Freitag, 30. November 2018

Der Grinch 2D


Facts:
Genre: Animation, Familie
Regie: Scott Mosier, Yarrow Cheney
Cast/Stimmen: Otto Walkes, Xara Eich, Alexander Doering
Laufzeit: 86 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany

(c) Universal Pictures Germany



Inhalt:
Der Grinch (Stimme im Original: Benedict Cumberbatch / deutsche Stimme: Otto Waalkes) ist ein grüner, zynischer Miesepeter, der gemeinsam mit seinem treuen Hund Max in einer Höhle oberhalb des Dörfchens Whoville lebt, wo man Weihnachten über alles liebt. Der Griesgram hasst jedoch das Weihnachtsfest mehr als alles andere und findet die ausgelassenen Feierlichkeiten der Dorfbewohner fürchterlich. Als das nächste Weihnachtsfest vor der Tür steht, hat der Grinch endgültig die Schnauze voll und beschließt, die Feierlichkeiten zu sabotieren und Weihnachten zu stehlen. Bei der Umsetzung seines diabolischen Plans trifft er auf die kleine Cindy-Lou, die an Heiligabend extra länger wachgeblieben ist, um den Weihnachtsmann zu treffen und ihm dafür zu danken, dass er ihre überarbeitete Mutter unterstützt. Und ihre guten Absichten drohen seine Pläne zunichte zu machen…


Bewertung:
Gerade in den USA sind die Geschichten von Dr. Seuss unglaublich populär, weshalb Verfilmungen fast immer sichere Hits sind. Daher verwundert es nicht, dass die „Minions“-Erfinder von Illumination mit „Der Grinch“ bereits ihre zweite Seuss-Adaption in die Kinos bringen. Schließlich erzielte „Der Lorax“ allein in den USA Einnahmen von mehr als 210 Millionen Dollar. Im Rest der Welt sind die Werke des deutschstämmigen Kinderbuchautors und Comiczeichners weniger verbreitet. Für „Der Lorax“ lösten so in Deutschland auch nur rund 480.000 Zuschauer ein Ticket. Und so verwundert es nicht, dass im neuen „Der Grinch“ von der Essenz der Vorlage nur noch der reimende Voice-Over übriggeblieben ist, sich die Macher sonst aber vor allem an gängigen Animations- und Familienfilmstandards orientieren, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit auf großen Anklang stoßen dürften.

Aus der das Weihnachtsfest abgrundtief verachtenden Titelfigur ist hier ein abgeschieden lebender Einzelgänger geworden, der schon während der ersten Versuche, das Fest der Dorfbewohner zu sabotieren, immer wieder mit sich hadert. Denn eigentlich würde er ja selbst nur zu gerne mitfeiern. Wo Jim Carreys Interpretation im Jahr 2000 zumindest teilweise furchteinflößend war, ist der animierte Grinch nun regelrecht weichgespült. Selbst im verschneiten Whoville hat niemand Angst vor ihm. Die Bewohner versuchen sogar immer wieder, ihn von der Schönheit des Weihnachtsfests zu überzeugen. Dies nimmt der ganzen Geschichte ihre emotionale Fallhöhe und spiegelt sich auch in der deutschen Synchronisation wider. Die Albernheit von Kultkomiker Otto Waalkes erinnert an seine Interpretation des Faultiers Sid in den „Ice Age“-Filmen und so fehlt ihm jegliche Spur von Gemeinheit, die die Figur eigentlich ausmacht. Selbst wenn er die Bewohner des Städtchens „ärgert“, klingt das eher schelmisch als bösartig.

Dass der Grinch wirklich Weihnachten zerstören will, ist so zu keinem Zeitpunkt zu spüren. Passend dazu erweisen sich die Vorbereitungen auf den großen Beutezug, bei dem sämtliche Geschenke und jeglicher Weihnachtsschmuck aus Whoville verschwinden sollen, ein reines Slapstick-Fest - und auch die tragische Hintergrundgeschichte des Protagonisten wird nahezu komplett ausgeblendet: Dass der Grinch einst ein Weihnachten alleine verbringen musste und seither nur negative Gedanken an das Fest hegt, ist den Drehbuchautoren Michael LaSieur  und Tommy Swerdlow  nur eine kurze, wenn auch gefühlvoll inszenierte Rückblende wert.

