Mittwoch, 31. Dezember 2014

Exodus: Götter und Könige 3D OV



Facts:

Genre: Action, Fantasy
Regie: Ridley Scott
Cast: Christian Bale, Joel Edgerton, John Turturro
Laufzeit: 151 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 

Moses (Christian Bale) und Ramses (Joel Edgerton) wachsen zusammen in der ägyptischen Pharaonenfamilie auf. Obwohl sie keine Blutsverwandtschaft verbindet, stehen sie sich doch sehr nahe. Während sie älter werden, nimmt das gegenseitige Verständnis jedoch immer weiter ab. Ramses steigt zum Pharao auf – Moses, der als Kind im Fluss gefunden wurde und aufgrund seiner Herkunft eigentlich gar nicht Ägypter ist, wird zur Stimme der unterdrückten Israeliten, die in Ägypten als Sklaven zum Bau der Pyramiden gezwungen werden. Eines Tages hat Moses eine Vision, in der Gott selbst erscheint und ihm aufträgt, die Israeliten durch die Wüste in das kanaanäische Land zu führen, um sie so von der Unterdrückung zu befreien. Moses wird dem Befehl folgen. Mit insgesamt 600.000 Ex-Sklaven geht er auf eine vierzig Jahre währende Wanderung zum Gelobten Land, dem Willen und den Streitkräften Ramses zum Trotz…

Bewertung:

Zwei Dinge stehen im Mittelpunkt von Ridley Scotts Monumental-Epos: gewaltige Bilder und die konfliktbeladene Beziehung zwischen den „Brüdern“, die zu Feinden werden. Gleich zum Auftakt führen Rhamses und Moses gemeinsam die ägyptischen Truppen in eine opulent inszenierte große Schlacht gegen die Hethiter: Immer wieder geht es in die Vogelperspektive, um dem Zuschauer zu verdeutlichen, was hier für Menschenmassen aufeinanderprallen, dann wieder ist die Kamera mitten im Getümmel und die Nahansicht wird per Zoom verlassen, was den Effekt der daraus resultierenden Totalen noch erhöht. Die Schauwerte stehen im Vordergrund, aber auch der Gegensatz zwischen den beiden Protagonisten wird hier bereits eingeführt. Rhamses und Moses haben verschiedene Auffassungen über die taktische Gestaltung der Schlacht und es zeigt sich alsbald, dass es dem einen zuerst um seine Macht geht, dem anderen dagegen vor allem um Gerechtigkeit. So schnell Scott hier die unterschiedlichen Charaktere seiner Hauptfiguren verdeutlicht, so wenig gelingt es ihm allerdings im Fortlauf des Films, diese mit Nuancen zu versehen. Nur selten kommen auch Zwischentöne zu ihrem Recht und dann sind zumindest Konturen von vielschichtigen Persönlichkeiten zu erahnen – etwa wenn Rhamses einmal nicht nur der brutale Herrscher sein darf, sondern auch der liebende Familienvater – ein Moment, der später im Film noch wichtig werden soll.

Die Schauspieler bekommen in „Exodus“ nur wenig Gelegenheit, ihr Können voll auszuspielen. Christian Bale ist als Moses zwar ein charismatischer Anführer, aber dessen innere Konflikte kommen oft ein wenig zu kurz. So wird etwa die schwere Entscheidung, ob Moses seine Familie für die Befreiung „seines“ Volkes zurücklassen soll, allzu rasch abgehandelt. Nur bei den Konfrontationen mit Gott erhält Bale mehr Raum - und brilliert. Diese Szenen sind auch deshalb so reizvoll, weil Ridley Scott zwar auf bekannte Elemente wie den brennenden Dornbusch zurückgreift, aber trotzdem einen Weg findet, dem Schöpfer ein Gesicht zu geben. Im Vergleich zu Bale hat Joel Edgerton als Rhamses dennoch gerade im finalen Drittel des Films die stärkeren Einzelmomente. Am eindrücklichsten sind dabei jene Szenen, in denen der Pharao zwischen Rache- und Machtgelüsten auf der einen und der Sorge um seine Familie auf der anderen Seite hin- und hergerissen ist. Die starke Konzentration auf das „Bruder“-Duo sorgt indes dafür, dass alle anderen Figuren nur Beiwerk bleiben. So erschließt sich kaum, welchem erzählerischen Zweck die Szenen dienen sollen, in denen Joshua (Aaron Paul) heimlich Moses im Zwiegespräch mit Gott beobachtet, denn sie bleiben schlicht ohne Folgen. Sigourney Weaver und Ben Kingsley bleiben bessere Statisten, während sich bei John Turturro solides Handwerk und unfreiwillige Komik abwechseln. Einzig Ben Mendelsohn als intriganter Strippenzieher Hegep hat einige gute Momente.

