Samstag, 17. März 2018

Tomb Raider 2018


Facts:
Genre: Abenteuer, Action
Regie: Roar Uthaug
Cast: Alicia Vikander, Dominic West, Walton Goggins
Laufzeit: 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH


(c) Warner Bros GmbH


Inhalt:
Vor sieben Jahren verschwand Lord Richard Croft (Dominic West), der Vater der mittlerweile 21-jährigen Lara Croft (Alica Vikander), doch noch immer hat sie nicht die Kontrolle über dessen global agierendes Wirtschaftsimperium übernommen, sondern lebt als Fahrradkurierin in London. Eines Tages beschließt Lara dann jedoch, den vermeintlichen Tod ihres Erzeugers aufzuklären. Dafür reist sie zu seinem letzten bekannten Aufenthaltsort, einer kleinen Insel vor der Küste von Japan. Dort hatte dieser ein geheimnisvolles Grabmal untersucht. Doch kaum an der Insel angekommen, sieht sich Lara zahlreichen lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt und sie muss bis an ihre Grenzen gehen und – ausgestattet lediglich mit ihrem scharfen Verstand und ihrem beträchtlichen Willen – um ihr Überleben kämpfen.


Bewertung:
Nach neun Teilen der Hauptserie wurde die 1996 gestartete Videospielreihe „Tomb Raider“ im Jahr 2013 mit einem ebenfalls schlicht „Tomb Raider“ betitelten Reboot fit für die nächste Gamer-Generation gemacht. Statt um eine erfahrene Abenteuerin geht es darin um die 21 Jahre junge Nachwuchsarchäologin Lara Croft, die erste Erfahrungen als Forscherin sammelt. Diese Frischzellenkur kam offenbar auch bei den Spielern sehr gut an, denn mit etwa elf Millionen verkauften Einheiten mauserte sich der Neustart zum erfolgreichsten Teil der gesamten Reihe. Eine frische Lara Croft plus ein solch neu entfachtes Interesse seitens der Spielerschaft? Damit war natürlich der perfekte Zeitpunkt gekommen, um nach den zwei Angelina-Jolie-Blockbustern von 2001 und 2003 auch die Kinoversion der wohl ikonischsten aller Videospielheldinnen einer Reboot-Behandlung zu unterziehen.

Und tatsächlich: Trotz des Ausstiegs der für den Part sicherlich auch gut geeigneten Daisy Ridley, die wegen ihrer Verpflichtungen für „Star War 9“ absagen musste, haben die Verantwortlichen mit der Oscarpreisträgerin Alicia Vikander („Ex Machina“, „The Danish Girl“) eine in jeder Hinsicht hervorragend passende Hauptdarstellerin gefunden, die aus Lara Croft eine zeitgemäße Actionheldin für das Jahr 2018 macht. Nur ist es dem Regisseur Roar Uthaug und seinen Drehbuchautoren Geneva Robertson-Dworet („Captain Marvel“) und Alastair Siddons („Das Gesetz der Familie“) leider nicht gelungen, ihrer überzeugenden Protagonistin in „Tomb Raider“ auch noch ein angemessenes Leinwandabenteuer auf den Leib zu schneidern.


Gleich in der allerersten Szene sehen wir Lara beim Kickboxtraining – und zwar wie sie von ihrer Sparringspartnerin Rose (Annabel Elizabeth Wood) ziemlich übel vermöbelt wird. Auch im Pfandhaus lässt sie sich kurz darauf von dem schmierigen Max (Nick Frost) beim Verkauf eines antiken Amuletts leicht über den Tisch ziehen, während sie jedes Pfund zwei Mal umdrehen muss, weil sie mit dem Essenausfahren kaum mehr als den Mindestlohn verdienen dürfte. Die neue Lara Croft ist eben nicht länger eine omnipotente weibliche Version von 007, wie es noch bei der Interpretation von Angelina Jolie der Fall war, sondern eine zwar extrem talentierte, aber längst noch nicht ausgelernte Nachwuchsabenteurerin, die auch öfter mal auf die Schnauze fällt.

