Donnerstag, 26. Februar 2015

Selma OV



Facts:

Genre: Drama, Biografie, Historie
Regie: Ava DuVernay
Cast: David Oyelowo, Tom Wilkinson, Carmen Ejogo 
Laufzeit: 128 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: StudioCanal Deutschland




(c) StudioCanal Deutschland

Inhalt: 

Der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. (David Oyelowo) hat gerade den Friedensnobelpreis 1964 erhalten. Doch sein Einsatz für die Gleichberechtigung der Schwarzen geht weiter. Er spricht bei US-Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) vor, um eine Reform des Wahlrechts zu erreichen, denn immer noch sind viele Schwarze faktisch von den Wahlen ausgeschlossen. Johnson bittet um Geduld, da es höhere Prioritäten auf seiner Agenda gebe. Und George Wallace (Tim Roth), Gouverneur von Alabama, will gar alle Bemühungen von King und seinen Anhängern sabotieren. Diese beschließen ihre Aktionen auf ebendiesen Bundesstaat zu konzentrieren. Als in der Stadt Selma am 17. Februar 1965 ein Schwarzer von der Polizei niedergeschossen wird und anschließend seinen Verletzungen erliegt, explodiert der Unmut. King organisiert einen Protestmarsch von Selma in die Hauptstadt Montgomery. Aber die friedlich Demonstrierenden kommen nur bis zur Stadtgrenze: Am Ende einer Brücke wartet ein riesiges Polizeiaufgebot mit Knüppeln und Tränengas auf sie...

Bewertung:

„Selma“ wurde für zwei Oscars 2014 nominiert: einmal für den kämpferischen Song „Glory“, der während des Abspanns zu hören ist, und dann noch für den wichtigsten Preis überhaupt, die Auszeichnung als Bester Film des Jahres. Diese Ehrung wurde indes in vielen US-Medien nicht gefeiert, sondern kritisiert. Der Tenor: Ava DuVernays Politdrama über Martin Luther Kings Kampf für das Wahlrecht der Schwarzen hätte noch viel mehr Nominierungen erhalten müssen. Besonders der Umstand, dass es die Filmemacherin selber (sie wäre die erste schwarze Frau überhaupt im Rennen um den Regie-Oscar gewesen) und Hauptdarsteller David Oyelowo nicht in die Endauswahl geschafft haben, wurde als Indiz für einen latenten Rassismus in Hollywood gesehen. Wer dem entgegenhielt, dass die Oscar-Academy doch erst im vergangenen Jahr Steve McQueens Sklaverei-Drama „12 Years a Slave“ mit dem Hauptpreis bedacht habe, bekam womöglich etwas vom „weißen schlechten Gewissen“ zu hören, das für jene Wahl ausschlaggebend gewesen sei. Wie so oft in solchen Fällen hat sich die Diskussion bald verselbständigt, die schon vor Weihnachten mit einer Kontroverse um die historische Rolle von Präsident Johnson begann, und „Selma“ selbst geriet ein bisschen aus dem Fokus. Er ist nüchtern betrachtet kein Meisterwerk, aber ein sehenswerter Film über ein wichtiges Kapitel der amerikanischen Zeitgeschichte ist er allemal – nicht mehr und nicht weniger. 

Fazit:

Oft sehr bewegender, aber unfokussierter Blick hinter die Kulissen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King. Von uns gibts dafür 7,5 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 22. Februar 2015

Fifty Shades Of Grey OV



Facts:

Genre: Erotik, Drama
Regie: Sam Taylor-Johnson
Cast: Jamie Dornan, Dakota Johnson, Jennifer Ehle


Laufzeit: 125 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt

Als Literatur-Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) den aufstrebenden Unternehmer Christian Grey (Jamie Dornan) für ihre Universitätszeitung interviewt, begegnet sie einem Mann, mit dessen arroganter und anzüglicher Art sie nicht recht umzugehen vermag. Doch den attraktiven Milliardär umhüllt eine anziehende Aura, der sich die junge Frau schon bald nicht mehr entziehen kann. Anastasia, ein unbeschriebenes Blatt in Sachen Liebe und Begehren, gibt sich der Faszination hin. Grey kostet es keine Anstrengung, die Studentin in seine Arme zu treiben. Seine einschüchternde Art löst bei Anastasia Angst und körperliche Zuneigung zugleich aus. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Affäre, wobei der junge Mann stets die Oberhand behält. Im Laufe ihrer Liaison begegnet Anastasia den dunklen Geheimnissen des vermögenden Mannes und entdeckt an sich ungeahnte Seiten der Lust, Fesseln und Peitsche eingeschlossen.

