Mittwoch, 24. April 2019

Avengers - Endgame


(c) Walt Disney Germany



Inhalt:

Thanos (Josh Brolin) hat also tatsächlich Wort gehalten, seinen Plan in die Tat umgesetzt und die Hälfte allen Lebens im Universum ausgelöscht. Die Avengers? Machtlos. Iron Man (Robert Downey Jr.) und Nebula (Karen Gillan) sitzen auf dem Planeten Titan fest, während auf der Erde absolutes Chaos herrscht. Doch dann finden Captain America (Chris Evans) und die anderen überlebenden Helden auf der Erde heraus, dass Nick Fury (Samuel L. Jackson) vor den verheerenden Ereignissen gerade noch ein Notsignal absetzen konnte, um Verstärkung auf den Plan zu rufen. Die Superhelden-Gemeinschaft bekommt mit Captain Marvel (Brie Larson) kurzerhand tatkräftige Unterstützung im Kampf gegen ihren vermeintlich übermächtigen Widersacher. Und dann ist da auch noch Ant-Man (Paul Rudd), der wie aus dem Nichts auftaucht und sich der Truppe erneut anschließt, um die ganze Sache womöglich doch noch zu einem guten Ende zu bringen...


Bewertung:

Nach dem ungläubigen Schock, der einem beim Beobachten des allgemeinen Superhelden-Verwehens am Ende von „Infinity War“ unweigerlich in die Glieder gefahren ist, wird das Fingerschnipsen von Thanos in „Endgame“ noch einmal aus einer anderen Perspektive beleuchtet: Gleich in der perfekt gewählten Auftaktszene auf dem Bauernhof von Hawkeye (Jeremy Renner) und seiner Familie wird auf eindringliche Art verdeutlicht, was für ein niederschmetternder Schicksalsschlag wirklich für jeden einzelnen hinter dieser kosmischen Katastrophe steckt. Die erste halbe Stunde von „Endgame“ entpuppt sich dann auch als reine Trauerarbeit. Mit einem emotionalen, das letzte bisschen Hoffnung vaporisierenden Tiefpunkt für die Avengers, den in dieser Form wirklich niemand hat kommen sehen: Nach all der Vorarbeit entpuppt sich ausgerechnet der „Sieg“ über Thanos als der wohl unrühmlichste Moment in der Geschichte der Avengers, in dem sich selbst ein Thor trotz wütend geschwungener Riesenaxt als armes hilfloses Würstchen erweist.

Da bekommt man nach dem mit Action vollgestopften „Infinity War“ halt mal ein paar Minuten Zeit zum Durchatmen. Zeit genug ist ja, schließlich ist „Endgame“ der bisher klar längste Film im MCU (und es ist auch nicht davon auszugehen, dass dieser Rekord so bald gebrochen werden wird). Aber mit der Einschätzung, es handle sich bei der ersten Stunde bestimmt nur um die Ruhe vor dem Sturm, liegt man ganz schön daneben, denn die Russo-Brüder wahren auch anschließend eine gewisse, ebenso angenehme wie unerwartete Zurückhaltung. Statt sich dem puren Schauwerte-Bombast hinzugeben, hat „Endgame“ gemessen an der Gesamtlaufzeit so wenige Actionszenen wie kaum ein anderer Film aus dem MCU. Wir schätzen, dass man insgesamt nur auf eine gute halbe Stunde kommt, kurze Prügeleien inklusive.

Trotz der Trostlosigkeit der Situation haben die Macher übrigens keine Scheu davor, einige der Avengers in Sachen Humor endgültig völlig von der Leine zu lassen. Allen voran den Hulk Bruce Banner (Mark Ruffalo), der in seiner neuen, dauerhaften Zwitter-Identität die bisher beste Form für einen zuverlässigen Gag-Lieferanten gefunden hat: Statt mal genialer Wissenschaftler, mal grünes Muskelmonster, ist er jetzt beides auf einmal – und dieser wandelnde Widerspruch wird von den Autoren auch konsequent für trockenhumorige Pointen ausgeschlachtet. Besonders köstlich: Banners Versuch, sich als wütender Hulk auszugeben – woraufhin er am Rande der Schlacht von New York grandios-gelangweilt auf ein paar parkende Autos „einprügelt“. Mark Ruffalo versteht es halt, selbst in der Rolle eines grünen Riesen mit einem herrlichen Understatement zu glänzen. Wahrscheinlich sollte man ihm wirklich keinen eigenen MCU-Film widmen, denn er ist einfach der perfekte Sidekick und als solchen wollen wir ihn auch in Zukunft nicht missen.

