Tesla
Genre: Drama, Biografie
Regie: Michael Almereyda
Cast: Ethan Hawke, Kyle MacLachlan, Eve Hewson
Laufzeit: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: LEONINE
| (c) LEONINE |
Inhalt:
Der serbokroatische Einwanderer Nikola Tesla (Ethan Hawke) arbeitet seit einiger Zeit in Thomas Edisons (Kyle MacLachlan) Electric Light Company als Ingenieur. Er ist ein vielversprechendes Talent – nur vielleicht ein bisschen zu überambitioniert. Zwischen den beiden Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, kommt es zum Bruch, weshalb sich Tesla an den Industriemagnaten George Westinghouse (Jim Gaffigan) wendet, der ihm die Arbeit an seinem bahnbrechenden Stromsystem weiterfinanzieren soll. Der Immigrant hat aber noch ein anderes Projekt, das vom Bankier J. P. Morgan (Donnie Keshawarz) unterstützt wird. Bei der Arbeit daran begegnet der Erfinder Anne (Eve Hewson), der Tochter von Morgan. Diese schicksalhafte Begegnung stellt Nikola vor die Wahl: Soll er sich der Liebe seines Lebens hingeben oder sich voll und ganz seiner Arbeit widmen?
Bewertung:
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Kinostarts von Alfonso Gomez-Rejons „Edison - Ein Leben voller Licht“ und Michael Almereydas „Tesla“ in Deutschland gerade mal vier Wochen auseinanderliegen. Schließlich waren die beiden Titelfiguren schon vor mehr als 125 Jahren erbitterte Konkurrenten, als in den USA die Entscheidung anstand, ob man die Nation nun mit dem sicheren, aber vor allem über Entfernungen nicht so leistungsstarken Gleichstrom (= Team Edison) oder doch lieber dem risikoreicheren, zugleich aber auch so viel wirkmächtigeren Wechselstrom (= Team Tesla) elektrisieren sollte. Der Originaltitel von „Edison - Ein Leben voller Licht“, in dem Thomas Edison von Benedict Cumberbatch und Nikola Tesla von Nicholas Hoult verkörpert wird, lautet deshalb auch „The Current War“. Diesen Krieg der Spannungen gewann Tesla damals.
Und um das gleich mal vorwegzunehmen: Das Duell der Filme über den Spannungskrieg, die in Deutschland übrigens beide vom selben Verleih in die Kinos gebracht werden, hat denselben Sieger! Haben wir bei dem eher piefigen Historien-Biopic „Edison - Ein Leben voller Licht“ noch das Fazit gezogen, dass „der Funke einfach nicht überspringt“, erweist sich „Tesla“ als faszinierendes, formal erfindungsreiches, wenn womöglich auch ein wenig verkopftes Leinwandexperiment. Während die historischen Abläufe oft einfach nur von der Ich-Erzählerin beigesteuert werden, interessiert sich Michael Almereyda, der hier nach 20 Jahren erneut seine „Hamlet“-Konkurrenten Ethan Hawke und Kyle MacLachlan aufeinanderprallen lässt, offensichtlich vielmehr für die psychologischen, philosophischen und auch ästhetischen Aspekte der Geschichte.
Als Ich-Erzählerin fungiert Anne Morgan, die idealistische Tochter von J.P. Morgan, dem damals einflussreichsten Privatbanker der Welt. Sie war mit Tesla befreundet und wollte wohl auch mehr von ihm als das – ist jedoch nie wirklich zu ihm durchgedrungen. Genau wie der Zuschauer, der ebenfalls nur ahnen kann, was im Kopf und damit in der ganz eigenen Gedankenwelt des genialen Erfinders vor sich gehen mag. Anne Morgan, die passenderweise von Eve Hewson verkörpert wird, deren Vater Bono einen Großteil seines 700-Millionen-Dollar-Vermögens ja ebenfalls nicht mit der Musik, sondern mit Aktien und Beteiligungen verdient hat, durchbricht bei ihren Berichten immer wieder die vierte Wand.
