Sonntag, 17. Januar 2016

Legend



Facts:
Genre: Krimi
Regie: Brian Helgeland
Cast: Tom Hardy, Emily Browning, Paul Anderson
Laufzeit: 131 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Studio Canal Deutschland


(c) Studio Canal Deutschland

Inhalt: 
Swinging Sixties, London: Die eineiigen Zwillingsbrüder Ronald und Reginald Kray (Tom Hardy) bringen es in der Unterwelt der pulsierenden englischen Hauptstadt zu zweifelhaftem Ruhm. Durch ihre kriminellen Machenschaften und ihre Skrupellosigkeit ist den schon bald berüchtigten Gangstern ein schneller Aufstieg sicher. Doch während Reggie Erfolg in Geschäftsangelegenheiten vorweisen kann und enorm zum Aufbau des Imperiums beiträgt, gefährdet sein Bruder Ron dieses am laufenden Band. Der erst kürzlich aus der Psychiatrie entlassene Zwilling bringt den erfolgreichen Familienbetrieb immer häufiger durch seine unkontrollierten Wutausbrüche in Gefahr. Als Reggie mit der zerbrechlichen Frances Shea (Emily Browning) schließlich seine Traumfrau kennenlernt und die von Reggie erwartet, dass er sich für eine Seite entscheidet, bricht die Hölle los. Ron gerät immer weiter außer Kontrolle und Reggie ist damit überfordert, sowohl seine Ehe als auch das Kray-Imperium zu retten. 

Bewertung:
Der „Payback“-Regisseur stellt sich ziemlich klar auf die Seite der Krays, verwendet mehr Zeit auf ihre persönlichen Beziehungen als auf ihre kriminellen Machenschaften und provoziert beim Publikum eine spitzbübische Freude, wenn die Gangster den Ermittlern ein Schnippchen schlagen (beziehungsweise einen der sadistischen Aufseher im Knast brutal zusammenschlagen). Das ist moralisch sicherlich fragwürdig, denn die Krays standen trotz ihrer zweitweiligen Beliebtheit im East End nicht gerade in der Tradition von Robin Hood (Helgeland hat für die Kevin-Costner-Version das Drehbuch verfasst), sondern waren psychopathische Gewaltjunkies. Aber „Legend“ macht in seiner schwarzhumorigen, absurd überhöhten Art eben auch eine Menge Spaß (und erinnert zumindest in dieser Hinsicht an Oliver Stones von Quentin Tarantino geschriebene Gewaltsatire „Natural Born Killers“).

In „Mad Max: Fury Road“ hat er trotz Titelrolle noch Charlize Theron den Vortritt überlassen, in „Legend“ ist der doppelte Tom Hardy („The Dark Knight Rises“) nun die alles andere überschattende Hauptattraktion. Obwohl die Krays Zwillinge sind und sich recht ähnlich sehen, mag man kaum glauben, dass sie wirklich beide von demselben Schauspieler verkörpert werden: Während Hardy als charismatischer Reggie trotz seiner unentschuldbaren Taten sofort das Publikum auf seine Seite zieht, sind es vor allem seine bizarren Auftritte als Ronnie, die sich ins Hirn des Zuschauers einbrennen (und die meisten Lacher produzieren, auch wenn einem ein beträchtlicher Teil davon gleich wieder im Halse stecken bleibt). Bei ersten Treffen - egal ob mit Mafiosi oder Politikern - platzt Ronnie gern direkt damit heraus, dass er homosexuell sei, nur um dann direkt nachzuschieben, dass er nur „gebe“ und nicht „nehme“ und einen Thailänder mal beim Sex zu einer Brezel verbogen habe. Neben dem dominierenden Hardy hat Emily Browning („Sucker Punch“) als Reggies Ehefrau kaum eine Chance, eigene Akzente zu setzen - und das, obwohl sie als Erzählerin die Off-Kommentare beisteuert. Stattdessen bleibt ihr nur übrig, dasselbe emotionale Chaos zwischen Bewunderung, Mitgefühl und Abscheu für Reggie auszudrücken, das sich im Lauf des Films zunehmend auch im Zuschauer ausbreitet.

