![]() |
| (c) Universum Film GmbH |
Inhalt:
Der Halbdämon Hellboy (David Harbour) hat im Kampf gegen das Böse diesmal einen ganz besonderen Auftrag: Mit frisch geschärftem Schwert, seinen blutroten Hörnern und der legendären steinernen Faust muss er der mächtigen Hexe Nimue (Milla Jovovich) und dem Monster Gruagach Einhalt gebieten. Gemeinsam mit anderen mythischen Wesen wollen die beiden Tod und Zerstörung über die Welt der Menschen bringen. Doch um das zu schaffen, brauchen sie noch jemanden: Nämlich keinen geringeren als Hellboy! Im Gegensatz zu seinem gegenwärtigen Ziel, das Böse zu vernichten, war seine einstige Bestimmung, den Weltuntergang herbeizuführen. Doch sein Ziehvater Professor Broom (Ian McShane) holte ihn auf die gute Seite und setzte ihn als Spezial-Agent auf die Monster dieser Welt ein. Hellboy wird von Broom für einen wichtigen Auftrag nach London geschickt. Zeitgleich hinterlässt Nimue eine Schneise der Verwüstung in ganz England. Hellboy und seine Mitstreiter Anna (Sasha Lane) und Ben (Daniel Dae Kim) sehen sich plötzlich nicht nur mit einer völlig neuen Armee der Finsternis konfrontiert, sondern auch mit ihren eigenen Dämonen, die tief in ihnen schlummern...
Bewertung:
Bewunderer der vorherigen Verfilmungen werden im Reboot nicht allzu viel finden, was sie jenseits der Titelfigur und einiger Handlungsfragmente noch an die Annäherung von del Toro an die „Hellboy“-Saga erinnert. Wer sich schon damals mehr Nähe zur eher düster-brutalen Comic-Vorlage und somit mehr Horror als Fantasy gewünscht hat, kommt da schon viel eher auf seine Kosten. Mignolas Drehbuchidee zur Weiterführung der ersten beiden Teile wurde schließlich doch nicht verwendet. Man entschloss sich lieber, del Toros Vorarbeit komplett zu ignorieren und stattdessen mehr oder weniger von vorn zu beginnen. Der Erfinder der Story blieb der Produktion dennoch eng verbunden und las laut Presseheft jeden neuen Skriptentwurf, um den angeheuerten Autor Andrew Cosby ausführlich Feedback zu seiner Adaption von Elementen aus den „Hellboy“-Sammelbändern „Ruf der Finsternis“, „Die wilde Jagd“ und „Der Sturm“ zu geben. Der für seine offenen, auch schon mal kritischen Meinungsäußerungen bekannte Mignola lobte zudem ausdrücklich die Verpflichtung von Neil Marshall. Die macht auch tatsächlich Sinn, denn dank Kinoarbeiten wie „Dog Soldiers“ oder „Doomsday - Tag der Rache“ hat der Mann bereits ausgiebig Erfahrung mit apokalyptischen Horrorszenarien. Außerdem kennt er sich aufgrund von Einsätzen für TV-Serien wie „Game Of Thrones“ oder „Westworld“ mit ins Übernatürliche kippenden Dramen aus.
„Hellboy - Call Of Darkness“ hat dabei ein für vergleichbare Projekte fast schon mickriges Budget. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber das Forbes Magazine schätzt die Gesamtkosten des in Bulgarien und Südengland gedrehten Werks auf etwa 40 Millionen US-Dollar. Del Toro hatte die voraussichtlichen Kosten für seine Vision zu einem dritten Opus damals übrigens auf 120 Millionen taxiert – was dessen Chancen sicher nicht erhöhte. Das bescheidene Budget ist den insgesamt zumindest soliden Spezialeffekten zwar in einzelnen Szenen anzusehen, aber das Gros der Sequenzen findet ohnehin in eher dunklen Kulissen statt, in denen nicht immer alles haarklein detailliert sein muss. Zwei große Actionszenen (Hellboys Kampf mit einem Trio miesgelaunter Riesen in sonnendurchfluteter Landschaft und das große Finale in einer weißgetünchten Kirche) sind allerdings gut ausgeleuchtet und da sieht dann durchaus auch mal das eine oder andere Element wie aus einem Computerspiel aus.