Das macht die Figur erst einmal spannend, zumal Alicia Vikander diese Unfertigkeit auch perfekt verkörpert: Zwar hätte man der zartgebauten Schwedin ein solche Kickass-Rolle vorab gar nicht unbedingt zugetraut, aber sie hat sich in der Vorbereitung sogar derart viele Muskeln drauftrainiert, dass man es ihr nun sogar abkauft, wenn sie an einer Stelle das Gesicht eines bestimmt doppelt so schweren Handlangers vom Typ Bodybuilder solange in eine Schlammpfütze drückt, bis er nicht einmal mehr zuckt. Trotzdem muss Lara auch nach der Kickbox-Demütigung zu Beginn im Verlauf der Handlung weiterhin eine ganze Menge einstecken, was sich auch in ihrem zunehmend von Bandagen, Schrammen und Wunden geprägten Äußeren widerspiegelt.

Allerdings bleibt es größtenteils bei diesen äußeren Manifestationen. Man sieht die Schrammen, aber man fühlt sie nicht. Anders als etwa bei Bruce Willis in „Stirb langsam“, wo man jede einzelne Glasscherbe an seinen eigenen Füßen zu spüren glaubt, gelingt es Roar Uthaug viel zu selten, seinen Actionszenen die nötige Körperlichkeit zu verleihen. Und damit meinen wir gar nicht mal in erster Linie, dass das zugrundeliegende Spiel noch ab 18 Jahren freigegeben war, während die Verfilmung nun sogar eine FSK ab 12 bekommen hat. Vielmehr leiden die Actionszenen abgesehen von einem sehenswerten (weil handgemachten) Fahrradrennen durch die stark befahrene Londoner City ganz allgemein an schwachen CGI-Effekten, die den zerschellenden Schiffen, auseinanderbrechenden Rostflugzeugen und einstürzenden Grabkammern leider jegliches Gewicht rauben.

Wenn Lara mit einem zerlöcherten Fallschirm durch die Gipfel eines dichtbewachsenen Waldes hindurch abstürzt und schließlich auf dem Boden aufschlägt, dann wirkt das fast so, als würde Vikander auf den letzten paar Metern vor dem Aufprall von einem Computer ausgespuckt. Nun wurde der Norweger Roar Uthaug ja sicherlich auch deshalb angeheuert, weil es ihm in dem Tsunami-Drama „The Wave“ mit einem verhältnismäßig geringen Budget gelungen ist, wahrhaft beeindruckende Computeranimationen zu erschaffen. Im Fall von „Tomb Raider“ hätten aber unbedingt noch zehn bis zwanzig Millionen Dollar mehr in Richtung der Effektabteilung fließen müssen.

Aber es ist nicht nur das Fehlen des Eindrucks von Gewicht und Schwere, das uns an den Zerstörungssequenzen stört. Abgesehen vom Fahrradrennen fallen die Actionszenen auch allesamt arg generisch aus, womit sie sich einer Story anpassen, die ebenfalls so gar nichts Erinnernswertes an sich hat. Egal ob der Weg nach Yamatai, die bleihaltigen Auseinandersetzungen auf der Insel oder eine ausgedehnte Grabkammermission im finalen Drittel – all das entpuppt sich als „Indiana Jones“-Plot nach Schema F ohne Witz, Charme und Spannung. Oder anders gesagt: „Tomb Raider“ ist leider ein ziemlich ödes Abenteuer. Wobei neben Vikander zumindest noch Walton Goggins als Bösewicht überzeugt, während der Rest des Cast völlig blass bleibt. Vor allem Dominic West („The Wire“) ist als Lord Croft eine harsche Enttäuschung.

Gamer haben hier zumindest den Vorteil, dass sie den vielen Leerlauf nutzen können, um nach den zahlreichen Anspielungen auf die Videospielreihe Ausschau zu halten. Davon gibt es nämlich reichlich, auch wenn wir euch an dieser Stelle lieber kein einziges Beispiel nennen wollen, schließlich ist diese Easter-Egg-Suche häufig das einzige Vergnügen, das einem bei dieser müden Blockbuster-Expedition noch bleibt.

