Facts:
Genre: Thriller, Drama
Regie: Michael Bully Herbig
Cast: Friedrich Mücke, Karoline Schuch, Davor Kross
Laufzeit: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: StudioCanal Deutschland
Genre: Thriller, Drama
Regie: Michael Bully Herbig
Cast: Friedrich Mücke, Karoline Schuch, Davor Kross
Laufzeit: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: StudioCanal Deutschland
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| (c) StudioCanal Deutschland |
Inhalt:
Die Familien Strelzyk und Wetzel leben in der DDR und wollen weg. Im Sommer 1979 ist es so weit: Nach zwei Jahren harter Arbeit starten Peter (Friedrich Mücke), seine Frau Doris (Karoline Schuch) und ihre beiden Kinder (Jonas Holdenrieder und Tilman Döbler) sowie das Ehepaar Günter (David Kross) und Petra (Alicia von Rittberg) mit seinen zwei Söhnen (Ben Teichmann und Christian Näthe) endlich ihren Fluchtversuch in einem selbstgebauten Heißluftballon. Doch die Flucht aus ihrer Heimat in Thüringen endet kurz vor der innerdeutschen Grenze, als der Ballon abstürzt. Die beiden Familien arbeiten fieberhaft an einem neuen Ballon, denn mittlerweile ist ihnen die Stasi auf die Schliche gekommen und beginnt mit den Ermittlungen. Noch kennt die DDR-Geheimpolizei den Absturzort nicht, doch die Schlinge zieht sich immer enger zu. Es beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit…
Bewertung:
Nachdem Michael „Bully“ Herbig 2009 mit „Wickie und die starken Männer“ einen weiteren Megahit gelandet hatte (4,9 Millionen Besucher in Deutschland), überließ er zwei Jahre später die kommerziell logische Fortsetzung „Wickie auf großer Fahrt“ (1,8 Millionen Besucher) lieber seinem Kollegen Christian Ditter („How To Be Single“) und drehte stattdessen als Hauptdarsteller für Leander Haußmann die historische Verwechslungskomödie „Hotel Lux“ und für Helmut Dietl die satirische „Kir Royal“-Kinofortsetzung „Zettl“. Doch die Zuschauer blieben bei diesen deutschen Produktionen ebenso weg wie bei Herbigs Hollywood-Ausflug als Zauberer in „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ (an der Seite von Steve Carrell und Jim Carrey).
Doch schon seit Jahren schwelte in Herbig der Wunsch, etwas außerhalb der Comedy-Blase zu inszenieren. Die Geschichte der geflüchteten Familien Strelzyk und Wetzel, die 1979 weltberühmt wurden und in den Medien Schlagzeilen machten, ließ den Filmemacher nicht mehr los. Bis allerdings alle hochkomplizierten Rechteprobleme gelöst waren, vergingen Jahren. Die Familien hatten ihre Lebensgeschichte an Disney verkauft, weshalb der Stoff mit Schauspielern wie John Hurt, Jane Alexander und Beau Bridges bereits als „Mit dem Wind nach Westen“ verfilmt wurde. Allerdings lockte die Verfilmung 1982 nur schwache 233.000 Zuschauer in die deutschen Kinos.
Bullys „Ballon“ ist frei von komödiantischen Anflügen (außer in der letzten Szene, die tatsächlich einen knochentrockenen Witz enthält) oder sonstigen Bezügen ins Bully-Universum. Herbig macht ernst - und das glücklicherweise mit aller Konsequenz. Aus dem Schauspiel hält sich der Münchener auch komplett raus und überlässt den Jüngeren das Feld (obwohl David Kross als Günter Wetzel dem Bully-Look schon nahe kommt, aber vom Alter her wesentlich besser passt). Das DDR-Setting des Jahres 1979 ist authentisch nachgestellt und leinwandfüllende Kinobilder hat Herbig auch schon in seinen Comedy-Filmen immer wieder aufblitzen lassen. So ergibt sich ein stimmiger Mix aus emotional griffiger Geschichte, bei der man sofort mit den beiden Familien mitfiebert, und zeitgeschichtlichem Kino, das eine untergegangene Epoche der deutschen Historie filmisch wieder auferstehen lässt.
Dabei ist Herbig immer an einer straffen Dynamik gelegen, er hält das Erzähltempo hoch und steigt gleich mit einem ersten Fluchtversuch ein, ohne die akribische Vorbereitung zu zeigen – das holt er dann teilweise beim nächsten Ballon-Anlauf nach, während auf der zweiten Erzählebene die Hatz auf die Fahnenflüchtigen auf Hochtouren läuft. Während der von Ronald Kukulies („Weinberg“) ungehobelt-jovial gespielte Stasi-Nachbar Erik Baumann als ständige unterschwellige Bedrohung im Umfeld der Familien rumschnüffelt, ohne etwas zu ahnen, ist Thomas Kretschmann („King Kong“) als ermittelnder Oberstleutnant Seidel der dramaturgische Gegenpol. Er lässt nicht locker, bevor die Verdächtigen gefasst sind, weil der Staat es so verlangt. Aber Kretschmann spielt den Stasi-Kettenhund nicht als tumben, hasserfüllten Hetzer, sondern differenziert mit kleinen Brüchen, in denen der intelligente Jäger manchmal das System leise hinterfragt, ohne deshalb wirklich von seiner Aufgabe abzulassen. Diese Durchlässigkeit der Betonköpfe macht „Ballon“ erzählerisch noch stimmiger.
Die verschworene Heldengruppe um Friedrich Mücke („Friendship!“), Karoline Schuch („Ich bin dann mal weg), David Kross („Gefährten“) und Alicia von Rittberg („Herz aus Stahl“) sammelt die Sympathien mühelos ein. Warum die Flüchtigen aber dieses enorme Risiko eingehen und mit einem provisorischen Heißluftballon fast 2.000 Meter aufsteigen und dabei teils kleine Kinder an Bord haben, wird nicht substanziell hinterfragt. Herbig setzt stattdessen auf einen klassischen Spannungsbogen und zieht die Schlinge immer fester zu, wobei er es mit den dramatischen Zuspitzungen aber manchmal auch übertreibt. Dann verzettelt er sich in inszenatorischen Mätzchen. So schneidet er Szenen bewusst widersprüchlich zusammen, um eine mögliche Enttarnung der Verdächtigen in allerletzter Sekunde als falsche Fährte zu offenbaren. Das hat etwas von Jump Scares, die man normalerweise im Horrorgenre benutzt und die einen zwar erschrecken, aber im Grunde substanzlos sind. Hat man dieses manipulative Mittel durchschaut, fehlt beim nächsten Auftreten dieses Musters der Kick, weil der Bauerntrick längst aufgeflogen ist.
Fazit:
Bully macht keine
Anstalten, Bully zu sein! Michael Herbigs Debüt im Thrillerfach hebt
sich konsequent von seinen bisherigen Comedy-Arbeiten ab. „Ballon“ ist
eine – trotz bekannten Ausgangs – spannende Familiengeschichte vor der
wohl außergewöhnlichsten Flucht aus der DDR. Daher vergeben wir gefesselte und nicht abgehobene 8 von 10 Punkte. (mk)


