Donnerstag, 6. August 2020

IRRESISTIBLE - UNWIDERSTEHLICH

IRRESISTIBLE - UNWIDERSTEHLICH

Genre: Drama, Komödie
Regie: Jon Stewart
Cast: Steve Carell, Rose Byrne, Chris Cooper
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: 
Universal Pictures International

 

Poster zum Irresistible - Unwiderstehlich - Bild 8 auf 15 - FILMSTARTS.de
(c) Universal Pictures International

 



Inhalt:

Als der Top-Stratege des demokratischen Nationalkomitees, Gary Zimmer (Steve Carell), ein Video sieht, in dem der pensionierte Marine-Oberst Jack Hastings (Chris Cooper) für die Rechte der undokumentierten Arbeiter seiner Stadt eintritt, glaubt er, den Schlüssel gefunden zu haben, um die Wähler im Herzen Amerikas zurückzugewinnen. Bei einem außerplanmäßigen Besuch auf Hastings' Milchviehbetrieb im ländlichen Deerlaken, Wisconsin, überzeugt Gary den unpolitischen Marine im Ruhestand davon, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Zunächst verlässt sich Gary auf Jacks sehr fähige Tochter Diana (Mackenzie Davis) und ein Team von enthusiastischen, wenn auch unerfahrenen Freiwilligen. Als das republikanische Nationalkomitee ihm jedoch entgegentritt, indem es seine brillante Nemesis Faith Brewster (Rose Byrne) schickt, ist Gary mehr als bereit, sein Spiel zu verbessern. Während Gary und Faith sich die Waage halten, eskaliert das, was als lokales Rennen begann, schnell zu einem nationalen politischen Kampf um die Seele Amerikas.


Bewertung:

Aus dem Stoff hätte man – gerade in Anbetracht des aktuellen Zustands des politischen Diskurses in den USA – leicht eine ätzende Satire machen können. Aber Jon Stewart hält sich mit Tiefschlägen zurück und liefert stattdessen eine gefällige Komödie in der Großstädter-auf-dem-Land-Tradition von „Doc Hollywood“, in dem es einst Michael J. Fox als Arzt-Hot-Shot in ein verschlafenes Kleinstadt-Krankenhaus verschlug. In „Irresistible“ wird der Superzyniker Garry nun derartig freundlich empfangen, dass er kaum noch Worte (außer einem ständigen „fuck“) dafür findet.

Angereichert wird die Fisch-aus-dem-Wasser-Komödie mit treffsicheren Beobachtungen, die vor allem die Mechanismen des Politbetriebs und die kollaborierende Rolle der Medien entlarven. So stellen etwa die Moderatoren einer rechtslehnenden „News“-Show die Frage: Schwächt die Kandidatur eines Veteranen als Demokrat die Moral der Truppe? Die Antwort eines der elitären Hosts beginnt mit den entlarvenden Worten: „Wenn ich gedient hätte, dann...“ Zugleich kriegt die demokratische Elite in New York genauso ihr Fett weg, wenn Jack in einem Penthouse in Manhattan den reichen Gastgebern wie ein exotisches Zirkustier vorgeführt wird, um möglichst viele Spenden für den Wahlkampf abzusahnen.

Besonders schön sind auch einige der Gags, mit denen die hochtechnologisierten Wahlkampfmethoden durch den Kakao gezogen werden – so beginnt das Duell zwischen Garry und seiner ständigen republikanischen Rivalin Faith Brewster (Rose Byrne) erst einmal mit dem Kampf um das beste WiFi. Und nachdem Datenexpertin Tina (Natasha Lyonne) per Online-Analyse herausfindet, dass ein Wohnblock mit überwiegend Single-Frauen mittleren Alters bevölkert ist, werden sofort die Pamphlete mit dem politischen Vorschlag für „Kostenlose Empfängnisverhütung“ verschickt – nur um dann festzustellen, dass es sich bei dem „Wohnblock“ in Wahrheit um ein Nonnenkloster handelt.

Es gibt aber auch Momente, in denen man Jon Stewart eine Doppelmoral vorwerfen könnte – zum Beispiel inszeniert er den ersten Blick zwischen Garry und Jacks halb so alter Tochter Diana (Mackenzie Davis) genau so, wie man es von solchen Komödien gewohnt ist. Dem Zuschauer ist sofort klar: Die beiden werden am Ende bestimmt zusammenkommen. Also ist selbst ein Jon Stewart nicht vor dem Alter-weißer-Mann-sahnt-natürlich-die-junge-schöne-Frau-ab-Klischee gefeit? Pustekuchen! „Irresistible“ überrascht noch auf der Zielgeraden mit einem monumentalen Twist, der all diese Dinge aufgreift und auf den Kopf stellt. Aber dass Jon Stewart ein cleveres Kerlchen ist, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten, der jemals einige Folgen seiner „Today Show“ gesehen hat.

Fazit:

„Irresistible - Unwiderstehlich“ ist eine gutgelaunte, fast schon fröhliche Politsatire – und das ist in der heutigen Zeit ja vielleicht die größte Provokation. Selbst der große Twist ist verdammt sympathisch. Gelaut vergeben wir 8 von 10 Punkte für eine erneute Stece Carell Glanzleistung. (mk)


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