Facts:
Genre: Drama
Regie: Jean-Marc Vallée
Genre: Drama
Regie: Jean-Marc Vallée
Cast: Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Jared Leto, Catherine Kim Poon, Steve Zahn
Laufzeit:
117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Ascot Elite Filmverleih
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Ascot Elite Filmverleih
Inhalt:
Dallas, Mitte der 80er Jahre. Der konservative, homophobe Texaner Ron
Woodroof (Matthew McConaughey) führt ein draufgängerisches Leben voller
Alkohol, Drogen und Frauen. Als er nach einem Unfall im Krankenhaus
landet, eröffnen ihm die Ärzte, dass er HIV-positiv ist und nicht mehr
lange zu leben hat. Er besorgt sich illegal Medikamente, die noch in der
Testphase stecken, die ihm allerdings eher schaden als helfen.
Daraufhin schaut er sich nach alternativen Mitteln um. Fündig wird er
jenseits der Grenze in Mexiko, wo Medikamente erhältlich sind, die in
den USA nicht verkauft werden dürfen. Woodroof beginnt die Arzneien über
die Grenze zu schmuggeln und lässt sich dafür auf eine Partnerschaft
mit der Transsexuellen Rayon (Jared Leto) ein. Sie gründen den "Dallas
Buyers Club", dessen Mitglieder gegen eine Monatsgebühr mit den
Medikamenten versorgt werden. Ihr lukratives Geschäft zieht jedoch schon
schnell die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich, die dem Unternehmen
Einhalt gebieten wollen. Doch aus den Geschäftemachern Ron und Rayon
werden Überzeugungstäter: Gemeinsam mit der Ärztin Eve Saks (Jennifer
Garner) setzen sie sich nun offensiv für die Rechte Aids-Kranker und den
freien Zugang zu Medikamenten ein.
Bewertung:
Lange Zeit wurde Matthew McConaughey von vielen Kritikern als schauspielerisches Leichtgewicht abgetan. Für seine Darstellung in Dallas Buyer Club ist eine Auszeichnung
mit dem Golden Globe für seine Leistung als kämpferischer AIDS-Kranker
in Jean-Marc Vallées sensibel-sachlich erzähltem Drama „Dallas Buyers
Club“ herausgesprungen. Für diese Rolle hat McConaughey rund 25 Kilo abgenommen, aber
noch beeindruckender als die ebenso erstaunliche wie beängstigende
äußere Verwandlung ist seine Fähigkeit, das widersprüchliche Innenleben
der Figur zum Ausdruck zu bringen. Durch ihn und seine Kollegen Jared
Leto und Jennifer Garner wird aus einem beachtlichen Film ein auch
emotional nachhaltiges Kino-Erlebnis.
Das Drehbuch von Craig Borten und Melisa Wallack („Spieglein, Spieglein“) basiert auf der wahren Geschichte von Ron Woodroof, der 1992 an AIDS gestorben ist, sieben Jahre nachdem die Diagnose gestellt und ihm eine Lebenserwartung von 30 Tagen eingeräumt worden war. Der franko-kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée („C.R.A.Z.Y.“, „The Young Victoria“) verwendet für seine Verfilmung Elemente aus Biopics, realistischen Milieustudien und David-gegen-Goliath-Dramen, setzt sie aber allesamt so fein dosiert ein, dass sich die Erzählung mit großer Ungezwungenheit entfalten kann. Hier gibt es keine erbaulichen 180-Grad-Wendungen und keine zu Erzschurken stilisierten Bürokraten oder Pharma-Manager, auch wenn die Rollen klar verteilt sind. Diese Zurückhaltung lässt den Film manchmal fast zu nüchtern wirken, aber sie gewährt uns einen unverstellten Blick auf die Figuren und ihre Zeit. Beginnend mit den verächtlichen Bemerkungen von Ron und seinen Freunden über Rock Hudson, dessen AIDS-Erkrankung gerade publik geworden war, verdeutlicht Vallée in vielen Details die damals herrschende Mischung von Angst, schwulenfeindlichen Vorurteilen und Ratlosigkeit angesichts der verheerenden Krankheit, vom diskriminierenden Fragenkatalog der Ärzte bis zur Vermeidung jeder Berührung ist die Stigmatisierung der Infizierten spürbar.
