Samstag, 11. Oktober 2014

The Salvation



Facts:

Genre: Western, Drama
Regie:
Kristian Levring
Cast: Mads Mikkelsen, Eva Green, Jeffrey Dean Morgan
Laufzeit: 163 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Concorde FilmVerleih GmbH

(c) Concorde FilmVerleih GmbH


Inhalt: 

Im Jahr 1864 haben die Brüder Jon (Mads Mikkelsen) und Peter (Mikael Persbrandt) den deutsch-dänischen Krieg hinter sich gelassen und sind nach Amerika ausgewandert. Im Wilden Westen haben sie sich eine neue Existenz aufgebaut, so dass Jon nun sieben Jahre später endlich seine Frau Marie (Nanna Øland Fabricius) und seinen kleinen Sohn Kresten (Toke Lars Bjarke) aus Dänemark nachholen kann. Doch schon in der Kutsche vom Bahnhof kommt es zur Tragödie: Gangster vergewaltigen und töten Marie, auch den Jungen bringen sie um, ehe Jon sie erschießen kann. Das wiederum erregt den Zorn des mächtigen Bandenchefs Delarue (Jeffrey Dean Morgan), denn einer der Toten war sein kleiner Bruder Paul (Michael Raymond-James). Delarue terrorisiert die ganze Gegend und verlangt in seinem Rachedurst von den Bewohnern des Örtchens Black Creek, dass sie zwei Bürger aus ihrer Mitte auswählen, die nach dem Auge-um-Auge-Prinzip ebenfalls ihr Leben lassen sollen. Als die so eingeschüchterten Einheimischen erfahren, dass Jon für den Tod von Delarues Männern verantwortlich ist, liefern sie ihn dem Banditen ans Messer. Der ehemalige Soldat muss erneut zur Waffe greifen, wenn er überleben will…

Bewertung:

„The Salvation“ ist ein Film, der vor allem von seinen Bildern lebt. Hier werden Blicke ausgetauscht und nicht Dialoge. Von der Eröffnungsszene am Bahnhof mit dem schweigenden Einverständnis zwischen Jon und Peter bis zum finalen Showdown fallen nur wenige Worte, mit Delarues früh verwitweter Schwägerin Princess (Eva Green) gibt es sogar eine stumme Figur. Nur der Bandenboss selbst erweist sich als sehr redselig und durchbricht die Stille immer wieder. Die wenigen Dialoge werden dabei gekonnt genutzt, um Spannung zu erzeugen, wie etwa bei der Kutschfahrt zu Beginn: Auf der einen Seite sitzt Jon mit seiner Familie, ihnen gegenüber die beiden Banditen. Ein Wort gibt das andere, schnell wird die Stimmung feindselig, jede Äußerung kann die Situation eskalieren lassen, die Beleidigungen der Banditen gegenüber Marie, aber auch Jons dänische Anweisungen für seine Frau und seinen Sohn, mit denen er das Schlimmste verhindern will. Die intensive Szene ist ein vielversprechender Anfang für einen ungewöhnlichen Film, der sich in der Folge allerdings nicht immer auf gleicher Höhe bewegt.

Die Auseinandersetzung in der Kutsche gehört zu den wenigen Szenen, die in Innenräumen spielen. Die bevorzugten Schauplätze sind die staubige Prärie (gedreht wurde in Südafrika) und die verfallenen Ruinen der Geisterstadt, in der Delarue residiert und aus deren Boden das Öl hervorquillt. Dieses Setting liefert eindrucksvolle Aufnahmen und der Film ist dann am besten, wenn Regisseur Levring einfach die Bilder sprechen lässt: Da reicht ein einziger Kameraschwenk, um dem postkoitalen Beieinanderliegen von Delarue und Princess eine ganz neue Bedeutung zu geben. Da blendet die Sonne nicht nur die Protagonisten, sondern von der Kinoleinwand herab auch die Zuschauer. Und selten fasste eine einzige Einstellung einen Film so gut zusammen, wie hier die Ansicht einer ganzen Batterie von Ölbohrtürmen. Doch so stark über weite Strecken die Bilder sind und so gut die stetige Akustik-Gitarren-Untermalung sowie das hörbare Flimmern der Hitze diese verstärken, so deutlich ist „The Salvation“ bisweilen auch anzusehen, dass 10,5 Millionen Euro Budget doch nicht genug für Levrings Vorstellungen waren. Besonders deutlich tritt dies bei den Feuersbrünsten des Showdowns zutage, denn diese setzen dem Zuschauer fast so stark zu wie Jons Widersachern: Das CGI-Feuer sieht überaus künstlich aus, was bei einem Film, der so stark von seiner Atmosphäre lebt wie dieser, besonders störend ist.