Der weichgewaschene Grinch ist dafür die meiste Zeit über aber richtig komisch, was vor allem an der Dynamik innerhalb eines sehr unkonventionellen Trios liegt: Dass die Titelfigur ihre Pläne diesmal gemeinsam mit seinem szenenstibitzenden Hund Max sowie einem faulen, gefräßigen Rentier in Angriff nimmt, sorgt für viele amüsante Szenen und gelungene Pointen. Im Zusammenspiel mit Max funktioniert auch die Entwicklung der Hauptfigur, die sich hier nach und nach ihre Gefühle eingestehen muss. Die parallel zu den Ereignissen in der Grinch-Höhle stattfindende Erzählung rund um die kleine Cindy-Lou, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich den Weihnachtsmann höchstpersönlich zu treffen, verläuft hingegen sehr viel schematischer – wie auch das obligatorische Aufeinandertreffen beider Figuren, bei dem dann wenige Worte genügen, um das Herz des Grinch – im wahrsten Sinne – dreimal größer werden zu lassen.

Was die optischen Details angeht, setzt „Der Grinch“ zumindest im Rahmen der Illumination-Produktionen neue Standards (auch wenn Pixar dann doch noch mal ein Stück weg ist): Das Design von Whoville mit all seinem Weihnachtsschmuck und den im Dunkeln funkelnden Lichtern ist schlichtweg atemberaubend. Dazu kommt das starke Figurendesign, auch wenn der Grinch selbst mit niedergeschlagener Miene immer ein klein wenig zu knuffig aussieht. Und so passen Optik, Humor und die zurückgedrängte fiese Seite der Titelfigur zumindest stimmig zusammen - und machen „Der Grinch“ zu einem familientauglichen Wohlfühlfilm.

Fazit: 
„Der Grinch“ besitzt nicht mal mehr ansatzweise die Ambivalenz der Vorlage, ist dafür aber ein sympathischer, lustiger Weihnachtsfilm für die ganze Familie. Dafür gibts leicht angegrünte 5 von 10 Punkte von uns. (mk)

Samstag, 17. November 2018

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen 3D


Facts:
Genre: Fantasy, Abenteuer
Regie: David Yates
Cast: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Folger
Laufzeit: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros. GmbH


(c) Warner Bros. GmbH



Inhalt:
Gellert Grindelwald (Johnny Depp), für dessen Verhaftung Newt Scamander (Eddie Redmayne) gesorgt hat, ist die Flucht gelungen. Und nicht nur das: Der Schurke hat zwischenzeitlich eine noch größere Anhängerschaft aus Zauberern um sich geschart, um seinen düsteren Plan umzusetzen, der die Vorherrschaft der reinblütigen Magier über die Muggel vorsieht. Einzig Grindelwalds ehemaliger Liebhaber Albus Dumbledore (Jude Law) wäre in der Lage, ihn zu stoppen, kann aber nicht selbst gegen Grindelwald vorgehen. Darum benötigt er die Hilfe seines früheren Schülers Scamander, der so in sein nächstes Abenteuer stürzt – und dieses Mal verschlägt es ihn nach Europa, genauer gesagt nach Paris. Denn dort ist der mysteriöse Credence (Ezra Miller) untergetaucht, den Grindelwald für sich gewinnen will. Newts Freundin Tina (Katherine Waterston) ist in Paris bereits auf der Suche nach dem Obscurial und als auch ihre Schwester Queenie (Alison Sudol) dorthin reist, brechen schließlich Newt und sein Freund, der Muggel Jacob Kowalski (Dan Fogler), ebenfalls Richtung Frankreich auf...