Bewertung:

Jamie Dornan („Once Upon a Time“) hat eine tief-sexy Stimme und sein Anzug steht ihm genauso gut wie gar keine Klamotten – damit ist er als Christian Grey echt okay. Ein absoluter Glückstreffer ist hingegen Dakota Johnson („Ben and Kate“), die Anastasia trotz ihres devoten Parts im Spielzimmer nie zum Opfer verkommen lässt, sondern ihrer Rolle trotz aller Verletzlichkeit ein erstaunliches Selbstbewusstsein und ein gesundes Maß an Chuzpe verleiht. Außerdem lässt die Newcomerin in besonders albernen Momenten immer auch ein gewisses Augenzwinkern aufblitzen, was sie und ihre Figur nur noch sympathischer macht. Damit liegt Johnson übrigens ganz auf der Linie ihrer Regisseurin, die ebenfalls immer wieder mit dem Kitsch der Vorlage kokettiert, ohne sich dabei je so sehr über die eigene Story lustig zu machen, dass diese nicht mehr funktioniert: Vom Vergleich eines passenden Klebebandes mit der Wahl des richtigen Weines bis hin zur Zeile „Fuck the paperwork!“ in der längst legendären Fahrstuhl-Kussszene - Sam Taylor-Johnson und ihre Autorin Kelly Marcel haben sich genau die richtigen absurden Zeilen aus der Vorlage gewählt, um diese nun als smart-trockene Gags rauszuhauen. So dürften etliche der Sprüche im Film eine gute Chance auf einen Platz in der Liste der besten Kinozitate des Jahres haben.

Am amüsantesten und anzüglichsten sind dabei übrigens die SM-Vertragsverhandlungen. Handschellen ja. Anales Fisting nein. Und was ist überhaupt ein Butt-Plug? Wenn’s dann später tatsächlich zur Sache geht, stellt man allerdings schnell fest, dass das Drüberreden irgendwie mehr Spaß gemacht hat. Ein Jahr nach Lars von Triers wirklich provozierendem „Nymphomaniac“ erweisen sich die erlesen gefilmten Hochglanz-Sexszenen in „Fifty Shades of Grey“ als handzahm, mit einer Ausnahme gehen die SM-Praktiken über einen Klaps auf den Po nicht hinaus (und potentiell Schockierendes wie die Tamponszene wurde gleich ganz gestrichen). Je härter der Sex wird, desto ernsthafter wird auch der Film – und das tut ihm nicht unbedingt gut. Wie sagt Christian über sich selbst so schön: „I’m fifty shades of fucked up!“ Nur ist leider jede dieser 50 Facetten ein küchenpsychologisches Klischee und ihr Durchkauen auf der Leinwand nicht sonderlich spannend. Trotz des schwächelnden Schlussdrittels endet der Film dann allerdings leicht anders als im Buch im exakt richtigen Moment mit der exakt richtigen Szene. Unsere Lust auf den für 2016 angekündigten zweiten Teil „Fifty Shades Darker“ ist so auf jeden Fall schon mal geweckt.

Fazit: 

Überraschend humorvolles Romantik-Märchen mit einem fesselnden Twist. Aber doch etwas zu weit vom Buch entfernt. Daher gibts nur 6 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 13. Februar 2015

Foxcatcher OV



Facts:

Genre: Drama, Biografie
Regie: Bennett Miller
Cast: Channing Tatum, Steve Carell, Mark Ruffalo


Laufzeit: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Koch Media


(c) Koch Media

Inhalt: 

Der Ringer Mark Schultz (Channing Tatum), der 1984 die olympische Goldmedaille gewonnen hat, hat den Höhepunkt seiner Karriere hinter sich. Er ist gefangen in einem Kreislauf aus täglicher Trainingsroutine und gelegentlichen feierlichen Anlässen, bei denen er Ansprachen hält. Doch dann trifft er den sportbegeisterten Multimillionär John du Pont (Steve Carell). Dieser lädt den Sportler ein, bei ihm unter perfekten Bedingungen das Vorbereitungstraining für die Olympischen Spiele 1988 zu absolvieren. Schultz nimmt das Angebot an und zieht auf du Ponts Farm, wo dessen Team Foxcatcher trainiert. Er wird vom exzentrischen Mäzen mit Luxus umgeben und zu unaufhörlichem Training getrieben. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelingt es Schultz schließlich, auch seinen Bruder und Mentor Dave (Mark Ruffalo) zu überreden, dem Team beizutreten. Als jedoch der Druck auf alle Beteiligten immer weiter zunimmt, drohen sich die aufgebauten Spannungen in einer Katastrophe zu entladen... 