In Western geht es sehr häufig um Pioniere, um neue Eroberungen und neue Errungenschaften, das ist in „The Salvation“ nicht anders. Levring und sein Co-Autor Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel“) erzählen im Hintergrund vom beginnenden Siegeszug eines neuen Rohstoffs: Öl sickert aus dem Boden. Viele wissen damit noch nichts anzufangen, andere glauben, dass sich damit viel Geld verdienen lässt und sind schon jetzt bereit, dafür über Leichen zu gehen. Auch wenn die Form in diesem Film oft wichtiger als der Inhalt zu sein scheint, steckt auch thematisch eine ganze Menge in „The Salvation“. Ob es die Andeutungen über Delarue sind, der als ehemaliger gefeierter Indianerschlächter in einer Welt, die immer zivilisierter wird, fürchten muss, keine Rolle mehr zu spielen oder die verschreckten Bewohner des Dorfes, die sich selbst in die Tasche lügen, es wird ein faszinierendes Geflecht von verborgenen Motivationen, verlorenen Träumen und bitteren Erkenntnissen angedeutet. Da sind etwa der Sheriff (Douglas Henshall), der zugleich auch der Priester ist, und der Bürgermeister (Jonathan Pryce), der zugleich als Totengräber fungiert. Immer wieder behaupten sie voller Überzeugung, dass sie zum Wohl des Ortes und seiner Einwohner handeln, doch am Ende versuchen alle nur die eigene Haut zu retten. Nicht ganz zufällig sind die einzigen Bürger, die sich wirklich einmal uneigennützig verhalten und bereit sind, ein Opfer zu bringen, eine greise alte Dame und ein junger Teenager.

Fazit:

Ein Western made in Dänemark: stimmungsvoll, wortkarg und stilbewusst inszeniert. Wir vergeben für diesen stimmungsvollen Western made in Europe 7 von 10 Punkten. (mk)

Samstag, 4. Oktober 2014

Dracula Untold 3D



Facts:

Genre: Action, Fantasy
Regie: Gary Shore
Cast: Luke Evans, Sarah Gadon, Dominic Cooper
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

Der transsilvanische Prinz Vlad Tepes III (Luke Evans) hat seinem Land eine ungewöhnlich lange Periode des Friedens beschert, als der machthungrige Sultan Mehmed II (Dominic Cooper) von ihm verlangt, 1.000 transsilvanische Jünglinge zur Unterstützung der osmanischen Armee herauszugeben. Was genau das für die Kinder bedeuten würde, davon zeugt der narbenübersäte Körper von Vlad, der die Tortur einst selbst über sich ergehen lassen musste und sich auf den Schlachtfeldern den Beinamen „der Pfähler“ erworben hat. Um seinem eigenen Erstgeborenen Ingeras (Art Parkinson) dieses Schicksal und seiner Frau Mirena (Sarah Gadon) den Verlust eines Sohnes zu ersparen, widersetzt sich Vlad der Forderung und provoziert einen Krieg. Doch die türkischen Truppen sind den transsilvanischen himmelhoch überlegen und so wendet sich Vlad einer uralten düsteren Macht zu, die es ihm ermöglichst, selbst riesige Armeen mit einem einzigen Handstreich zu besiegen. Allerdings muss er nun auch einem immer stärker werdenden Durst nach Menschenblut widerstehen, denn wenn er diesem innerhalb von drei Tagen auch nur einmal nachgibt, dann wird er seine Menschlichkeit für immer verlieren…

Bewertung:

Dieser Dracula ringt nicht nur mit der Frage, welcher holden Maid er als nächstes in den Nacken beißt. Stattdessen legt er aus eigenen Stücken seine Menschlichkeit ab, um weiterhin seine Familie schützen zu können: „Manchmal braucht die Welt keinen weiteren Helden, sondern ein Monster.“ Das ist der tieftragische Kern, den es für ein packendes Epos braucht, aber selbst wenn auf dem Papier alle nötigen Zutaten vorhanden zu sein scheinen, entwickelt die schicksalshafte Wandlung vom liebevollen Vater zum blutdürstenden Monster (und damit von Vlad Tepes zu Vlad Dracula) hier nicht den erwarteten emotionalen Punch. Dafür wird über die entscheidenden Passagen einfach zu rasch hinweggehuscht: Ab und zu sieht man zwar, wie sich Vlad verkneift, einen seiner Mitstreiter oder Widersacher zu beißen, aber wie hart das Ringen um sein letztes Fünkchen Menschlichkeit für ihn wirklich ist, kommt kaum rüber. Und als Vlads Leute mitbekommen, dass ihr Anführer inzwischen ein Vampir ist, holen sie zwar kurz in „Frankenstein“-Manier ihre Fackeln und Mistgabeln raus und formieren sich zum Lynchmob, aber nach einer (zudem wenig überzeugenden) Ansprache ihres untoten Prinzen ist dann auch direkt alles wieder gut.

Diese Schwächen haben übrigens ausdrücklich nichts mit Luke Evans zu tun. Der vor allem durch seine prominenten Nebenrollen bekanntgewordene Schauspieler beweist in seiner ersten Blockbuster-Hauptrolle nämlich direkt echte Leading-Man-Qualitäten! Selbst wenn er sich allein einer 100.000 Mann starken Armee in den Weg stellt, besitzt er die nötige selbstsichere Ausstrahlung, um das nur scheinbar ungleiche Duell nicht für eine einzige Sekunde lächerlich wirken zu lassen. An Evans‘ Seite gefällt auch die vielbeschäftigte Sarah Gadon, selbst wenn ihre Rolle als liebende Ehefrau weitestgehend darauf beschränkt ist, ihrem Mann unterstützend beizustehen. Eine herbe Enttäuschung ist hingegen Dominic Cooper, der als eroberungswütiger Sultan mit einem verunglückten türkischen Akzent kaum einen ernstzunehmenden Kontrahenten für Dracula abgibt.

Dass der Film einen emotional nicht wirklich packt, liegt übrigens nicht daran, dass die Macher lieber auf pure Monumental-Action als auf Drama und Gefühle setzen. Vielmehr kommt bei den stets recht schnell entschiedenen Kampfgetümmeln trotz der gigantischen osmanischen Armee nur selten echtes Epos-Feeling auf. Dafür zeigt Regisseur Shore im Rahmen der Schlachtsequenzen immer wieder kurze inszenatorische Kabinettstückchen, die ziemlich cool aussehen: So gibt es neben dem (schon im Trailer zu sehenden) Fledermausschwarm, den Vlad wie eine gigantische Faust krachend auf das feindliche Heer hinabsausen lässt, vor allem eine düster-verspielte Sequenz aus der Egoperspektive eines Soldaten, der nicht nur von einem Schwert durchbohrt wird und zu Boden geht, sondern anschließend im Sterben liegend auch noch in dem polierten Schwert wie in einem Spiegel mit ansehen muss, wie Vlad hinter ihm weiter seine Kameraden dezimiert.

Fazit:

„Dracula Untold“ ist mit seinen 92 Minuten schlicht zu kurz, um seinen eigenen Ansprüchen voll gerecht werden zu können. Dafür bietet er aber einige außergewöhnliche Fantasy-Schlachtszenen und Luke Evans empfiehlt sich nachdrücklich für weitere Blockbuster-Hauptrollen. Dennoch gefällt die Entwicklungsgeschichte und bekommt daher 7 von 10 blutige Punkte von uns. (mk)

Montag, 29. September 2014

Who Am I - Kein System ist sicher



Facts:

Genre: Thriller
Regie: Baran bo Odar
Cast: Tom Schilling, Elyas M'Barek, Wotan Wilke Möhring
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih:
Sony Pictures Releasing


(c) Sony Pictures Releasing

Inhalt: 

Völlig neben der Spur stellt sich der Hacker Benjamin (Tom Schilling) der Europol-Cybercrime-Expertin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm) und erzählt ihr im Verhör seine Geschichte: Er wollte die  die hübsche Studentin Marie (Hannah Herzsprung) beeindrucken und hackte sich in Uni-Server, wurde aber erwischt. Beim Ableisten der ihm für die Tat aufgebrummten Sozialstunden lernte er den charismatischen Max (Elyas M’Barek) kennen, der mit ihm die Verehrung für das mysteriöse Hacker-Idol MRX teilt. Mit Max, dem durchgeknallten Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Verschwörungstheoretiker Paul (Antoine Monot jr.) gründete Benjamin schließlich das Hacker-Kollektiv CLAY. 

Sie machten Social Engineering zu ihrer bevorzugten Methode, denn nicht Computer oder Programme sind die Schwachstelle, sondern der Mensch, der diese bedient. Zuerst waren die CLAY-Aktionen vor allem spaßig, die Gruppe hat Nazis lächerlich gemacht oder der Finanzwirtschaft den Mittelfinger gezeigt. Doch Max hatte laut Benjamin immer höhere Ziele, er wollte, dass sein Idol MRX auf ihn aufmerksam wird. So entwickelte das Quartett einen Coup, der alles in den Schatten stellen sollte: eine Hackattacke auf den BND. Sie ahnten nicht, dass sie dabei mit der russischen Cyber-Mafia ins Boot stiegen. Kurz darauf gab es den ersten Toten… und nun sitzt Benjamin völlig verängstigt vor Hanne Lindberg und liefert ihr Informationen, die sie schon seit Jahren sucht. Doch ist seine unglaubliche Geschichte wirklich wahr?

Bewertung:

Baran bo Odar wählt in „Who Am I – Kein System ist sicher“ für eine fiktive Geschichte mit eher allgemeinen Bezügen zur realen Welt einen ganz anderen Weg, der über weite Strecken ähnlich gut funktioniert – jedenfalls was den Suspense angeht: Er setzt einen subjektiven Erzähler ein, dem nicht hundertprozentig zu trauen ist. So hinterfragt das Publikum das Geschehen immer wieder und der Film wird in seinem Verlauf zunehmend von einer Atmosphäre der Unsicherheit und Ungewissheit durchzogen. Um diese Stimmung zu etablieren, braucht Baran bo Odar allerdings zu lange. Gerade das einleitende Porträt der Hauptfigur Benjamin als von allen gehänselter Außenseiter wirkt bemüht und redundant, zwischen tristem Alltag, hippen Partys und stylishen Hacker-Treffen findet der Regisseur daneben lange Zeit keine klare Linie. Die Einführung der weiteren Figuren ist zudem nicht gerade subtil (jedem sind sofort seine wichtigsten Eigenschaften anzusehen) und wenn sich Max und Benjamin während ihrer Sozialstunden in Müllarbeiteruniform die Hacker-Vokabeln um die Ohren schmeißen, klingt das eher gestelzt als glaubhaft.

Nach der sehr wechselhaften, teils langweiligen ersten halben Stunde findet Baran bo Odar zunehmend in die Geschichte und das liegt in erster Linie an zwei guten Ideen. Zum einen löst der Regisseur das Eingangs erwähnte Problem der filmischen Vermittlung eines äußerlich sehr öden Vorgangs, indem er CLAY Social Engineering betreiben lässt. Das ist so etwas wie die Action-Variante des Hackens, denn die vier Jungs sitzen nicht in ihrer Bude vor dem Computer, sondern sie sind direkt vor Ort. Sie täuschen Mitarbeiter, verschaffen sich unter falscher Identität Zugang zu ihren Zielen oder brechen auch mal in Nacht-und-Nebel-Aktionen dort ein, um an die angepeilten Rechner und Server physisch heranzukommen. So hat „Who Am I“ bisweilen mehr von einem Heist-Movie  als von einem Computer-Thriller. Dazu findet der Regisseur einen durchaus naheliegenden, aber überzeugenden Weg, die Kommunikation zwischen verschiedenen Hackergruppen in virtuellen Untergrund-Chaträumen zu illustrieren. Als bildliche Entsprechung dient ihm ein dunkler U-Bahn-Waggon, in dem die Hacker sich treffen. Sie tragen Masken, da sie sich alle ja nur mit Tarnnamen kennen, und prahlen mit ihren Erfolgen.

