Facts:
Genre: Thriller
Regie: Rowan Joffe
Genre: Thriller
Regie: Rowan Joffe
Cast: Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Splendid Film GmbH
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Splendid Film GmbH
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| (c) Splendid Film GmbH |
Inhalt:
Christine Lucas, eine 40-jährige Schriftstellerin (Nicole Kidman) ist nach
einem schrecklichen Unfall, den sie in ihren Zwanzigern hatte, unfähig,
neue Erinnerungen zu behalten. Sie wacht jeden Tag auf und kann sich
weder an den vorhergehenden Tag noch an irgendetwas aus den vergangenen
Jahren erinnern. Ihr Ehemann Ben (Colin Firth) und ein Videotagebuch
helfen ihr jeden Morgen auf's Neue, ihr Leben zu rekonstruieren. Doch an
eine baldige Verbesserung ihres Zustandes ist nicht zu denken. Deswegen
besucht sie den Psychologen Dr. Nash (Mark Strong), der ihr helfen
soll, Erinnerungen länger zu behalten. Mit ihm begibt sie sich auf eine
aufwühlende Reise in die eigene Vergangenheit, bei der sie sich
irgendwann nicht nur fragen muss, wem sie noch trauen kann, sondern
auch, wer sie selbst eigentlich ist.
Bewertung:
Der Film stellt sich der Frage - Verliert man mit seinen Erinnerungen auch seine Identität? Christine ist
in den Händen ihres Mannes wie Lehm, denn er könnte ihr nach Gutdünken
jeden Tag eine andere Geschichte über die verlorenen Jahre erzählen und
sie so nach seinen Wünschen formen. Regisseur Joffe („Brighton Rock“)
streut behutsam immer deutlicher werdende Brüche ein, um eine zunehmend
bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Die lässt die zugegebenermaßen
extrem konstruierte Ausgangssituation bald vergessen, zumal Nicole
Kidman ihrerseits einen guten Teil dazu beiträgt, dass man das Geschehen
jederzeit ernstnimmt. Im Gegensatz zu Rosamund Pike in „Gone Girl“ oder einer typischen Hitchcock-Leading-Lady
erscheint sie eben nicht als überlebensgroße Ikone, sondern strahlt
eine grandiose Natürlichkeit aus und verankert ihre Figur damit in einer
identifikationsfördernden Normalität: Ihren Oscar mag sie mit einer
Nasenprothese in Übergröße gewonnen haben (als Virginia Woolf in „The
Hours“), aber in „Ich.Darf.Nicht.Schlafen.“ begeistert Nicole Kidman
gerade dadurch, dass sie auf jegliche (Make-up)-Hilfsmittel verzichtet
und die ganze Verletzlichkeit der schutzlosen Christine nicht nur spür-
sondern auch sichtbar macht. Gerade von einem wegen seines
Botox-Gebrauchs in die Klatschspalten geratenen Star wie Kidman war eine
so schonungslos uneitle Darbietung nicht unbedingt zu erwarten.
Der zweite Oscar-Preisträger überzeugt ebenfalls: Nach „Railway Man“
verkörpert Colin Firth zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den
Leinwand-Ehemann von Nicole Kidman und strahlt als Ben die von ihm aus
Filmen wie „Tatsächlich Liebe“ oder „The King’s Speech“
gewohnte Gutmütigkeit aus, lässt aber immer wieder auch geschickt eine
möglicherweise darunter lauernde Abgründigkeit durchblitzen. Mit dem
großen Twist (der strenggenommen ziemlich hanebüchen ausfällt, aber der
Genre-Logik des Films folgend durchaus vertretbar ist) bricht das
sorgfältig entworfene Psychogramm allerdings zu wesentlichen Teilen in
sich zusammen. Plötzlich gerät das erzählerische Konstrukt danach immer
stärker aus den Fugen und die große finale Konfrontation erinnert
schließlich gefährlich an den Showdown einer Seifenoper. Und was sich
schon auf den letzten Seiten des Romans als unnötiger sentimentaler
Nachklapp entpuppt hat, wird zwar von Regisseur Joffe auf wenige Szenen
zusammengekürzt, aber auch die hinterlassen einen klebrig-süßen
Nachgeschmack, der nicht so recht zur bewusst unterkühlten Atmosphäre
des restlichen Films passen will.
Fazit:
Über weite Strecken spannender Psychothriller mit einer wunderbar
uneitlen Nicole Kidman, der im letzten Drittel leider deutlich abfällt. Wir vergeben spannungsgeladene 6 von 10 Punkte (mk)

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