Freitag, 28. November 2014

Die Tribute von Panem 3 - Mockingjay Teil 1



Facts:

Genre: Action, Drama
Regie: Francis Lawrence 
Cast: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth 
Laufzeit: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih:
StudioCanal Deutschland


(c) StudioCanal Deutschland

Inhalt: 

Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) erfahren musste, dass ihr Heimat-Distrikt 12 vollständig zerstört wurde, begibt sie sich dorthin, um die Ausmaße selbst in Augenschein zu nehmen. Bis auf die Unterkünfte für die Sieger der Spiele wurde der gesamte Bezirk von der Regierung in Schutt und Asche gelegt, allein der Familienkater Butterblume hat überlebt. Katniss bringt das Tier in ihr neues Zuhause: Distrikt 13. Dessen Bewohner leben im Untergrund, besitzen Kernwaffen und stehen der Regierung feindlich gegenüber. Katniss ist noch immer das Gesicht der Revolution, der auch ihr Freund Gale Hawthorne (Liam Hemsworth) angehört. Sie weigert sich aber anfänglich, an Propaganda-Aktionen für den Aufstand teilzunehmen, da sie um das Leben von Peeta (Josh Hutcherson) fürchtet. Der wird von der Regierung als Lockvogel eingesetzt und warnt in einer Sondersendung die Revolutionäre vor einem Militärschlag seitens der Regierung, sollten diese sich nicht ergeben. Auf das Versprechen hin, dass Peeta im Falle eines Sieges nicht bestraft wird und sie den Präsidenten des Kapitols selbst töten darf, willigt Katniss schließlich doch ein, den Revolutionären zu helfen.

Bewertung:

In „Tödliche Spiele“ hat sie sich für ihre jüngere Schwester geopfert und sich in „Catching Fire“ gegen die Hungerspiele aufgelehnt. Und in „Mockingjay“? Da ist Katniss erst ein psychisches Wrack und dann ein von Plutarch Heavensbee fremdgesteuertes Propaganda-Werkzeug. Aber nicht nur die Protagonistin ist nicht mehr dieselbe, das ganze Franchise hat sich verändert: Die „Panem“-Reihe war schon immer düster, aber es schwang bei den Hungerspielen auch immer dieses aufregend-abenteuerliche Gefühl eines (wenn auch lebensgefährlichen) Pfadfinder-Camps mit. Dieses ist inzwischen allerdings der puren Verzweiflung gewichen: „Mockingjay“ ist ein (zumindest in Teil 1) heldenloser Anti-Kriegsfilm, in dem allenfalls die sich gegen das Kapitol erhebenden und von dessen Soldaten niedergemähten namenlosen Massen tatsächlich einen heroischen Akt vollführen (sieht man einmal von der etwas zu absurden Szene ab, in der Katniss mit einem einzigen Pfeil gleich zwei Jets vom Himmel holt). Und weil Teil 1 eben nur die erste Hälfte der Geschichte erzählt, braucht hier auch niemand auf  Erlösung zu hoffen: Die blutunterlaufenen Augen der erneut grandiosen Jennifer Lawrence - und das hätte man nach den ersten fünf Minuten kaum für möglich gehalten - drücken in der letzten Szene sogar eine noch tiefere Verzweiflung aus als in der ersten!

Während in „Mockingjay Teil 2“ (Starttermin in Deutschland: 19. November 2015) der tatsächliche Krieg im Zentrum stehen wird, geht es in Teil 1 hauptsächlich um den über die Medien ausgetragenen Propaganda-Wettstreit. So diskutiert Präsident Snow einmal mit seiner Beraterin über die Frage, wie man die Aufständischen denn nun am besten offiziell nennen solle, das Wort „Rebellen“ impliziere schließlich eine gewisse politische Legitimation – anders als etwa „Kriminelle“ oder „Terroristen“. Und das bewegende Video mit Katniss vor dem zerbombten Krankenhaus erinnert auffällig an ein amerikanisches Propagandavideo, mit dem 1990 die US-Invasion in Kuwait gerechtfertigt wurde. 

Während man bei der Grundidee der Reihe, die im TV übertragenen Hungerspiele seien wie Opium fürs Volk und würden so den Frieden in Panem sichern, schon noch ein wenig Unglauben zur Seite schieben musste, bleibt „Mockingjay Teil 1“ in Sachen Propaganda-Taktiken für einen Fantasy-Blockbuster geradezu schmerzhaft nah an der Realität. Und so kommt der Film übrigens auch fast ganz ohne Action aus: Es ist den Machern hoch anzurechnen, dass sie voll auf ihre Geschichte und ihre starke Protagonistin vertrauen, anstatt sich zusätzliches Spektakel einfach aus den Fingern zu saugen. In Teil 2 wird ohnehin noch genug in die Luft fliegen.

Anders als in den ersten zwei Filmen ist Jennifer Lawrence in „Mockingjay Teil 1“ der alleinige Star. Während sie praktisch in jeder Sequenz zu sehen ist, absolviert neben ihr kaum ein Darsteller mehr als eine Handvoll Szenen (selbst jemand wie Jena Malone als Johanna Mason ist aufgrund der Zweiteilung nur für einen Sekundenbruchteil zu erhaschen). Trotzdem gibt es eine Reihe erwähnenswerter Auftritte: Josh Hutcherson als Peeta Mellark ist diesmal zwar fast ausschließlich in Fernsehansprachen zu sehen, in denen er die Aufrührer im Auftrag der Propaganda-Maschinerie des Kapitols zum Niederlegen ihrer Waffen aufruft. Aber es ist beeindruckend, wie er von einem TV-Auftritt zum nächsten psychisch und physisch immer mehr verfällt. 

Eine noch subtilere Wandlung macht Julianne Moore als Rebellen-Anführerin Alma Coin durch: Sind die ersten Ansprachen an ihre Leute noch durch und durch sachlich, scheint sie im Verlauf des Films Gefallen an der Macht zu finden, die ihr die Propaganda-Spots einbringen: Bei ihren letzten Auftritten lässt sich schließlich vom Stil her kaum noch ein Unterschied zu den pathetischen Reden von Präsident Snow ausmachen. Und dann gibt es da natürlich noch den verstorbenen Oscar-Preisträger Philipp Seymour Hoffman, der als Chef-Propagandist der Rebellen zwar mit seinen Vorschlägen die Story vorantreibt, aber ehrlicherweise ein wenig blass bleibt: Plutarchs Kommentare zu Katniss‘ katastrophal scheiternden Schauspielversuchen hätten ruhig noch ein wenig trocken-sarkastischer ausfallen dürfen.

Fazit:

Mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ soll die mit den ersten beiden Filmen kreierte Spannung bis zum großen Finale hochgehalten werden. Aber zum Glück für das noch ein weiteres Jahr auf die Folter gespannte Publikums meistert Regisseur Francis Lawrence diese Herausforderung auf ganz Hollywood-untypische Weise: Mit wenig Krawall und viel Intelligenz legt er den bisher besten Teil der Reihe vor. Erwartungsvoll auf den letzten Teil wartend vergeben wir 9,5 von 10 Punkte. (mk)

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