Während bo Odar bei der Inszenierung einige frische Ideen hat, geht er bei der Story zu sehr auf Nummer sicher. Das mindert deutlich den Überraschungseffekt, denn die meisten Zuschauer dürften die gemeinten Filme relativ früh erkennen. Bo Odar versucht auch erst gar nicht, seine Vorbilder zu verbergen, sondern zitiert vielmehr fast wörtlich ihre Dialoge und einmal ist im Hintergrund sogar ein entlarvendes Filmplakat zu sehen. Ähnlich offensichtlich wie dieser nicht sehr originelle Umgang mit den berühmten Vorläufern ist auch die Besetzung der einzelnen Rollen in dem hochkarätigen Ensemble des Films: Jeder spielt hier genau den Typ, den er vorher schon öfter verkörpert hat.
 
Leider bleiben auch bei den Schauspielern die Überraschungen aus: Tom Schilling spielt einmal mehr den schüchternen Ziellosen und Elyas M’Barek ist natürlich der charismatische Frauenheld. Wotan Wilke Möhring wiederum darf als von Kopf bis Fuß (und sogar auf dem Hintern) tätowierter Draufgänger mal wieder so richtig dem Affen Zucker geben und hat dabei eine denkwürdige, im Hintergrund ablaufende Tanzszene in roter Unterhose. Der mittlerweile fast mehr als „Tech-Nick“ aus der Werbung für eine Elektromarktkette als durch seine ernsthafte Schauspielerei bekannte Antoine Monot jr. verkörpert mit wildem Zauselbart noch am ehesten so etwas wie den Inbegriff des typischen Nerds, während Hannah Herzsprung als Love Interest nur wenige Szenen hat.

Fazit:

„Who Am I – Kein System ist sicher“ ist trotz einiger Schwächen in der ersten Hälfte und in der Erzählweise ein vor allem in der zweiten Filmhälfte durchaus sehenswerter, wendungsreicher Thriller. Wir vergeben 6,5 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 20. September 2014

Sin City 2: A Dame To Kill For



Facts:

Genre: Action, Thriller, Drama
Regie: Frank Miller
Cast: Eva Green, Josh Brolin, Jessica Alba, Bruce Willis
Laufzeit: 102 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
Verleih: Splendid Film GmbH


(c) Splendid Film GmbH

Inhalt: 

Ohne Erinnerung an die vergangenen Stunden muss sich Marv (Mickey Rourke) mit einer Clique reicher Kids herumschlagen, die zum Vergnügen Obdachlose anzündet… Als sich seine Ex-Geliebte Ava Lord (Eva Green) bei ihm meldet, ist Privatdetektiv Dwight McCarthy (Josh Brolin) zunächst gar nicht begeistert, immerhin hat sie ihn einst für den Multimillionär Damien Lord (Morton Csokas) sitzen lassen. Aber Dwight kann wie alle Männer Avas Sexappeal einfach nicht widerstehen und lässt sich wider besseres Wissen doch auf ein Treffen ein: Ava bittet um Hilfe, weil ihr sadistischer Ehemann sie quält und sein Chauffeur Manute (Dennis Haysbert) sie auf Schritt und Tritt überwacht… Unterdessen demütigt der kecke Spieler Johnny (Joseph Gordon-Levitt) den größten Verbrecher von Sin City beim Pokern. Aber wer Senator Roark (Powers Boothe) derart bloßstellt, der muss anschließend auch mit den schmerzhaften Konsequenzen leben. Doch Johnny lässt sich nicht einmal von fünf gebrochenen Fingern und einer Kugel im Bein davon abhalten, seine Mission zu vollenden… Allerdings ist Johnny nicht der einzige, der mit Roark noch ein Hühnchen zu rupfen hat, auch die Stripperin Nancy Callahan (Jessica Alba) hat nur ein Ziel im Leben: den Verantwortlichen für den Tod von John Hartigan (Bruce Willis) zur Strecke zu bringen…

Bewertung:

In „Sin City“ hat Robert Rodriguez nach eigener Aussage noch hier und da ein wenig auf die Bremse getreten (etwa bei Nancy Callahan, die in der Graphic Novel noch runtergekommener ist und praktisch nur nackt rumläuft), weil er sich nicht sicher sein konnte, ob das Kinopublikum tatsächlich schon bereit für die volle Dröhnung Frank Miller ist. Aber nachdem der Film so begeistert aufgenommen wurde, gibt es in der Fortsetzung endgültig keine Kompromisse mehr, das wird schon in der Einstimmungs-Episode „Just Another Saturday Night“ deutlich: Fan-Favorit Marv hat diesmal gleich in drei von vier Geschichten große Auftritte und legt sich direkt zu Beginn mit einer Gruppe sadistischer Teenager an, denen er mithilfe der bis an die Zähne bewaffneten Prostituierten aus Old Town auf hemmungslos brutale Weise den Garaus macht – was in unserer Vorstellung vom Publikum bejubelt wurde. Nachdem „Sin City“ noch überwiegend sehr ernsthaft ausfiel und Frank Millers kranker Humor eher subtil mitschwang, gibt es in der Fortsetzung vor allem wegen der Extraportion Marv sehr viel mehr offensichtliche dunkelschwarze Pointen zum Losprusten.

Den größten Teil von „Sin City 2“ nimmt anschließend die titelgebende zweite Episode „A Dame To Kill For“ in Anspruch. Dass sich Eva Green nackt am Set sehr unsicher und sogar lächerlich gefühlt hat, wie sie uns bei der Pressekonferenz in L.A. verriet, ist ihrer bedrohlich-lasziven Darstellung der durch und durch verdorbenen Ava Lord jedenfalls nicht anzusehen. Und selbst wenn Josh Brolin als Dwight McCarthy, Dennis Haysbert als Manute und Christopher Meloni als Cop Mort für sie die dämlichsten Sachen anstellen – man(n) versteht trotzdem sofort, warum ihre Hirne bei Avas Anblick immer wieder aussetzen.

Für Rodriguez ist „Sin City“ keine Adaption, sondern eine Übersetzung der Graphic Novel – schließlich wollte er sie nicht an die Regeln eines gewöhnlichen Kinofilms anpassen, sondern sie möglichst exakt Panel für Panel auf die Leinwand übertragen. In „Sin City 2“ ist das nun ein wenig anders, denn zwei der Geschichten hat Frank Miller extra für den Film neu geschrieben, wobei ihm vor allem die Fortsetzung der tragischen Story der Stripperin Nancy Callahan in „The Fat Loss“ am Herzen lag: Jessica Alba („Machete“) mutiert darin glaubhaft vom von allen begehrten Opfer zur ihr Schicksal selbst in die Hand nehmenden Badass-Amazone und beweist zugleich, dass sie auch mit haufenweise neonweißen Narben im Gesicht immer noch umwerfend aussieht. Allerdings fällt hier auch auf, wie sehr die Figur John Hartigan in der Fortsetzung fehlt. Denn nun, wo Bruce Willis nach der letzten Schlag-in-die-Magengrube-Szene aus „Sin City“ nur noch Gastauftritte als Geist absolviert, fehlt dem Zuschauer eine echte Identifikationsfigur und es fällt schwerer, auch emotional in den Film einzusteigen.

Normalerweise kommt 3D ja meistens in Filmen zum Einsatz, in denen auf der Leinwand besonders viel los ist, also in Action-Krachern, Animations-Abenteuern oder Sci-Fi-Blockbustern. Aber nach „Sin City 2“ müssen wir feststellen, dass offensichtlich auch bei dieser Technik weniger mal wieder mehr bedeutet! Weil ein großer Teil der Bilder sowieso schwarz ist und es nur wenige sich vom dunklen Rest abhebende Details gibt, poppen diese viel deutlicher und kontrastreicher aus der Leinwand heraus, vor allem wenn in Sin City wie so oft mal wieder Schnee fällt. Und ein paar extra für 3D aufgemotzte Szenen gibt es dann noch als Zugabe obendrauf, zum Beispiel wenn Marv von einer wilden Verfolgungsjagd berichtet, während die rasenden Wagen um seinen Kopf herumschlittern.

Fazit:

Auch wenn die „Sin City“-Optik nicht mehr so überrascht wie beim ersten Mal, hat sich das lange Warten auf diesen sündigen Nachschlag für die meisten Kinobesucher gelohnt. Wir fanden das Kinoerlebnis etwas durchwachsen, wie es oft bei Fortsetzungen der Fall ist. Damit bleiben dann 6 von 10 Punkte übrig.