Kapiteleinblendungen informieren uns darüber, wie viele Tage seit der fatalen Diagnose vergangen sind, der nahende Tod ist Rons ständiger Begleiter. Das wird auch durch den betäubenden Summton unterstrichen, der immer dann zu hören ist, wenn er einen Schwächeanfall hat und zusammenbricht – dieser dramatische Effekt ist in Vallées sachlicher Inszenierung eine absolute Ausnahme. Ansonsten fangen der Regisseur und sein Kameramann Yves Bélanger („Laurence Anyways“) Rons Welt von schäbigen Trailerparks, billigen Motels und Stripclubs auf der einen Seite sowie von unpersönlichen Büros und Krankenhäusern auf der anderen ohne Beigabe von künstlichem Licht in rauem, aber nicht unnötig unruhigen Handkamera-Look ein, die sehr zügige Arbeitsweise (es gab nur 25 Drehtage) trägt zusätzlich zum Eindruck unaufdringlicher Unmittelbarkeit bei. Und sie spiegelt sich auch in Matthew McConaugheys unglaublich spontan wirkendem Spiel wider: Jeder Moment wirkt absolut echt und unwiederholbar. Und so gibt es hier auch keine mustergültige Entwicklung eines vorurteilsbeladenen Machos zum toleranten Menschenfreund und Weltverbesserer, sondern das kantige Porträt eines charmanten, aber reaktionären Mannes, der längst nicht alle Kämpfe gegen seine tiefsitzenden Unsicherheiten gewinnt und der auch seine fragwürdigen Überzeugungen nicht so einfach aufgibt. McConaughey strengt sich nicht an, sympathisch zu erscheinen und wirkt daher umso menschlicher.
Die differenzierte Hauptfigur erweist sich als die wichtigste Qualität von „Dallas Buyers Club“: Ron ist der Underdog, aber er ist auch die meiste Zeit ein Egoist. Er wehrt sich aus eigenem Interesse gegen die schlechte Behandlung im Krankenhaus und als er in Mexiko beim zwangsemigrierten Dr. Vass (Griffin Dunne mit der tollen Charakter-Skizze eines pragmatischen Idealisten) bessere Medikamente findet, denkt er zuerst an die geschäftlichen Möglichkeiten, die diese bieten. Dass Ron sich auch ändert, ist am besten in den subtilen gemeinsamen Szenen mit Jared Letos („Requiem for a Dream“) Transsexueller zu erkennen: Wenn Ron im Supermarkt auf einen Ex-Kumpel losgeht, weil der Rayon als „Schwuchtel“ verhöhnt, dann ist er immer noch genauso ein Macho wie vorher, aber er ist eben auch der Freund eines Menschen geworden, für den er anfangs nur Verachtung übrig hatte. Wie Leto wiederum spielt, wie Rayon das erkennt, ist eine weitere kleine Meisterleistung und einer der bewegendsten Momente des Films. Er wurde ebenfalls mit dem Golden Globe ausgezeichnet und das passt besonders gut, weil seine Figur in ihrer sanften, mitfühlenden (und sehr weiblichen) Menschlichkeit gemeinsam mit Jennifer Garners einfühlsamer und still rebellierender Ärztin Dr. Eve Saks das Beste aus Ron und aus McConaughey hervorbringt.
Fazit:
Ein herausragender
Hauptdarsteller mit wunderbaren Partnern in einem unaufgeregt erzählten
Film von stiller Intensität, der hin und wieder Gänsehaut verursacht. Wir vergeben krisenfreie 7,5 von 10 Punkte. (mk)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen