Facts:
Genre: Komödie
Regie: Ben Falcone
Genre: Komödie
Regie: Ben Falcone
Cast: Melissa
McCarthy, Allison
Janney, Susan
Sarandon, Dan Aykroyd, Kathy
Bates
Laufzeit: 96 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros. Germany
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros. Germany
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| (c) Warner Bros. Germany |
Inhalt:
Tammy hat einen richtig miesen Tag erwischt: Ihr ohnehin schon klappriges Auto hat sie endgültig verschrottet und ihren undankbaren Job bei einem schmuddeligen Burger-Imbiss ist sie ebenfalls los. Auch zu Hause findet sie keinen Trost, denn ihr Mann macht es sich gerade drüben mit der Nachbarin gemütlich - für Tammy höchste Zeit, sich den Ghettoblaster zu schnappen und zu verduften! Die schlechte Nachricht ist, dass sie pleite ist und keinen fahrbaren Untersatz hat. Und die noch schlechtere Nachricht ist, dass ihre Großmutter Pearl ihr letzter Ausweg ist - mit einem Auto, Geld und dem Drang, die Niagarafälle zu sehen. Nicht gerade die Flucht, die Tammy im Sinn hatte, aber vielleicht genau die, die sie braucht...
Bewertung:
Wer sich den Trailer zu „Tammy – Voll abgefahren“ anschaut, dürfte eine
klare Vorstellung davon bekommen, was ihn erwartet. Melissa McCarthy,
spätestens seit „Brautalarm“ und dem Start ihrer Sitcom „Mike &
Molly“ eine der erfolgreichsten US-Komikerinnen, zieht sich darin eine
fettige Papiertüte einer Burger-Kette über den Kopf, bewegt ihren
fülligen Körper eher unbeholfen denn cool zu Rap-Sounds und startet
einen Überfall auf das Fast-Food-Restaurant. Die absurde Szene scheint
eine deutliche Sprache zu sprechen, zumal McCarthy ohnehin dafür bekannt
ist, auch vor derb-vulgären Zoten nicht zurückzuschrecken. Wenn man
dann noch weiß, dass mit Will Ferrell und Adam McKay zwei Spezialisten
für grobhumorige Erwachsenen-Komödien als Produzenten hinter dem Film
stehen, dann ließe sich in „Tammy“ ein Feuerwerk von Furz- und
Kotzwitzen vermuten. Doch McCarthy geht diesmal gemeinsam mit ihrem
Ehemann und Co-Autor, Debütregisseur Ben Falcone, einen anderen Weg:
„Tammy“ ist weniger massentaugliches Komödienkino als vielmehr ein
ungemein persönliches Road-Movie mit deutlichen Anklängen an das
zeitgenössische US-Independent-Kino - vor allem an die sogenannte
Mumblecore-Bewegung. Die illustre Besetzung mit vielen aus den
80er-Jahren bekannten Altstars sorgt für die besten Momente in diesem
eigenwilligen und ganz bewusst etwas unrund erzählten Film.
Der Vorspann von „Tammy“ steckt voller bekannter Namen, denn Regisseur
Ben Falcone verrät uns darin nicht nur die Hauptdarsteller, sondern
nennt auch all jene Stars bereits, die in den folgenden 90 Minuten mehr
oder weniger lange Gastauftritte absolvieren. So heizt er geschickt die
Erwartungen an – die er später perfekt erfüllt: Wir wollen nicht zu viel
verraten, aber allein der Cameo von „Ghostbusters“-Altstar Dan Aykroyd
ist ein Hochgenuss. Neben den Gästen setzen aber auch die
Hauptdarstellerinnen immer wieder Glanzpunkte. Melissa McCarthy hat mal
wieder gar kein Problem damit, ihre Körperfülle voll einzusetzen und
gibt ihrer Figur etwas Tumb-Aggressives. Tammy ist fast schon zum
Fremdschämen dumm und unfreundlich, hält Mond-Spaziergänger Neil
Armstrong für einen unbekannten Bruder von Radrennfahrer Lance, stopft
laufend Essen in sich rein und beleidigt jeden, der ihr irgendwie quer
kommt. Das überschreitet hin und wieder die Grenze des Erträglichen,
funktioniert schlussendlich aber doch, weil McCarthy der Figur trotz
allem emotionale Tiefe verleiht und man immer wieder mit ihr fühlen kann
- diese Kombination aus Hemmungslosigkeit und Jedermann-Qualitäten
erinnert an die Rollen von Adam Sandler. Wenn Tammy überzeugt ist, dass
sie in der Bar jeden Typen aufreißen kann, dann aber gnadenlos scheitert
und versucht, sich dies schönzureden, dann ist dies ein genau solcher
Moment des Mitgefühls trotz aller Großspurigkeit.
Neben Melissa McCarthy, mit der sie perfekt harmoniert, brilliert Susan Sarandon in der zweiten Hauptrolle. Die „Thelma & Louise“-Legende gibt mit immenser Spielfreude die Oma, die noch einmal so richtig die Sau rauslassen will und den Plan auch unbeirrt in die Tat umsetzt. Dabei bekommt die Brüste entblößende Alkoholikerin auch einige witzige Momente, aber insgesamt ist diese Pearl fast schon eine tragische Figur, deren Leben komplett in Ruinen liegt. „Tammy“ ist eben keine (Klamauk-)Komödie, sondern Falcone und McCarthy schließen an die wegen der oftmals genuschelten Unterhaltungen Mumblecore genannte Strömung im US-Independent-Kino an. Dort kommunizieren die Figuren in oftmals weitgehend improvisierten, bisweilen auch ausufernden Dialogen – genau wie hier. Es ist also sicher kein Zufall, dass in „Tammy“ mit Mark Duplass (in dessen „Jeff, der noch zu Hause lebt“ wiederum Susan Sarandon mitwirkte) einer der Köpfe der Mumblecore-Bewegung vor der Kamera steht. Wenn einzelne Szenen hier regelrecht zerfasern oder ins Nichts verlaufen, wenn die Figuren nicht immer direkt auf den Punkt kommen und sich so manche Länge einschleicht, dann ist das typisch für diese Arbeitsweise – sie sorgt aber auch dafür, dass „Tammy“ geerdet ist. Der Film ist darin wie seine Hauptfigur, die ihrerseits so gar nicht dem Hollywood-Idealbild entspricht.
Fazit:
Neben Melissa McCarthy, mit der sie perfekt harmoniert, brilliert Susan Sarandon in der zweiten Hauptrolle. Die „Thelma & Louise“-Legende gibt mit immenser Spielfreude die Oma, die noch einmal so richtig die Sau rauslassen will und den Plan auch unbeirrt in die Tat umsetzt. Dabei bekommt die Brüste entblößende Alkoholikerin auch einige witzige Momente, aber insgesamt ist diese Pearl fast schon eine tragische Figur, deren Leben komplett in Ruinen liegt. „Tammy“ ist eben keine (Klamauk-)Komödie, sondern Falcone und McCarthy schließen an die wegen der oftmals genuschelten Unterhaltungen Mumblecore genannte Strömung im US-Independent-Kino an. Dort kommunizieren die Figuren in oftmals weitgehend improvisierten, bisweilen auch ausufernden Dialogen – genau wie hier. Es ist also sicher kein Zufall, dass in „Tammy“ mit Mark Duplass (in dessen „Jeff, der noch zu Hause lebt“ wiederum Susan Sarandon mitwirkte) einer der Köpfe der Mumblecore-Bewegung vor der Kamera steht. Wenn einzelne Szenen hier regelrecht zerfasern oder ins Nichts verlaufen, wenn die Figuren nicht immer direkt auf den Punkt kommen und sich so manche Länge einschleicht, dann ist das typisch für diese Arbeitsweise – sie sorgt aber auch dafür, dass „Tammy“ geerdet ist. Der Film ist darin wie seine Hauptfigur, die ihrerseits so gar nicht dem Hollywood-Idealbild entspricht.
Fazit:
Wer bei
„Tammy - Voll abgefahren“ ein großes Gag-Feuerwerk erwartet, ist im
falschen Film. Unter dem Deckmantel der Komödie hat Melissa McCarthy
sich selbst einen kleinen persönlichen Film beschert, der nicht durchweg
funktioniert, aber immer wieder schöne Momente bietet. 8 von 10 Punkte für die Hauptdarstellerin, 4 von 10 für die Handlung - also 6 von 10 Punkten insgesamt. (mk)

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