„Exodus: Götter und Könige“ erinnert nicht nur durch die Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Protagonisten, die den zwei Seiten einer Medaille entsprechen, an Ridley Scotts oscargekrönten „Gladiator“. Doch das Filmschicksal von Moses und den Israeliten ist nicht so bewegend wie der Leidensweg von Russell Crowes Maximus. In „Exodus“ fehlen schlicht die Momente, in denen man wirklich mit den Unterdrückten mitfiebert (weder die kurzen Szenen in der Sklaverei noch der einfallslos bebilderte kräftezehrende Marsch durch die Wüste entfalten die dazu nötige Wirkung) und so bekommt ihr Kampf um die Freiheit auch nicht ganz die richtige Spannung – es ist durchaus bezeichnend, dass es die emotionaleren Todesszenen auf Seiten der Ägypter gibt. So ist „Exodus: Götter und Könige“ letztlich ein ziemlich kühler, aber auch ein visuell prachtvoller Film: Der absolute Höhepunkt ist die Teilung des Roten Meeres mit der anschließenden Riesenflutwelle, ein Moment, der wie gemacht ist für das moderne 3D-Kino - und Scott holt mit seinen Mitstreitern das Maximum heraus. Auch bei den biblischen Plagen ist der Regisseur voll in seinem Element. Wenn Horden von Krokodilen das Wasser rot färben, wenn später Frösche und Heuschrecken das Land heimsuchen, wähnt man sich in einem beeindruckenden Big-Budgt-Tier-Horror-Movie.

Während sein Kollege Darren Aronofsky bei „Noah“ die Bibelvorlage nutzte, um auch aktuelle Themen (wie unsere ökologische Verantwortung) anzuschneiden, enthält sich Scott – abgesehen von einem herausragenden Schlussunkt mit Ausrufezeichenaussage - weitgehend solcher klaren zeitgenössischen Bezugnahmen und wenn es dazu mal einen interessanten Ansatz gibt, lässt er ihn oftmals schnell fallen. So erinnert die Strategie der aufbegehrenden Israeliten, die ihre Aktionen zunächst gegen das ägyptische Volk richten, um Unruhe zu stiften an die Taktik vieler Terroristengruppen, die Anschläge gegen die (unschuldige) Zivilbevölkerung verüben. Bevor man sich als Zuschauer jedoch mit dieser moralischen Grauzone auseinandersetzen kann, übernimmt Gott das (Terror-)Ruder. Er erscheint hier ganz nach den Buchstaben des Alten Testaments als rachsüchtige Instanz, die straft und vernichtet und auch nicht davor zurückschreckt, die Kinder der Ägypter zu töten. Auch hier nutzt Scott nicht die Möglichkeit zur reflektierten Vertiefung: Die Frage, wie Moses und die Israeliten diesem Gott noch folgen können, wird nur kurz aufgeworfen – ehe die nächste hochklassige und beeindruckende Spektakelsequenz über alle Ansätze zur Nachdenklichkeit hinwegfegt: „Exodus: Götter und Könige“ ist so weniger ein Film fürs Hirn als für die Sinne.

Fazit:

Bildgewaltiges 3D-Spektakel, bei dem (abgesehen von der finalen Aussage) inhaltliche und thematische Aspekte allerdings immer wieder auf der Strecke bleiben. Wir vergeben dafür 6,5 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 28. Dezember 2014

Die Entdeckung der Unendlichkeit



Facts:

Genre: Biografie
Regie:  James Marsh
 
Cast: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Tom Prior
Laufzeit: 123 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:
Universal Pictures Germany


(c) Universal Pictures Germany

Inhalt: 

Während seines Studiums an der renommierten Cambridge University in den 1960er Jahren verliebt sich der brillante Naturwissenschaftler Stephen Hawking (Eddie Redmayne) bis über beide Ohren in die Sprachenstudentin Jane Wilde (Felicity Jones). Einen herben Rückschlag erhält der theoretische Physiker, der sich vor allem mit dem Phänomen der Zeit und dem Ursprung des Universums beschäftigt, im Alter von nur 21 Jahren, als bei ihm die degenerative Nervenkrankheit ALS diagnostiziert wird. Die Ärzte geben ihm nur noch etwa zwei Jahre zu leben. Doch schiere Willenskraft und nicht zuletzt die Liebe Janes, die ihn nach dem niederschmetternden Befund nicht etwa verlässt, sondern seine Frau wird, helfen ihm, den immer größeren körperlichen Einschränkungen zu trotzen und schließlich mit seinen bahnbrechenden Forschungen in die Geschichte einzugehen.

Bewertung:

Stephen Hawking kennt wohl jeder und seinen körperlichen Ist-Zustand hat jeder vor Augen. Der legendäre britische Physiker ist bewegungsunfähig und kann mittlerweile nur noch über den Augenkontakt kommunizieren. Regisseur James Marsh widmet sich allerdings der Frühphase von Hawkings wissenschaftlicher Laufbahn und beginnt seine Erzählung im Jahr 1963, sodass das Publikum den brillanten Wissenschaftler auch vor seiner folgenschweren Erkrankung erleben kann. 

So macht Marsh die Forschungen Hawkings zum Ursprung des Universums ganz im Sinne des populären Physikers durch Vereinfachung und Zuspitzung auch für Laien nachvollziehbar. Es geht in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ letztlich auch nur am Rande um das Wesen der Zeit, denn im Kern ist der Film ein charmantes romantisches Drama, das im Ton einer leichten Liebeskomödie beginnt und sich später zu einer pikanten Dreiecksgeschichte mit dem Witwer Jonathan Hellyer Jones (Charlie Cox) entwickelt, was interessante moralische Fragen provoziert. So macht Marsh aus einer ganz speziellen Geschichte eine universelle – denn trotz aller schwierigen Umstände kämpfen Stephen und Jane um die Liebe.     

Das Schicksal Hawkings lässt niemanden unberührt – der Regisseur weiß das und aktiviert das Mitgefühl der Zuschauer. Er verschafft dem jungen Wissenschaftler, der schon zu einer Zeit, als es diesen Begriff noch gar nicht gab, ein Nerd war, alle Sympathien: Zu sehen, wie sein Körper nach kleineren Defekten mehr und mehr zerfällt, ist schockierend, aber der Lebensmut und die Weisheit, mit denen sich Hawking seinem schweren Schicksal stellt, sind eine wahre Inspiration – das vermittelt Marsh, ohne dass der Film dabei jemals belehrend oder beschönigend wirkt. Was Inhalt und Erzählstruktur angeht, folgen der Regisseur und sein Drehbuchautor Anthony McCarten indes dem starren Schema der allermeisten biografischen Spielfilme und haken entscheidende Lebensereignisse ab. Bezeichnend für diese Herangehensweise ist die Deutlichkeit, mit der Hawkings erste kleine motorische Ausfälle dokumentiert werden, das Publikum wird förmlich mit der Nase darauf gestoßen. Hawkings Leben erscheint hier über die drei Jahrzehnte bis in die 90er als eine Folge schicksalhaft zusammenhängender Schlüsselmomente, was im Ganzen betrachtet sehr gezwungen wirkt. Allerdings sind viele der einzelnen Szenen gerade durch die Unausweichlichkeit der Entwicklung so berührend.

Die fehlende erzählerische Risikobereitschaft machen die beiden fantastischen Hauptdarsteller ohnehin mühelos wett. Eddie Redmayne nutzt die Chance seines Lebens und geht ganz in seiner anspruchsvollen Rolle auf. Mit Akribie und Disziplin zeichnet er den physischen Verfall nach, die schiefe Kopfstellung, die gekrümmte Hand, auch die nach und nach verblassende Sprachfähigkeit – all diese körperlichen Herausforderungen meistert Redmayne perfekt, aber das Herzstück seines Porträts ist die feinfühlige Darstellung eines ungebrochenen Geistes: Hawkings Selbstironie und sein feiner Humor werden zur Waffe gegen die erniedrigenden Einschränkungen eines fremdbestimmten Lebens. Redmaynes beeindruckende Tour de Force konnte man angesichts der Rolle vielleicht nicht zwangsläufig erwarten, aber doch erhoffen. Daneben ist die herausragende Leistung von Felicity Jones eher überraschend, denn sie steht als Frau an Hawkings Seite eben nicht im Schatten des Kollegen, sondern erweist sich als ebenbürtige Partnerin. Jane hat sich zu Beginn der Beziehung für den bedingungslosen Kampf entschieden und Jones bringt uns die unglaubliche Willenskraft der zierlichen Frau pointiert und nuanciert nahe, ohne die Mühen und Schwierigkeiten herunterzuspielen, die das Leben mit Stephen Hawking mit sich bringt. 

