Samstag, 31. Mai 2014

Maleficent - Die dunkle Fee

Facts:

Genre: Fantasy
Regie: Robert Stromberg
Cast:  Angelina Jolie, Elle Fanning, Juno Temple
Laufzeit: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:

Maleficent ist eine schöne, warmherzige junge Fee (Isobelle Molloy), die in einem friedvollen Waldkönigreich lebt. Eines Tages verirrt sich Stefan (Michael Higgins), ein Junge aus der benachbarten Menschenwelt, in der es weit weniger friedlich zugeht, in Maleficents Heimat. Die Fee und der Mensch werden Freunde und es kommen irgendwann auch romantische Gefühle zwischen ihnen auf, doch schließlich zieht es Stefan zurück in das Reich der Menschen. Dessen König Henry (Kenneth Cranham) will die Feenwelt um jeden Preis erobern, doch gegen Maleficents (nun: Angelina Jolie) magische Kräfte kommt er nicht an. Als alle anderen Pläne versagen, verspricht er demjenigen Thron und Tochter, der es fertigbringt, die scheinbar unbesiegbare Fee in die Knie zu zwingen. Stefan (nun: Sharlto Copley) nimmt die Herausforderung an und begibt sich nach langer Abwesenheit erneut in die Wälder des Feenwelt. Er täuscht Maleficent Liebe vor und raubt ihr im Schlaf ihre imposanten Feenflügel. Die so Betrogene ist tief traurig und verbittert, und als sie Jahre später die Gelegenheit bekommt, nimmt sie fürchterliche Rache. Sie verflucht Aurora, die Tochter des inzwischen zum König gekrönten Stefan: Das Mädchen soll am Tag nach seinem 16. Geburtstag in ewigen Schlaf fallen...

Bewertung:

Nach Gesamteindruckstechnischen 0815 umgesetzten Möchtegern Märchen Katastrophen der letzten Jahre wie z.b. Disneys Realfilm Forsetzung zu Alice im Wunderland, der eigentlich lieber Der Hutmacher im Actionland hätte heißen wollen(?) oder auch Die fantastische Welt von Oz, die außer dieser zu Beginn des Filmes rein gar nichts für mich zu bieten hatte, gab ich die Hoffnung schon auf. Was sollte da schon großartig anders werden bei Maleficent? Deswegen blieb ich dem Kino erstmal fern. Das Ergebnis nun nach der Sichtung auf Blu Ray lautet definitiv: Absolut alles. Ich fange wieder an Angelina Jolie richtig zu mögen, gar zu lieben für den Film.

Verglichen mit Alice und Oz, den voriegen beiden großen Disney Märchen Produktionen, bietet der Maleficent Film als neue Version der Dornröschen Geschichte alles was man bei den beiden anderen vermisst hat, baut trotzdem viele neue Elemente ein und setzt dabei diese auch noch richtig gut um. Der Film übertrumpft für mich auch locker viele andere Fantasy Filme, die von der Laufzeit her zwar oft fast um das doppelte länger sind als nur 97 Minuten, aber bei Maleficent versucht man gar nicht erst durch lange langsame Dialoge den Film zu strecken. Dialoge sind trotzdem viele vorhanden so das der Film nie z.b. in ein langweiliges wortloses CGI Actionspetakel ausarten könnte, wie manch anderer Film in der heutigen Zeit. Die Dialoge haben ein gutes Tempo und sind intensiv. Das finde ich spitze gelöst.

Die Geschichte spielt hauptsächlich aus der Sicht von Maleficent, die sich als junges Mädchen bereits in den späteren König der Menschen verliebt. Doch als ihr eine wirklich grausame Tat wiederfährt ändert sich zunächst alles und Zeit der Rache beginnt. Maleficent ist die Beschützerin der Waldmoore und führt Unmengen an fantastischen Fabelwesen an, die man als Zuschauer auch alle zu Gesicht bekommt. Sie durchlebt in dem Film auch die ganze Gefühlspalette. Liebe, Trauer, Entsetzen, Wut, Hass, Mitgefühl, Freude - einfach alles macht sie einmal durch.

Das führt dazu das die Geschichte sich so ganz anders entwickelt als man Dornröschen kennt und man will erst die damals noch typische "Malefiz" vermissen. Allerdings fängt man mit den neuen Entwicklungen an den Film so richtig zu mögen und zu Maleficents Motiven zu halten (was nicht zuletzt auch an Angelina Jolies klasse Leistung liegt) und kann über das Verhalten der Menschen immer nur wieder den Kopf schütteln wie dumm, naiv und grausam die menschliche Natur doch oft sein kann.

