Freitag, 24. November 2017

Justice League OV 3D



Facts:

Genre: Action, Abenteuer, SciFi
Regie: Zack Snyder
Cast: Ben Affleck, Gal Gadot, Henry Cavill
Laufzeit: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH


(c) Warner Bros GmbH

  
Inhalt:

Bruce Wayne (Ben Affleck) alias Batman hat wieder Vertrauen in die Menschheit – auch dank Superman (Henry Cavill), der im Kampf gegen das Monster Doomsday wahre Selbstlosigkeit bewies und sich opferte. Als sich das mächtige außerweltliche Wesen Steppenwolf (Ciarán Hinds) mit einer Armee Paradämonen anschickt, die Erde zu überfallen, wendet sich Batman an Diana Prince (Gal Gadot), besser bekannt unter dem Namen Wonder Woman, die gegen Doomsday eindrucksvoll zeigte, was sie kann. Gemeinsam rekrutieren sie ein Team von Superhelden, bestehend aus den Metamenschen, auf die die beiden bereits aufmerksam geworden sind: Aquaman (Jason Momoa), Cyborg (Ray Fisher) und The Flash (Ezra Miller) verbünden sich mit Batman und Wonder Woman, aber der Angriff auf die Erde scheint dennoch nicht mehr zu verhindern sein…
  
Bewertung:
  
 Als Zack Snyder „Man Of Steel“ in die Kinos brachte, dachte er nicht daran, den Grundstein für ein neues Kinouniversum zu legen. Erst als er eine Fortsetzung entwickelte, wurde der Wunsch nach dem Aufbau einer gemeinsamen Kinoerzählwelt für die verschiedenen DC-Superhelden an ihn herangetragen. Statt „Man Of Steel 2“ kam deshalb „Batman V Superman: Dawn Of Justice“, der allerdings so missraten ist, dass man das gesamte Universum eigentlich schon wieder beerdigen könnte – und angeblich sind sich die Verantwortlichen keineswegs alle sicher, ob man an diesem sogenannten DCEU festhalten soll. Zumal „Wonder Woman“ gerade eindrucksvoll bewiesen hat, dass eine allzu enge übergreifende Verzahnung für den Erfolg gar nicht nötig wäre. Im Gegenteil: Selbst die recht notdürftige Klammer, die Patty Jenkins‘ Solofilm mit dem großen DC-Ganzen verbindet, wirkt wie ein wenig überzeugendes Alibi-Anhängsel. Doch nun trägt der langfristige Aufbau eines erweiterten erzählerischen Kosmos auch bei DC erste Früchte, denn „Justice League“ – erneut inszeniert von Zack Snyder – funktioniert vor allem als Teil dieses Universums. Die Linie, die von „Man Of Steel“ über „Batman V Superman“ zu „Justice League“ führt, wird nun ganz deutlich und auch die schrittweise Veränderung des Erzähltons findet eine schlüssige Fortsetzung. Die eigentliche Story des Superheldenabenteuers ist zwar mau und wenig spannend, aber das Gipfeltreffen der Kultfiguren wird dank der erstklassigen Darsteller und der großartigen Chemie zwischen ihnen zu einem unterhaltsamen Kinovergnügen. 

Nach den mehr als durchwachsenen Reaktionen auf „Batman V Superman“ hieß es, dass „Justice League“ sich im Ton deutlich von dem düsteren Vorgänger unterscheiden solle, wobei die Beteiligten sich nicht ganz einig waren, ob das nun „von Anfang an so geplant“ war oder ob es sich vielmehr um eine nachträgliche „Kurskorrektur“ handelte. Die Unkenrufer bekamen neuen Stoff, als auch noch ausgerechnet „Avengers“-Regisseur Joss Whedon bei den Nachdrehs für den nach einer familiären Tragödie nicht mehr zur Verfügung stehenden Zack Snyder eingesprungen ist. Wie so oft erweist sich die ganze Aufregung angesichts des fertigen Films als weitgehend unnötig, denn der Superheldenblockbuster erweist sich als logische Fortschreibung einer in „Man Of Steel“ begonnenen und in „Batman V Superman“ fortgesetzten Reise. Der tatsächlich nun hellere Tonfall und diverse auflockernde Witze wirken zu keinem Zeitpunkt erzwungen, während Zack Snyders typischer pathetisch-bombastischer Stil mit seinen zelebrierten Zeitlupen und ikonisch überhöhten Einstellungen weiterhin unverkennbar ist. Nur selten fragt man sich daher, ob eine einzelne Szene vielleicht doch von Joss Whedon stammt – trotzdem sticht dies das eine oder andere Mal ins Auge.