Fazit: 
Brachial-kurzweiliger Gangsterfilm mit jeder Menge schwarzem Humor und einem doppelt oscarwürdigen Tom Hardy, welcher uns 7,5 von 10 gewaltfreie Punkte wert ist. (mk)

Gut zu Vögeln



Facts:
Genre: Komödie
Regie: Mira Thiel
Cast: Anja Knauer, Max von Thun, Max Giermann
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Constantin Film Verleih


(c) Constantin Film Verleih

Inhalt: 
Society-Reporterin Merlin (Anja Knauer) wird kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten sitzengelassen und zieht in das freigewordene WG-Zimmer ihres Bruders Simon (Max Giermann), der gerade mit Frau und Baby zusammengezogen ist. Mitbewohner Jacob (Max von Thun), ein Barkeeper, der jede Nacht eine andere im Bett hat, ist von dem heulenden Häufchen Elend in seiner ehemaligen Jungs-WG zunächst gar nicht begeistert, doch dann macht er es sich zur Aufgabe, Merlin von ihrem Liebeskummer zu befreien. Putzen gegen Traurigkeit und ein One-Night-Stand sind nur einige der Ideen, die er in petto hat. Danach geht das Beziehungschaos erst so richtig los – bei dem auch Jacob rasch die Kontrolle verliert. Ob in dieser Situation ein Männer-Trip zum Ballermann die richtige Idee ist, vor allem, wenn Merlin einfach ohne Einladung mitkommt? 

Bewertung:
Das dramaturgische Strickmuster von „Gut zu Vögeln“ ist nicht nur den Fans romantischer Komödien bestens vertraut: Einmal mehr folgt auf anfängliche Abneigung die allmähliche Annäherung der Liebenden, ehe ein Missverständnis alles über den Haufen zu werfen scheint. Nun leiden die Protagonisten getrennt voneinander vor sich hin (dieses separate Schmachten und Sehnen wird bevorzugt in einer Parallelmontage dargebracht) und am Ende löst sich selbstverständlich doch noch alles in Wohlgefallen auf. Diesen bewährten Weg zum Happy End beschreitet auch Mira Thiel, wodurch die Handlung komplett vorhersehbar ist, was im Genrekontext natürlich nicht weiter schlimm ist. Entscheidend ist hier nicht das Was?, sondern das Wie? und da sorgen einige hübsche Einfälle zumindest stellenweise für einen gewissen Charme: Mal begrüßt Merlins neue Arbeitskollegin sie mit den Worten „Come in and burn out“, mal tüftelt der Kindskopf Jacob an einem neuartigen Spray-Kondom oder er steigt mit einem Playmobil-Piratenschiff in die Badewanne.

Abgesehen von solchen lichten Momenten bleibt den Darstellern angesichts der im Genre-Korsett steckenden Figuren wenig Spielraum zur Entfaltung. Die von Liebeskummer geplagte Romantikerin Merlin und der unter Bindungsangst leidende Jacob bedienen gängige Klischees und verfügen kaum über Eigenständigkeit. Sie lavieren sich durch eine Reihe recht nichtssagender Gags, die gelegentlich die Gefilde des Fäkalhumors streifen. Für etwas Abwechslung im wenig witzigen Einerlei sorgen ein halbes Dutzend Gastauftritte von Prominenten, darunter Oliver Kalkofe als Frauenarzt Dr. Adam. Als ziemlich anstrengend erweist sich hingegen die omnipräsente Filmmusik, über die noch jede Gefühlsregung der Figuren kommentiert wird. Schöne Einfälle wie das Einspielen der „Tetris“-Titelmelodie beim Stapeln von Umzugskartons bleiben wie beim gesamten Film leider die Ausnahme.

Fazit: 
Eine Romantikkomödie von der Stange mit nur wenigen wirklich witzigen Ideen. Dafür gibts leider nur einfaltslose 3 von 10 Punkte (mk)

Ich bin dann mal weg



Facts:
Genre:Komödie
Regie: Julia von Heinz
Cast: Devid Striesow, Martina Gedeck, Karoline Schuch
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab  Jahre
Verleih: Warner Bros. GmbH


(c) Warner Bros. GmbH  

Inhalt: 
Entertainer Hape Kerkeling (Devid Striesow) bricht auf der Bühne zusammen. Ein Arzt rät dem gestressten Mann, sich einige Monate zu schonen. Bald erzählt er seiner verblüfften Agentin Dörte (Annette Frier) von seinem ganz besonderen Entspannungs- und Selbstfindungsplan: Mit der Erinnerung an seine gläubige Omma (Katharina Thalbach) im Kopf will Hape den Jakobsweg entlangpilgern. Im französischen Saint-Jean-Pied-de-Port angekommen, lernt er zwei andere Pilgerinnen kennen, die zurückhaltende Stella (Martina Gedeck) und die forsche englische Journalistin Lena (Karoline Schuch), die er jedoch bald wieder aus den Augen verliert. Der steinige, steile Weg ist für den Sportmuffel Hape beschwerlich, die überfüllten, engen Pilgerherbergen sagen ihm nicht zu. Er will abbrechen, doch Lena, Stella und der südamerikanische Lebenskünstler Americo (Birol Ünel) bringen ihn wieder auf Kurs… 