Und trotz das sich vieles anders entwickelt als man es kennt schafft der Film auch noch das Kunststück, das so viel neues vorkommt, Horden von Fabelwesen gezeigt werden und doch noch alle Elemente aus der original Geschichte mindestens einmal irgendwie vorkommen, nur eben anders eingesetzt aber so, das es richtig Spass macht sich das anzusehen.

Maleficent ist einfach endlich das, was der neuere Alice und Oz Film gerne gewesen wären. Ein richtig guter Disney Fantasy Realfilm und ein spitzen Blockbuster zugleich, mit Massenschlacht, viel Liebe und Bildgewalt, der einem jeden Filmabend versüßt. Nach diesem klasse Film habe ich Angelina Jolie nun wieder ganz groß auf dem Merkzettel. Kann nur immer wieder meine absolute Empfehlung für dieses Highlight aussprechen.

Die Extras der Blu Ray zeigen unter anderem auch wie der Dreh der Eindrucksvollen Massenschlacht entstanden ist. Der orchestrale Soundtrack zum Film fetzt richtig rein und das Bild ist eh ein Genuss, besonders wenn die Waldmoore gezeigt werden. Mehr kompakte Qualität für 97 Minuten Film kann man nicht erwarten. Der Film macht einfach alles richtig was Alice und Oz vorher noch falsch gemacht hatten. Da wünscht man sich 100 mal eher eine Maleficent Fortsetzung als jetzt demnächst den geplanten nächsten Alice Film.

Auch noch ein sehr interessantes zu erst kleines, aber dann doch feines Detail mit großartigen Auswirkungen ist die Regie von Robert Stromberg bei dem Film. Das besondere daran ist einfach das er vorher an vielen Filmen immer nur die Visual Effects gemacht hat, zuletzt sogar für Disneys Alice und Oz. Nun hat er selber einen Film in Form von Maleficent gedreht mit seiner Effekte Erfahrung und heraus kam ein Film den ich persönlich viel besser finde als die anderen beiden zusammen und warum? Weil Stromberg es geschafft hat seine Effekte Erfahrung mit einer ordentlichen Handlung nach seinen Vorstellungen mit Bravur zu kombinieren! Und das war erst sein erster Film als Regisseuer! Der Mann hat Talent!


Fazit:

Hollywoods Märchenfilmwelle macht es möglich: Aus der bösen Fee im Animationsklassiker „Dornröschen“ wird die Hauptfigur eines faszinierend uneinheitlichen 3D-Fantasy-Spektakels, bei dem neben dem Designteam vor allem die Schauspielerinnen Akzente setzen. Damit verdient sich der Film märchenhafte 8 von 10 Punkten. (mk)

Montag, 26. Mai 2014

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit 3D OV

Laufzeit: 131 Minuten
Regisseur: Bryan Singer
Genre: Action, Science Fiction, Abenteuer
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Fox Deutschland

 
(c) Fox Deutschland


Inhalt:

Die Tage der Mutanten nähern sich dem Ende. Ein Krieg ist ausgebrochen zwischen Mutanten und normalen Menschen, den die Mutanten nicht mehr gewinnen können. Charles "Professor X" Xavier (Patrick Stewart) hat sich mit Magneto (Ian McKellen) und den letzten überleben Mutanten verbündet und gemeinsam kämpfen sie in einer aussichtslosen Schlacht. Ihre einzige Hoffnung ist die Vergangenheit zu ändern, damit dieser Krieg niemals stattfinden wird. Der Geist von Wolverine (Hugh Jackman) wird zurück in der Zeit geschickt, um im Körper seines jüngeren Selbst Magneto (Michael Fassbender) und Professor X (James McAvoy) zu einen und Mystique (Jennifer Lawrence) daran zu hindern, der Auslöser für den Krieg der Zukunft zu werden. Doch ist es überhaupt möglich, die Zukunft dahingehend zu beeinflussen oder wird diese unweigerlich eintreten?