Bewertung:
Schon vor der Titeleinblendung wird deutlich: Der Ton ist in „Grindelwalds Verbrechen“ gegenüber „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ um ein Vielfaches schärfer. Grindelwalds Flucht aus dem Gefängnis nach Europa erweist sich als düster-brutale Verfolgungsjagd über den Wolken, bei der der Flüchtige wirklich alles unternimmt, um sich seiner Verfolger zu entledigen. Wenn hier knallend Blitze zucken und der Regen in Strömen vom Himmel prasselt, während Grindelwald ohne Rücksicht auf Verluste in die Dunkelheit entschwindet, dann ahnt man, dass der Filmtitel „Grindelwalds Verbrechen“ nicht ohne Bedacht gewählt ist: Es geht um die Schandtaten eines Schwerverbrechers, deren Ausmaße vielleicht noch nicht ganz an die eines Lord Voldemort heranreichen. Aber in Sachen Bösartigkeit kann es Grindelwald trotzdem locker mit seinem Nachfolger aufnehmen. Und mit Grindelwalds Traum von einer Welt, die von einer herrschenden Rasse dominiert wird, sind die bereits im ersten Film anklingenden, aktuellen weltpolitischen Töne auch in der Fortsetzung wieder deutlich zu vernehmen. Johnny Depp stellt sich dabei ganz in den Dienst dieser abgründigen Rolle: Er verkörpert den schneeweißen Magier ohne jedes Augenzwinkern, jede Poserei oder (pseudo-)coole Sprüche. So ernst und vor allem ernsthaft bedrohlich haben wir Depp lange nicht mehr gesehen. Willkommen zurück!

Neben den titelgebenden Verbrechen geht es natürlich auch im zweiten Teil weiterhin um Phantastische Tierwesen. Sie bilden ein willkommenes Gegengewicht zum düsteren Handlungsstrang rund um die Jagd nach Grindelwald. Es gilt etliche (neue) Tierwesen zu bestaunen, von denen der zuckersüße Maulwurf-Enten-Hybrid Niffler wieder einmal die meisten Blicke auf sich zieht. Aber anders als in vielen anderen Filmreihen, wo man die Sidekicks verstärkt in den Vordergrund rückt, wenn die Fans auf sie anspringen (ja, wir meinen die Minions!), verteilen die Macher die Aufmerksamkeit hier wieder sehr gleichmäßig auf alle möglichen Fabelwesen. Darüber hinaus sind die meisten ihrer Auftritte tatsächlich für den Fortlauf der Handlung relevant: Der Niffler ist nicht bloß mit von der Partie, weil er ganz besonders süß ist, sondern auch, weil er Newt und seinen Freunden in entscheidenden Momenten Hilfe leistet.

Die Szenen mit den teils wunderbar abgefahren designten Tieren sind aber nicht nur für ein jüngeres Publikum wichtig, um zwischen den aufregenden Kämpfen auch mal Gelegenheit zum Verschnaufen zu bekommen. Sie bilden auch tricktechnisch die größten Highlights. „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ fällt zwar auch auf visueller Ebene deutlich düsterer aus als der Vorgänger, aber das ändert nichts daran, dass es sich in den – im wahrsten Sinne des Wortes – phantastischen CGI-Effekten ganz wunderbar schwelgen lässt. Dank ihrer detailreichen Animation, beim Niffler bewegt sich etwa selbst die Nasenspitze um wenige Millimeter auf und ab (so süß!), sowie dem authentischen Schauspiel der mit ihnen agierenden Akteure glaubt man jederzeit, dass es all diese Wesen tatsächlich gibt. Und dann sind da ja auch noch die prunkvoll ausgestatteten Kulissen wie die einer Zirkusgemeinschaft in Paris, die allesamt so voller Leben stecken, dass es an allen Ecken und Enden immer was zum Staunen gibt, selbst wenn erzählerisch gerade nicht so viel passiert.

