Samstag, 3. November 2018

Der Nussknacker und die vier Reiche


Facts:
Genre: Fantasy, Familie
Regie: Lasse Hallströn, Joe Johnston
Cast: Mackenzie Fox, Keira Knightley, Hellen Mirren
Laufzeit: 99 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
London, Ende des 19. Jahrhunderts: Zu Weihnachten bekommt die aufgeweckte Clara (Mackenzie Foy) ein mechanisches Ei geschenkt, das ihr ihre kürzlich verstorbene Mutter Marie (Anna Madeley) hinterlassen hat. Leider kann Clara das Ei jedoch nicht öffnen, denn das geht nur mit einem speziellen Schlüssel – und den hat sie nicht. Doch auf der Weihnachtsparty ihres Patenonkels Drosselmeyer (Morgan Freeman) fällt er ihr urplötzlich in die Hände, nur um kurz darauf von einer frechen Maus stibitzt zu werden. Clara nimmt die Verfolgung des kleinen Nagers auf und landet dabei in einer magischen Welt, die aus vier Reichen besteht und in der ein Konflikt schwelt: Die Zuckerfee (Keira Knightley) will die Bewohner der Reiche vor der tyrannischen Mutter Gigeon (Helen Mirren) beschützen und stellt zu diesem Zwecke eine Armee aus lebendig gewordenen Zinnsoldaten auf, die gegen Gigeons Mäusearmee antreten sollen. Clara schließt sich der Zuckerfee an, vergisst dabei aber nicht ihre eigentlich Mission: den Schlüssel zu finden…


Bewertung:
Schon in den ersten zwei Minuten, wenn Clara auf dem Dachboden ihre Rube-Goldberg-Mausefalle ausprobiert, habe ich mir in meinen Notizen vermerkt, dass mich das an die legendäre Frühstücksmaschine aus Tim Burtons Komödien-Klassiker „Pee Wees irre Abenteuer“ erinnert. Und zumindest mit Tim Burton lag ich absolut richtig: „Der Nussknacker und die vier Reiche“ entpuppt sich anschließend nämlich als ziemlich schamloser, auf weihnachtlich getrimmter „Alice im Wunderland“-Abklatsch. Zwar hat Drehbuchautorin Ashleigh Powell in ihrem Skript Elemente sowohl aus der Erzählung „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ von E.T.A. Hoffmann sowie dem darauf aufbauenden weltberühmten Ballett „Der Nussknacker“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski verarbeitet, aber eine eigene Identität entwickelt der Film dennoch nicht. Stattdessen wirkt er wie die schlechte, kaum kohärente Kopie von etlichen Familien-Fantasy-Blockbustern der vergangenen zehn Jahre.

Nicht einmal eine längere Balletteinlage in der Mitte des Films versprüht hier die typische Disney-Magie. Stattdessen bringen die zahlreichen prominenten Nebendarsteller jeweils ihre eigene Art von Humor in den Film, was ihn am Ende völlig uneinheitlich erscheinen lässt: Während die britischen Stand-up-Komiker Omid Djalili und Jack Whitehall als überforderte Palastwachen herumkalauern, lässt Keira Knightley  als Zuckerfee auch immer mal doppeldeutige Innuendos einfließen. Sowieso schlägt Knightley hier auch darstellerisch völlig über alle Stränge, was man ihr aber gar nicht weiter verübeln mag, schließlich muss sie zwischendrin einige der miesesten Dialogzeilen des Kinojahres aufsagen. Die Auftritte der Oscarpreisträger Morgan Freeman (wirkt in seinen zwei Szenen halt irgendwie weise) und Helen Mirren (zumindest ihr „zerbrochenes“ Gesichts-Make-up ist ziemlich cool) sind sogar völlig verschenkt.

So bleiben am Schluss eigentlich nur einzelne gelungene Elemente wie etwa die Clowns von Mutter Gigeon, die erst wie bei einer Matrjoschka einer nach dem anderen auseinander rausspringen und dann wie Flummis durch die Gegend hüpfen. Oder die wuselige Animation des Mäusekönigs, der aus Tausenden von einzeln animierten Mäusen besteht und so durch den Wald stampft. Zugleich sind das beides aber auch Elemente, die ebenso gut aus einem surrealen Horrorfilm stammen könnten – die deutsche FSK ab 0 Jahren erscheint uns deshalb als zu niedrig. Aber man kann das kaum zusammenhängende Fantasy-Sammelsurium natürlich auch positiv sehen: Wer auf Disneys künstliches Verständnis einer perfekten Weihnacht steht, der kann sich hier 100 Minuten lang an den ebenso pompösen wie zuckersüßen Kulissen und Kostümen erlaben, ohne zwischendurch großartig von so etwas wie einem Plot abgelenkt zu werden.

Fazit: 
Nur die Ausstattung kann überzeugen. Davon abgesehen erweist sich Disneys diesjähriges Weihnachtsmärchen allerdings eine einzige große Enttäuschung. Dafür gibts dann auch wenig winterliche 3 von 10 Punkte. (mk)

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