Bewertung:

In den 2000er Jahren kam es in Mode, dass milliardenschwere Geschäftsleute wie Roman Abramowitsch (Chelsea London) oder Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan (Manchester City) Hunderte von Millionen in ihr Hobby Fußball steckten und sich ganze Clubs kauften, um dort die Geschicke zu bestimmen. In den USA hat diese Marotte der finanzkräftigen Teambesitzer in den großen Profisportligen wie Football, Baseball, Basketball und Eishockey schon jahrzehntelange Tradition. Eine gewisse Ausnahmestellung besaß dagegen der einer französisch-amerikanischen Industriellenfamilie entstammende Multi-Millionär John E. du Pont, denn der liebte ganz besonders die Randsportart Ringen, die er in seiner Jugendzeit selbst betrieben hatte. Er baute das „Team Foxcatcher“ auf, um an den Erfolgen seiner talentierten Schüler teilhaben zu können und wollte nicht nur als Mäzen, sondern auch als Trainer, Mentor und väterlicher Freund öffentlich wahrgenommen werden. Um diese Illusion zu erhalten, engagierte er eine ganze Entourage aus persönlichen Assistenten, Dokumentarfilmern und anderen Handlangern. Regisseur Bennett Miller („Capote“) erzählt in seinem Film „Foxcatcher“ nun mit großer Sorgfalt und wachsender Wucht davon, wie du Ponts Geltungsbedürfnis auf zwei gegensätzliche Brüder und Sportlerpersönlichkeiten prallt.

„Foxcatcher“ ist Sportfilm, Dreiecksdrama und ganz großes Schauspielkino in einem. Dabei wechselt der Fokus immer wieder zwischen den Protagonisten. Steve Carell hat als exzentrischer Millionär mit auffälliger Nase vielleicht die dankbarste Aufgabe, aber das hält den bisher hauptsächlich für Komödien bekannten Star nicht davon ab, alle Erwartungen zu übertreffen und als Charakterdarsteller zu glänzen. Nach und nach offenbart er die komplizierte Persönlichkeit du Ponts in ihrer ganzen Ambivalenz und mit all ihren Komplexen. Der unter chronischer Selbstüberschätzung leidende Sport-Sponsor will unbedingt als große Persönlichkeit und wahrer Patriot wahrgenommen werden, wobei er nicht sehen will, dass große Teile der vermeintlichen Bewunderung und Anerkennung in Wirklichkeit ganz schnöde mit Geld erkauft sind. An diesem Punkt wird auch die innere Zerrissenheit von Channing Tatums Mark Schultz sehr gut deutlich: Wie ist die optimale sportliche Vorbereitung gewährleistet und ab welchem Punkt verkauft er sich vollends an den besitzergreifenden du Pont?

Channing Tatum ist die schauspielerische Überraschung des Films und zeigt als tumber, einfach gestrickter und fast teilnahmslos wirkender Ringer, der nach Orientierung sucht und zunächst nur bei seinem Bruder Dave Verständnis und Zuflucht findet, seine bisher beste Karriereleistung. Er muss sich weder hinter dem wandlungsfähigen Carell noch hinter Mark Ruffalo, dem Dritten im Bunde, verstecken. Um dessen Mitwirkung gab es wiederum ein wenig Aufregung, denn in der amerikanischen Ringer-Szene regte sich aktiver Widerstand gegen den Darsteller. Während er rein mimisch außer Zweifel steht (und auch hier alle Register zieht), hat man Ruffalo tatsächlich nicht unbedingt als allererstes für eine Besetzung als Top-Sportler auf der Rechnung. Doch er trainierte so hart, dass die Skeptiker aus dem Ringer-Lager bei einem Treffen von seinen neuerworbenen Künsten auf der Matte überzeugt waren. Durch die Beteiligung echter Ringer wiederum wirkt „Foxcatcher“ in seinen Sportszenen so authentisch – der muffige Geruch von schweißdurchtränkten Sporthallen weht förmlich durch den gesamten Film, Ringen ist schließlich nicht gerade eine sexy Hochglanzsportart. Die zunächst für 2020 vom IOC geplante Olympia-Verbannung wurde schließlich erst nach hartem Ringen hinter den Kulissen doch noch rückgängig gemacht.

