Samstag, 6. Februar 2016

The Hateful 8 (OV)



Facts:
Genre: Western, Thriller
Regie: Quentin Tarantino
Cast: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh
Laufzeit: 168 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Universum Film GmbH


(c) Universum Film GmbH

Inhalt: 
Irgendwo im verschneiten Wyoming, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg: Eine Postkutsche kämpft sich auf dem Weg zum Städtchen Red Rock durch die Landschaft. An Bord sind der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell), seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) und zwei erst auf dem Weg zugestiegene Passagiere: der Ex-Soldat und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren (Samuel L. Jackson) sowie Chris Mannix (Walton Goggins), der angibt, der neue Sheriff von Red Rock zu sein. Aufgrund eines heftigen Schneesturms sind sie jedoch dazu gezwungen, in einer Hütte Zuflucht zu suchen. Dort verstecken sich bereits der Mexikaner Bob (Demian Bichir), der undurchsichtige Oswaldo Mobray (Tim Roth), der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der in die Jahre gekommene Südstaaten-General Sanford Smithers (Bruce Dern) vor dem Wetter. Schnell nehmen die Spannungen in der Gruppe von misstrauischen Raubeinen zu, nachdem man sich anfangs noch bestens unterhalten hat. Und bald wird klar, dass längst nicht jeder von ihnen die Hütte lebend verlassen wird.

Bewertung: 
Tarantino verlagert den Wilden Westen in einen entlegenen Saloon, »Minnie’s Haberdashery«. Draußen tobt ein heftiger Schneesturm, drinnen haben sich die Protagonisten verbarrikadiert. Eine klassische Agatha-Christie-Situation, für Tarantino aber auch eine taugliche Amerika-Allegorie. Denn das murder mystery dient nur als vorgeschobene Kulisse. Tatsächlich geht es, wie eigentlich immer in Tarantinos jüngsten Filmen, um Gewaltverhältnisse. Also wird zunächst eine Demarkationslinie gezogen. Eine symbolische Mason-Dixon-Linie sozusagen quer durch den Saloon, die die rassistischen Südstaatler von den aufgeklärten Yankees mit ihrem schwarzen »Meisterdetektiv« trennt. Als da wären: ein britischer Edelmann (Tim Roth), ein wortkarger Cowboy (Michael Madsen), ein mexikanischer Hüne (Demián Bichir), ein Konföderiertengeneral a. D. (Bruce Dern), ein angehender Sheriff (Walton Goggins), gleichzeitig Sohn eines legendären Südstaatenrebellen, sowie die Mitreisenden des Majors, der »Hangman« und seine Bounty.

Leider weiß Tarantino mit diesem reifen Setting im Laufe von fast drei Stunden erstaunlich wenig anzufangen. Seine Amerika-Allegorie, der er mit seiner Kritik an der rassistisch motivierten Polizeigewalt in den USA Nachdruck verlieh, verliert sich bereits während der ersten hundert Minuten in langwierigen Wortgefechten, denen der berühmte »Tarantino-Touch«, der noch die banalsten Dialoge zu populärphilosophischen Miniaturen adelt, gänzlich abgeht. Bezeichnenderweise kippt der Film just in dem Moment, als sich nach fast zwei Stunden Small Talk über das Wesen von law and order und den Selbsterhaltungstrieb der Zivilisation die hochkonzentrierte Suspense schließlich in Gewalt entlädt – die allerdings eher an den ironischen Grindhouse-Splatter eines Robert ­Rodriguez erinnert. Wirklich schmerzhaft ist eigentlich nur Jennifer Jason Leighs undankbare Doppelrolle als Kurt Russells persönlicher Punchingball und Comic Reflief.

Alles in allem ist »The Hateful Eight« eine verschenkte Gelegenheit. Tarantino will das Westerngenre genauso wenig erneuern wie etwas Substanzielles zu den amerikanischen Verhältnissen sagen. Der Film erschöpft sich in formaler Virtuosität und im selbstreferenziellen Spiel mit Zitaten und Genretopoi. Somit erweist sich letztlich auch der Lincoln-Brief, obwohl prominent in Szene gesetzt, als bloßer Vorwand für resolute Gespräche unter Wildwestarchetypen und Alibi für eine politische Haltung.

Fazit: 
Erwartungsgemäß gelingt es Quentin Tarantino in seinem achten Film nur selten, dem selbstreferenziellen Spiel mit Zitaten und Genretropen etwas Substanzielles hinzuzufügen. So ist seine Gewaltreflexion über den schwelenden Rassismus in den USA am Ende nur ein Vorwand für stilistische Fingerübungen. Weder oscar noch kinoreif und nur magere 5 von 10 Puntek wert. (mk)

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