Dabei sind viele der Gags gar nicht mal sonderlich anspruchsvoll, stattdessen geht es vornehmlich um Selfies, Popos und Plauzen. Aber was soll’s, solange die Pointen derart zuverlässig ihr Ziel treffen, ist das ja völlig egal. Und eine solche Trefferquote bei den Gags erreichen eben selbst die meisten ausgewiesenen Komödien nicht mal ansatzweise. Der schwierigste Spagat gelingt dabei übrigens Thor-Darsteller Chris Hemsworth: Der Donnergott ist nach seinem dreifachen Scheitern im Finale von „Thor 3“, im Finale von „Infinity War“ und nun bei der erneuten Konfrontation mit Thanos von Schuldgefühlen durchfressen. Aber im selben Moment präsentiert sich Comedy-Profi Hemsworth („Vacation, „Ghostbusters“) als saufende Superhelden-Parodie auf Jeff Bridges‘ Coen-Brüder-Kultfigur The Dude. Klingt nach keiner guten Kombination, aber selbst seine an Mobbing grenzenden Wutausbrüche beim „Fortnite“-Daddeln tun der tiefen Tragik seiner Figur keinen Abbruch. Eine gelungene Gratwanderung, die bei einem Absturz aber auch den ganzen Film ins Lächerliche hätte ziehen können.

Crossover haben speziell im Comic-Genre eine lange Tradition. Aber wer hätte gedacht, dass sich „Avengers 4“ letztendlich als Quasi-Crossover aus „Zurück in die Zukunft“ und „The Big Lebowski“ entpuppen wird? Denn nach dem emotionalen Wundenlecken mit beißendem Galgenhumor in der ersten Stunde entwickelt sich „Endgame“ in seinem Mittelteil zu einer intergalaktischen, interdimensionalen Superhelden-Version von „Ocean’s Eleven“. Um an die Infinity-Steine zu kommen, bevor sie sich Thanos an seinen Handschuh stecken kann, reisen die in Teams aufgeteilten Avengers zu verschiedenen Orten und Situationen aus früheren MCU-Filmen zurück. Hier zahlt sich die immense Vorarbeit in den bisherigen 21 Filmen der Reihe am deutlichsten aus.

Die Regie-Russos können hier eine schier unglaubliche Masse an bekannten Figuren und Situationen einsetzen, ohne sich dabei auch nur einen Deut um Exposition kümmern zu müssen. Wer gar keinen MCU-Film kennt, erlebt deshalb zumindest mal die Blockbuster-Version des Gefühls, in seine erste Folge „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ reinzuschalten. Da kommt man als Marvel-Kenner aus dem Staunen kaum noch raus, welche Stars und Figuren aus dem MCU noch alles für einen Cameo-Auftritt vorbeischauen. Der ultimative Fanservice: Nachdem das Finale von „Infinity War“ noch jedem Zuschauer gleichermaßen den Boden unter den Füßen weggezogen hat, wendet sich der Mittelteil von „Endgame“ nun speziell an die treuen Fans des MCU. Aber auch wenn man sich über jeden der kurzen Gastauftritte im ersten Moment freut, sind nicht alle für die Handlung des Films gleichermaßen wichtig. Manche kratzen zumindest an der Grenze zum bloßen Selbstzweck.