Bewertung:
Spätestens wenn sich der deutsche Entertainer mit den Worten „So, ich bin dann mal weg“ von seiner skeptischen Managerin verabschiedet, wird deutlich, dass man sich über weite Strecken sehr genau an die Buchvorlage hält – auch wenn der Grund für Hapes Pilgerreise als Ouvertüre der Geschichte vorangestellt ist, während diese in der Vorlage nur in kurzen Rückblenden nachgereicht wird. So bekommen Leser des Buches auch viele bekannte Figuren zu Gesicht: von den nervigen Autogrammjägern über den knurrigen Schäfer, der liebestollen Brasilianerin, den charmanten Schwedinnen bis hin zur strengen Nonne der Herberge. Hinsichtlich der zentralen Figuren, die Hape einen größeren Teil ihrer Reise begleiten, nehmen sich die Filmemacher allerdings einige Freiheiten. Aus der taffen Sheelagh aus Neuseeland wird Stella aus Stockholm (Martina Gedeck), während die rothaarige Anne aus Liverpool zu Lena aus Bristol (Karoline Schuch) wird. Die Frauen stoßen im Film zudem deutlich früher zu Hape und man läuft den Jakobsweg bald Seite an Seite zu Dritt. Dabei wurde darauf verzichtet, die mit den verschiedenen Nationalitäten einhergehenden Verständigungsschwierigkeiten einzubauen. Im Film kommuniziert man konstant auf Deutsch, womit natürlich ein paar Witze fallengelassen werden.

Im Mittelpunkt steht aber ohnehin Hape und dessen Reise, die er nicht nur auf dem Jakobsweg, sondern auch ganz persönlich in seiner Entwicklung absolvieren muss. Hape ist ein nachdenklicher, egomanischer Protagonist, aus dessen ganz eigener subjektiven Perspektive erzählt wird. Das wird nicht nur durch seinen Off-Kommentar verdeutlicht, der über die gesamte Spieldauer immer wieder eingesetzt wird. Dies ist seine Geschichte, es sind seine Erlebnisse und seine Gedanken. Regisseurin Julia von Heinz verzichtet bei der Darstellung dieser auf unnötige Spielereien und setzt auf im positiven Sinne nüchterne Bilder, was ihr Kameramann Felix Poplawasky („Hanni & Nanni 2“) perfekt untermalt. Er liefert die bedrückend-schönen Einstellungen zu den langen, oft einsamen wortlosen und äußerst kargen Wanderstrecken. Mit wenigen farbgesättigten Aufnahmen, behutsamen Schnitten und einer nur marginal eingestreuten Musik bekommt die Erzählung so die nötige kinematographische Tiefe.

Inhaltlich gibt es zwei Schwerpunkte: Hapes Suche nach sich selbst ist in erster Linie auch die Suche nach seinem Glauben und nach Gott. Dass man dabei in der auf 90 Kinominuten destillierten Erzählung ähnlich gut mitfühlen kann, wie in der Buchvorlage, ist vor allem ein Verdienst des Hauptdarstellers. Devid Striesow („Tatort“) ist einmal mehr herausragend und macht es leicht, den Gedanken Hapes zu folgen. Vor allem erweist sich als Glücksfall, dass er mit einem ähnlichen humoristischen Talent gesegnet ist wie die Figur, die er verkörpert. Denn „Ich bin dann mal weg“ ist nicht nur die Erzählung einer Sinnsuche, sondern auch eine amüsante Komödie. Vor allem die zahlreichen Begegnungen auf der sechswöchigen Wanderung liefern den Raum für den nötigen Witz. Julia von Heinz kombiniert dies alles zu einer straffen Mischung aus Selbstfindungs-, Reiseabenteuer- und Unterhaltungskomödie, bei der aber auch der eigentliche Sinn und die Strapazen des Jakobsweges nicht aus den Augen verloren oder romantisiert werden.

Fazit: 
Regisseurin Julia von Heinz findet die richtige Balance für Hape Kerkelings Pilger-Buch-Reportage „Ich bin dann mal weg“ und verdichtet den Bestseller gekonnt auf 92 Film-Minuten mit wenig unnötigem Beiwerk. Wer schon das Buch mochte, der wird auch den Film mögen. Und alle anderen sollten auch wegen Devid Striesow einen Blick wagen. Das sind uns leichtfüssige 8 von 10 Punkte wert. (mk)