Facts:
Genre: Drama, Biografie
Regie: Bennett Miller
Genre: Drama, Biografie
Regie: Bennett Miller
Cast: Channing Tatum, Steve Carell, Mark Ruffalo
Laufzeit:
135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Koch Media
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Koch Media
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| (c) Koch Media |
Inhalt:
Der Ringer Mark Schultz (Channing Tatum), der 1984 die olympische
Goldmedaille gewonnen hat, hat den Höhepunkt seiner Karriere hinter
sich. Er ist gefangen in einem Kreislauf aus täglicher Trainingsroutine
und gelegentlichen feierlichen Anlässen, bei denen er Ansprachen hält.
Doch dann trifft er den sportbegeisterten Multimillionär John du Pont
(Steve Carell). Dieser lädt den Sportler ein, bei ihm unter perfekten
Bedingungen das Vorbereitungstraining für die Olympischen Spiele 1988 zu
absolvieren. Schultz nimmt das Angebot an und zieht auf du Ponts Farm,
wo dessen Team Foxcatcher trainiert. Er wird vom exzentrischen Mäzen mit
Luxus umgeben und zu unaufhörlichem Training getrieben. Nach mehreren
vergeblichen Versuchen gelingt es Schultz schließlich, auch seinen
Bruder und Mentor Dave (Mark Ruffalo) zu überreden, dem Team
beizutreten. Als jedoch der Druck auf alle Beteiligten immer weiter
zunimmt, drohen sich die aufgebauten Spannungen in einer Katastrophe zu
entladen...
Bewertung:
In den 2000er Jahren kam es in Mode, dass milliardenschwere
Geschäftsleute wie Roman Abramowitsch (Chelsea London) oder Scheich
Mansour bin Zayed Al Nahyan (Manchester City) Hunderte von Millionen in
ihr Hobby Fußball steckten und sich ganze Clubs kauften, um dort die
Geschicke zu bestimmen. In den USA hat diese Marotte der finanzkräftigen
Teambesitzer in den großen Profisportligen wie Football, Baseball,
Basketball und Eishockey schon jahrzehntelange Tradition. Eine gewisse
Ausnahmestellung besaß dagegen der einer französisch-amerikanischen
Industriellenfamilie entstammende Multi-Millionär John E. du Pont, denn
der liebte ganz besonders die Randsportart Ringen, die er in seiner
Jugendzeit selbst betrieben hatte. Er baute das „Team Foxcatcher“ auf,
um an den Erfolgen seiner talentierten Schüler teilhaben zu können und
wollte nicht nur als Mäzen, sondern auch als Trainer, Mentor und
väterlicher Freund öffentlich wahrgenommen werden. Um diese Illusion zu
erhalten, engagierte er eine ganze Entourage aus persönlichen
Assistenten, Dokumentarfilmern und anderen Handlangern. Regisseur
Bennett Miller („Capote“) erzählt in seinem Film „Foxcatcher“ nun mit
großer Sorgfalt und wachsender Wucht davon, wie du Ponts
Geltungsbedürfnis auf zwei gegensätzliche Brüder und
Sportlerpersönlichkeiten prallt.
„Foxcatcher“ ist Sportfilm, Dreiecksdrama und ganz großes Schauspielkino in einem. Dabei wechselt der Fokus immer wieder zwischen den Protagonisten. Steve Carell hat als exzentrischer Millionär mit auffälliger Nase vielleicht die dankbarste Aufgabe, aber das hält den bisher hauptsächlich für Komödien bekannten Star nicht davon ab, alle Erwartungen zu übertreffen und als Charakterdarsteller zu glänzen. Nach und nach offenbart er die komplizierte Persönlichkeit du Ponts in ihrer ganzen Ambivalenz und mit all ihren Komplexen. Der unter chronischer Selbstüberschätzung leidende Sport-Sponsor will unbedingt als große Persönlichkeit und wahrer Patriot wahrgenommen werden, wobei er nicht sehen will, dass große Teile der vermeintlichen Bewunderung und Anerkennung in Wirklichkeit ganz schnöde mit Geld erkauft sind. An diesem Punkt wird auch die innere Zerrissenheit von Channing Tatums Mark Schultz sehr gut deutlich: Wie ist die optimale sportliche Vorbereitung gewährleistet und ab welchem Punkt verkauft er sich vollends an den besitzergreifenden du Pont?
Channing Tatum ist die schauspielerische Überraschung des Films und zeigt als tumber, einfach gestrickter und fast teilnahmslos wirkender Ringer, der nach Orientierung sucht und zunächst nur bei seinem Bruder Dave Verständnis und Zuflucht findet, seine bisher beste Karriereleistung. Er muss sich weder hinter dem wandlungsfähigen Carell noch hinter Mark Ruffalo, dem Dritten im Bunde, verstecken. Um dessen Mitwirkung gab es wiederum ein wenig Aufregung, denn in der amerikanischen Ringer-Szene regte sich aktiver Widerstand gegen den Darsteller. Während er rein mimisch außer Zweifel steht (und auch hier alle Register zieht), hat man Ruffalo tatsächlich nicht unbedingt als allererstes für eine Besetzung als Top-Sportler auf der Rechnung. Doch er trainierte so hart, dass die Skeptiker aus dem Ringer-Lager bei einem Treffen von seinen neuerworbenen Künsten auf der Matte überzeugt waren. Durch die Beteiligung echter Ringer wiederum wirkt „Foxcatcher“ in seinen Sportszenen so authentisch – der muffige Geruch von schweißdurchtränkten Sporthallen weht förmlich durch den gesamten Film, Ringen ist schließlich nicht gerade eine sexy Hochglanzsportart. Die zunächst für 2020 vom IOC geplante Olympia-Verbannung wurde schließlich erst nach hartem Ringen hinter den Kulissen doch noch rückgängig gemacht.
So echt und unverfälscht die nüchtern-biedere Atmosphäre der Ringkämpfe wirkt, so groß sind auf der anderen Seite die Freiheiten, die sich Regisseur Miller sowie seine Drehbuchautoren E. Max Frye („Gefährliche Freundin“) und Dan Futterman („Capote“) beim Umgang mit dem aus dem Leben von John E. du Pont, Mark und Dave Schultz gegriffenen Stoff nehmen. Sie setzen auf eine starke dramatische Verdichtung und so liegt die gesamte Handlungszeit des Films mit Ausnahme des zeitlich nicht zu verortenden Schlusses in den Jahren 1987 und 1988, als Mark Schultz bei der Weltmeisterschaft und an den Olympischen Spielen teilgenommen hat. Seine Ära im „Team Foxcatcher“ begann in der Realität jedoch erst 1989, als er seine Karriere als aktiver Kader-Ringer der US-Nationalmannschaft bereits beendet hatte. Letztlich haben sich die Filmemacher schlicht für eine Intensivierung durch die Raffung der Ereignisse entschieden – und sind damit erfolgreich. Wichtiger ist ohnehin, dass „Foxcatcher“ auch eine Fabel über das Amerika der späten 80er Jahre und über die extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich ist. An denen reibt sich Miller moralisch und zeichnet die Psychogramme dreier Figuren, zwischen denen sich eine nicht zu stoppende zerstörerische Dynamik entwickelt. Es entsteht ein Sog latenter Beunruhigung und dennoch bricht zum unheimlichen Ende plötzlich und ohne wirkliche Erklärung die Katastrophe herein.
„Foxcatcher“ ist Sportfilm, Dreiecksdrama und ganz großes Schauspielkino in einem. Dabei wechselt der Fokus immer wieder zwischen den Protagonisten. Steve Carell hat als exzentrischer Millionär mit auffälliger Nase vielleicht die dankbarste Aufgabe, aber das hält den bisher hauptsächlich für Komödien bekannten Star nicht davon ab, alle Erwartungen zu übertreffen und als Charakterdarsteller zu glänzen. Nach und nach offenbart er die komplizierte Persönlichkeit du Ponts in ihrer ganzen Ambivalenz und mit all ihren Komplexen. Der unter chronischer Selbstüberschätzung leidende Sport-Sponsor will unbedingt als große Persönlichkeit und wahrer Patriot wahrgenommen werden, wobei er nicht sehen will, dass große Teile der vermeintlichen Bewunderung und Anerkennung in Wirklichkeit ganz schnöde mit Geld erkauft sind. An diesem Punkt wird auch die innere Zerrissenheit von Channing Tatums Mark Schultz sehr gut deutlich: Wie ist die optimale sportliche Vorbereitung gewährleistet und ab welchem Punkt verkauft er sich vollends an den besitzergreifenden du Pont?
Channing Tatum ist die schauspielerische Überraschung des Films und zeigt als tumber, einfach gestrickter und fast teilnahmslos wirkender Ringer, der nach Orientierung sucht und zunächst nur bei seinem Bruder Dave Verständnis und Zuflucht findet, seine bisher beste Karriereleistung. Er muss sich weder hinter dem wandlungsfähigen Carell noch hinter Mark Ruffalo, dem Dritten im Bunde, verstecken. Um dessen Mitwirkung gab es wiederum ein wenig Aufregung, denn in der amerikanischen Ringer-Szene regte sich aktiver Widerstand gegen den Darsteller. Während er rein mimisch außer Zweifel steht (und auch hier alle Register zieht), hat man Ruffalo tatsächlich nicht unbedingt als allererstes für eine Besetzung als Top-Sportler auf der Rechnung. Doch er trainierte so hart, dass die Skeptiker aus dem Ringer-Lager bei einem Treffen von seinen neuerworbenen Künsten auf der Matte überzeugt waren. Durch die Beteiligung echter Ringer wiederum wirkt „Foxcatcher“ in seinen Sportszenen so authentisch – der muffige Geruch von schweißdurchtränkten Sporthallen weht förmlich durch den gesamten Film, Ringen ist schließlich nicht gerade eine sexy Hochglanzsportart. Die zunächst für 2020 vom IOC geplante Olympia-Verbannung wurde schließlich erst nach hartem Ringen hinter den Kulissen doch noch rückgängig gemacht.
So echt und unverfälscht die nüchtern-biedere Atmosphäre der Ringkämpfe wirkt, so groß sind auf der anderen Seite die Freiheiten, die sich Regisseur Miller sowie seine Drehbuchautoren E. Max Frye („Gefährliche Freundin“) und Dan Futterman („Capote“) beim Umgang mit dem aus dem Leben von John E. du Pont, Mark und Dave Schultz gegriffenen Stoff nehmen. Sie setzen auf eine starke dramatische Verdichtung und so liegt die gesamte Handlungszeit des Films mit Ausnahme des zeitlich nicht zu verortenden Schlusses in den Jahren 1987 und 1988, als Mark Schultz bei der Weltmeisterschaft und an den Olympischen Spielen teilgenommen hat. Seine Ära im „Team Foxcatcher“ begann in der Realität jedoch erst 1989, als er seine Karriere als aktiver Kader-Ringer der US-Nationalmannschaft bereits beendet hatte. Letztlich haben sich die Filmemacher schlicht für eine Intensivierung durch die Raffung der Ereignisse entschieden – und sind damit erfolgreich. Wichtiger ist ohnehin, dass „Foxcatcher“ auch eine Fabel über das Amerika der späten 80er Jahre und über die extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich ist. An denen reibt sich Miller moralisch und zeichnet die Psychogramme dreier Figuren, zwischen denen sich eine nicht zu stoppende zerstörerische Dynamik entwickelt. Es entsteht ein Sog latenter Beunruhigung und dennoch bricht zum unheimlichen Ende plötzlich und ohne wirkliche Erklärung die Katastrophe herein.
Fazit:
Bennett Miller seziert in seinem
verstörend-hypnotischen Sport-Drama eine Tragödie und führt uns auf die
dunkle Seite des amerikanischen Traums. Dies ist sehr gut gelungen. Daher ein klarer Punktsieg mit 9 von 10 Punkten. (mk)

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