Das ist im Laufe der üppigen 134 Minuten gerade im Mittelteil immer mal wieder der Fall. „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ merkt man durchaus an, dass er eben nicht nur für sich steht, sondern zugleich auch das Bindeglied zwischen zwei anderen Filmen sein muss. Rowling legt sichtlich Wert darauf, ihre bereits im ersten Teil etablierten Figuren um möglichst viele neue Facetten zu erweitern. Das nimmt allerdings bisweilen etwas zu viel Zeit in Anspruch. So beleuchtet sie auch diesmal wieder ausgiebig das (auch amouröse) Privatleben von Newt und Co., was in seiner (noch) sehr oberflächlichen Betrachtung allerdings fast ein wenig seifenopernhaft wirkt. Parallel wird auch das aus den Potter-Filmen bereits vertraute Zauberer-Universum konsequent weiter ausgebaut. Den Höhepunkt bildet dabei eine Rückkehr nach Hogwarts - natürlich ganz stilecht zu John Williams‘ legendärem „Harry Potter“-Thema. Was genau es damit auf sich hat, wollen wir aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle allerdings ebensowenig verraten wie andere größere und kleinere Offenbarungen, die mit der Vergangenheit bereits aus früheren Filmen und Büchern bekannten Figuren zu tun haben.

Der bekannteste Rückkehrer ist dabei aber sicherlich Albus Dumbledore, den Jude Law sehr überzeugend als über alle Maßen loyalen Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste anlegt. Der liebenswürdige Duktus, das verschmitzte Funkeln in seinen Augen, das warmherzige Lächeln sowie der graue Bartansatz (!) machen aus Law einen absolut glaubwürdigen jungen Dumbledore, der schon lange vor Kinostart speziell aus einem Grund verstärkt in den Fokus der Berichterstattung rückte: Wird in „Phantastische Tierwesen 2“ nun auf Dumbledores sexuelle Orientierung verwiesen oder nicht? Tatsächlich könnte dieser Fakt für den Fortlauf der Handlung aber unwichtiger kaum sein. Denn Yates rückt in seinem Film vor allem die Loyalität des Zauberers gegenüber seinen Mitmenschen in den Mittelpunkt. Und diese hat gar nichts damit zu tun, ob Dumbledore nun schwul ist oder nicht.

Oscargewinner Eddie Redmayne scheint mit der Rolle des Newt Scamander unterdessen so etwas wie seine Bestimmung gefunden zu haben. Schon nach Teil eins hätte man sich keinen Besseren für die Figur des tapsigen Tierliebhabers vorstellen können. Diesmal gelingt es ihm aber sogar noch besser, auch die in sich gekehrte Seite seines Charakters zu betonen, der von den Ereignissen im Auftaktfilm sichtbar gezeichnet ist und trotzdem alles unternehmen will, um die Welt der Zauberer zu beschützen und seinen einstigen Mentor Dumbledore nicht zu enttäuschen. „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ weist nicht wie in ersten euphorischen Twitter-Postings angekündigt etliche große Wendungen auf. Aber er bleibt bis ganz zum Schluss angenehm unberechenbar und endet schließlich wieder mit einem saftigen Cliffhanger, der uns die Wartezeit bis November 2020 plötzlich ganz schrecklich lang erscheinen lässt.

Fazit: 
„Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ wagt sich in sehr viel düsterere Gefilde als sein Vorgänger – und tariert dabei süße Tierwesen und einen wahrhaft böshaften Johnny Depp stimmig miteinander aus. So macht die Fortsetzung trotz einiger Holprigkeiten gerade im Mittelteil absolut Lust auf den nächsten Teil – auch wegen des finalen Knalls, der Potter-Fans erst einmal den Boden unter den Füssen wegzieht. Auch nach dem zweiten Mal in Ov bleiben wir bei unserer Einschätzung und vergeben fabelhafte 9 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 3. November 2018

Der Nussknacker und die vier Reiche


Facts:
Genre: Fantasy, Familie
Regie: Lasse Hallströn, Joe Johnston
Cast: Mackenzie Fox, Keira Knightley, Hellen Mirren
Laufzeit: 99 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
London, Ende des 19. Jahrhunderts: Zu Weihnachten bekommt die aufgeweckte Clara (Mackenzie Foy) ein mechanisches Ei geschenkt, das ihr ihre kürzlich verstorbene Mutter Marie (Anna Madeley) hinterlassen hat. Leider kann Clara das Ei jedoch nicht öffnen, denn das geht nur mit einem speziellen Schlüssel – und den hat sie nicht. Doch auf der Weihnachtsparty ihres Patenonkels Drosselmeyer (Morgan Freeman) fällt er ihr urplötzlich in die Hände, nur um kurz darauf von einer frechen Maus stibitzt zu werden. Clara nimmt die Verfolgung des kleinen Nagers auf und landet dabei in einer magischen Welt, die aus vier Reichen besteht und in der ein Konflikt schwelt: Die Zuckerfee (Keira Knightley) will die Bewohner der Reiche vor der tyrannischen Mutter Gigeon (Helen Mirren) beschützen und stellt zu diesem Zwecke eine Armee aus lebendig gewordenen Zinnsoldaten auf, die gegen Gigeons Mäusearmee antreten sollen. Clara schließt sich der Zuckerfee an, vergisst dabei aber nicht ihre eigentlich Mission: den Schlüssel zu finden…