Fazit: 
Alicia Vikander macht aus Lara Croft eine zeitgemäße Actionheldin, die allerdings in ein Abenteuer geschmissen wird, das sicherlich auch schon zum Release des ersten Teils der Videospielreihe vor 22 Jahren altbacken gewirkt hätte. Deshalb ist „Tomb Raider“ nun auch einer der seltenen Filme, von dem wir uns unbedingt eine Fortsetzung wünschen, obwohl uns der erste Teil nicht sonderlich gut gefallen hat – das Potential für einen richtig guten „Tomb Raider“-Film mit Alicia Vikander ist nämlich definitiv vorhanden.Dafür vergeben wir leicht enttäuschte 6 von 10 Punkte. (mk)

Montag, 19. Februar 2018

Black Panther 3D



Facts:
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy
Regie: Ryan Cooler
Cast: Chadwick Boseman, Andy Serkies, Martin Freeman, Michael B. Jordan
Laufzeit: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
Nach den Ereignissen von „The First Avenger: Civil War“ begibt sich T'Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman) zurück in seine afrikanische Heimat Wakanda. Er bereitet sich darauf vor, seinen rechtmäßigen Platz als König des isolierten, aber technologisch höchst fortschrittlichen Staates einzunehmen, obwohl er das nicht geplant hatte. Der Söldner Erik Killmonger (Michael B. Jordan) will ihm die Regentschaft jedoch streitig machen und sucht sich für sein Vorhaben Unterstützung beim zwielichtigen Waffenschieber Ulysses Klaue (Andy Serkis). Um das Erbe seines Vaters und seine Position als König zu bewahren, tut sich der Held mit CIA-Agent Everett K. Ross (Martin Freeman) zusammen. Außerdem unterstützt von den Mitgliedern der Dora Milaje (unter anderem Danai Gurira), einer exzellent ausgebildeten Kriegerinnentruppe, und seiner Exfreundin, der Spionin Nakia (Lupita Nyong'o), nimmt der Black Panther den Kampf gegen die beiden Schurken auf...


Bewertung:
Eigentlich ist der erste schwarze James Bond auch schon gefunden, denn die erste Hälfte von „Black Panther“ ist praktisch nichts anderes als die Marvel-Version einer 007-Mission – mit T'Challas kleiner Schwester Shuri (Letitia Wright) als weiblichem Q und einer in einer einzigen langen Einstellung gefilmten Casino-Actionsequenz, die jene aus „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ locker in den Schatten stellt. Es gibt sogar so etwas Ähnliches wie ein unsichtbares Auto, zumindest erzielt Ryan Coogler einen ähnlichen Effekt, wenn sich Shuri in Südkorea eine raffiniert ferngesteuerte Verfolgungsjagd mit Ulysses Klaue liefert, während sie in Wahrheit in Wakanda am Steuer sitzt. Statt auf puren Bombast setzt der Filmemacher zumindest in der ersten Hälfte auf clevere, vergleichsweise bodenständige Action, nur eben ganz gezielt gewürzt mit dem einen oder anderen Schuss Superheldentum – etwa wenn der auf dem Autodach kauernde T'Challa beim Nehmen einer sehr engen Kurve hilft, in dem er seine Pantherkrallen in den Asphalt rammt.

Der Regisseur erweist sich nicht nur in den Actionsequenzen als ausgesprochener Ästhet. Gleich ganz zu Beginn wird die Historie von Wakanda und des Black Panther nacherzählt – und zwar in einer animierten Sequenz, die ausschließlich aus sich verformendem schwarzem Sand besteht. Eine betont mythologische Spielerei, die später aber plötzlich auch in einem ganz praktischen Zusammenhang wieder aufgegriffen wird, denn die mit wakandischer Technologie erzeugten Hologramme haben genau denselben Look wie die eröffnende Animationssequenz. Sowieso ist es eine Stärke des Films, die zahlreichen afrikanischen Einflüsse, seien sie nun kultureller oder ästhetischer Natur, nicht einfach nur als schicke Schauwerte im Hintergrund auszustellen. Stattdessen lässt sie Ryan Coogler mit einer erfrischenden Selbstverständlichkeit in alle erzählerischen und visuellen Entscheidungen mit einfließen – so ist etwa Shuris MRT-artiger Heilungskasten hier nicht wie sonst im Sci-Fi-Genre üblich klinisch-steril weiß, sondern mit bunter afrikanischer Kunst bemalt. Solche Einfälle sind auch nie einfach nur Gimmicks, stattdessen verbirgt sich dahinter ein schlüssiges und konsequent durchgezogenes visuelles Konzept und so finden sich in nahezu jeder Szene des Films solche entdeckungswürdigen Kleinigkeiten.

Neben dem Look ist auch die Erzählung aus der afrikanischen beziehungsweise afroamerikanischen Historie abgeleitet – so ist Erik Killmonger nicht nur ein (fast) direktes Produkt der gewalttätigen Unruhen in Los Angeles 1992 (die erste nicht-animierte Szene des Films spielt zu jener Zeit im nahegelegenen Oakland), sondern würde von seinen Ansichten her sogar als moderner Malcolm X durchgehen. Schließlich ist sein Hauptziel, all den unterdrückten Schwarzen rund um den Globus jene mächtigen Vibranium-Waffen zur Verfügung zu stellen, die Wakanda bisher ganz für sich behält. Sowieso erscheint das fiktive Land und mit ihm auch der neue König T'Challa lange Zeit nicht gerade im besten Licht – einmal fällt sogar der Satz, dass man ja gerne vor Ort helfe, aber keinerlei Flüchtlinge ins eigene Land lassen könne. Die würden nur ihre Probleme mitbringen und schon bald wäre Wakanda nicht mehr das utopische Ausnahmeland, das es aktuell im Marvel-Afrika darstellt. Dieser Protektionismus passt so gar nicht zu den bisherigen Heldenidealen des MCU. Diese Ambivalenz zusammen mit dem einnehmend-intensiven Spiel von Michael B. Jordan, der sich hier nach seinem Marvel-Aussetzer „Fantastic Four“ mehr als rehabilitiert, macht Erik Killmonger zum locker besten MCU-Bösewicht seit Loki.

Mich persönlich hat die Politik des Films jedenfalls auf angenehme (weil zum Nachdenken und Positionieren zwingende) Art ganz schön aus der Bahn geworfen – die perfekte Grundlage für eine melodramatische Königstragödie, bei der ich tatsächlich eine ganze Zeit lang nicht wusste, wen ich denn nun eigentlich lieber auf dem Thron sitzen sehen will. Ein seltenes und gerade deshalb so spannendes Unsicherheitsgefühl – erst Recht in einem Blockbuster dieser Größenordnung. Leider haben die Macher dann aber offenbar doch ein wenig Angst vor der eigenen Courage bekommen – und einige Szenen eingestreut, in denen Erik Killmonger, der auch vorher im Sinne der „gerechten Sache“ schon keinerlei Rücksicht auf Menschenleben genommen hat, als geradeheraus boshaft und teuflisch entlarvt wird. Ohne diese wenigen, für den Fortgang der Handlung durchaus entbehrlichen Momente wäre das Schlussdrittel wahrscheinlich sogar noch um einiges intensiver, weil tragischer ausgefallen. Und einen „echten“ Bösewicht hätte es trotzdem gegeben – Andy Serkis versprüht als Ulysses Klaue nämlich eine solch ansteckend-abgründige Freude am Böse-Sein, dass man echt auf den Gedanken kommt, auf Superschurke umzusatteln - nicht wegen des Geldes, sondern weil es einfach so unglaublich spaßig anmutet.

