haben,
kann auch Ben Stiller („Reality Bites“, „Meine Braut, ihr Vater und
ich“) die Zweifel nicht sofort zerstreuen. Sein Film kommt zu Beginn
nicht so recht in Gang, man glaubt zunächst es mit einer romantischen
Komödie von der Stange und mit arg klischeelastiger Dutzendware zu tun
zu haben. Aber die Einführung der schüchternen Hauptfigur Walter als von
der Welt bestenfalls missverstandener, im Prinzip aber komplett
ignorierter Außenseiter erweist sich bald als notwendige erzählerische
Vorbereitung des folgenden Abenteuers. Erst durch sie wird der
emotionale Quantensprung deutlich, den der Träumer Mitty vollführt, als
er aus seinem Schneckenhaus in die große weite Welt hinauszieht. Mit dem
Beginn von Walters Odyssee über Grönland, Island bis in den Himalaya
hebt der Film dann sprichwörtlich ab und entwickelt einen
atemberaubenden Sog. Kameramann Stuart Dryburgh („Das Piano“, „Bridget
Jones“) vollbringt dabei nicht nur mit den perfekt arrangierten
farbgesättigten Landschaftsaufnahmen der über den halben Erdball
verstreuten Schauplätze wahre Wunder, sondern kreiert mit seinen präzise
aufeinander abgestimmten Einstellungen auch tolle, phantasievolle
Bildübergänge und befeuert mit ihnen immer wieder die
melancholisch-träumerische Grundstimmung des Films.
Regisseur Stiller zeigt in seiner fünften Kinoarbeit beachtliche erzählerische Reife, der Ton der Geschichte verändert sich stetig, aber die Entwicklung erfolgt auf ganz selbstverständliche und schlüssige Weise. Nach dem nüchternen Grau der Einführung wird es immer abenteuerlicher und träumerischer – dabei entgleitet Walters unfreiwilliger Selbstfindungstrip nicht etwa ins abgehobene Reich der reinen Fantasy, sondern alles erscheint als ebenso kühnes wie organisches Weiterdenken und Auf-die-Spitze-Treiben der Realität. So behält das Märchen trotz aller Überhöhung die Bodenhaftung und entfaltet dadurch in vielen Momenten eine umso stärkere emotionale Wirkung. Auch der gelegentlich eingeflochtene rau-herzliche Humor driftet eben nicht in Klamauk ab (außer bei einem unsinnigen „Benjamin Button“-Zitat), sondern steht im Dienst der Geschichte, etwa wenn überaus treffend aalglatte, karrieregeile Business-Löwen karikiert (man achte auf: Adam „der Bart“ Scott) werden. Amüsant sind auch die Szenen, in denen Walter seine Skateboard-Künste demonstriert. Er ist ein echter Champion auf dem Board und das ist nicht nur das einzige, was an der grauen Maus Mitty auch nur annähernd cool ist, sondern es bringt auch immer wieder willkommene und spaßige Action in die Handlung.
Auch die Elemente der Erzählung, die man leichthin auf ihre dramaturgische Funktion reduzieren könnte, bekommen von Stiller eigenes Gewicht. Das gilt für die wiederkehrenden Telefonate des einsamen Singles Walter mit einer Partneragentur (genau hinhören, wer den eHarmony-Mitarbeiter spricht!) genauso wie für das ominöse fehlende Negativ und die Jagd nach Sean O’Connell, die es auslöst. Diese führt zu immer wahnwitzigeren Situationen und mündet schließlich in der herzenswärmsten Filmauflösung des Jahres – ein magischer Moment, in dem die Gefühle von fast zwei Stunden Film in einer einzigen Einstellung komprimiert werden. Die emotionale Wärme dieser Szene wäre ohne die überzeugend angelegte und einfühlsam gespielte Hauptfigur indes kaum denkbar. Walters Entwicklung mag extrem sein und von vornherein unumkehrbar scheinen, aber Ben Stiller macht den Spießer sympathisch und seine Wandlung nachvollziehbar. Daneben spielt der gewohnt extrovertierte Hasardeur Sean Penn („Milk“, „Mystic River“) als legendärer Fotograf zwar ein Phantom, aber seine kurzen Auftritte strotzen nur so vor Verwegenheit und er verleiht seiner zunächst so schematisch wirkenden Figur etwas unerwartet Großmütiges. Die radikal entblondete Komikerin Kristen Wiig („Brautalarm“, „Anchorman 2“) kann da nicht ganz mithalten, ihre Cheryl bleibt unterbelichtet und überraschend uncharmant. Deshalb köchelt die zarte Romanze zwischen Stiller und Wiig auch nur auf Sparflamme.
