Dienstag, 2. Dezember 2014

Paddington



Facts:

Genre: Komödie
Regie: Paul King
Cast: Ben Whishaw, Hugh Bonneville, Sally Hawkins
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:
StudioCanal Deutschland


(c) StudioCanal Deutschland

Inhalt: 

Bär Paddington (gesprochen von Ben Whishaw / Elyas M'Barek) wuchs tief im peruanischen Dschungel bei Tante Lucy auf. Da diese früher einmal Gelegenheit hatte, einen englischen Abenteurer kennenzulernen, hat sie ihren Schützling auf ganz eigenwillige Weise herangezogen: Sie lehrte ihn, Marmelade zu kochen, dem BBC World Service zu lauschen und schwärmte von einem aufregenden Leben in London. Als ein Erdbeben ihr Zuhause zerstört, sieht Lucy den richtigen Zeitpunkt gekommen, Paddington ein besseres Leben zu ermöglichen und schmuggelt ihn auf ein Schiff Richtung London. Davon ausgehend, dass alle Unbekannten Paddington während seiner Reise mit Höflichkeit begegnen, hängt sie ihm lediglich ein Schild mit der Aufschrift „Bitte kümmere dich um diesen Bären. Danke!“ um. In London wird Paddington zwar von einer netten Familie aufgenommen, doch der kleine Bär stellt schnell fest, dass ihn das Stadtleben womöglich überfordern wird – zumal auch noch eine bösartige Tierpräparatorin (Nicole Kidman) hinter ihm her ist...

Bewertung:

In einem Comic-Universum würde man von einer sogenannten „origin story“ sprechen: In „Paddington“ geht es um die Ursprünge und Anfänge der Titelfigur, die hier gleichsam neu eingeführt wird. Auf diese Weise kann der Film im Erfolgsfall ein Franchise etablieren und als Auftakt einer ganzen Reihe fungieren. Doch was nach einer durchkalkulierten Pflichtübung klingen mag, wurde selten mit so viel Witz, Charme und Selbstironie umgesetzt wie hier. Zu Beginn sehen wir einen scheinbar ziemlich alten „Dokumentarfilm“ im 4:3-Format und mit etwas wackliger Kameraführung – über die Expedition eines Wissenschaftlers, der sich mit ihm besonders intelligent erscheinenden Bären anfreundet. Er erzählt ihnen viel von unserer Welt, ohne genau zu wissen, was sie verstehen. Viele Jahrzehnte später haben die zwei Bären mit Hilfe der Bücher und Schallplatten, die der Forscher ihnen überlassen hat, das Sprechen erlernt und geben ihr Wissen an ihren Neffen weiter – aber in der Zwischenzeit hat sich vieles ziemlich stark verändert. So entsteht ein Teil der Komik aus dem Aufeinanderprallen von Paddingtons naiver Vorstellung von London nach dem Zweiten Weltkrieg, als man Kriegsflüchtlingen bedingungslos half, und der Gegenwart, in der jeder stur geradeaus seinen Weg geht. Im weiteren Verlauf der Handlung werden dann alle weiteren wichtigen Attribute der Hauptfigur auf charmante Weise eingeführt: Der Bär erhält seinen Menschen-Namen, seinen ikonischen roten Hut und natürlich auch den dunkelblauen Dufflecoat.

Der knuffige Protagonist ist der unangefochtene Star in „Paddington“. Wie auch in den Büchern ist sein Benehmen im Prinzip tadellos, trotzdem gerät er immer wieder in die Bredouille und fabriziert haarsträubende Unfälle (sein berühmter Ausspruch: „Things are always happening to me. I’m that sort of bear!“), was hier in einigen köstlichen Slapstick-Sequenzen zelebriert wird. So zerlegt Paddington direkt nach dem Einzug bei den Browns das Badezimmer und überschwemmt das Haus – eine irrwitzige Gag-Parade inklusive einer Badewannen-Wildwasserfahrt über eine Treppe. Dazu gibt es eine gehörige Portion Wortwitz, der allerdings in der deutschen Fassung bisweilen nur zu erahnen ist. Die größte Rolle spielt aber ohnehin der zwischenmenschliche (und zwischenbärige) Humor: Die Figuren sind mit viel Liebe ausgestaltet, neben Paddington vor allem die Familie Brown, bei der jeder seinen eigenen Tick hat. Vor allem „Downton Abbey“-Star Hugh Bonneville ist als verstockter Risikoanalyst Mr. Brown, der nach und nach aufblüht, voll in seinem Element und beweist nebenbei, dass der abgenutzte Mann-in-Frauenklamotten-Gag auch anno 2014 noch funktionieren kann. Dabei hilft ihm eine Spur Selbstironie, die auch die Filmemacher immer wieder an den Tag legen. Wenn zu Beginn bei einer Taxifahrt die berühmtesten Sehenswürdigkeiten Londons abgeklappert werden, kommentiert Mr. Brown die ungewöhnliche Route voller Umwege prompt mit Verwunderung und bekommt vom Chauffeur (Matt Lucas in einem amüsanten Cameo) die Antwort: Er ist doch neu hier, da muss ich ihm die Stadt zeigen.

„Paddington“ macht nicht nur viel Spaß, sondern sieht auch richtig gut aus. Dabei stand ein 3D-Einsatz hier laut Aussage des hinter so unterschiedlichen Werken wie dem siebenfachen Oscargewinner „Gravity“ und der „Harry Potter“-Reihe steckenden Erfolgsproduzenten David Heyman nie zur Debatte. Regisseur Paul King verriet in Interviews, dass er sich dem auch komplett verweigert hätte, weil es nicht zum klassischen Look gepasst hätte, den er erreichen wollte. Und diese Entscheidung gegen 3D erweist sich als goldrichtig: „Paddington“ ist auch optisch zeitlose Unterhaltung und trotzdem auf dem neuesten Stand der Technik. Der computeranimierte Bär Paddington wurde unter dem gelungenen Einsatz einer Puppe in den Film integriert und fügt sich von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen selbst in den rasanten Actionszenen hervorragend in seine Umgebung ein. Die gelungene Mischung zwischen technischem Know-how, viel Humor und noch mehr Herz lässt dann auch den einzigen größeren Schwachpunkt in den Hintergrund treten: Nicole Kidmans Antagonistin ist eine etwas zu einfallslose Kopie der „101 Dalmatiner“-Schurkin Cruella de Vil und wird von der Australierin nur in einigen wenigen Momenten richtig boshaft-überzogen gespielt, was als der überzeugendste Ansatz erscheint. Sie ist aber sowieso nur Beiwerk in einer Geschichte, in der es vornehmlich darum geht, jemanden für das zu akzeptieren, was er ist.

Fazit:

Amüsantes, herzerwärmendes Kino für Jung und Alt – genau der richtige Film für die Weihnachtsfeiertage.  Dafür vergeben wir weihnachtliche 7 von 10 Punkte. (mk)

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