Mit dem ersten Solo-Film eines schwarzen Superhelden im MCU hätten sich die „Black Panther“-Macher in Sachen Repräsentation eigentlich zufrieden zurücklehnen können. Aber ohne dass er es unangemessen ausstellen würde, geht Ryan Coogler sogar noch weiter – so hält sich Chadwick Boseman abgesehen von einigen Actionszenen weitgehend zurück, während seinem T'Challa immer wieder die Frauen um ihn herum die Show stehlen: So stellt ihn seine kleine Schwester Shuri intelligenzmäßig locker in den Schatten (und steckt ihm selbstbewusst den Mittelfinger entgegen, als er sie in ihre Schranken zu weisen versucht) und es ist seine No-Nonsens-Leibwächterin Okoye, die ihm gleich in der ersten Actionszene den Arsch rettet, als er eine Sekunde zu lange zögert. Dazu kommen mit Oscarpreisträgerin Lupita Nyong'o und dem oscarnominierten Daniel Kaluuya weitere hochkarätige schwarze Hollywoodstars – und plötzlich stößt Martin Freeman als Vertreter des etablierten MCU aus dem Cast heraus wie ein bunter Hund: Während sich im Finale der überwiegende Rest des Figurenarsenals draußen herumprügelt, muss sein CIA-Mann Everett K. Ross ganz allein im Labor hocken und mit einem ferngesteuerten Raumschiff herumfliegen – und genau dieser Dogfight am wakandischen Himmel ist das eine Element des ansonsten abwechslungsreichen abschließenden Spektakels, das sofort an die vor „Black Panther“ noch drohende Einförmigkeit des MCU erinnert. Einfach kein Vergleich zu dem orange-violetten Farben-Finale, das sich T'Challa und Erik Killmonger ein paar Stockwerke tiefer liefern.


Fazit:
„Black Panther“ ist der erste Marvel-Film seit langem, der sich nicht in erster Linie wie ein Marvel-Film anfühlt, sondern wie ein eigenständiges Werk mit eingestreuten Marvel-Elementen. Regisseur Ryan Coogler nutzt seine kreativen Freiheiten voll aus - bis hin zum bisher mit Abstand ästhetisch aufregendsten Marvel-Abspann überhaupt. Dafür vergeben wir nachdenkliche 9 von 10 Punkte (mk).

Montag, 5. Februar 2018

Maze Runner 3 3D



Facts:
Genre: SciFi, Abenteuer
Regie: Wes Ball
Cast: Dylan O'Brien, Kaya Scodelario, Thomas Brodie-Sangster


Laufzeit: 142 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland

 
(c) Fox Deutschland


Inhalt:

Thomas (Dylan O'Brien), seine Freunde und die Widerstandskämpfer von The Right Arm haben sich der mächtigen Organisation WCKD gestellt und wissen nun, warum die „Auserwählten“ so hartnäckig verfolgt werden – in ihnen steckt der Schlüssel zu einem Heilmittel für ein Virus, das "der Brand" genannt wird und dem der Großteil der Menschheit bereits zum Opfer gefallen ist. Nach einem Kampf sind einige von Thomas‘ Freunden in die Hände der Organisation und deren skrupellosen Leiters Janson (Aidan Gillen) gefallen – doch Thomas kann nicht akzeptieren, dass sie zum Wohle anderer ihr Leben lassen sollen, und auch mit der zur Gegenseite gewechselten Teresa (Kaya Scodelario) hat er noch eine Rechnung offen. Mit seinen verblieben Mitstreitern macht sich Thomas auf den Weg in die Letzte Stadt, wo WCKD seinen Hauptsitz hat – und dieser Weg führt sie ausgerechnet dorthin, wo alles begann.

Bewertung:

Wer die ersten beiden „Maze Runner“-Filme nicht kennt, hat Pech gehabt: In „Die Auserwählten in der Todeszone“ wird ohne Umschweife, geschweige denn einordnende Rückblenden, direkt an die Ereignisse aus dem vorherigen Teil angeknüpft. Wes Ball steigt mit einer turbulenten knapp viertelstündigen Actionsequenz in den Film ein, die durchaus als abgespeckte Version von „Mad Max: Fury Road“ durchgeht: Thomas und die Rebellen wollen in dieser spektakulären Szene ihre gefangenen Kameraden aus einem fahrenden Zug befreien und versuchen in einem ebenso ausgeklügelten wie halsbrecherischen Manöver den entsprechenden Waggon bei vollem Tempo abzukoppeln. Während sich einige der Angreifer es auf den Zug schaffen, müssen sich die anderen im hohen Gras der WCKD-Schergen erwehren, die sich ihre menschliche Beute nur ungern stehlen lassen. Wenn zum Abschluss dieser minutiös choreografierten Actionpassage schließlich die spektakuläre Rettung aus der Luft kommt, gibt Wes Ball die Marschrichtung seines Trilogieabschlusses endgültig vor: Hier geht es richtig zur Sache und die Protagonisten um Thomas haben es alles andere als leicht bei ihrem lebens- und letztlich weltrettenden Einsatz.