Fazit:
Regisseur Stiller zeigt in seiner fünften Kinoarbeit beachtliche erzählerische Reife, der Ton der Geschichte verändert sich stetig, aber die Entwicklung erfolgt auf ganz selbstverständliche und schlüssige Weise. Nach dem nüchternen Grau der Einführung wird es immer abenteuerlicher und träumerischer – dabei entgleitet Walters unfreiwilliger Selbstfindungstrip nicht etwa ins abgehobene Reich der reinen Fantasy, sondern alles erscheint als ebenso kühnes wie organisches Weiterdenken und Auf-die-Spitze-Treiben der Realität. So behält das Märchen trotz aller Überhöhung die Bodenhaftung und entfaltet dadurch in vielen Momenten eine umso stärkere emotionale Wirkung. Auch der gelegentlich eingeflochtene rau-herzliche Humor driftet eben nicht in Klamauk ab (außer bei einem unsinnigen „Benjamin Button“-Zitat), sondern steht im Dienst der Geschichte, etwa wenn überaus treffend aalglatte, karrieregeile Business-Löwen karikiert (man achte auf: Adam „der Bart“ Scott) werden. Amüsant sind auch die Szenen, in denen Walter seine Skateboard-Künste demonstriert. Er ist ein echter Champion auf dem Board und das ist nicht nur das einzige, was an der grauen Maus Mitty auch nur annähernd cool ist, sondern es bringt auch immer wieder willkommene und spaßige Action in die Handlung.
Auch die Elemente der Erzählung, die man leichthin auf ihre dramaturgische Funktion reduzieren könnte, bekommen von Stiller eigenes Gewicht. Das gilt für die wiederkehrenden Telefonate des einsamen Singles Walter mit einer Partneragentur (genau hinhören, wer den eHarmony-Mitarbeiter spricht!) genauso wie für das ominöse fehlende Negativ und die Jagd nach Sean O’Connell, die es auslöst. Diese führt zu immer wahnwitzigeren Situationen und mündet schließlich in der herzenswärmsten Filmauflösung des Jahres – ein magischer Moment, in dem die Gefühle von fast zwei Stunden Film in einer einzigen Einstellung komprimiert werden. Die emotionale Wärme dieser Szene wäre ohne die überzeugend angelegte und einfühlsam gespielte Hauptfigur indes kaum denkbar. Walters Entwicklung mag extrem sein und von vornherein unumkehrbar scheinen, aber Ben Stiller macht den Spießer sympathisch und seine Wandlung nachvollziehbar. Daneben spielt der gewohnt extrovertierte Hasardeur Sean Penn („Milk“, „Mystic River“) als legendärer Fotograf zwar ein Phantom, aber seine kurzen Auftritte strotzen nur so vor Verwegenheit und er verleiht seiner zunächst so schematisch wirkenden Figur etwas unerwartet Großmütiges. Die radikal entblondete Komikerin Kristen Wiig („Brautalarm“, „Anchorman 2“) kann da nicht ganz mithalten, ihre Cheryl bleibt unterbelichtet und überraschend uncharmant. Deshalb köchelt die zarte Romanze zwischen Stiller und Wiig auch nur auf Sparflamme.
Fazit:
„Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist nicht nur einer der
bestfotografierten Filme des Jahres, sondern auch eine traumhaft
optimistische Fabel darüber, dass es sich lohnt, die Gelegenheiten, die
einem das Leben bietet, einfach beim Schopf zu packen: ein höchst
eigensinniger, wunderbar wüster Film voll schrägen Charmes! Dafür vergeben wir traumhafte 9 von 10 Punkte zum Jahresbeginn. (mk)

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