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Donnerstag, 30. Mai 2019

Rocketman


(c) Paramount Pictures Germany



Inhalt:

Mitte der 60er Jahre in einem Vorort von London: Reginald Dwight (Taron Egerton) ist ein ganz normaler Junge – ein bisschen kräftiger gebaut und ziemlich schüchtern. Nur wenn er am Klavier sitzt, kommt er so richtig aus sich heraus. Seine wahre Leidenschaft allerdings gilt dem Rock’n’Roll, den er aber erst nach seinem Umzug in die englische Hauptstadt ausleben kann. Gemeinsam mit Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) mischt er die Londoner Szene schon bald auf, nur der richtige Name fehlt ihm noch. Mit seiner Umbenennung in Elton John beginnt für ihn schließlich der Aufstieg zu einer der schillerndsten Figuren, die die britische Unterhaltungsbranche jemals hervorbrachte. Er fällt mit seinen aufwändigen Kostümen auf, in denen er einen Nummer-1-Hit nach dem anderen abliefert – bis er eines Tages feststellt, dass nach einem raketenhaften Aufstieg ein tiefer Fall droht. Er kann nicht auf ewig Rocketman bleiben...


Bewertung:

Die alte Rock’n‘Roller-Maxime „Live fast, die young“ hat Elton John, der in seinem Leben mehr als 450 Millionen Platten verkaufte, nur zur ersten Hälfte erfüllt. Dass die zweite überraschenderweise ausblieb, hat ein wenig mit Glück, aber vor allem mit der irgendwann erfolgten Einsicht zu tun, sein Leben radikal ändern zu müssen. Doch davon handelt „Rocketman“ nur in den Schlussszenen, im Vordergrund stehen der Aufstieg und die Selbstzerstörung des Exzentrikers Elton John. Das macht schon der Auftakt deutlich. In einem seiner berühmten, extravaganten Bühnenkostüme schneit John mitten in eine Therapiesitzung herein, wo er sich zum Konsum von allen erdenklichen Drogen bekennt. Er fängt an zu erzählen und so entfaltet sich aus dieser Rehab-Perspektive die eigentliche Geschichte. Die startet im Kindesalter, denn dort macht Regisseur Dexter Fletcher die Grundlagen für Elton Johns Charakterentwicklung aus.

Obwohl Elton hier noch Reggie heißt und nicht auf der Bühne steht, kommt die Musik nicht zu kurz. Besonders im ersten Drittel wechseln die Figuren immer wieder mitten in den Dialogen in Gesangseinlagen, um so ihre Gefühle auszudrücken. Nicht nur dieser Musical-Ansatz unterscheidet das Elton-John-Biopic von „Bohemian Rhapsody“, sondern Regisseur Dexter Fletcher entfesselt immer wieder einen surrealen Rausch und verabschiedet sich aus der Realitätsebene in höhere Sphären. Da heben Elton John und sein gesamtes Publikum auch einfach mal mitten im Konzert ab und schweben nun zur Musik durch den Saal. Diese Momente sind schlicht großartig als bunter Reigen und berauscht von der energetischen Musik des Superstars inszeniert. Und der Rhythmus dieser ekstatischen Szenen fügt sich wunderbar geschmeidig in das künstlerische Konzept der Überhöhung ein.

Nicht nur in den Musical-Einlagen, sondern auch in klassisch arrangierten Szenen sorgen Elton Johns Klassiker mehrere Male für pure Gänsehaut. Wenn der Künstler wieder bei seiner Mutter einziehen muss, was ziemlich demütigend für ihn ist, und dann am heimischen Piano „Your Song“ improvisiert, entsteht ein unglaublich schöner und ehrlicher Moment. Ein weiteres musikalisches und inszenatorische Highlight kreiert Fletcher rund um das Titelstück „Rocketman“, in dem er einen Selbstmordversuch am Grund eines Swimmingpools in einer unwirklichen Welt ansiedelt. Der junge Elton John beginnt den Song am Unterwasserpiano und nach einem Umschnitt beendet der erwachsene Star die Sequenz in einer triumphalen Stadionkonzertaufnahme vor zehntausenden Zuschauern.

Diese ästhetisch außergewöhnlichen Kabinettstückchen haben allerdings auch eine Schattenseite. Sie sind zwar immer superhübsch anzusehen, echte Gefühle entstehen aber nicht in allen Fällen. Besonders deutlich wird dies bei „Tiny Dancer“ – gerade im Vergleich zum berühmten Einsatz in Cameron Crowes Band-Trip-Klassiker „Almost Famous“. Wenn bei Crowe die gerade niedergeschlagenen Protagonisten einer nach dem anderen den fantastisch-atmosphärischen Song anstimmen, gibt das sofort Gänsehaut. Wenn dagegen Taron Egerton in „Rocketman“ das Liebeslied an die „kleine Tänzerin“ zu revueartigen Bildern singt, während Elton Johns Text-Partner Bernie mit einer Frau in einem Tipi verschwindet, ist der Moment einfach nur künstlich und kalt.

Dabei gibt „Kingsman“-Star Taron Egerton als Elton John physisch alles, was er hat und überzeugt mit einer ekstatischen Performance. Der britische Jungstar singt die Songs auch selbst und bringt so eine enorme Vitalität in sein Spiel, zeigt seine Figur aber gleichzeitig verwundbar und im Kern schüchtern und unsicher. Von den Sidekicks gefällt besonders Jamie „Billy Elliot“ Bell als treuer Schreibpartner Bernie Taupin, der über die Jahre der wahre Freund des Musikers ist. Bell verkörpert diese unbedingte Loyalität unaufgeregt und berührend. Als Kontrapunkt der Erzählung dient dagegen Richard Madden („Game Of Thrones“) als Elton Johns cleverer wie knallharter Manager John Reed. Er ist kein eindimensionales Arschloch, das seinen Ex-Lover Elton John disziplinieren will, sondern ein Geschäftsmann, der sein Gut schützt – allerdings, und das ist interessant, aus purem Eigeninteresse und nicht, weil er sich noch um den Menschen dahinter schert.

So stark „Rocketman“ gespielt ist und so bombastisch Dexter Flechters Musical aussieht, so enttäuschend ist es, dass der Zuschauer nach den Kindheitsszenen zu Beginn kaum etwas mehr über den wahren Menschen Reginald Dwight erfährt, sondern lediglich über die selbsterschaffene Kunstfigur Elton John. Die ist quietschbunt, trägt absurd-lustige Kostüme und knallt sich gern mit Drogen bis unter die Schädeldecke voll. Mit einem Näschen Koks und Alkohol zu jeder Tages- und Nachtzeit illustriert Fletcher die Exzesse. Während „Bohemian Rhapsody“ vorgeworfen wird, die Homosexualität Freddie Mercurys zu züchtig zu zeigen, geht Dexter Fletcher auch hier ein wenig weiter. Am Ende wirkt es aber auch ein bisschen pflichtschuldig, weil das Thema quasi mit einer einzigen, nur einigermaßen freizügigen Sexszene zwischen Egerton und Madden abgefrühstückt wird.

Zu Drugs und Rock’n’Roll gehört halt auch zwingend Sex. Das ist das Musiker-Klischee. Und die Schilderung von Elton Johns Wirken ist dann auch oft ein Abhaken solcher Klischees: der überraschende Durchbruch gegen alle Erwartungen, erster Ruhm, das öffentliche Abheben und Verleugnen von guten Freunden, Drogen, Absturz, Einsamkeit, Isolation … und Läuterung! Und zwischen all der knallbunten Inszenierung schwingt mal unterschwellig, mal vordergründig immer Fletchers Fazit über Elton Johns Show-Leben mit: Er ist ein einsamer Mann, der Zeit seines Lebens auf der Suche nach Liebe ist, die ihm aber niemand gewähren will. Dieses Glück findet Elton John erst später, wenn der Abspann des Films schon längst gerollt ist.

 
Fazit: 
Nachdem Dexter Fletcher bei „Bohemian Rhapsody“ erst kurz vor Schluss eingesprungen ist, gibt der Regisseur in seinem Elton-John-Biopic nun selbst nach eigenem Gusto Vollgas und schafft so eine exzentrische Musical-Hommage, die dem Künstler sicherlich gefallen wird – auch, weil er dafür nicht allzu viel Persönliches preisgeben musste.




Text (c) by MK

Sonntag, 7. Januar 2018

Greatest Showman

Facts:
Genre: Drama, Musical
Regie: Michael Gracey
Cast: Hugh Jackman, Zac Efron, Michelle Williams
Laufzeit: 104 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Fox Deutschland

(c) Fox Deutschland


Inhalt:
Als P.T. Barnum (Hugh Jackman) seine Arbeit verliert, treiben ihn und seine Frau Charity (Michelle Williams) Existenzsorgen um. Doch dann hat der zweifache Vater Barnum eine Geschäftsidee: Er gründet ein Kuriositätenkabinett, für das er unter anderem eine bärtige Frau und einen kleinwüchsigen Mann anheuert. Doch er will seinen zahlenden Gästen nicht nur Kurioses bieten, sondern auch eine atemberaubende Show mit Akrobaten wie der Trapezkünstlerin Anne Wheeler (Zendaya) und spektakulären Tänzern. Gleichzeitig sehnt Barnum sich nach dem Respekt der feinen Gesellschaft, die hochnäsig auf seinen Zirkus herabsieht. Er tut sich daher mit dem seriösen Theatermacher Phillip Carlyle (Zac Efron) zusammen und als er bei einer königlichen Audienz der schwedischen Opernsängerin Jenny Lind (Rebecca Ferguson) begegnet, wittert er die Chance darauf, endlich auch in der High Society und in der Kunstszene ernstgenommen zu werden. Er geht mit Jenny auf Amerika-Tournee... 


Bewertung:
Wenn Hugh Jackman („Logan – The Wolverine“) und die hier insgesamt ein wenig unterbeschäftigt wirkende Michelle Williams („Alles Geld der Welt“) noch relativ zu Beginn „A Million Dreams“ singen, dann erlebt das Ehepaar Barnum dabei nicht einen einzelnen träumerischen Moment, stattdessen erzählt der Film während des einen Songs gleich mehrere Kapitel und Jahre, die in wenigen Schnitten viel zu schnell zusammengerafft werden. So fehlt direkt schon mal das emotionale Fundament für die Liebe zwischen den beiden Figuren, aber das fällt auf Dauer gar nicht so sehr ins Gewicht wie ein noch viel grundlegenderes Problem mit Jackmans Figur:

Wenn später im Film Barnums „Kuriositäten“ den Song „This Is Me“ unter der stimmgewaltigen Führung der „Bärtigen Lady“ Lettie Lutz (Keala Settle) zur trotzig-stolzen Hymne der (Selbst-)Ermächtigung machen und dem 21.-Jahrhundert-Publikum dabei einen überdeutlichen Text und eine eingängige aufklärerische Botschaft entgegenschleudern, dann fehlt auch in diesen Momenten wieder die emotionale Unterfütterung, die Verankerung in Story und Figuren. Darüber täuscht nicht einmal die beachtliche Songschreiberroutine des oscargekrönten Duos Justin Paul und Benj Pasek (für „City Of Stars“ aus „La La Land“) hinweg. Denn die Menschen, die Barnum hier als „Freaks“ zur Schau stellt, werden von ihm die meiste Zeit über auch als genau solche behandelt – und das obwohl der Film den ausbeuterischen Impresario in dieser verharmlosten und mit Hugh-Jackman-Charme aufgepeppten Version der Story ja eigentlich als aufgeklärten Held präsentieren will. So überzeugt gerade der eigentlich zentrale, aber immer aufgesetzt wirkende emanzipatorische Aspekt der Handlung nie.

Wenn Barnum seine ungewöhnlichen Stars mit der Beteuerung auf die Bühne lockt, dass sie bei ihm sie selbst sein dürfen, dann bleiben das bloße Lippenbekenntnisse, denn dem armen Schneidersohn ist es viel wichtiger, von der feinen High Society akzeptiert zu werden, die über seinen Zirkus aber sowieso nur die Nase rümpft. Dafür riskiert der Ehrgeizling wenig nachvollziehbar alles, was er sich erarbeitet hat inklusive dem Wohl seiner Familie. So engagiert er zu geradezu ruinösen Bedingungen die schwedische Operndiva Jenny Lind (Rebecca Ferguson), die mit ihrer Stimme (die übrigens Loren Allred gehört) standesgemäße Höchstleistungen vollbringt – obwohl ihr programmatisch betiteltes Bravourstück „Never Enough“ natürlich kein bisschen nach Oper klingt, sondern nach jenem oktavensprengenden Power-Pop à la Whitney Houston oder Céline Dion, an dem sich die weniger talentierten Teilnehmer diverser Castingshows immer wieder die Zähne ausbeißen (an deren Darbietungen wiederum Fergusons steife Performance in der Szene erinnert).

Barnum interessiert ohnehin nur sein Erfolg. Man versucht ihn hier als verträumten Kämpfer für den sozialen Fortschritt zu porträtieren, aber er erscheint sogar in seinen von den Machern offensichtlich positiv gemeinten Momenten immer noch seltsam egozentrisch. Im Gegensatz zu Jackmans fast schon schizophrenem Barnum zeigt Zac Efron („High School Musical“) als Phillip Carlyle echte Abenteuerlust und Neugier auf andere: Er lässt sich in einem schwungvollen gesungenen Saufgelage in der Kneipe vom Zirkusdirektor überreden (auch Jackmans beste Szene), sein Schickimicki-Theaterleben aufzugeben und Kompagnon beim Kuriositätenkabinett zu werden. Und bei Carlyles misstrauisch beäugter Romanze mit der schwarzen Trapezartistin Anne Wheeler (Zendaya) wird der Kampf mit den Vorurteilen (den eigenen und den fremden) bei aller erzählerischen Verknappung immerhin nachfühlbar. Da ist es dann auch passend, wenn die beiden in einer der besten Shownummern des Films beim einsamen Liebesduett „Rewrite The Stars“ in der Manege abheben.

„Greatest Showman“ beginnt mit dem historischen 20th-Century-Fox-Logo, aber mit klassischem Hollywood-Kino hat dieser Film nichts zu tun. Die Künstlichkeit der Kulissen, Bilder und Farben verweist hier nicht bewundernd-imitierend oder kritisch-kommentierend auf historische Vorbilder (wie es etwa Damien Chazelle in „La La Land“ gemacht hat), sondern fügt sich mit der entfesselt wirbelnden Kamera, der dynamischen und bisweilen desorientierenden Montage sowie den eingängigen Songs zu einem Pop-Retro-Kitsch-Stilpotpourri, das von Ferne an „Moulin Rouge“ erinnert. Aber wo Baz Luhrmann stur seiner eigenen Vision folgte, dabei zum Gewinn des Films jegliche Zurückhaltung ablegte und sich für den Soundtrack einfach die bestmöglichen Songs überhaupt zu einem hinreißend heterogenen Mix zusammenpickte, fehlt der vermeintlichen Außenseitergeschichte „Greatest Showman“ ironischerweise der Mut zum Anderssein. Stattdessen gibt es auf die Dauer ermüdenden Broadway-Einheitssound und schicke, aber kaum bemerkenswerte Choreografien, die das Einstudierte kaum jemals hinter sich lassen und so auch nur selten ins Reich der echten Emotionen vorstoßen. Am Ende stehen einige schöne Einzelmomente und ein paar tolle Stimmen einer holprigen Erzählung und einem unausgegorenen Protagonisten gegenüber, dem auch der sicht- und hörbar engagierte Hugh Jackman mit all seinem Talent kein überzeugendes Profil geben kann.

Fazit: 
Das Musical „Greatest Showman“ ist ein gleichförmiger Film über das Anderssein, ein braver Film über das Risiko und ein zahmer Film über eine provokante Persönlichkeit. Dennoch vergeben wir musikalische 7,5 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 13. Januar 2017

La La Land (OV)



Facts:

Genre:Drama, Muscial, Romanze
Regie: Damien Chazelle
Cast: Ryan Gosling, Emma Stone, John Legend
Laufzeit: 128 Minuten
FSK:  ab 0 Jahre
Verleih:  Studio Canal Deutschland


(c) Studio Canal Deutschland


Inhalt:
Mia (Emma Stone) ist eine leidenschaftliche Schauspielerin, die ihr Glück in Los Angeles sucht. Sebastian (Ryan Gosling) will dort ebenfalls seinen Durchbruch schaffen, allerdings nicht als Schauspieler, sondern als Musiker, der Menschen des 21. Jahrhunderts für traditionellen Jazz begeistern möchte. Mia und Sebastian müssen sich mit Nebenjobs durchschlagen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern – sie arbeitet in Cafés, er sitzt in Clubs wie dem von Boss (J.K. Simmons) am Keyboard. Nachdem sie einander vorm Klavier begegnet und schließlich ein Paar geworden sind, geben sich gegenseitig Kraft. Von nun an arbeiten sie zu zweit daran, groß rauszukommen. Doch schnell müssen Mia und Sebastian feststellen, dass ihre Bestrebungen auch Opfer fordern und ihre Beziehung auf eine harte Probe stellen. Verrät sich Sebastian selbst, wenn er in der Band von Keith (John Legend) Musik spielt, die er gar nicht mag? Und kann Mia ihre Zeilen nicht auch mit ihrem Freund auf Tour lernen, oder muss sie dazu wirklich in L.A. bleiben?  