Um es noch einmal klar zu sagen: Es handelt sich hier um einen Reboot, aber nicht um eine klassische Origin-Story. Als das Publikum den Höllenbengel trifft, ist er längst als Dämonen- und Monsterjäger etabliert. Es gibt zwar im weiteren Verlauf noch eine Rückblende zu seiner Ankunft auf der Erde – inklusive Nazis, Rasputin und allem Pipapo. Diese ist jedoch angenehm knapp und trägt geschickt zum besseren Verständnis der Ereignisse in der Gegenwart bei. Das Ganze wirkt insgesamt weit dreckiger, rauer und weniger verspielt als die Vorgänger, weil die Optik – zur Stimmung der Story passend – düsterer und erdiger gehalten ist. Auch gibt es kaum Ablenkungen in Form von augenzwinkernden Anspielungen auf andere Werke der Popkultur.
Abgesehen von einigen nicht zwingend nötigen Sub-Plots wie der mit einer weiteren Hexe oder die Auftritte von Monsterjäger-Kollege Lobster Johnson geht es im Reboot nun deutlich geradliniger zur Sache. Vor allem die Kämpfe und Showdowns mit den diversen Antagonisten muten längst nicht so übertrieben und ermüdend in die Länge gezogen an wie bei den meisten großen Comic-Verfilmungen. Gewalt und Gore kommen aufgrund explizit gezeigter Aktionen wie dem Wegreißen eines Unterkiefers, dem Abtrennen von Gliedmaßen oder der Häutung eines menschlichen Gesichtes sehr deftig daher. Die FSK-Bewertung ab 16 Jahren (statt ab 12 wie bei den Vorgängern) ist jedenfalls redlich verdient.
David Harbour überzeugt unterdessen vom ersten Auftritt an in der Titelrolle. Der Amerikaner legt den Part mit großer Autorität und erheblich wütender an als damals Perlman, dessen Hellboy immer einen eher resignierten, niedergeschlagenen Eindruck machte. Gemein ist ihnen hingegen der beißende Sarkasmus ihrer Oneliner. Wobei Harbour auch diese harscher rüberbringt als der Kollege. Umso größer ist dann der Effekt, wenn er zwischendurch auch mal seine sanftere Seite zeigt, allen voran in eigentlich allen Szenen, in denen Hellboy mit Alice interagiert.
Milla Jovovichs Spiel ist dagegen sehr eindimensional. Was auch damit zu tun hat, dass Nimue sich als eher langweilige Antagonistin entpuppt, die nur fies zu sein scheint, um, nun ja, fies zu sein. So bleibt dem „Resident Evil“-Star meist wenig anderes übrig, als aufreizend langsam zu sprechen und dabei sinister mit den Augen zu funkeln. Da wissen die Auftritte von Daniel Dae Kim („Lost“) und insbesondere der erfrischend emotional rüberkommenden Sasha Lane als Hellboys Helfer und Freunde schon besser zu gefallen. Dürfen sie doch – trotz jeweils begrenzter Screentime – Figuren mit mehr Tiefe und Ambivalenz verkörpern als Jovovich. Ian McShane schließlich ist auf seine übliche, trockene Art klasse wie immer. Als Professor Broom hat er ein paar berührende Momente mit seinem Ziehsohn, abseits davon aber leider auch nicht allzu viel zu tun.
Im Ganzen ist „Hellboy - Call Of Darkness“ unterhaltsam, wegen diverser Klischees und Plattitüden, speziell in den oft eher einfach gehaltenen Dialogen, aber längst auch nicht rundherum gelungen. Das liegt auch an den tiefschwarzen Humor-Einlagen. Viele Gags zünden zwar, wirken gelegentlich aber trotzdem deplatziert, weil sie den Zuschauer aus der Atmosphäre herauszerren. So hätte man sich letztlich eine noch ernsthaftere Interpretation des Stoffs gewünscht, die sich zu 100 Prozent dem gelungen-finster visualisierten Ambiente angleicht. Zum Finale der größtenteils flott vergehenden 121 Minuten wird dann noch ganz offen ein Sequel angeteasert. Dort wären dann noch mehr Konsequenz und Mut in Sachen Düsterkeit und Direktheit erstrebenswert.
Fazit:
Der deutlich brutalere Reboot unterhält, ohne dabei restlos zu überzeugen. Sicherlich keine Enttäuschung, in einem angeteaserten Sequel wäre aber dennoch noch einige Luft nach oben.
Text (c) by MK

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen