Samstag, 15. November 2014

Ich.Darf.Nicht.Schlafen.



Facts:

Genre: Thriller
Regie: Rowan Joffe
Cast: Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih:
Splendid Film GmbH


(c) Splendid Film GmbH

Inhalt: 

Christine Lucas, eine 40-jährige Schriftstellerin  (Nicole Kidman) ist nach einem schrecklichen Unfall, den sie in ihren Zwanzigern hatte, unfähig, neue Erinnerungen zu behalten. Sie wacht jeden Tag auf und kann sich weder an den vorhergehenden Tag noch an irgendetwas aus den vergangenen Jahren erinnern. Ihr Ehemann Ben (Colin Firth) und ein Videotagebuch helfen ihr jeden Morgen auf's Neue, ihr Leben zu rekonstruieren. Doch an eine baldige Verbesserung ihres Zustandes ist nicht zu denken. Deswegen besucht sie den Psychologen Dr. Nash (Mark Strong), der ihr helfen soll, Erinnerungen länger zu behalten. Mit ihm begibt sie sich auf eine aufwühlende Reise in die eigene Vergangenheit, bei der sie sich irgendwann nicht nur fragen muss, wem sie noch trauen kann, sondern auch, wer sie selbst eigentlich ist.

Bewertung:

Der Film stellt sich der Frage - Verliert man mit seinen Erinnerungen auch seine Identität? Christine ist in den Händen ihres Mannes wie Lehm, denn er könnte ihr nach Gutdünken jeden Tag eine andere Geschichte über die verlorenen Jahre erzählen und sie so nach seinen Wünschen formen. Regisseur Joffe („Brighton Rock“) streut behutsam immer deutlicher werdende Brüche ein, um eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Die lässt die zugegebenermaßen extrem konstruierte Ausgangssituation bald vergessen, zumal Nicole Kidman ihrerseits einen guten Teil dazu beiträgt, dass man das Geschehen jederzeit ernstnimmt. Im Gegensatz zu Rosamund Pike in „Gone Girl“ oder einer typischen Hitchcock-Leading-Lady erscheint sie eben nicht als überlebensgroße Ikone, sondern strahlt eine grandiose Natürlichkeit aus und verankert ihre Figur damit in einer identifikationsfördernden Normalität: Ihren Oscar mag sie mit einer Nasenprothese in Übergröße gewonnen haben (als Virginia Woolf in „The Hours“), aber in „Ich.Darf.Nicht.Schlafen.“ begeistert Nicole Kidman gerade dadurch, dass sie auf jegliche (Make-up)-Hilfsmittel verzichtet und die ganze Verletzlichkeit der schutzlosen Christine nicht nur spür- sondern auch sichtbar macht. Gerade von einem wegen seines Botox-Gebrauchs in die Klatschspalten geratenen Star wie Kidman war eine so schonungslos uneitle Darbietung nicht unbedingt zu erwarten.
 
Der zweite Oscar-Preisträger überzeugt ebenfalls: Nach „Railway Man“ verkörpert Colin Firth zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Leinwand-Ehemann von Nicole Kidman und strahlt als Ben die von ihm aus Filmen wie „Tatsächlich Liebe“ oder „The King’s Speech“ gewohnte Gutmütigkeit aus, lässt aber immer wieder auch geschickt eine möglicherweise darunter lauernde Abgründigkeit durchblitzen. Mit dem großen Twist (der strenggenommen ziemlich hanebüchen ausfällt, aber der Genre-Logik des Films folgend durchaus vertretbar ist) bricht das sorgfältig entworfene Psychogramm allerdings zu wesentlichen Teilen in sich zusammen. Plötzlich gerät das erzählerische Konstrukt danach immer stärker aus den Fugen und die große finale Konfrontation erinnert schließlich gefährlich an den Showdown einer Seifenoper. Und was sich schon auf den letzten Seiten des Romans als unnötiger sentimentaler Nachklapp entpuppt hat, wird zwar von Regisseur Joffe auf wenige Szenen zusammengekürzt, aber auch die hinterlassen einen klebrig-süßen Nachgeschmack, der nicht so recht zur bewusst unterkühlten Atmosphäre des restlichen Films passen will.

Fazit:

Über weite Strecken spannender Psychothriller mit einer wunderbar uneitlen Nicole Kidman, der im letzten Drittel leider deutlich abfällt. Wir vergeben spannungsgeladene 6 von 10 Punkte (mk)

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