Bewertung: 
Bereits mit der auf einer der zahlreichen, nach L.A. hineinführenden Brücken angesiedelte Auftakt ist eine Klasse für sich! Die Kamera von Linus Sandgren schwebt auf die stockende Wagenkolonne zu, die sie anschließend – ohne erkennbaren Schnitt – für eine grandiose fünfminütige Eröffnungssequenz ständig umkreist. Aus den haltenden Autos steigen mehr und mehr Menschen aus, in einem der Trucks befindet sich eine Band – und alle gemeinsam besingen sie das Leben und die hoffnungsverheißende Stadt der Engel. Dieser Track gibt bereits die Stimmung für den gesamten Film vor: Immer eine Melodie auf den Lippen, stets schön locker in der Hüfte. Fans von Film-Musicals wird „La La Land“ sowieso zu wahren Freudenstürmen hinreißen. Aber was noch viel beeindruckender ist: Wo in den vergangenen Jahren hier und da mal ein vereinzeltes Musical mehr oder weniger erfolgreich in den Kinos lief , ohne dass man ein paar Monate später noch groß über diese Filme reden würden, trauen wir „La La Land“ ohne weiteres zu, einen ähnlichen Kultstatus wie Baz Luhrmans „Moulin Rouge!“ zu erreichen.

„La La Land“ mag an klassische Hollywood-Musicals angelegt sein, aber das hält Damien Chazelle nicht davon ab, immer wieder interessante neue Wege zu finden, seine nur im Kern simple Geschichte zu erzählen. So pfeift er auf eine lineare Erzählweise und springt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her. Zudem hat er den Film in Kapitel unterteilt, die den vier Jahreszeiten zugeordnet sind. Dennoch stehen natürlich die Tanz- und Gesangsnummern (die in ihrer pompösen Pracht mitunter an den oft unterschätzten „Der große Gatsby“ von Baz Luhrman erinnern) im Mittelpunkt: Emma Stone (das schönste Lächeln seit Julia Roberts) und Ryan Gosling (trägt die coolsten Filmanzüge der Welt) hängen sich voll rein und zeigen eine Menge Seele. Sicherlich tanzen und singen sie nicht so gut oder elegant wie dereinst Fred und Ginger, aber das hatte wohl auch niemand ernsthaft erwartet. Dafür dürfen sie gemeinsam in den Himmel schweben (die gute Art von Kitsch) oder am Ende noch einmal eine alternative Version des gesamten Plots tanzen – vor Chazelles überbordender Phantasie kann man einfach nur den Hut ziehen!

Und immer, wenn man sich Sorgen macht, dass der Film demnächst auf der Stelle treten könnte, lässt der Regisseur seinen Film aus der Perspektive einer anderen Person einfach noch mal von vorn beginnen oder er zaubert so tolle Gaststars wie John Legend aus dem Hut. Oder er schwenkt zu spannenden Debatten über die Leidenschaft, den wahren Jazz und die Lebbarkeit der einen großen Liebe. Hier entwickeln perfekt gekleidete Menschen tatsächlich mal kluge Gedanken über das Leben, die weit über die klassischen Hollywood-Moralweisheiten hinausreichen – so ist „La La Land“ ein Film, der vor allem unheimlich glücklich und dabei auch ein wenig nachdenklich macht.

Fazit: 
Das klassische Hollywood-Musical ist zurück. Damien Chazelle hat mit „La La Land“ einen Instant-Klassiker rausgehauen, der Emma Stone und Ryan Gosling als das aktuelle Traumfabrik-Traumpaar schlechthin etabliert und auch bei der kommenden Oscarverleihung ein ganz gehöriges Wörtchen mitreden wird. Dafür vergeben wir gut gelaunte 9 von 10 Punkte. (mk)