Fazit:

James Marshs emotional-charmantes Biopic-Drama „Die Entdeckung der Unendlichkeit” ist das Gegenteil von einer staubtrockenen Geschichtsstunde. Das Leben des brillanten Physikers Stephen Hawking und dessen Liebe zu seiner ersten Frau werden zu einer berührenden Kino-Reise. Hierfür vergeben wir atemberaubende 9 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 19. Dezember 2014

Nachts im Museum 3: Das geheimnisvolle Grabmal



Facts:

Genre: Fantasy
Regie: Shawn Levy
Cast: Ben Stiller, Robin Williams, Owen Wilson
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Fox Deutschland

(c) Fox Deutschland


Inhalt: 

Nachtwächter Larry Daley (wieder gespielt von Ben Stiller) muss sich in seinem Job einmal mehr mit einigen historischen Komplikationen herumschlagen. Diesmal wird das British Museum in London von dem Spuk heimgesucht. Mit von der Partie sind Daleys alte Freunde Teddy Roosevelt (Robin Williams), Miniatur-Cowboy Jedediah (Owen Wilson), Sacajawea (Mizuo Peck), Attila der Hunne und Pharao Ahkmenrah, dessen magische Tafel für die Erweckung des Museumsinventars überhaupt erst verantwortlich ist. In London trifft Larry Daley auf britische Ikonen wie beispielsweise Sir Lancelot (Dan Stevens), aber auch auf einen weiteren ägyptischen Pharao (Ben Kingsley). Nicht alle Ausstellungsstücke heißen den neuen Nachtwächter im British Museum willkommen – langweilig werden seine Schichten auch dieses Mal nicht…

Bewertung:

Schon die ersten beiden Filme der Reihe waren eine polternde Mischung aus Effektspektakel und gutgelaunter Albernheit, versehen mit einem Schuss Sentimentalität. Am besten geht die Formel immer dann auf, wenn mit den offensichtlichen Paradoxien der Erzählung und ihren verschiedenen Ebenen gespielt wird. Wenn etwa die berühmte Lithografie „Relativität“ von M.C. Escher mit ihren optischen Täuschungen urplötzlich zur dreidimensionalen Stolperfalle und zum Schauplatz eines irren Duells wird. Der Wortwitz im 3. teil entspricht den Gags mit Affenpisse an anderer Stelle – feinsinnig ging es in „Nachts im Museum“-Filmen noch nie zu.  Aber selbst die albernsten Pointen werden von Vollblutkomikern wie Owen Wilson („Midnight In Paris“) und Steve Coogan („Philomena“) ohne falsche Scheu ausgespielt.
 
Dana Stevens als etikettenbewusster Lancelot ist der schillerndste Reihenneuzugang, dazu kommen Ben Kingsley als würdevoller Pharaoh und Rebel Wilson als enthemmte Londoner Nachtwächterin, die sich mit dem Steinzeitmenschen Laaa ihren animalischen Trieben hingibt. Das muss allerdings jugendfrei bleiben und so ist das Gerangel eher kurios als komisch. Das übliche Geplänkel zwischen Ben Stiller und seinem Filmsohn wiederum erscheint auch diesmal als reine Konvention und Füllmaterial, Ähnliches gilt auch für einige Actionsegmente. Wehmut beschleicht den Kinofan dagegen, wenn Stiller seine Vorgänger besucht und es eine letzte kurze gemeinsame Szene der Veteranen Dick Van Dyke, Bill Cobbs und des im April 2014 verstorbenen Mickey Rooney gibt. Und wenn die Wachsgeschöpfe aus dem Museum beim Aufgehen der Sonne buchstäblich dahinzuschmelzen drohen, dann hat die Szene ohnehin fast etwas Poetisches, aber beim Anblick des wehmütig Abschied nehmenden Robin Williams in seinem finalen Auftritt als Teddy Roosevelt bekommt das Filmthema von Wiederbelebung und Vergänglichkeit noch eine ganz andere Dimension und „Nachts im Museum 3“ beweist, dass der Tod nicht das Ende ist.