In diesem leider etwas ausgefransten Abschnitt, bei dem das Tempo – auch wegen der vielen Cameos - mitunter doch deutlich nachlässt, halten die Russos die etlichen Storyfäden zwar mit einer erstaunlichen Sicherheit zusammen. Aber eigentlich steht das Bangen um den positiven Ausgang der Mission hier eh nur an zweiter Stelle. Stattdessen gibt es viele starke Einzelmomente, die in jedem anderen MCU-Film als Höhepunkt durchgehen würden, aber hier fast schon im Minutentakt auf den Zuschauer einprasseln. Selbst wenn das ständige Hin-und-Her-Springen es nicht ganz leicht macht, überall gleichermaßen emotional involviert zu bleiben, sind die Figuren, Schauplätze und Genres in diesem Abschnitt einfach derart divers, dass trotz der MCU-Rekordlaufzeit dennoch nie Langeweile aufkommt.

Natürlich geht es dabei vordergründig darum, die Verwehten zurückzuholen. Aber den eigentlichen emotionalen Kern bilden dennoch die drei Stark-Generationen Tony Stark, sein Vater Howard (John Slattery) und seine Tochter Morgan. Dabei wird für Tony zu Beginn ein klassisches philosophisches Dilemma (ähnlich dem berühmten Trolley-Problem) eingeführt: Es sieht zunächst nämlich ganz so aus, als müsse er sich zwischen dem Leben seiner Tochter (wenn alles rückgängig gemacht wird, dann ja auch sie) und dem Leben der Trillionen von Thanos-Opfern (repräsentiert durch ein Foto von Peter Parker) entscheiden. Aber dann wird dieses etablierte Dilemma einfach fallengelassen – denn die Art und Weise, wie die Zeitreisemechanik schließlich funktioniert, hat eben auch zur Folge, dass sich Tony überhaupt nicht mehr entscheiden muss und der vorherige Aufbau ungenutzt verpufft. Es ist verständlich, dass den Russos dieser Aspekt am Ende womöglich doch zu düstern wurde und sie ihn deshalb ein wenig entschärft haben. Aber sie gehen an so vielen Stellen große Risiken ein, dann hätten sie es ruhig auch hier tun können.

Die einzige größere Action-Sequenz in „Avengers 4“ ist schließlich die finale Schlacht. Aber statt dort dann alles bisher im MCU Gesehene in den Schatten zu stellen, verursacht die Aufstellung der Kontrahenten (ein starkes Bild vor allem dank den feurigen Portalen von Dr. Strange und Wong) mehr Gänsehaut als das anschließende Superhelden-Gekloppe. Die eigentliche Schlacht ist nämlich auch nicht epischer als im Vorgänger und deshalb durchaus eine kleine Enttäuschung. Aber zu diesem Zeitpunkt ist man gedanklich eh schon halb bei den Abschlüssen, die die Russos für ihre mehr als 20 Superhelden bereithalten. Und auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein haben mag, als leide „Avengers 4“ an einem ähnlichen Zu-viele-Enden-Problem wie etwa „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“, muss man zurückschauend doch sagen: Wenn jedes einzelne Ende solch einen emotionalen Punch entwickelt wie hier, dann dürfen die Russos davon gerne beliebig viele aneinanderreihen.

„Avengers 4“ hinterlässt das MCU trotz der hochkarätigen Abgänge von Robert Downey Jr. und Chris Evans (Scarlett Johansson ist ja zumindest noch in ihrem eigenen Solo-Prequel dabei) in einem phänomenalen Zustand für die ungewisse Zukunft nach dem offiziell noch zu Phase 3 zählenden „Spider-Man: Far From Home“. Aber der Film selbst bringt tatsächlich erstmal, wie im Vorfeld ja auch schon vollmundig angekündigt, alle bisherigen 22 MCU-Filme zu einem gemeinsamen, großartigen Abschluss. Das Gefühl des Films spiegeln deshalb auch die vorab erschienenen Story-Trailer gar nicht so gut wider. Viel näher dran ist da schon die Vorschau, in der erst einmal auf die vorherigen 21 Filme zurückgeschaut und ihre Bedeutung für das MCU als Ganzes unterstrichen wird. Bei den Einblendungen der Avengers im Abspann ist deshalb auch noch einmal minutenlange Gänsehaut angesagt – und selbst der Post-Credit-Moment ist für diesen Anlass einfach perfekt gewählt.

 
Fazit: 
Joe und Anthony Russo haben mit „Avengers 4: Endgame“ einen Film geschaffen, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat – sie bringen 22 Filme auf einmal zu einem Abschluss, sicher nicht frei von Schwächen, aber trotzdem höchstbefriedigend.