Bewertung:


Lang ist es her, seit wir Bryan Singer im Regiestuhl eines X-Men-Films erlebt haben, mit X-Men 2 lieferte er 2003 für viele den noch immer besten Teil der Reihe ab und kehrt nun mit X-Men - Zukunft ist Vergangenheit zurück. Der Film soll einen, was bisher zweigeteilt war. Die alte Trilogie und das von Matthew Vaughn 2011 gedrehte Prequel X-Men - Erste Entscheidung. Hierzu versammelte Singer eine Besetzung, die vor allem Fans der ersten Stunde erfreuen wird. Nicht nur die neuen X-Men Michael Fassbender, James McAvoy, Nicholas Hoult und Jennifer Lawrence stehen im Rampenlicht, auch die alten Darsteller bekommen die Möglichkeit, sich von ihren Figuren angemessen zu verabschieden. Darunter unter anderem Namen wie Patrick Stewart, Ian McKellen, Halle Berry, Ellen Page, Shawn Ashmore und Anna Paquin samt einiger Überraschungsgäste, die wir an dieser Stelle nicht verraten wollen.

Allein die Besetzung ist ein Garant für Qualität und Grund genug für Fans, sich diesen Film anzusehen. Dauer-Mutant Hugh Jackman als Wolverine darf natürlich auch nicht fehlen. Und Gründe gibt es wahrlich dafür nicht zu knapp. Die Besetzung deutet es bereits an und das zeichnet sich nachfolgend auch im Schauspiel von X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ab. Subtiler Witz, hervorragende Dialoge und Charakterentwicklungen verbinden sich mit einer spannenden Geschichte, in der die Auslöschung der Mutanten und der lange thematisierte Konflikt zwischen Menschen und Mutanten zur zentralen Handlung werden. Unweigerlich werden Erinnerungen an den Beginn der X-Men-Saga im Jahr 2000 wach. Eine andere Zeit, doch der Mensch ändert nicht seine Natur.

Als Antagonist wurde dabei auf Peter Dinklage gesetzt, sonst Fanfavorit Tyrion Lannister in der Erfolgsserie Game of Thrones und hier als Dr. Bolivar Trask Dreh- und Angelpunkt der aktuellen und zukünftigen Ereignisse wird. Trotz vieler guter Ansätze hat uns dennoch X-Men - Erste Entscheidung einen Tick besser gefallen, was aber mehr auf persönliche Vorlieben zurückzuführen ist. Der Fluss des Films samt strukturellem Aufbau war besser gestaltet und auch wenn es damals bereits einige Ungereimtheiten und Inkonsistenzen mit der alten Trilogie gab, war der Film in sich rund. Bei X-Men - Zukunft ist Vergangenheit gibt es nicht viele, aber einige kleine Probleme die leider unserer Meinung nach kurz thematisiert hätten werden müssen, vor allem da der Film als inoffizielles X-Men 4 nicht nur die Brücke schlagen sondern gleichzeitig auch eine etwas veränderte Zeitlinie erschaffen soll.

So wurde X-Men - Zukunft ist Vergangenheit bereits in Wolverine - Weg des Kriegers im vergangenen Jahr angeteastert. Zwar wird keine Zeitspanne angegeben, die Veränderungen auf der Welt erscheinen aber in dem zeitlichen Spielraum unrealistisch. Ebensowenig wird geklärt, wo Wolverine wieder seine Krallen herbekommen hat und wie Magneto zum einen seine vollen Kräfte zurückerlangt hat, Rogue jedoch nicht und wie Professor X wieder vollumfänglich unter den Lebenden weilt. Natürlich wurde einiges davon auch in X-Men - Der letzte Widerstand thematisiert, aber bereits damals erfolgte dies in der After-Credit-Szene mehr als unbefriedigend und erschuf eher mehr Fragen als dass Antworten geliefert wurden.

Wer X-Men-Fan der jüngeren Stunde ist, wird sich an diesen Ecken und Kanten eher weniger stören, es ist nur schade, dass im Rahmen des Gesamtuniversums hier ein wenig Schindluder betrieben wird. Auch wird im Gegensatz zum Comic das Ende ein wenig anders ausgelegt, was etwas schade für die Dramaturgie ist. Fans wird dafür aber ein sehr emotionaler Abschied beliebter Figuren ermöglicht, der dazu noch witzig umgesetzt ist. Vor allem der Witz in X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ist eine Stärke des Films, da dieser nie unpassend eingesetzt wird und sehr viele Szenen aufwertet. Singer gelingt dies deutlich besser als es im konkurrierenden Marvel-Filmuniversum der Fall ist, da die Dramaturgie nicht unterwandert wird, die ruhig etwas länger als zwei Stunden hätte andauern können. Denn auch visuell wird eine ganze Menge geboten, obwohl bei einem geschätzten Budget von 200 Mio. $ durchaus noch mehr zu erwarten gewesen wäre. Dafür überzeugt der Soundtrack auf ganzer Linie, der den bekannten Soundtrack früherer Tage weiterentwickelt.

