Facts:
Genre: Action, Fantasy
Regie: Ridley Scott
Genre: Action, Fantasy
Regie: Ridley Scott
Cast: Christian Bale, Joel Edgerton, John Turturro
Laufzeit:
151 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland
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| (c) Fox Deutschland |
Inhalt:
Moses (Christian Bale) und Ramses (Joel Edgerton) wachsen zusammen in
der ägyptischen Pharaonenfamilie auf. Obwohl sie keine
Blutsverwandtschaft verbindet, stehen sie sich doch sehr nahe. Während
sie älter werden, nimmt das gegenseitige Verständnis jedoch immer weiter
ab. Ramses steigt zum Pharao auf – Moses, der als Kind im Fluss
gefunden wurde und aufgrund seiner Herkunft eigentlich gar nicht Ägypter
ist, wird zur Stimme der unterdrückten Israeliten, die in Ägypten als
Sklaven zum Bau der Pyramiden gezwungen werden. Eines Tages hat Moses
eine Vision, in der Gott selbst erscheint und ihm aufträgt, die
Israeliten durch die Wüste in das kanaanäische Land zu führen, um sie so
von der Unterdrückung zu befreien. Moses wird dem Befehl folgen. Mit
insgesamt 600.000 Ex-Sklaven geht er auf eine vierzig Jahre währende
Wanderung zum Gelobten Land, dem Willen und den Streitkräften Ramses zum
Trotz…
Bewertung:
Zwei Dinge stehen im Mittelpunkt von Ridley Scotts Monumental-Epos:
gewaltige Bilder und die konfliktbeladene Beziehung zwischen den
„Brüdern“, die zu Feinden werden. Gleich zum Auftakt führen Rhamses und
Moses gemeinsam die ägyptischen Truppen in eine opulent inszenierte
große Schlacht gegen die Hethiter: Immer wieder geht es in die
Vogelperspektive, um dem Zuschauer zu verdeutlichen, was hier für
Menschenmassen aufeinanderprallen, dann wieder ist die Kamera mitten im
Getümmel und die Nahansicht wird per Zoom verlassen, was den Effekt der
daraus resultierenden Totalen noch erhöht. Die Schauwerte stehen im
Vordergrund, aber auch der Gegensatz zwischen den beiden Protagonisten
wird hier bereits eingeführt. Rhamses und Moses haben verschiedene
Auffassungen über die taktische Gestaltung der Schlacht und es zeigt
sich alsbald, dass es dem einen zuerst um seine Macht geht, dem anderen
dagegen vor allem um Gerechtigkeit. So schnell Scott hier die
unterschiedlichen Charaktere seiner Hauptfiguren verdeutlicht, so wenig
gelingt es ihm allerdings im Fortlauf des Films, diese mit Nuancen zu
versehen. Nur selten kommen auch Zwischentöne zu ihrem Recht und dann
sind zumindest Konturen von vielschichtigen Persönlichkeiten zu erahnen –
etwa wenn Rhamses einmal nicht nur der brutale Herrscher sein darf,
sondern auch der liebende Familienvater – ein Moment, der später im Film
noch wichtig werden soll.
Die Schauspieler bekommen in „Exodus“ nur wenig Gelegenheit, ihr Können voll auszuspielen. Christian Bale ist als Moses zwar ein charismatischer Anführer, aber dessen innere Konflikte kommen oft ein wenig zu kurz. So wird etwa die schwere Entscheidung, ob Moses seine Familie für die Befreiung „seines“ Volkes zurücklassen soll, allzu rasch abgehandelt. Nur bei den Konfrontationen mit Gott erhält Bale mehr Raum - und brilliert. Diese Szenen sind auch deshalb so reizvoll, weil Ridley Scott zwar auf bekannte Elemente wie den brennenden Dornbusch zurückgreift, aber trotzdem einen Weg findet, dem Schöpfer ein Gesicht zu geben. Im Vergleich zu Bale hat Joel Edgerton als Rhamses dennoch gerade im finalen Drittel des Films die stärkeren Einzelmomente. Am eindrücklichsten sind dabei jene Szenen, in denen der Pharao zwischen Rache- und Machtgelüsten auf der einen und der Sorge um seine Familie auf der anderen Seite hin- und hergerissen ist. Die starke Konzentration auf das „Bruder“-Duo sorgt indes dafür, dass alle anderen Figuren nur Beiwerk bleiben. So erschließt sich kaum, welchem erzählerischen Zweck die Szenen dienen sollen, in denen Joshua (Aaron Paul) heimlich Moses im Zwiegespräch mit Gott beobachtet, denn sie bleiben schlicht ohne Folgen. Sigourney Weaver und Ben Kingsley bleiben bessere Statisten, während sich bei John Turturro solides Handwerk und unfreiwillige Komik abwechseln. Einzig Ben Mendelsohn als intriganter Strippenzieher Hegep hat einige gute Momente.