Text (c) by MK

Dienstag, 16. April 2019

Hellboy - Call of Darkness


(c) Universum Film GmbH



Inhalt:

Der Halbdämon Hellboy (David Harbour) hat im Kampf gegen das Böse diesmal einen ganz besonderen Auftrag: Mit frisch geschärftem Schwert, seinen blutroten Hörnern und der legendären steinernen Faust muss er der mächtigen Hexe Nimue (Milla Jovovich) und dem Monster Gruagach Einhalt gebieten. Gemeinsam mit anderen mythischen Wesen wollen die beiden Tod und Zerstörung über die Welt der Menschen bringen. Doch um das zu schaffen, brauchen sie noch jemanden: Nämlich keinen geringeren als Hellboy! Im Gegensatz zu seinem gegenwärtigen Ziel, das Böse zu vernichten, war seine einstige Bestimmung, den Weltuntergang herbeizuführen. Doch sein Ziehvater Professor Broom (Ian McShane) holte ihn auf die gute Seite und setzte ihn als Spezial-Agent auf die Monster dieser Welt ein. Hellboy wird von Broom für einen wichtigen Auftrag nach London geschickt. Zeitgleich hinterlässt Nimue eine Schneise der Verwüstung in ganz England. Hellboy und seine Mitstreiter Anna (Sasha Lane) und Ben (Daniel Dae Kim) sehen sich plötzlich nicht nur mit einer völlig neuen Armee der Finsternis konfrontiert, sondern auch mit ihren eigenen Dämonen, die tief in ihnen schlummern...


Bewertung:

Bewunderer der vorherigen Verfilmungen werden im Reboot nicht allzu viel finden, was sie jenseits der Titelfigur und einiger Handlungsfragmente noch an die Annäherung von del Toro an die „Hellboy“-Saga erinnert. Wer sich schon damals mehr Nähe zur eher düster-brutalen Comic-Vorlage und somit mehr Horror als Fantasy gewünscht hat, kommt da schon viel eher auf seine Kosten. Mignolas Drehbuchidee zur Weiterführung der ersten beiden Teile wurde schließlich doch nicht verwendet. Man entschloss sich lieber, del Toros Vorarbeit komplett zu ignorieren und stattdessen mehr oder weniger von vorn zu beginnen. Der Erfinder der Story blieb der Produktion dennoch eng verbunden und las laut Presseheft jeden neuen Skriptentwurf, um den angeheuerten Autor Andrew Cosby ausführlich Feedback zu seiner Adaption von Elementen aus den „Hellboy“-Sammelbändern „Ruf der Finsternis“, „Die wilde Jagd“ und „Der Sturm“ zu geben. Der für seine offenen, auch schon mal kritischen Meinungsäußerungen bekannte Mignola lobte zudem ausdrücklich die Verpflichtung von Neil Marshall. Die macht auch tatsächlich Sinn, denn dank Kinoarbeiten wie „Dog Soldiers“ oder „Doomsday - Tag der Rache“ hat der Mann bereits ausgiebig Erfahrung mit apokalyptischen Horrorszenarien. Außerdem kennt er sich aufgrund von Einsätzen für TV-Serien wie „Game Of Thrones“ oder „Westworld“ mit ins Übernatürliche kippenden Dramen aus.

„Hellboy - Call Of Darkness“ hat dabei ein für vergleichbare Projekte fast schon mickriges Budget. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber das Forbes Magazine schätzt die Gesamtkosten des in Bulgarien und Südengland gedrehten Werks auf etwa 40 Millionen US-Dollar. Del Toro hatte die voraussichtlichen Kosten für seine Vision zu einem dritten Opus damals übrigens auf 120 Millionen taxiert – was dessen Chancen sicher nicht erhöhte. Das bescheidene Budget ist den insgesamt zumindest soliden Spezialeffekten zwar in einzelnen Szenen anzusehen, aber das Gros der Sequenzen findet ohnehin in eher dunklen Kulissen statt, in denen nicht immer alles haarklein detailliert sein muss. Zwei große Actionszenen (Hellboys Kampf mit einem Trio miesgelaunter Riesen in sonnendurchfluteter Landschaft und das große Finale in einer weißgetünchten Kirche) sind allerdings gut ausgeleuchtet und da sieht dann durchaus auch mal das eine oder andere Element wie aus einem Computerspiel aus.

Um es noch einmal klar zu sagen: Es handelt sich hier um einen Reboot, aber nicht um eine klassische Origin-Story. Als das Publikum den Höllenbengel trifft, ist er längst als Dämonen- und Monsterjäger etabliert. Es gibt zwar im weiteren Verlauf noch eine Rückblende zu seiner Ankunft auf der Erde – inklusive Nazis, Rasputin und allem Pipapo. Diese ist jedoch angenehm knapp und trägt geschickt zum besseren Verständnis der Ereignisse in der Gegenwart bei. Das Ganze wirkt insgesamt weit dreckiger, rauer und weniger verspielt als die Vorgänger, weil die Optik – zur Stimmung der Story passend – düsterer und erdiger gehalten ist. Auch gibt es kaum Ablenkungen in Form von augenzwinkernden Anspielungen auf andere Werke der Popkultur.

Abgesehen von einigen nicht zwingend nötigen Sub-Plots wie der mit einer weiteren Hexe oder die Auftritte von Monsterjäger-Kollege Lobster Johnson geht es im Reboot nun deutlich geradliniger zur Sache. Vor allem die Kämpfe und Showdowns mit den diversen Antagonisten muten längst nicht so übertrieben und ermüdend in die Länge gezogen an wie bei den meisten großen Comic-Verfilmungen. Gewalt und Gore kommen aufgrund explizit gezeigter Aktionen wie dem Wegreißen eines Unterkiefers, dem Abtrennen von Gliedmaßen oder der Häutung eines menschlichen Gesichtes sehr deftig daher. Die FSK-Bewertung ab 16 Jahren (statt ab 12 wie bei den Vorgängern) ist jedenfalls redlich verdient.

David Harbour überzeugt unterdessen vom ersten Auftritt an in der Titelrolle. Der Amerikaner legt den Part mit großer Autorität und erheblich wütender an als damals Perlman, dessen Hellboy immer einen eher resignierten, niedergeschlagenen Eindruck machte. Gemein ist ihnen hingegen der beißende Sarkasmus ihrer Oneliner. Wobei Harbour auch diese harscher rüberbringt als der Kollege. Umso größer ist dann der Effekt, wenn er zwischendurch auch mal seine sanftere Seite zeigt, allen voran in eigentlich allen Szenen, in denen Hellboy mit Alice interagiert.

Milla Jovovichs Spiel ist dagegen sehr eindimensional. Was auch damit zu tun hat, dass Nimue sich als eher langweilige Antagonistin entpuppt, die nur fies zu sein scheint, um, nun ja, fies zu sein. So bleibt dem „Resident Evil“-Star meist wenig anderes übrig, als aufreizend langsam zu sprechen und dabei sinister mit den Augen zu funkeln. Da wissen die Auftritte von Daniel Dae Kim („Lost“) und insbesondere der erfrischend emotional rüberkommenden Sasha Lane als Hellboys Helfer und Freunde schon besser zu gefallen. Dürfen sie doch – trotz jeweils begrenzter Screentime – Figuren mit mehr Tiefe und Ambivalenz verkörpern als Jovovich. Ian McShane schließlich ist auf seine übliche, trockene Art klasse wie immer. Als Professor Broom hat er ein paar berührende Momente mit seinem Ziehsohn, abseits davon aber leider auch nicht allzu viel zu tun.

Im Ganzen ist „Hellboy - Call Of Darkness“ unterhaltsam, wegen diverser Klischees und Plattitüden, speziell in den oft eher einfach gehaltenen Dialogen, aber längst auch nicht rundherum gelungen. Das liegt auch an den tiefschwarzen Humor-Einlagen. Viele Gags zünden zwar, wirken gelegentlich aber trotzdem deplatziert, weil sie den Zuschauer aus der Atmosphäre herauszerren. So hätte man sich letztlich eine noch ernsthaftere Interpretation des Stoffs gewünscht, die sich zu 100 Prozent dem gelungen-finster visualisierten Ambiente angleicht. Zum Finale der größtenteils flott vergehenden 121 Minuten wird dann noch ganz offen ein Sequel angeteasert. Dort wären dann noch mehr Konsequenz und Mut in Sachen Düsterkeit und Direktheit erstrebenswert.