Fazit:

Beim vorläufigen Abschluss der „Nachts im Museum“-Reihe bleibt das meiste wie es war: Auch der dritte Teil bietet durchschnittliche Familienunterhaltung auf hohem technischen Niveau. Dafür vergebern wir mittelmäßige 5 von 10 Punkte. (mk)

Samstag, 13. Dezember 2014

Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere 2D OV



Facts:

Genre: Fantasy
Regie: Peter Jackson
Cast: Martin Freeman, Richard Armitage, Evangeline Lilly, Orlando Bloom
Laufzeit: 144 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH


(c) Warner Bros GmbH

Inhalt: 

Als die von Thorin Eichenschild (Richard Armitage) angeführte Zwergen-Truppe ihre Heimat von Smaug (Originalstimme: Benedict Cumberbatch) zurückfordert, entfesselt sie die zerstörerische Kraft des Drachen. Keiner ist mehr sicher vor dem zornigen Ungetüm, das die Seestadt Esgaroth samt Bevölkerung angreift. Ein zermürbender Kampf wird entfacht, der bei allen Beteiligten Spuren hinterlässt. Aber Thorin verweigert den Seestädtern jegliche Hilfe und auch das Gold, das der Drache gestohlen hatte, will er nicht teilen. Hobbit Bilbo (Martin Freeman) versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln, doch vergeblich. Thorin hält ihn für einen Verräter und auch Gandalf (Ian McKellen) kann nichts mehr ausrichten. Es wird aufgerüstet und bald stehen sich die Armeen gegenüber – dabei hat bereits eine noch viel dunklere Bedrohung ihr Augenmerk auf den Einsamen Berg gerichtet: Der dunkle Herrscher Sauron kehrt nach Mittelerde zurück und sendet mehrere Legionen Orks in Richtung Erebor. Die Zwerge, Elben und Menschen können ihrer Vernichtung nur entgehen, wenn sie ihre Konflikte außer Acht lassen. Die Schlacht der Fünf Heere beginnt... 

Bewertung:

Zwei Trilogien, etliche Jahre Lebenszeit - Peter Jackson ist filmisch mit J.R.R. Tolkien fertig. Das bekennt der Neuseeländer nach dem Abschlussfilm „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ freimütig. Kommerziell hat sich auch der „Hobbit“-Mammutakt auf jeden Fall gelohnt: „Eine unerwartete Reise“ (1,02 Milliarden Dollar) und „Smaugs Einöde“ (958 Millionen Dollar) spielten weltweit fast zwei Milliarden Dollar allein an der Kinokasse ein und mit „Die Schlacht der Fünf Heere“ wird sicherlich noch knapp eine Milliarde hinzukommen. Künstlerisch liest sich Jacksons Bilanz hingegen nicht ganz so triumphal. Konzeptionell steckte der Filmemacher allerdings auch in einer kaum lösbaren Zwickmühle: „Der Hobbit“ ist ein Kinderbuch, doch Jackson musste dem Anspruch der meisten Anhänger seiner nicht gerade kinderfreundlichen „Herr der Ringe“-Filme gerecht werden, die sich eine Wiederbelebung des Mittelerde-Gefühls wünschten, wie sie es aus jener ersten Trilogie kannten. Und dieser Erwartung kam der Regisseur nach einer Stunde singender „Der Hobbit“-Huldigung in „Eine unerwartete Reise“ konsequent nach. „Smaugs Einöde“ weist dann schon durchgängig den Erzählton von „Der Herr der Ringe“ auf und bei „Die Schlacht der Fünf Heere“ treibt es der Regisseur jetzt auf die Spitze. Das gewaltige Schlachtenepos ist definitiv kein Kinderfilm, vielmehr kann man Eltern nur davor warnen, ihren Nachwuchs in dieses fast zweieinhalbstündige Gemetzel zu schicken, weil es für jüngere Zuschauer viel zu unheimlich und brutal ist.

Dass der dritte „Hobbit“-Film nun trotz seiner handwerklichen Klasse hinter dem Vorgänger zurückbleibt, hat zwei Hauptgründe. Zum einen fehlt dem Werk mit der extrem einseitig auf Smaugs Angriff auf Seestadt, die titelgebende monumentale Schlacht der Fünf Heere sowie den Abschied von allen Beteiligten und Toten zugespitzten Handlung die erzählerische Ausgewogenheit und durch den starken Akzent auf Action auch die Substanz. Das wird durch die überragenden Schauwerte der Schlachten, bei denen sich einmal mehr Jacksons Meisterschaft als Regisseur von Massenszenen und Kämpfen zeigt, allerdings recht gut kaschiert. Allerdings hat die Konzentration auf Äußerlichkeiten zugleich auch zur Folge, dass die großen Gefühle, die zu einem Epos wie diesem dazugehören, zu nicht unbeträchtlichen Teilen auf der Strecke bleiben – und das fällt deutlich stärker ins Gewicht. Jackson versucht dieses Defizit wettzumachen, indem er dem Publikum ans Herz gewachsene alte Bekannte in kleinen Nebenhandlungen ins Feld schickt, was immerhin in Ansätzen gelingt. Während Gandalf (Ian McKellen) und Legolas (Orlando Bloom) zumindest am Rande noch aktiv ins Geschehen eingreifen, absolvieren Galadriel (Cate Blanchett), Elrond (Hugo Weaving), Saruman (Christopher Lee) und der alte Bilbo (Ian Holm) allerdings kaum mehr als Cameos - trotzdem ist es eine Freude, sie alle wiederzusehen.