So steht sie auf einmal neben einem Apple-Laptop, auf dem sie die Protagonisten der Geschichte googelt – und vor allem die Zahl der Treffer miteinander vergleicht. Edison hat trotz seiner Niederlage im Spannungskrieg fast doppelt so viele wie sein Konkurrent. Zudem gibt es von Tesla nur vier Fotografien, die sich – mitunter in leicht abgewandelter Form – im Netz finden. Im Gegensatz zum Selbstdarsteller Edison war Tesla ein eigenbrötlerisches Genie – und deshalb passt zu ihm eben auch ein solch assoziativer Erzählansatz, wie ihn Michael Almereyda in „Tesla“ verfolgt: Mehr als eine Annäherung scheint schließlich sowieso nicht möglich. Aber Spaß kann man mitunter trotztdem haben: Etwa in einer fiktiven Szene, die von Anne auch direkt als eine solche enthüllt wird und in der sich Tesla und Edison gegenseitig ein Softeis ins Gesicht drücken.
In „Marie Curie - Elemente des Lebens“, einem weiteren historischen Wissenschafts-Biopic, das dieser Wochen in den deutschen Kinos angelaufen ist, gibt es immer wieder Einschübe, in denen gezeigt wird, wohin die Entdeckungen der Protagonistin in den kommenden Jahren geführt haben werden – wie sehen einen kleinen Jungen, der dank einer Strahlentherapie vom Krebs geheilt wird, und wir sehen den Bombenabwurf auf Hiroshima.
Auch in „Tesla“ gibt es solche Vorausahnungen – aber sie werden viel subtiler präsentiert: Wenn Edinson in einer Szene plötzlich sein Handy hervorholt und durch seine Nachrichten swiped, dann geschieht das dermaßen beiläufig, dass man den Anachronismus fast übersieht. Noch mehr gilt das für das Blitzlichtgewitter, das losbricht, als die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt (Rebecca Dayan), der wohl erste wirkliche Weltstar der Geschichte, einen roten Teppich entlangschreitet.
In „Tesla“ finden viele Szenen auf einer Bühne statt – mit projizierten Bildern im Hintergrund. So hält Tesla etwa einem projizierten Fohlen einen Apfel hin. Die Weltausstellung 1893, in „Edison – Ein Leben voller Licht“ noch der Ausstattungs-Höhepunkt des Films, wird hier von Anne Morgan in Form eines Diavortrags abgehandelt. Es lässt sich von außen schwer sagen, was zuerst da war – das ästhetische Konzept oder das limitierte Budget, das den inszenatorischen Einfallsreichtum notwendig werden ließ. Aber wie dem auch sei: „Tesla“ ist in seiner betont limitierten Form inszenatorisch sehr viel aufregender als der blinde Ausstattungs-Wahn im Konkurrenzfilm.
Nur gelegentlich scheint man dabei wirklich nahe an Nikolas Tesla heranzukommen. Etwa gleich zu Beginn beim Rollschuhfahren, wenn Anne Morgan aus dem Off die Geschichte beisteuert, wie Tesla als kleines Kind seine Katze gestreichelt und dabei zum ersten Mal das Konzept der Elektrizität durchdrungen hat. Oder ganz am Ende, wenn der längst mittellose Tesla aschfahl und bettelnd vor einem umzäunten Tennisplatz steht – nicht einmal die mächtigsten Ideen der Welt vermögen es, etwas gegen den eiskalten Kapitalismus auszurichten. Eine Erkenntnis, die Ethan Hawke mit einer tragischen, einmal mehr die vierte Wand durchbrechenden Performance des Tears-For-Fears-Songs „Everybody Wants To Rule The World“ krönt. Ein zutiefst berührender Moment, der vor allem deshalb so einschlägt, weil sich „Tesla“ bis dahin fast ausschließlich auf einer intellektuellen und ästhetischen Ebene ausgetobt hat.
Fazit:
Ein Leinwandexperiment, das sich Nikola Tesla auf eine Art nähert, die dem introvertierten Genie angemessen ist: erfindungsreich, herausfordernd und durchaus auch ein wenig verkopft. Ungeachtet dessen vergeben wir erleuchtende 7,5 von 10 Punkte. (mk)
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