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Inhalt:
John Wick (Keanu Reeves) hat die Regeln aller Regeln gebrochen: Er hat den Mafia-Boss Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio) auf dem heiligen Boden des Continental Hotels getötet, weswegen sein Freund und Hotelchef Winston (Ian McShane) ihn aus der Killergemeinschaft ausschließen und ihm alle Rechte als Auftragskiller entziehen muss. Wick erhält von seinem alten Freund jedoch eine Stunde Zeit, bis sein Excommunicado offiziell ausgesprochen wird. Zeit, die der nun Ex-Auftragsmörder nutzt, um sich zu bewaffnen. Denn es sind immerhin auch 14 Millionen Dollar Kopfgeld auf ihn ausgesetzt und die Angreifer werden nicht lange auf sich warten lassen. Als Wick sich die Kopfgeldjäger tatsächlich kaum noch vom Leib halten kann, beschließt er, nicht nur die Stadt New York, sondern auch das Land zu verlassen. Indes leitet aber eine Richterin (Asia Kate Dillon) eine Untersuchung ein und beginnt Wick mithilfe des gewieften Killers Zero (Mark Dacascos) zu jagen. Doch sie jagt nicht nur den ohnehin flüchtigen Wick…
Bewertung:
„John Wick Forever“ – das ist das Motto von Keanu Reeves, wie er erst kürzlich in einem Interview verkündete. Er werde den so beliebten Auftragskiller so lange spielen, wie ihn das Publikum sehen wolle. Und das kann dauern. Während „John Wick“ mit 88 Millionen Dollar weltweitem Einspiel (bei einem Budget von 20 Millionen) ein kleiner Kinohit wurde, zahlte sich der Aufbau einer treuen Fangemeinde bei „John Wick: Kapitel 2“ finanziell aus – das Sequel holte 171 Millionen Dollar (bei einen Budget von 40 Millionen) rein. Heißt: „John Wick: Kapitel 3“ wird definitiv ein Geldbringer. Der Charakter ist mittlerweile nicht nur sehr bekannt, sondern auch Kult. Und vor allem ist „John Wick: Kapitel 3“ ein richtig starker Film, der den Fans mehr von den geliebten Zutaten der Vorgänger gibt und diese dabei zumeist einfallsreich variiert. Da der Hauptdarsteller bereits 54 Jahre alt ist, hat sein Wirken als kraftstrotzender Killer zwar ein Haltbarkeitsdatum, das aber bei Reeves nicht so schnell ablaufen wird, weil der Star so wie fit ist, wie sonst wahrscheinlich in der A-Liga nur Tom Cruise (56 Jahre alt), der in seinen „Mission: Impossible“-Filmen ähnlich Vollgas gibt.
Dass sich „John Wick“ im zweiten Aufguss immer noch frisch anfühlt, hat mehrere Gründe. Chad Stahelski, der den ersten Teil gemeinsam mit „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“-Regisseur David Leitch inszenierte, und danach allein weitermachte, baut mit seinem Drehbuchautoren-Team den Mythos dieser Unterwelt, in der Goldmünzen das logische Zahlungsmittel sind und die Waffen nicht extravagant genug sein können, sorgfältig und unfassbar stilvoll und supercool immer feiner aus. Das beginnt schon mit der herrlich altmodisch kommunizierten Ankündigung des Excommunicado. Der Zuschauer fühlt sich wie in einem Parallel-Universum, das direkt vor den Augen der normalen Welt existiert – man muss nur wie bei Bahnsteig 9 ¾ in der „Harry Potter“-Saga den richtigen Eingang finden. Dann gelangt man in ein Reich voller Pracht, Gewalt und Exzess. Der Ehrenkodex hält alles zusammen – und den hat John Wick verletzt, was einen nachhaltigen Konflikt auslöst. Denn von nun an ist er nirgends mehr sicher. Der Killer hat keinen Rückzugsort mehr, wie die treibenden ersten Minuten verdeutlichen, in denen gefühlt jeder zweite Mensch auf den New Yorker Straßen es auf ihn abgesehen hat.
In Sachen Action lässt sich Stahelski als Stunt-Spezialist eine Menge einfallen und variiert reichlich. Auf den brachialen ersten Nahkampf mit einem scheinbar übermächtigen Gegner in der edlen Bibliothek folgt so wenig später eine Schießerei und Messerstecherei in einem Museum, bei der die Kontrahenten mit letztem Überlebensinstinkt Vitrinen zertrümmern, um sich mit antiken Waffen zu töten. Sogar die seit dem ersten Teil legendäre Kopfschuss-aus-nächster-Nähe-Action bekommt eine neue Seite, als Wick von so schwer gepanzerten Gegnern angegriffen wird, dass seine bewährte Taktik nicht zum Erfolg führt. Da muss Wick dann die ganz schweren Geschütze auffahren, um die Köpfe seiner Kontrahenten wegzusprengen. Auch John Wick auf einer Verfolgungsjagd zu Pferd durch New York City muss man unbedingt gesehen haben. In dieser und den meisten weiteren Momenten schwingt immer eine unverkennbare Ironie mit (Wir sagen nur: „Ich brauche mehr Feuerkraft“), ohne die „John Wick“ bei all den ultrabrutalen Gemetzeln nur schwer zu ertragen wäre.
Eine zwischenzeitliche Luftveränderung, die den Antihelden nach Casablanca ins marokkanische Hotel Continental führt, ist allerdings nur eine nette Zwischenepisode, denn eigentlich will man ihn im Dunstkreis des New Yorker Gangster-Edelhotels sehen und nicht als „John Wick von Arabien“. Im exotischen Setting Nordafrikas hinterlässt Gaststar Halle Berry („Stirb an einem anderen Tag“) als widerspenstige, alte Freundin Sofia aber einen bleibenden Eindruck – das liegt vor allem an der herausragenden „Hunde-Sequenz“ (mehr sei hier nicht verraten), die Szenenapplaus verdient. Apropos Nebenfiguren: Die sind wieder einmal großartig. Besonders Ian McShane („American Gods“) als stilbesessener Hotelchef Winston, Asia Kate Dillon („Orange Is The New Black“) als hartnäckige Hohe-Kammer-Richterin, Lance Reddick als loyaler Congierge, Anjelica Huston als Mafia-Patin sowie Laurence Fishburne („Matrix“) als Unterweltboss Bowery King stechen heraus, weil diese schillernden Figuren wunderbar die Extravaganzen der Action spiegeln und die Atmosphäre verdichten. Die härtesten Handkanten schlägt aber Mark Dacascos als John Wicks Hauptgegner, wobei hier – anders als bei den Aufgezählten – der Charakter Zero kaum eine Rolle spielt, sondern nur dessen Physis.
Fazit:
Hammerharte Action, starke Figuren und viel Atmosphäre - mit dem intensiven und ideenreichen Kugelhagel „Kapitel 3“ hält Zeremonienmeister Chad Stahelski die „John Wick“-Reihe weiterhin auf der Höhe der Zeit.
Text (c) by MK

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