„Exodus: Götter und Könige“ erinnert nicht nur durch die Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Protagonisten, die den zwei Seiten einer Medaille entsprechen, an Ridley Scotts oscargekrönten „Gladiator“. Doch das Filmschicksal von Moses und den Israeliten ist nicht so bewegend wie der Leidensweg von Russell Crowes Maximus. In „Exodus“ fehlen schlicht die Momente, in denen man wirklich mit den Unterdrückten mitfiebert (weder die kurzen Szenen in der Sklaverei noch der einfallslos bebilderte kräftezehrende Marsch durch die Wüste entfalten die dazu nötige Wirkung) und so bekommt ihr Kampf um die Freiheit auch nicht ganz die richtige Spannung – es ist durchaus bezeichnend, dass es die emotionaleren Todesszenen auf Seiten der Ägypter gibt. So ist „Exodus: Götter und Könige“ letztlich ein ziemlich kühler, aber auch ein visuell prachtvoller Film: Der absolute Höhepunkt ist die Teilung des Roten Meeres mit der anschließenden Riesenflutwelle, ein Moment, der wie gemacht ist für das moderne 3D-Kino - und Scott holt mit seinen Mitstreitern das Maximum heraus. Auch bei den biblischen Plagen ist der Regisseur voll in seinem Element. Wenn Horden von Krokodilen das Wasser rot färben, wenn später Frösche und Heuschrecken das Land heimsuchen, wähnt man sich in einem beeindruckenden Big-Budgt-Tier-Horror-Movie.
Während sein Kollege Darren Aronofsky bei „Noah“ die Bibelvorlage nutzte, um auch aktuelle Themen (wie unsere ökologische Verantwortung) anzuschneiden, enthält sich Scott – abgesehen von einem herausragenden Schlussunkt mit Ausrufezeichenaussage - weitgehend solcher klaren zeitgenössischen Bezugnahmen und wenn es dazu mal einen interessanten Ansatz gibt, lässt er ihn oftmals schnell fallen. So erinnert die Strategie der aufbegehrenden Israeliten, die ihre Aktionen zunächst gegen das ägyptische Volk richten, um Unruhe zu stiften an die Taktik vieler Terroristengruppen, die Anschläge gegen die (unschuldige) Zivilbevölkerung verüben. Bevor man sich als Zuschauer jedoch mit dieser moralischen Grauzone auseinandersetzen kann, übernimmt Gott das (Terror-)Ruder. Er erscheint hier ganz nach den Buchstaben des Alten Testaments als rachsüchtige Instanz, die straft und vernichtet und auch nicht davor zurückschreckt, die Kinder der Ägypter zu töten. Auch hier nutzt Scott nicht die Möglichkeit zur reflektierten Vertiefung: Die Frage, wie Moses und die Israeliten diesem Gott noch folgen können, wird nur kurz aufgeworfen – ehe die nächste hochklassige und beeindruckende Spektakelsequenz über alle Ansätze zur Nachdenklichkeit hinwegfegt: „Exodus: Götter und Könige“ ist so weniger ein Film fürs Hirn als für die Sinne.