Die deutlichen erzählerischen Schwächen würden anderen Filmen womöglich das Genick brechen, aber das ist hier anders, denn inszenatorisch liefert Peter Jackson erneut Arbeit auf allerhöchstem Niveau ab. Seine epischen Schlachten einschließlich der auch hier wieder tollen Musik von Howard Shore könnte sich der neuseeländische König Mittelerdes patentieren lassen – da vermag ihm kaum ein anderer Filmemacher das Wasser zu reichen. Voller Grimm hauen sich Orks, Zwerge, Elben, Menschen und ein Hobbit die Schädel ein, und immer wenn man denkt, das Lebenslicht einer wichtigen Figur erlischt, kommt von irgendwo ein Pfeil oder eine Axt geflogen – jedenfalls bis zum verlustreicheren Finale. Dabei wechselt Jacksons Stammkameramann Andrew Lesnie immer wieder in die Vogelperspektive und fängt majestätische 3D-Panoramen ein, in denen die monströs-beeindruckenden realen Bauten wie etwa das Tor von Erebor besonders gut zur Geltung kommen. Immer wenn wir die ganze Dimension von Jacksons filmischer Tolkien-Welt bewundern dürfen, kommt echte Kino-Magie auf, da fällt letztlich auch der CGI-Overkill in einigen Innenaufnahmen Erebors und vor allem in der brennenden Seestadt nicht allzu stark ins Gewicht. Ein bisschen weniger Computereinsatz hätte der Atmosphäre jedoch insgesamt durchaus gut getan. Der bereits bei den ersten beiden Filmen vieldiskutierte Einsatz der sogenannten High Frame Rate (mit 48 statt 24 Bildern pro Sekunde) bleibt im Ergebnis wiederum weiterhin Geschmackssache.

„Die Schlacht der Fünf Heere“ ist ein Kriegsfilm, die Mimen haben sich der Dynamik des Kampfes zu unterwerfen. Martin Freeman („Per Anhalter durch die Galaxis“) als junger Bilbo Beutlin strahlt immerhin einige Chuzpe aus, er stiehlt sich schelmenhaft einige Szenen und besitzt auch als einziger so etwas wie Ambivalenz. Die restlichen Figuren weisen hingegen keine sonderliche Tiefe oder Finesse auf - für Abgründe ist im Schlachtengetümmel einfach kein Raum. Das extremste Beispiel ist der Seestadt-Schurke Alfrid (Ryan Gage), der sich in seiner plumpen und unablässigen Hinterhältigkeit letztlich als komplett überflüssig erweist. Selbst Richard Armitage als zwischen Wahnsinn und Herzensgüte hin- und hergerissener Thorin nutzt die „Beförderung“ zum formalen Hauptdarsteller wenig, weil er das innere Drama nicht ausspielen kann und so wirkt der Wandel des Zwergenführers abrupt und holprig. Am Ende ist „Die Schlacht der Fünf Heere“ trotz allem ein versöhnlicher Abschluss für die Trilogie und auch für den Zyklus von allen sechs Mittelerde-Filmen. Und wenn Peter Jackson zum großen Abschiednehmen ins Auenland zurückkehrt, dann beschwört er ein letztes Mal erfolgreich jenen unverwechselbaren Geist, den er einst mit „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ zum ersten Mal auf die Leinwände zauberte.

Fazit:

Mittelerde im Krieg - Peter Jackson bläst zum letzten Angriff! Der Abschluss seiner „Hobbit“-Trilogie ist ein technisch erstklassiges Fantasy-Action-Abenteuer, das emotional unterentwickelt und erzählerisch monoton sein mag, aber immerhin die größte Schlacht der Reihe (vielleicht sogar der Kinogeschichte) und ein warmherziges Ende bietet. Dafür vergeben wir rühseelige 8 von 10 Punkte. (mk)