X-Men und Comicfans vereinigt euch. Mit X-Men - Zukunft ist Vergangenheit ist Bryan Singer wieder ein sehr guter Eintrag in der wohl längsten bisher in sich geschlossenen Comicfilmreihe gelungen. Bis nach dem Abspann sollten aber auch nur jene warten, die Sitzfleisch haben. Mit einer kleinen Szene wird bereits die Zukunft der Reihe in Form von X-Men - Apocalypse angekündigt, was ebenfalls von Bryan Singer umgesetzt wird und 2016 in den Kinos erscheint. Wer sich aber nicht fundiert mit dem Universum auskennt, dürfte diese eher als belanglos abtun. Aber wer will bei diesen sympathischen Mutanten meckern? Es war eine schöne Zeit mit euch, jetzt gehört die Zukunft der Vergangenheit.

Fazit:

Es war schon beeindruckend, wie stimmig Joss Whedon all seine Superhelden in „Marvel’s The Avengers“ unter einen Hut bekommen hat. Aber Bryan Singer setzt mit „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ nun sogar noch einen drauf. Daher bekommt der Film 9 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 1. Mai 2014

Muppets Most Wanted



Facts:

Genre: Komödie
Regie: James Bobin
Cast: Ray Liotta, Tina Fey, Ricky Gervais, Ty Burrell, Peter Linz
Laufzeit: 112 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

(c) Walt Disney Germany

Inhalt:

Die Beliebtheit der Muppets lässt nach, deshalb unternehmen sie auf Anraten des windigen Veranstalters Dominic Fieslinger (Ricky Gervais) eine Europa-Tournee. Alles scheint rund zu laufen, doch der zwielichtige Impressario hat finstere Absichten: Er will Kermit durch den garstigen Gangsterfrosch Constantine ersetzen, den gefährlichsten Kriminellen der Welt. Die Verbrecher-Kröte ist dem Ober-Muppet wie aus dem Gesicht geschnitten und soll die Auftritte nutzen, um in nahegelegene Museen einzubrechen. Das geschickt eingefädelte Ablenkungsmanöver des durchtriebenen Duos führt dazu, dass die Muppets von dem Interpol-Agenten Jean Pierre Napoleon (Ty Burrell) gejagt werden, in dessen Wahrnehmung es nur einen Schandfrosch gibt: Kermit. Dominic und Constantine glauben, freie Bahn für ihren größten Coup zu haben und wollen einen riesigen Diamanten stehlen - aber sie haben die Rechnung ohne die Muppets gemacht...

Bewertung:

Nach dem Kauf des aus der Mode gekommenen „Muppets“-Franchise wusste bei Walt Disney offenbar niemand so recht etwas mit den anarchischen Kultfiguren anzufangen. Also heuerte man „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel (der dann auch die Hauptrolle übernahm) und seinen Schreibpartner Nicholas Stoller für einen Neustart der Reihe um Kermit & Co. an, wobei den beiden Superfans weitestgehend freie Hand gelassen wurde. Und das Duo hat die Chance genutzt: „Die Muppets“ ist ungemein liebevoll, zugleich aber auch völlig durchgeknallt und dem Geist der originalen TV-Show aus den 70er Jahren treu ergeben. So avancierte das Leinwand-Musical nach seinem Start Ende 2011 zum Überraschungshit und gewann sogar einen Oscar (für den Besten Original-Song). Doch nach dem Ausstieg von Jason Segel und mit einem weltweiten Einspiel von mehr als 160 Millionen Dollar im Rücken ist das Studio bei der erneut von James Bobin inszenierten Fortsetzung „Muppets Most Wanted“ nun weniger risikofreudig. Der Anarcho-Anteil wurde reduziert, dafür ist der Krimi-Komödien-Plot familienfreundlicher als der des Vorgängers mit seinen über die Köpfe der jungen Kinogänger hinweggehenden „Boulevard der Dämmerung“-Reminiszenzen. Jetzt könnte man vorschnell urteilen: Typisch Disney! Aber das alles ist am Ende nicht allzu wichtig, denn trotz allem ist auch „Muppets Most Wanted“ über weite Strecken sehr unterhaltsam.

