Facts:
Genre: Western, Thriller
Regie: Quentin Tarantino
Cast: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh
Laufzeit: 168 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Universum Film GmbH
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| (c) Universum Film GmbH |
Inhalt:
Irgendwo im verschneiten Wyoming, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg:
Eine Postkutsche kämpft sich auf dem Weg zum Städtchen Red Rock durch
die Landschaft. An Bord sind der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell),
seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) und zwei erst auf
dem Weg zugestiegene Passagiere: der Ex-Soldat und nun ebenfalls als
Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren (Samuel L. Jackson) sowie Chris
Mannix (Walton Goggins), der angibt, der neue Sheriff von Red Rock zu
sein. Aufgrund eines heftigen Schneesturms sind sie jedoch dazu
gezwungen, in einer Hütte Zuflucht zu suchen. Dort verstecken sich
bereits der Mexikaner Bob (Demian Bichir), der undurchsichtige Oswaldo
Mobray (Tim Roth), der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der in die
Jahre gekommene Südstaaten-General Sanford Smithers (Bruce Dern) vor dem
Wetter. Schnell nehmen die Spannungen in der Gruppe von misstrauischen
Raubeinen zu, nachdem man sich anfangs noch bestens unterhalten hat. Und
bald wird klar, dass längst nicht jeder von ihnen die Hütte lebend
verlassen wird.
Bewertung:
Tarantino verlagert den Wilden Westen in einen entlegenen Saloon,
»Minnie’s Haberdashery«. Draußen tobt ein heftiger Schneesturm, drinnen
haben sich die Protagonisten verbarrikadiert. Eine klassische
Agatha-Christie-Situation, für Tarantino aber auch eine taugliche
Amerika-Allegorie. Denn das murder mystery dient nur als
vorgeschobene Kulisse. Tatsächlich geht es, wie eigentlich immer in
Tarantinos jüngsten Filmen, um Gewaltverhältnisse. Also wird zunächst
eine Demarkationslinie gezogen. Eine symbolische Mason-Dixon-Linie
sozusagen quer durch den Saloon, die die rassistischen Südstaatler von
den aufgeklärten Yankees mit ihrem schwarzen »Meisterdetektiv« trennt.
Als da wären: ein britischer Edelmann (Tim Roth), ein wortkarger Cowboy
(Michael Madsen), ein mexikanischer Hüne (Demián Bichir), ein
Konföderiertengeneral a. D. (Bruce Dern), ein angehender Sheriff (Walton
Goggins), gleichzeitig Sohn eines legendären Südstaatenrebellen, sowie
die Mitreisenden des Majors, der »Hangman« und seine Bounty.
Leider weiß Tarantino mit diesem reifen Setting im Laufe von fast drei
Stunden erstaunlich wenig anzufangen. Seine Amerika-Allegorie, der er
mit seiner Kritik an der rassistisch motivierten Polizeigewalt in den
USA Nachdruck verlieh, verliert sich bereits während der ersten hundert
Minuten in langwierigen Wortgefechten, denen der berühmte
»Tarantino-Touch«, der noch die banalsten Dialoge zu
populärphilosophischen Miniaturen adelt, gänzlich abgeht.
Bezeichnenderweise kippt der Film just in dem Moment, als sich nach fast
zwei Stunden Small Talk über das Wesen von law and order und
den Selbsterhaltungstrieb der Zivilisation die hochkonzentrierte
Suspense schließlich in Gewalt entlädt – die allerdings eher an den
ironischen Grindhouse-Splatter eines Robert Rodriguez erinnert.
Wirklich schmerzhaft ist eigentlich nur Jennifer Jason Leighs undankbare
Doppelrolle als Kurt Russells persönlicher Punchingball und Comic Reflief.
Alles in allem ist »The Hateful Eight«
eine verschenkte Gelegenheit. Tarantino will das Westerngenre genauso
wenig erneuern wie etwas Substanzielles zu den amerikanischen
Verhältnissen sagen. Der Film erschöpft sich in formaler Virtuosität und
im selbstreferenziellen Spiel mit Zitaten und Genretopoi. Somit erweist
sich letztlich auch der Lincoln-Brief, obwohl prominent in Szene
gesetzt, als bloßer Vorwand für resolute Gespräche unter
Wildwestarchetypen und Alibi für eine politische Haltung.
Fazit:
Erwartungsgemäß gelingt es Quentin Tarantino in seinem achten Film nur selten,
dem selbstreferenziellen Spiel mit Zitaten und Genretropen etwas
Substanzielles hinzuzufügen. So ist seine Gewaltreflexion über den
schwelenden Rassismus in den USA am Ende nur ein Vorwand für
stilistische Fingerübungen. Weder oscar noch kinoreif und nur magere 5 von 10 Puntek wert. (mk)

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