Dienstag, 25. Februar 2014

Der Medicus

Facts

Genre: Historienfilm, Drama
Regie: Philipp Stölzl
Cast: Stellan Skarsgård,Tom Payne, Emma Rigby, Ben Kingsley
Laufzeit: 155 min.
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Universal

(c) Universal


Inhalt

England im 11. Jahrhundert: Der Junge Rob Cole wird zum Waisen, nachdem seine Mutter an einer rätselhaften Krankheit verstorben ist. Verzweifelt, weil er ihr nicht helfen konnte, beschließt er, sich einem Wanderheiler anzuschließen und von ihm alles zu lernen. Doch dann hört er von den Heilkünsten des berühmten Ibn Sina und reist ins ferne Persien, um sein Schüler zu werden. Und während die Stadt von einem Ausbruch der Pest bedroht wird, entdeckt der alte und weise Meister Robs Gabe im Umgang mit kranken Menschen. Eine Gabe, die Rob oftmals als Fluch empfindet und ihn vor besondere Prüfungen und Schwierigkeiten stellt...

Bewertung


Philipp Stölzl hat sich als Regisseur der großen Herausforderung einer würdigen filmischen Umsetzung des Weltbestsellers von Noah Gordon gestellt und die Aufgabe mehr oder weniger gut gemeistert. Große Emotionen, begeisternde Landschaftspanoramen, eine prächtige Ausstattung und eine gute Story sorgen für eine sinnliche und epische Stimmung, die zusätzlich von den Leistungen einiger großartiger Darsteller eingelöst wird. Deutsche und internationale Schauspieler, wie Fahri Yardim, Elyas M´Barek, Ben Kingsley und Stellan Skaarsgaard, verkörpern ihre Rollen glaubhaft und stimmig. In der Hauptrolle ist Tom Payne sicherlich nicht die Idealbesetzung des Titelhelden, dennoch folgen ihm die Zuschauer in eine fremde und faszinierende Welt.

Bereits die Etablierung des Hauptdarstellers wird genregerecht und aufwändig in Szene gesetzt - teilweise ist dies aber zu lang geraten. Es folgen großartige Landschaftsprospekte, die ihre Wirkungen zeigen. Ein Wüstensturm, der Rob nur knapp überleben lässt und zahlreiche Opfer fordert, ist naturgetreu und visuell hervorragend dargestellt. Die Naturgewalt macht bewusst, welchen Gefahren und Hindernissen sich Reisende in dieser Zeit aussetzten. Die Erzählweise lässt dem Zuschauer Zeit, fremde Welten zu betreten und zu bestaunen. Mit malerischen Bildern von Landschaft und Natur wird deutlich, welche Weiten zu durchmessen waren zu Fuß, zu Pferd oder in Kutschen. Eine Liebesgeschichte, die Rob nicht ausleben darf, erscheint schicksalhaft, wird aber nie zum Hauptereignis seines Lebens. Die überzeugende Darstellung seiner Suche als Heiler und Forscher verleiht dem Film eine große Ernsthaftigkeit, die gleichzeitig den Spannungsbogen inhaltlich unterstützt.

Auch gesellschaftliche Gegebenheiten wie die religiösen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Muslimen in Isfahan werden berücksichtigt und gewürdigt. Dass Rob diese Auseinandersetzungen fast mit dem Leben bezahlt, erhöht noch die Spannung. Die Ausstattung zeigt große Ästhetik und Opulenz, ohne künstlich zu wirken. Ben Kingsley als Ibn Sina, der Meister und Lehrer der Medizin, überzeugt ebenso wie die zahlreichen Nebendarsteller, die ausnahmslos stimmig besetzt sind. Eine gute Literaturverfilmung, die durch ihre eigene Interpretation der literarischen Vorlage überzeugt, mit 155 Minuten aber etwas zu lang geraten ist.


Fazit

Die Adaption des Trilogie-Bestsellers "Der Medicus" stellt unter Beweis, dass auch abseits der Hollywood-Filmindustrie bildgewaltige Historienfilme möglich sind. Zu einem herausragenden Genrebeitrag avanciert Philipp Stölzls Mittelalterepos trotz beeindruckender Schauwerte und vorwiegend überzeugender Darsteller aber nicht. Wir vergeben 7 von 10 Punkten. (mk)

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