Samstag, 17. November 2018

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen 3D


Facts:
Genre: Fantasy, Abenteuer
Regie: David Yates
Cast: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Folger
Laufzeit: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros. GmbH


(c) Warner Bros. GmbH



Inhalt:
Gellert Grindelwald (Johnny Depp), für dessen Verhaftung Newt Scamander (Eddie Redmayne) gesorgt hat, ist die Flucht gelungen. Und nicht nur das: Der Schurke hat zwischenzeitlich eine noch größere Anhängerschaft aus Zauberern um sich geschart, um seinen düsteren Plan umzusetzen, der die Vorherrschaft der reinblütigen Magier über die Muggel vorsieht. Einzig Grindelwalds ehemaliger Liebhaber Albus Dumbledore (Jude Law) wäre in der Lage, ihn zu stoppen, kann aber nicht selbst gegen Grindelwald vorgehen. Darum benötigt er die Hilfe seines früheren Schülers Scamander, der so in sein nächstes Abenteuer stürzt – und dieses Mal verschlägt es ihn nach Europa, genauer gesagt nach Paris. Denn dort ist der mysteriöse Credence (Ezra Miller) untergetaucht, den Grindelwald für sich gewinnen will. Newts Freundin Tina (Katherine Waterston) ist in Paris bereits auf der Suche nach dem Obscurial und als auch ihre Schwester Queenie (Alison Sudol) dorthin reist, brechen schließlich Newt und sein Freund, der Muggel Jacob Kowalski (Dan Fogler), ebenfalls Richtung Frankreich auf...


Bewertung:
Schon vor der Titeleinblendung wird deutlich: Der Ton ist in „Grindelwalds Verbrechen“ gegenüber „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ um ein Vielfaches schärfer. Grindelwalds Flucht aus dem Gefängnis nach Europa erweist sich als düster-brutale Verfolgungsjagd über den Wolken, bei der der Flüchtige wirklich alles unternimmt, um sich seiner Verfolger zu entledigen. Wenn hier knallend Blitze zucken und der Regen in Strömen vom Himmel prasselt, während Grindelwald ohne Rücksicht auf Verluste in die Dunkelheit entschwindet, dann ahnt man, dass der Filmtitel „Grindelwalds Verbrechen“ nicht ohne Bedacht gewählt ist: Es geht um die Schandtaten eines Schwerverbrechers, deren Ausmaße vielleicht noch nicht ganz an die eines Lord Voldemort heranreichen. Aber in Sachen Bösartigkeit kann es Grindelwald trotzdem locker mit seinem Nachfolger aufnehmen. Und mit Grindelwalds Traum von einer Welt, die von einer herrschenden Rasse dominiert wird, sind die bereits im ersten Film anklingenden, aktuellen weltpolitischen Töne auch in der Fortsetzung wieder deutlich zu vernehmen. Johnny Depp stellt sich dabei ganz in den Dienst dieser abgründigen Rolle: Er verkörpert den schneeweißen Magier ohne jedes Augenzwinkern, jede Poserei oder (pseudo-)coole Sprüche. So ernst und vor allem ernsthaft bedrohlich haben wir Depp lange nicht mehr gesehen. Willkommen zurück!

Neben den titelgebenden Verbrechen geht es natürlich auch im zweiten Teil weiterhin um Phantastische Tierwesen. Sie bilden ein willkommenes Gegengewicht zum düsteren Handlungsstrang rund um die Jagd nach Grindelwald. Es gilt etliche (neue) Tierwesen zu bestaunen, von denen der zuckersüße Maulwurf-Enten-Hybrid Niffler wieder einmal die meisten Blicke auf sich zieht. Aber anders als in vielen anderen Filmreihen, wo man die Sidekicks verstärkt in den Vordergrund rückt, wenn die Fans auf sie anspringen (ja, wir meinen die Minions!), verteilen die Macher die Aufmerksamkeit hier wieder sehr gleichmäßig auf alle möglichen Fabelwesen. Darüber hinaus sind die meisten ihrer Auftritte tatsächlich für den Fortlauf der Handlung relevant: Der Niffler ist nicht bloß mit von der Partie, weil er ganz besonders süß ist, sondern auch, weil er Newt und seinen Freunden in entscheidenden Momenten Hilfe leistet.

Die Szenen mit den teils wunderbar abgefahren designten Tieren sind aber nicht nur für ein jüngeres Publikum wichtig, um zwischen den aufregenden Kämpfen auch mal Gelegenheit zum Verschnaufen zu bekommen. Sie bilden auch tricktechnisch die größten Highlights. „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ fällt zwar auch auf visueller Ebene deutlich düsterer aus als der Vorgänger, aber das ändert nichts daran, dass es sich in den – im wahrsten Sinne des Wortes – phantastischen CGI-Effekten ganz wunderbar schwelgen lässt. Dank ihrer detailreichen Animation, beim Niffler bewegt sich etwa selbst die Nasenspitze um wenige Millimeter auf und ab (so süß!), sowie dem authentischen Schauspiel der mit ihnen agierenden Akteure glaubt man jederzeit, dass es all diese Wesen tatsächlich gibt. Und dann sind da ja auch noch die prunkvoll ausgestatteten Kulissen wie die einer Zirkusgemeinschaft in Paris, die allesamt so voller Leben stecken, dass es an allen Ecken und Enden immer was zum Staunen gibt, selbst wenn erzählerisch gerade nicht so viel passiert.

Das ist im Laufe der üppigen 134 Minuten gerade im Mittelteil immer mal wieder der Fall. „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ merkt man durchaus an, dass er eben nicht nur für sich steht, sondern zugleich auch das Bindeglied zwischen zwei anderen Filmen sein muss. Rowling legt sichtlich Wert darauf, ihre bereits im ersten Teil etablierten Figuren um möglichst viele neue Facetten zu erweitern. Das nimmt allerdings bisweilen etwas zu viel Zeit in Anspruch. So beleuchtet sie auch diesmal wieder ausgiebig das (auch amouröse) Privatleben von Newt und Co., was in seiner (noch) sehr oberflächlichen Betrachtung allerdings fast ein wenig seifenopernhaft wirkt. Parallel wird auch das aus den Potter-Filmen bereits vertraute Zauberer-Universum konsequent weiter ausgebaut. Den Höhepunkt bildet dabei eine Rückkehr nach Hogwarts - natürlich ganz stilecht zu John Williams‘ legendärem „Harry Potter“-Thema. Was genau es damit auf sich hat, wollen wir aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle allerdings ebensowenig verraten wie andere größere und kleinere Offenbarungen, die mit der Vergangenheit bereits aus früheren Filmen und Büchern bekannten Figuren zu tun haben.

Der bekannteste Rückkehrer ist dabei aber sicherlich Albus Dumbledore, den Jude Law sehr überzeugend als über alle Maßen loyalen Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste anlegt. Der liebenswürdige Duktus, das verschmitzte Funkeln in seinen Augen, das warmherzige Lächeln sowie der graue Bartansatz (!) machen aus Law einen absolut glaubwürdigen jungen Dumbledore, der schon lange vor Kinostart speziell aus einem Grund verstärkt in den Fokus der Berichterstattung rückte: Wird in „Phantastische Tierwesen 2“ nun auf Dumbledores sexuelle Orientierung verwiesen oder nicht? Tatsächlich könnte dieser Fakt für den Fortlauf der Handlung aber unwichtiger kaum sein. Denn Yates rückt in seinem Film vor allem die Loyalität des Zauberers gegenüber seinen Mitmenschen in den Mittelpunkt. Und diese hat gar nichts damit zu tun, ob Dumbledore nun schwul ist oder nicht.

Oscargewinner Eddie Redmayne scheint mit der Rolle des Newt Scamander unterdessen so etwas wie seine Bestimmung gefunden zu haben. Schon nach Teil eins hätte man sich keinen Besseren für die Figur des tapsigen Tierliebhabers vorstellen können. Diesmal gelingt es ihm aber sogar noch besser, auch die in sich gekehrte Seite seines Charakters zu betonen, der von den Ereignissen im Auftaktfilm sichtbar gezeichnet ist und trotzdem alles unternehmen will, um die Welt der Zauberer zu beschützen und seinen einstigen Mentor Dumbledore nicht zu enttäuschen. „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ weist nicht wie in ersten euphorischen Twitter-Postings angekündigt etliche große Wendungen auf. Aber er bleibt bis ganz zum Schluss angenehm unberechenbar und endet schließlich wieder mit einem saftigen Cliffhanger, der uns die Wartezeit bis November 2020 plötzlich ganz schrecklich lang erscheinen lässt.

Fazit: 
„Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ wagt sich in sehr viel düsterere Gefilde als sein Vorgänger – und tariert dabei süße Tierwesen und einen wahrhaft böshaften Johnny Depp stimmig miteinander aus. So macht die Fortsetzung trotz einiger Holprigkeiten gerade im Mittelteil absolut Lust auf den nächsten Teil – auch wegen des finalen Knalls, der Potter-Fans erst einmal den Boden unter den Füssen wegzieht. Auch nach dem zweiten Mal in Ov bleiben wir bei unserer Einschätzung und vergeben fabelhafte 9 von 10 Punkte. (mk)

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