 
Fazit: 
Der deutlich brutalere Reboot unterhält, ohne dabei restlos zu überzeugen. Sicherlich keine Enttäuschung, in einem angeteaserten Sequel wäre aber dennoch noch einige Luft nach oben.



Text (c) by MK

Freitag, 5. April 2019

Shazam!


(c) Warner Bros GmbH



Inhalt:

Der 14-jährige Billy Batson (Asher Angel) ist ein Waisenjunge und lebt bei einer Pflegefamilie. Doch als er eines Tages auf einen jahrhundertealten Magier (Djimon Hounsou) trifft, verleiht ihm dieser eine mysteriöse Macht. Fortan kann sich Billy, wenn er das Wort SHAZAM! ruft, in den erwachsenen Superhelden Shazam (Zachary Levi) verwandeln. Plötzlich steckt er nicht nur in dem Körper eines durchtrainierten Hünen, sondern hat nahezu gottgleiche Superkräfte. Überschwänglich und etwas leichtsinnig geht Billy daran, gemeinsam mit seinem Freund Freddy (Jack Dylan Grazer) seine neugewonnenen Fähigkeiten als Shazam auszuprobieren, und tatsächlich ist es gar nicht so einfach, Superstärke, Fliegen und Blitze zu kontrollieren. Doch bald muss er seine Kräfte für mehr einsetzen als die Schule zu schwänzen. Denn in der Gestalt von Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong) naht eine tödliche Gefahr und nur Billy kann den Bösewicht stoppen...


Bewertung:

An einer Stelle des Films belauern sich die vor der Skyline Philadelphias in der Luft schwebenden Shazam und Silvana mit einigen Kilometern Abstand. Aber bevor die Kontrahenten aufeinander zurasen und sich gegenseitig durch Hochhäuser rammen, hält Silvana noch eine dieser typischen Bösewicht-Ansprachen – nur versteht Shazam aus der Entfernung natürlich kein Wort. Ein ebenso cleverer wie amüsanter Seitenhieb auf den Kollegen Superman, bei dem solche luftigen Stand-offs zwar andauernd vorkommen, aber merkwürdigerweise nie zu solchen Kommunikationsproblemen führen. Trotzdem ist „Shazam!“ – anders als „Deadpool“ – nicht in erster Linie eine mit Meta-Elementen vollgestopfte Genreparodie. Stattdessen verwendet Regisseur David F. Sandberg zunächst einmal angenehm viel Zeit darauf, seinen jugendlichen Protagonisten und dessen neue Ersatzfamilie vorzustellen.

Die Schauspieler haben vor und während der Dreharbeiten so viel Zeit miteinander verbracht, dass sie sich selbst schließlich sogar den Namen „Shazamily“ gegeben haben. Das hört sich im ersten Moment natürlich nach dem üblichen Marketinggelaber an – aber selbst wenn, die Chemie zwischen den Mitgliedern der Pflegefamilie ist nichtsdestotrotz herausragend. Vor allem „Es“-Shootingstar Jack Dylan Grazer stiehlt als Billys neuer Bruder Freddy Freeman mit seinen trockenen Kommentaren immer wieder die Show – dabei hat er nicht nur keine Superkräfte, er geht wegen einer Gehbehinderung sogar an einer Krücke. Nach den ersten gut 20 Minuten von „Shazam!“ ist es einem fast egal, ob sich der Film nun noch zu einem Superheldenfilm entwickelt oder nicht, man möchte einfach nur mehr Zeit mit dieser Familie verbringen. Und aus diesem stabilen emotionalen Fundament heraus entwickeln dann auch die plötzlichen Superkräfte einen ganz anderen Punch...

Wenn sich etwa Brie Larson am Ende von „Captain Marvel“ den ihre Fähigkeiten unter Kontrolle haltenden Chip aus dem Nacken reißt und so noch viel mehr Kraft zur Verfügung hat, dann haut einen das nun wirklich nicht mehr vom Hocker. Sowieso spielen die Superkräfte im MCU wie im DCEU inzwischen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Bei „Shazam!“ ist das allerdings anders: Dank dem „Big“-Twist, dass hier ein Teenager nicht nur wie Spider-Man plötzlich über Kräfte verfügt, sondern in einem erwachsenen Superheldenkörper steckt, erlangen die Fähigkeiten plötzlich wieder eine ganz andere Bedeutung. Wobei die Gewichtung wiederum für allerlei amüsante Augenblicke sorgt: Für einen Teenager ist es eben auch schon ziemlich cool, Bier kaufen zu dürfen oder leere Handys in Sekundenschnelle aufladen zu können. Da sind eine kugelsichere Haut und übermenschliche Stärke nur noch nette Dreingaben...

Zachary Levi ist dabei der perfekte Mann für die Rolle als frischgebackenes Superhelden-Alter-Ego Shazam (der in den 1939 erstmals erschienen Comics übrigens noch Captain Marvel hieß, was inzwischen aus naheliegenden Gründen allerdings geändert wurde). Dass sich der eigentlich eher hagere „Chuck“-Star für den Part reichlich Muskeln antrainiert hat, ist dabei gar nicht mal in erster Linie für seine Glaubwürdigkeit als Superheld von Bedeutung – das hätte man allein mit Tricks beim Kostüm auch irgendwie hinbekommen. Aber man spürt einfach, dass Levi eigentlich nicht in diesen Bodybuilding-Körper hineingehört, auch er selbst sich erst einmal an die Muskelmassen gewöhnen muss. Damit geht es ihm genau wie Billy, der ja ebenfalls von einem Moment auf den nächsten mit einem völlig ungewohnten Körper klarkommen muss – und die die meist wunderbar trockenen Comedy-Elemente liegen dem schlagfertigen Schauspieler sowieso im Blut.

Die Actionsequenzen sind zwar trotz einem Budget von „nur“ 80 Millionen Dollar (halb so viel wie bei „Aquaman“) tricktechnisch auf der Höhe, aber meist dem Humor und der Charakterentwicklung untergeordnet. Mark Strong („Kick-Ass“) spielt einen typischen Comic-Bösewicht, den er vor allem mit seinem eigenen abgründigen Charisma auflädt, weil ihm das Drehbuch nicht viel mehr als Allmachtsfantasien zur Verfügung stellt. Wobei ein Gimmick dann doch sehr cool ist: Sivana verdankt seine Kraft den sieben Todsünden, die zuvor als versteinerte Gargoyles in Shazams Höhle herumstanden und die sich nun in seinem Körper eingenistet haben. Und sobald er die Dämonen aus sich herausschickt, um ihm beim Unheilanrichten zu helfen, ist der ausgewiesene Horror-Experte Sandberg merklich in seinem Element: Vor allem die Einstellung durch eine milchige Glasfassade bei einer blutig endenden Vorstandssitzung sticht als herrlich böse heraus.

Dass Billy im Körper von Shazam als Blitze verschießender Straßenkünstler auftritt, um die so verdienten Dollar anschließend in einem Stripclub zu verprassen, versprüht direkt einen gewissen „Lockere Geschäfte“-Vibe – und die Höhle des Zauberers erinnert sofort an die 80er-Fantasy-Ära von „Gremlins“ bis „Ghostbusters“. Auch wenn „Shazam!“ in der Gegenwart spielt, verkörpert er die Achtziger besser als „Captain Marvel“ die Neunziger, und dass, obwohl der Marvel-Konkurrent ja tatsächlich in diesem Jahrzehnt angesiedelt ist. Der Geist von Teen-Film-Guru John Hughes und Steven Spielbergs Amblin Entertainment ist in „Shazam!“ jederzeit präsent. Gut so.

Fazit: 
Schlagfertig. Berührend. Lustig. Ein Comic-Blockbuster für alle, die auch mal eine Auszeit vom stumpfen Aufrüstungswahn im Superhelden-Genre brauchen. 


Text (c) by MK