Bewertung:
Schon in den ersten zwei Minuten, wenn Clara auf dem Dachboden ihre Rube-Goldberg-Mausefalle ausprobiert, habe ich mir in meinen Notizen vermerkt, dass mich das an die legendäre Frühstücksmaschine aus Tim Burtons Komödien-Klassiker „Pee Wees irre Abenteuer“ erinnert. Und zumindest mit Tim Burton lag ich absolut richtig: „Der Nussknacker und die vier Reiche“ entpuppt sich anschließend nämlich als ziemlich schamloser, auf weihnachtlich getrimmter „Alice im Wunderland“-Abklatsch. Zwar hat Drehbuchautorin Ashleigh Powell in ihrem Skript Elemente sowohl aus der Erzählung „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ von E.T.A. Hoffmann sowie dem darauf aufbauenden weltberühmten Ballett „Der Nussknacker“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski verarbeitet, aber eine eigene Identität entwickelt der Film dennoch nicht. Stattdessen wirkt er wie die schlechte, kaum kohärente Kopie von etlichen Familien-Fantasy-Blockbustern der vergangenen zehn Jahre.

Nicht einmal eine längere Balletteinlage in der Mitte des Films versprüht hier die typische Disney-Magie. Stattdessen bringen die zahlreichen prominenten Nebendarsteller jeweils ihre eigene Art von Humor in den Film, was ihn am Ende völlig uneinheitlich erscheinen lässt: Während die britischen Stand-up-Komiker Omid Djalili und Jack Whitehall als überforderte Palastwachen herumkalauern, lässt Keira Knightley  als Zuckerfee auch immer mal doppeldeutige Innuendos einfließen. Sowieso schlägt Knightley hier auch darstellerisch völlig über alle Stränge, was man ihr aber gar nicht weiter verübeln mag, schließlich muss sie zwischendrin einige der miesesten Dialogzeilen des Kinojahres aufsagen. Die Auftritte der Oscarpreisträger Morgan Freeman (wirkt in seinen zwei Szenen halt irgendwie weise) und Helen Mirren (zumindest ihr „zerbrochenes“ Gesichts-Make-up ist ziemlich cool) sind sogar völlig verschenkt.

So bleiben am Schluss eigentlich nur einzelne gelungene Elemente wie etwa die Clowns von Mutter Gigeon, die erst wie bei einer Matrjoschka einer nach dem anderen auseinander rausspringen und dann wie Flummis durch die Gegend hüpfen. Oder die wuselige Animation des Mäusekönigs, der aus Tausenden von einzeln animierten Mäusen besteht und so durch den Wald stampft. Zugleich sind das beides aber auch Elemente, die ebenso gut aus einem surrealen Horrorfilm stammen könnten – die deutsche FSK ab 0 Jahren erscheint uns deshalb als zu niedrig. Aber man kann das kaum zusammenhängende Fantasy-Sammelsurium natürlich auch positiv sehen: Wer auf Disneys künstliches Verständnis einer perfekten Weihnacht steht, der kann sich hier 100 Minuten lang an den ebenso pompösen wie zuckersüßen Kulissen und Kostümen erlaben, ohne zwischendurch großartig von so etwas wie einem Plot abgelenkt zu werden.

Fazit: 
Nur die Ausstattung kann überzeugen. Davon abgesehen erweist sich Disneys diesjähriges Weihnachtsmärchen allerdings eine einzige große Enttäuschung. Dafür gibts dann auch wenig winterliche 3 von 10 Punkte. (mk)