 Das Comeback ist gelungen... und jetzt? Darum geht es in den großartigen ersten fünf Minuten von „Muppets Most Wanted“. Die Puppen singen einen Sequel-Song, der davon handelt, wie in Hollywood mit Fortsetzungen umgegangen wird. Dabei machen Fozzie Bär & Co. eigene Vorschläge (vom Kriegsfilm bis zur exakten Kopie des Vorgängers) und an einer Stelle heißt es, dass Fortsetzungen sowieso nie so gut werden wie das Original. Das ist grandios-selbstironisch und mit dem grau-nebelverhangenen Porträt von Berlin als Quasi-Sowjetprovinz (die „Muppets Show“ stammt immerhin aus der Zeit des Kalten Krieges, da kann man sich auch die in der Gegenwart angesiedelte Filmhandlung entsprechend zurechtbiegen), in der die Polizeiautos direkt bis ins Gefangenenlager nach Sibirien durchfahren, geht es ähnlich doppelbödig-augenzwinkernd weiter. Aber die beiden dann einsetzenden parallelen Handlungsstränge können mit diesem saustarken Auftakt leider nicht mithalten: Während aus Kermits Abenteuer als Musical-Regisseur im Gulag zumindest mit den tanzenden Harte-Männer-Gaststars Danny Trejo („Machete“) und Ray Liotta („GoodFellas“) eine Menge herausgeholt wird, erinnert der überraschungsfreie Krimi-Plot dann doch zu sehr an die seichten Familien-Komödien, die regelmäßig das TV-Programm am Sonntagvormittag bestimmen.

„Muppets Most Wanted“ bleibt insgesamt tatsächlich spürbar hinter dem Vorgänger zurück und dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen ist das ausgedehnte Spiel mit den Europaklischees nur in Berlin wirklich gelungen. Dass etwa „Modern Family“-Star Ty Burrell als französischer Interpol-Agent Jean Pierre Napoleon immer pünktlich Feierabend macht, im Miniatur-Auto herumdüst und sich direkt nach Abschluss eines Falls samt Familie in einen mehrwöchigen Strandurlaub verabschiedet, kann man wahrscheinlich nur als Straßenkreuzer fahrender und keine Sozialleistungen kennender Amerikaner so richtig lustig finden. Zum anderen erhalten die eher für den Erwachsenen-Humor zuständigen Zweite-Reihe-Muppets hinter Kermit und Miss Píggy diesmal weniger Raum, vor allem der tragisch-unlustige Stand-up-Bär Fozzie ist kaum noch mehr als ein Statist. Wobei: Wenn sie sich dann doch mal in den Vordergrund drängen, dann ist ihre Trefferquote - von Gonzos Indoor-Stier-Stampede bis zum mehrstündigen Trommelsolo des Tiers - phänomenal hoch.

Jason Segel und Amy Adams ersetzen zu müssen, ist schon eine verdammt harte Nuss. Und so ganz ist das den „Muppets Most Wanted“-Machern auch nicht gelungen. Denn während „30 Rock“-Schöpferin Tina Fey als in Kermit verschossene Gulag-Aufseherin mit ihrem russischen Akzent angemessen über die Stränge schlägt, nimmt sich „The Office“-Tyrann Ricky Gervais soweit zurück, dass er zum bloßen Stichwortgeber für Kermit und Constantine verkommt. Natürlich geht es in einem Film mit dem Titel „Muppets Most Wanted“ in erster Linie um die Muppets selbst, aber die eine oder andere grenzwertig-trockene Pointe hätten wir von dem sonst so unerschrockenen Briten doch erwartet. Daneben ist der Film wie jedes „Muppets“-Abenteuer erneut vollgestopft mit prominenten Cameo-Auftritten, die diesmal sogar noch ein wenig lustiger sind als sonst. Zuviel wollen wir über die Star-Gastspiele natürlich nicht verraten, aber zumindest so viel sei gesagt (Achtung Spoiler!): Ein schweigsamer „Tatort“-Kommissar ermittelt jetzt auch bei den Muppets und ein zweifacher deutsch-österreichischer Oscar-Preisträger tanzt seinen Namen. Allein dafür lohnt sich der Kinobesuch schon!

Fazit: 

„Muppets Most Wanted“ ist zwar mehr harmloses Familienabenteuer als Anarcho-Muppets-Spaß, aber unterhält trotzdem wunderbar. Daher vergeben wir lachhafte 6 von 10 Punkte. (mk)