Die Schauspieler bekommen in „Exodus“ nur wenig Gelegenheit, ihr Können voll auszuspielen. Christian Bale ist als Moses zwar ein charismatischer Anführer, aber dessen innere Konflikte kommen oft ein wenig zu kurz. So wird etwa die schwere Entscheidung, ob Moses seine Familie für die Befreiung „seines“ Volkes zurücklassen soll, allzu rasch abgehandelt. Nur bei den Konfrontationen mit Gott erhält Bale mehr Raum - und brilliert. Diese Szenen sind auch deshalb so reizvoll, weil Ridley Scott zwar auf bekannte Elemente wie den brennenden Dornbusch zurückgreift, aber trotzdem einen Weg findet, dem Schöpfer ein Gesicht zu geben. Im Vergleich zu Bale hat Joel Edgerton als Rhamses dennoch gerade im finalen Drittel des Films die stärkeren Einzelmomente. Am eindrücklichsten sind dabei jene Szenen, in denen der Pharao zwischen Rache- und Machtgelüsten auf der einen und der Sorge um seine Familie auf der anderen Seite hin- und hergerissen ist. Die starke Konzentration auf das „Bruder“-Duo sorgt indes dafür, dass alle anderen Figuren nur Beiwerk bleiben. So erschließt sich kaum, welchem erzählerischen Zweck die Szenen dienen sollen, in denen Joshua (Aaron Paul) heimlich Moses im Zwiegespräch mit Gott beobachtet, denn sie bleiben schlicht ohne Folgen. Sigourney Weaver und Ben Kingsley bleiben bessere Statisten, während sich bei John Turturro solides Handwerk und unfreiwillige Komik abwechseln. Einzig Ben Mendelsohn als intriganter Strippenzieher Hegep hat einige gute Momente.
„Exodus: Götter und Könige“ erinnert nicht nur durch die Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Protagonisten, die den zwei Seiten einer Medaille entsprechen, an Ridley Scotts oscargekrönten „Gladiator“. Doch das Filmschicksal von Moses und den Israeliten ist nicht so bewegend wie der Leidensweg von Russell Crowes Maximus. In „Exodus“ fehlen schlicht die Momente, in denen man wirklich mit den Unterdrückten mitfiebert (weder die kurzen Szenen in der Sklaverei noch der einfallslos bebilderte kräftezehrende Marsch durch die Wüste entfalten die dazu nötige Wirkung) und so bekommt ihr Kampf um die Freiheit auch nicht ganz die richtige Spannung – es ist durchaus bezeichnend, dass es die emotionaleren Todesszenen auf Seiten der Ägypter gibt. So ist „Exodus: Götter und Könige“ letztlich ein ziemlich kühler, aber auch ein visuell prachtvoller Film: Der absolute Höhepunkt ist die Teilung des Roten Meeres mit der anschließenden Riesenflutwelle, ein Moment, der wie gemacht ist für das moderne 3D-Kino - und Scott holt mit seinen Mitstreitern das Maximum heraus. Auch bei den biblischen Plagen ist der Regisseur voll in seinem Element. Wenn Horden von Krokodilen das Wasser rot färben, wenn später Frösche und Heuschrecken das Land heimsuchen, wähnt man sich in einem beeindruckenden Big-Budgt-Tier-Horror-Movie.
Während sein Kollege Darren Aronofsky bei „Noah“ die Bibelvorlage nutzte, um auch aktuelle Themen (wie unsere ökologische Verantwortung) anzuschneiden, enthält sich Scott – abgesehen von einem herausragenden Schlussunkt mit Ausrufezeichenaussage - weitgehend solcher klaren zeitgenössischen Bezugnahmen und wenn es dazu mal einen interessanten Ansatz gibt, lässt er ihn oftmals schnell fallen. So erinnert die Strategie der aufbegehrenden Israeliten, die ihre Aktionen zunächst gegen das ägyptische Volk richten, um Unruhe zu stiften an die Taktik vieler Terroristengruppen, die Anschläge gegen die (unschuldige) Zivilbevölkerung verüben. Bevor man sich als Zuschauer jedoch mit dieser moralischen Grauzone auseinandersetzen kann, übernimmt Gott das (Terror-)Ruder. Er erscheint hier ganz nach den Buchstaben des Alten Testaments als rachsüchtige Instanz, die straft und vernichtet und auch nicht davor zurückschreckt, die Kinder der Ägypter zu töten. Auch hier nutzt Scott nicht die Möglichkeit zur reflektierten Vertiefung: Die Frage, wie Moses und die Israeliten diesem Gott noch folgen können, wird nur kurz aufgeworfen – ehe die nächste hochklassige und beeindruckende Spektakelsequenz über alle Ansätze zur Nachdenklichkeit hinwegfegt: „Exodus: Götter und Könige“ ist so weniger ein Film fürs Hirn als für die Sinne.
Fazit:
Bildgewaltiges 3D-Spektakel, bei dem (abgesehen von der finalen Aussage)
inhaltliche und thematische Aspekte allerdings immer wieder auf der
Strecke bleiben. Wir vergeben dafür 6,5 von 10 Punkte. (mk)