So echt und unverfälscht die nüchtern-biedere Atmosphäre der Ringkämpfe wirkt, so groß sind auf der anderen Seite die Freiheiten, die sich Regisseur Miller sowie seine Drehbuchautoren E. Max Frye („Gefährliche Freundin“) und Dan Futterman („Capote“) beim Umgang mit dem aus dem Leben von John E. du Pont, Mark und Dave Schultz gegriffenen Stoff nehmen. Sie setzen auf eine starke dramatische Verdichtung und so liegt die gesamte Handlungszeit des Films mit Ausnahme des zeitlich nicht zu verortenden Schlusses in den Jahren 1987 und 1988, als Mark Schultz bei der Weltmeisterschaft und an den Olympischen Spielen teilgenommen hat. Seine Ära im „Team Foxcatcher“ begann in der Realität jedoch erst 1989, als er seine Karriere als aktiver Kader-Ringer der US-Nationalmannschaft bereits beendet hatte. Letztlich haben sich die Filmemacher schlicht für eine Intensivierung durch die Raffung der Ereignisse entschieden – und sind damit erfolgreich. Wichtiger ist ohnehin, dass „Foxcatcher“ auch eine Fabel über das Amerika der späten 80er Jahre und über die extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich ist. An denen reibt sich Miller moralisch und zeichnet die Psychogramme dreier Figuren, zwischen denen sich eine nicht zu stoppende zerstörerische Dynamik entwickelt. Es entsteht ein Sog latenter Beunruhigung und dennoch bricht zum unheimlichen Ende plötzlich und ohne wirkliche Erklärung die Katastrophe herein.

Fazit:

Bennett Miller seziert in seinem verstörend-hypnotischen Sport-Drama eine Tragödie und führt uns auf die dunkle Seite des amerikanischen Traums. Dies ist sehr gut gelungen. Daher ein klarer Punktsieg mit 9 von 10 Punkten. (mk)

Samstag, 7. Februar 2015

Jupiter Ascending 3D OV

(c) Warner Bros GmbH
Facts:

Genre: Sci-Fi
Regie: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Cast: Channing Tatum, Mila Kunis, Sean Bean

Laufzeit: 127 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros. GmbH




Inhalt:

Die Bewohner der Erde ahnen nicht, dass das Leben auf ihrem und vielen anderen Planeten einst von außerirdischen Adelshäusern gepflanzt wurde. Sobald die kreierten Lebensformen einen bestimmten Entwicklungsgrad erreicht haben, werden sie "geerntet". Aus dem Ertrag wird ein Jugendserum gewonnen, das der außerirdischen Herrscherrasse ein ewiges Leben ermöglicht. Als die Regentin der mächtigsten jener Alien-Dynastien stirbt, entbrennt zwischen ihren Kindern Balem (Eddie Redmayne), Kalique (Tuppence Middleton) und Titus (Douglas Booth) ein Krieg um das Erbe. Doch völlig unverhofft tritt auf der Erde noch eine weitere mögliche Erbin auf den Plan: die junge Jupiter Jones (Mila Kunis), die nichts von ihrem Schicksal ahnt und sich mehr schlecht als recht als Putzfrau über Wasser hält. Als der genetisch veränderte Ex-Söldner Caine (Channing Tatum) sie aufspürt, soll sich alles ändern. Er verschafft der jungen Frau einen Einblick in ihre wahre Natur und zeigt ihr, dass sie das Gleichgewicht des gesamten Universums beeinflussen könnte. Jupiters Abstammung birgt allerdings auch große Gefahr, will der finstere Balem sie doch um jeden Preis tot sehen...

Bewertung:

Eine Weltraum-Oper! Sind die nicht längst out? Und es gibt einen sprechenden Waschbären mit Raketenwerfer! Wer soll das denn ernstnehmen? Keinem Marvel-Projekt wurde vorab mit so viel Skepsis begegnet wie „Guardians of the Galaxy“, zumindest bis die Comic-Verfilmung an den US-Kassen zum zweiterfolgreichsten Kinostart des Jahres 2014 avancierte. Die Frage, wie zum Teufel die Marvel-Masterminds das nur wieder geschafft haben, ist in diesem Fall übrigens leicht zu beantworten: mit haufenweise augenzwinkerndem Humor! Nun kommt die nächste Space-Extravaganz in die Kinos und es ist jetzt schon sicher, dass sie es an den Kassen deutlich schwerer haben wird: Denn im Gegensatz zum „Guardians“-Spaßvogel James Gunn nehmen die „Matrix“-Schöpfer Andy und Lana Wachowski das Genre bei ihrem 175 Millionen Dollar teuren Science-Fiction-Blockbuster „Jupiter Ascending“ sehr viel ernster. Das ist aller Ehren wert in einer Zeit, in der mutige großgedachte Konzepte oft nur noch mit „Ironie“ zur Abfederung präsentiert werden, aber leider gelingt es nur bedingt: Für Sci-Fi-Fans ist der Film allein schon aufgrund seiner unerschrockenen Ideen und bahnbrechenden Designs ein Muss, aber der Publikumsmehrheit wird es schwerfallen, die beiden blass bleibenden Helden ins Herz zu schließen.


Der Weltenentwurf ist beeindruckend und auch die meist genügend Übersicht bietenden Action-Sequenzen sind durchaus spektakulär: Neben imposanten Raumschiff-Gefechten spielen dabei vor allem Caines Anti-Schwerkraft-Schuhe eine Rolle, mit denen er wie mit Skates durch die Luft rast. Da gehen die Verfolgungsjagden plötzlich in alle Richtungen (wie in „Minority Report“, nur noch viel schneller) und auch das 3D bietet zur Abwechslung mal einen echten Mehrwert. Und neben den technischen Attraktionen gibt es auch einige sehr ordentliche schauspielerische Leistungen. Das Prunkstück liefern dabei die Darsteller der intriganten adligen Geschwister, die nach dem Tod ihrer Mutter nach der wirtschaftlichen Vorherrschaft im Universum gieren und Jupiter deshalb ihr rechtmäßiges Erbe abluchsen wollen: Tuppence Middleton gibt Kalique als verzogene Göre und eine Art intergalaktisches It-Girl, während Douglas Booth („Noah“) seinen Titus als abgründig-verschlagenen Verführer anlegt.

Aber das ist alles nichts gegen den Dritten im Bunde: Die Performance von Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) als Overacting zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts! Seinem Balem scheint bei jedem schmerzvoll herausgepressten Wort die ganze Last des Universums auf den Schultern zu liegen – das ist derart grandios-überzogen, dass es schon wieder genial ist. Im Gegensatz dazu bleiben die beiden Hauptdarsteller jedoch ziemlich blass, was gar nicht unbedingt an den Stars selbst, sondern eher am Drehbuch der Wachowskis liegt: Spätestens wenn Jupiter ihre Erbschaft des halben Universums mit kaum mehr als einem Achselzucken hinnimmt, ist ihre Glaubwürdigkeit als Erdenmädchen in einem Cinderella-im-Weltall-Märchen endgültig dahin, und Channing Tatum als pflichtbewusst-steifen Soldaten ohne Lizenz für augenzwinkernde Oneliner zu besetzen, ist eine Vergeudung seines Talents als Leading Man – da helfen selbst seine supercoolen Skateschuhe nur bedingt.

Fazit:

Ernsthafte Weltraum-Oper mit opulent-epischen Designs, spektakulären Sci-Fi-Konzepten, turbulenter 3D-Action und leider zwei enttäuschenden Protagonisten. Daher gibts nur 5 von 10 Sterne.





(mk)

Mittwoch, 4. Februar 2015

The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben

Genre: Biographie, Drama
FSK: ab 12 Jahre
Länge: 114 Minuten
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode
Verleih: Warner Bros.


(c) Warner Bros.


Inhalt:

1939, kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs. Commander Alastair Denniston (Charles Dance) von der britischen Royal Navy staunt nicht schlecht, als sich der Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) bei ihm bewirbt, den Code der deutschen Enigma-Maschine zu knacken, was als unmöglich gilt. Der arrogant auftretende Wissenschaftler erhält schließlich die Chance, sich in einem kleinen Team von Spezialisten unter der Führung von Schach-Champion Hugh Alexander (Matthew Goode) an der wichtigen Aufgabe zu versuchen. Doch der introvertierte Turing erweist sich als wenig teamfähig und wendet sich nach einigen Konflikten direkt an Winston Churchill. Der Premierminister überträgt Turing daraufhin zur Überraschung von Denniston und MI:6-Mann Stewart Menzies (Mark Strong) die Leitung des Projekts. Der neue Verantwortliche feuert als erstes zwei Mitarbeiter und führt Bewerbungstests in Form von Kreuzworträtseln durch. Dabei brilliert Joan Clarke (Keira Knightley), die bald zur engsten Vertrauten Turings wird. Die Entschlüsselung des Enigma-Codes macht unterdessen nur wenig Fortschritte und von oben droht man damit, Turings neu erbaute gigantische Rechenmaschine abzuschalten...

Bewertung:

Der Regisseur Morten Tyldum und Drehbuchautor Graham Moore erzählen auf drei Zeitebenen vom Leben Alan Turings, wobei sie seinen Selbstmord 1954, um den sich einige Verschwörungstheorien ranken, nur im Abspann erwähnen. Während die Rückblenden in die Schulzeit mit seiner tragischen Freundschaft zu einem Kameraden einfühlsam gespielt und inszeniert sind, ist die von einem Polizeiverhör und seinen Folgen gebildete Klammer um den Film ein etwas grober dramaturgischer Kunstgriff. Die in England noch bis 1967 strafbare Homosexualität des Protagonisten behandeln die Filmemacher bei alldem nur zurückhaltend und indirekt, sodass sich in Momenten der unglückliche Eindruck aufdrängt, dass Turings Schwulsein hier als eine seiner zahlreichen sozialen Unzulänglichkeiten betrachtet wird. Wenn es um die Schwierigkeiten des Protagonisten im Umgang mit anderen geht, trifft Tyldum zumindest keinen einheitlichen Ton. Da wird mal die Arroganz des Genies zelebriert, das die Unwissenden mit seinen überragenden Fähigkeiten beschämt und man denkt unwillkürlich an Cumberbatchs berühmte Rolle als Sherlock Holmes; mal wundert sich Turing in bester Sheldon-Cooper-Manier, dass die Leute nie sagen, was sie meinen und scheitert immer wieder an einfachsten Regeln sozialer Interaktion. Was in „The Big Bang Theory“ lustig ist, erscheint in diesem ernsthaften Zusammenhang allerdings zuweilen unpassend und es ist erstaunlich, dass die dramatischeren Kapitel dieser Erzählung davon nicht beeinträchtigt werden.

(c) Warner Bros.

Der Krieg ist hier hauptsächlich in wochenschauartigen Montagesequenzen zu sehen und bleibt bis zu einem allzu offensichtlich eingefädelten entscheidenden Moment eine eher abstrakte Bedrohung, dennoch bezieht der hervorragend ausgestattete und fotografierte Film aus dem Wettlauf der Wissenschaftler gegen die Zeit und aus den Querelen im Team eine beträchtliche Spannung. Die historische Dimension des Erreichten (die Entschlüsselung des Codes soll den Krieg um zwei Jahre verkürzt haben) ist spürbar, dazu werden wichtige Fragen nach wissenschaftlicher, politischer und militärischer Verantwortung zumindest angedeutet. Für die Höhepunkte an Intensität sorgen indes Benedict Cumberbatch („Inside WikiLeaks“) und Keira Knightley („Stolz und Vorurteil“) im Zusammenspiel. Vom ersten Auftritt der Mathematikerin beim Eignungstest (sie wird von dem Männer-Club zunächst für eine Sekretärin gehalten und weggeschickt) bis zu den ambivalenten intimen Momenten zwischen Turing und Clarke am Ende des Films werden die Nuancen einer komplexen Beziehung ausgespielt. Bei Joan traut sich das scheue Genie ein wenig aus seinem Schneckenhaus, sie wiederum hat Geduld, Verständnis und vor allem Selbstbewusstsein, um ihm mit offenem Visier entgegenzutreten. Die beiden mit verdienten Oscar-Nominierungen geehrten Schauspieler verleihen der mit großer Geste daherkommenden Geschichte aus dem dicken Buch der weltbewegenden Ereignisse die zeitlose Wahrhaftigkeit menschlicher Gefühle.


Mein Fazit:

„The Imitation Game“ ist ein Oscar-Film wie er im Buche steht: groß angelegtes Schauspieler- und Heldenkino nach einer wahren Geschichte, perfekt produziert und klassisch in Szene gesetzt, aber ohne allzu provokante Ecken und Kanten. Allerdings denke ich, dass es nicht für den Oscar für Benedict Cumberbatch reichen wird. 8 von 10 verschlüsselte Punkte für den Film. (mk)