Nach dem mitreißenden Auftakt verfallen die Filmemacher zunächst allerdings wieder in die Erzählmuster aus Teil 2. Ähnlich wie dort rennen Thomas und Co. auch in „Die Auserwählten in der Todeszone“ erst einmal so lange von A nach B, bis sie mit einer gefährlichen Aufgabe konfrontiert werden. Sobald diese gemeistert ist, wird weiter gesprintet, ehe sie sich der nächsten Herausforderung stellen müssen. Einige Stationen sind dabei mehr (Stichwort: Zombieattacke), einige weniger geglückt – aber die Figurenzeichnung wird dabei gerade im Anbetracht einiger überraschender Verwicklungen etwas vernachlässigt und so löst auch die Rückkehr einer bekannten Figur weniger Euphorie aus, als man es in dieser Situation erwartet hätte. Geschickt streut Drehbuchautor T.S. Nowlin  dagegen mehr und mehr Zweifel über den Zweck der ganzen WCKD-Mission. Bis zur finalen Auflösung (die einer strengen logischen Überprüfung dann leider nicht ganz standhält) legt er immer wieder falsche Fährten und lässt den Zuschauer damit lange im Unklaren darüber, ob hinter den Plänen des skrupellosen Anführers Janson tatsächlich nur das ehrenvolle Vorhaben steckt, ein Heilmittel gegen das Virus zu finden.

In der zweiten Filmhälfte lösen sich Regisseur Ball und Autor Nowlin dann zunehmend von ihrem starren Hangeln von einer Actionsequenz zur nächsten, konzentrieren sich mehr auf die eigentliche Handlung und dringen zum emotionalen Kern der Geschichte vor. Während Dylan O’Brien  trotz der widrigen Drehumstände, die ihm punktuell anzusehen sind, erneut souverän den Anführer und Sympathieträger gibt, liegt ein starker Fokus auf Kaya Scodelarios Teresa mit ihrem moralischen Dilemma und auf dem gesundheitlich stark eingeschränkten Newt (Thomas Brodie-Sangster). Verkamen die Protagonisten im zweiten Teil fast schon zu austauschbaren Actionhelden, werden diesmal die Auswirkungen der Ereignisse auf die einzelnen Figuren in intimen Dialogen erforscht. Und weiterhin gilt, dass hier niemand sicher sein kann, auch wirklich bis zum Ende zu überleben – in diesem Punkt bleiben die Macher ihrer unberechenbaren und spannungsfördernden Linie treu.

Inszenatorisch ist „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ klar der aufwändigste der drei Teile. Neben einer an „The Walking Dead“ erinnernden Hatz zwischen Menschen und Zombies, die den ohnehin überraschend hohen Härte- und Gewaltgrad des Franchise noch einmal in die Höhe schraubt, überzeugen vor allem eine halsbrecherische Rettungsmission mithilfe eines Krans sowie eine Verfolgungsjagd durch die labyrinthartigen (!) Gänge der Forschungseinrichtung. Zugleich hat der 140-minütige Film in der zweiten Hälfte allerdings auch Längen. Insbesondere der von „Game of Thrones“-Star Aidan Gillen verkörperte Janson spult mehrmals bemühte Schurkenreden ab, nur um seine Gegner im letzten Moment doch nicht zu töten. Das macht „Die Auserwählten in der Todestone“ gerade auf der Zielgeraden deutlich zäher als es der flotte Einstieg versprochen hat – trotzdem kann die Trilogie alles in allem als eine der besseren der auf das Young-Adult-Publikum zugeschnittenen Filmreihen der vergangenen Jahre gelten.

Fazit: 
„Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ ist ein solides Franchise-Finale, das mit ausgeklügelter, zum Großteil handgemachter Action punktet, die die erzählerischen Finessen des ersten Teils aber nicht mehr erreicht. Daher vergeben wir nur 6,5 von 10 heilmittelresitente Punkte. (mk)