Gleich die allererste Szene des Films ist ein solcher Whedon-Moment. Es handelt sich um eine Rückblende mit Superman, die offensichtlich von dem „Buffy“-Erfinder stammt, weil die Folgen von „Moustachegate“ unübersehbar sind: Schauspieler Henry Cavill trug bei Whedons Nachdrehs aufgrund seiner Rolle in „Mission: Impossible 6“ einen Schnurrbart, den er nicht abrasieren durfte, leider ist die nachträgliche Entfernung des Gesichtshaars per Computer nicht gelungen – ein störendes Detail in einer im Übrigen sehr starken Szene, die einen treffend auf den sehr optimistischen Ton der Handlung einstimmt. Allgemein überrascht es, dass die CGI-Effekte gleich mehrfach zu wünschen übriglassen – auch der komplett am Computer kreierte Bösewicht Steppenwolf bleibt unter anderem deswegen seelenlos, weil seiner Mimik die Ausdruckskraft fehlt. Es tut der Figur außerdem nicht gut, dass es trotz einer mit Überraschungen und Easter-Eggs vollgestopften Passage über Steppenwolfs ersten Angriff auf die Erde vor Tausenden von Jahren keinen Raum gibt, seine Motivation tiefer zu ergründen. Denn der erzählerische Fokus liegt allein auf den Helden.

Deren Einführung mag auf den ersten Blick – mit dem schnellen Wechsel von Figur zu Figur - etwas holprig wirken, die Einzelszenen sind aber größtenteils sehr stark. Vor allem Ezra Miller („Vielleicht lieber morgen“) als Barry Allen – aus den Comics auch bekannt als The Flash - kann hier frühe Glanzpunkte setzen. Zwei, drei kleine, punktgenau geschriebene und von Miller exzellent umgesetzte Szenen reichen, um die Figur und ihre Beweggründe zu verstehen. Auch Jason Momoa („Conan“) als Aquaman ist erstklassig. Dass er die bärbeißige Seite des Superhelden verkörpern kann, stand außer Zweifel, hier besticht er zusätzlich in sehr natürlich und beiläufig eingestreuten komischen Momenten. Dass Gal Gadot wiederum eine nahezu perfekte Wonder Woman ist, hat sie in ihrem schon erwähnten Solofilm bereits gezeigt, da verzeihen sicher auch die Comic-Puristen, dass sie bei ihrer actionreichen Einführung in „Justice League“ eher Flash-typische Kräfte einsetzt. Während Gadot ein weiteres Mal glänzt, eignet sich Ben Affleck nun endgültig die Batman-Rolle an und gewinnt der zweifelnden und überforderten, aber hoffnungsvollen Figur neue Seiten ab, die im Kino bisher nicht zu sehen waren. Sein Dunkler Ritter weckt Erinnerungen an die Comics von Geoff Johns, der 2012 mit „Origins“ eine neue „Justice League“-Ära einläutete: Dessen Running Gag darüber, dass Batman – bekanntlich ein Mensch ohne jede übernatürliche Begabung – eigentlich gar keine Berechtigung hat, einer Gruppe von Superhelden anzugehören, wird im Film übernommen – und er funktioniert auch auf der großen Leinwand bestens.

Die Chemie in der Heldengruppe stimmt, die gut ausgewählten Darsteller harmonieren wunderbar, sodass die Frotzeleien zwischen den einzelnen Helden nicht nur glaubhaft und echt wirken, sondern zu echten Highlights werden. Einzige kleine Schwachstelle in der Gruppe ist Cyborg. Zwar hat der vom Theater kommende Newcomer Ray Fisher in der Rolle neben seinen vier etablierten Co-Stars auch starke Momente, leidet aber darunter, dass in dem mit Handlung und Figuren vollgestopften Superheldenfilm kaum Platz für die große Tragik seines Victor Stone bleibt. Anders als bei seinen Mitstreitern sind seine Kräfte für ihn ein Fluch. Er lag im Sterben, als ihn sein Vater (Joe Morton) mit der Macht einer Mutterbox in das Maschinen-Wesen Cyborg verwandelt hat. Victor fürchtet, das Menschliche in sich zu verlieren und dass seine monströse Seite überhandnimmt. Die anderen Helden sind zudem nicht sicher, ob sie ihm vertrauen können. Dieser faszinierende Konflikt wird hier zwar direkt angesprochen, aber dabei nur umrissen und kaum ergründet. So lässt sich die Figur zwar inhaltlich verstehen, aber es fällt schwer, vollends mit ihr zu fühlen.

Dabei gibt es durchaus auch große Gefühle in „Justice League“. Während im ungleich kälteren „Batman V Superman“ selbst ein als emotionaler Höhepunkt vorgesehener Moment ins Lächerliche abgleiten konnte, kommt es in der Fortsetzung zu einem ganz wunderbaren, tief empfundenen Gänsehauthöhepunkt, der am besten wirkt, wenn man ihn selbst entdeckt (Stichwort: Kornfeld). Im richtigen Augenblick nimmt Zack Snyder das Tempo nicht nur hier komplett raus und es kommt zwischen allerlei Spektakel und inmitten einer im Grunde eher belanglosen Geschichte zu einigen starken Charaktermomenten. Auch die sehr deutliche Botschaft über die Bedeutung von Hoffnung und Zusammenhalt und die daran geknüpfte Aussicht auf eine bessere und wortwörtlich blühende Welt ist überzeugend in die Erzählung integriert worden, auch wenn sie vielleicht ein, zwei Mal zu oft betont wird.

Natürlich steht aber bei einem Comic-Blockbuster vor allem auch die Action im Vordergrund und nirgends zeigt sich der Kontrast von Licht und Schatten bei „Justice League“ deutlicher. Auf der Habenseite stehen zwei absolut herausragende Actionsequenzen: Wenn Barry Allen mit einem seiner Helden-Kollegen kämpft, werden seine Kräfte durch geschickt eingesetzte Slow-Motion und Kamerabewegungen exzellent illustriert, dazu verdeutlicht ein genialer Twist die große Power seines hier bewusst nicht benannten Widersachers. Ein weiteres Highlight ist Steppenwolfs Überfall auf die Amazoneninsel Themyscira, der zwar nicht besonders spektakulär beginnt, sich aber zu einer atemraubenden Hatz voller Einfallsreichtum entwickelt, in der Zack Snyders Vorliebe für Zeitlupen bestens ausgekostet wird. Es ist ein wahres Fest, wenn Hippolyta (Connie Nielsen) und ihre Kriegerinnen die von ihnen beschützte Mutterbox zu Pferd, zu Fuß und auf allen möglichen anderen Wegen dem Zugriff von Steppenwolf zu entziehen versuchen. Selten wurde ein MacGuffin wie dieses rein funktionale Artefakt so explizit und effektiv eingesetzt, um die Handlung wortwörtlich voranzutreiben.

Neben solchen Actionhighlights gibt es allerdings auch den bisher aus allen DC-Blockbustern bekannten ausufernden finalen Kampf, der nur bei „Man Of Steel“ richtig bombastisch wirkt und selbst bei „Wonder Woman“ die schwächste Passage des Films ist. Auch in „Justice League“ zieht sich die CGI-Schlacht viel zu lange hin und hat so eher ermüdende als begeisternde Wirkung. Durch die verschiedenen Helden und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten sowie ein paar kleine Nebenaktivitäten wird dieser Kampf zwar zumindest deutlich besser aufgelockert als noch bei „Batman V Superman“, aber dennoch verfestigt sich der Eindruck, dass nach der verfehlten Kritik am opferreichen, aber konsequenten Finale von „Man Of Steel“ bei DC eine Art Trauma herrscht, sodass man die großen Zerstörungsorgien nur noch an fast menschenleeren Orten austrägt.

Fazit: 
„Justice League“ ist der solide Abschluss einer Trilogie – der Film hat deutlich mehr Schwächen als der starke Auftakt „Man Of Steel“ und deutlich mehr Stärken als der schwache Mittelteil „Batman V Superman“. Dennoch blieben wir etwas enttäuscht im Kinosessel zurück und vergeben dafür 6 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 10. November 2017

Mord im Orient-Express



Facts:

Genre: Thriller, Krimi
Regie: Kenneth Branagh
Cast: Kenneth Branagh, Johnny Depp, Michelle Pfeiffer

Laufzeit: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland

 
(c) Fox Deutschland

 
Inhalt:
Für die Rückreise von einem seiner Fälle nimmt Hercule Poirot (Kenneth Branagh) den legendären Orient-Express. An eine gemütliche Zugfahrt ist aber nicht lange zu denken, stattdessen hat der berühmte Meisterdetektiv bald wieder Arbeit: Ein Passagier wird ermordet und damit ist klar, dass einer der übrigen Reisenden der Täter sein muss. Die spanische Missionarin Pilar Estravados (Penélope Cruz), die Gouvernante Mary Debenham (Daisy Ridley), Professor Gerhard Hardman (Willem Dafoe), die Witwe Mrs. Hubbard (Michelle Pfeiffer) und der Doktor Arbuthnot (Leslie Odom Jr.) sind alle verdächtig. Doch bald wird Poirot klar, dass er den Fall nicht lösen wird, wenn er mehr über die möglichen Täter erfährt. Er muss mehr über das Opfer herausfinden – und sich beeilen, damit der Killer nicht nochmal zuschlägt… 


Bewertung:

Nur mit Albert Finneys Schnurrbart war Krimilegende Agatha Christie nicht zufrieden, als sie Sidney Lumets 1974er Adaption ihres berühmtesten Buches „Mord im Orient-Express“ sah: Hercule Poirot müsse den prächtigsten moustache in ganz England haben und nicht so ein bescheidenes Bärtchen wie in dem sechsfach oscarnominierten Klassiker. Sonst hatte aber auch die Autorin nichts auszusetzen an Finneys Leinwandporträt ihrer neben Miss Marple bekanntesten Figur und wenn nun Kenneth Branagh in der Rolle des belgischen Meisterdetektivs stolz ein wahres Prachtstück von einem Schnurrbart in die Kamera reckt, dann ist das so etwas wie eine augenzwinkernde Rechtfertigung der Neuverfilmung des Romans, dessen clevere Auflösung die meisten Krimifans sowieso schon kennen. Aber Branagh, der „Mord im Orient-Express“ auch inszeniert hat, hat noch anderes zu bieten: Neben einem klassisch anmutenden Luxus-Look (der in einigen ausgewählten Kinos auch im 65-mm-Format zu bewundern ist) und einem erstaunlichen Staraufgebot von Johnny Depp bis Daisy Ridley besticht das Kriminaldrama vor allem durch seine pointierte Poirot-Interpretation. Der Shakespeare-Mime Branagh setzt den bekannten Kino-Darstellungen von Finney und Peter Ustinov („Tod auf dem Nil“) sowie dem gefeierten TV-Poirot David Suchet eine eigene Sicht auf den Detektiv entgegen, die für die ansonsten recht rudimentäre Figurenzeichnung und den nicht ganz überzeugend umgesetzten Kriminalfall zumindest zum Teil entschädigt.  


Regisseur Kenneth Branagh und Drehbuchautor Michael Green („Blade Runner 2049“) beginnen ihren Film mit einer neu erfundenen Episode in Jerusalem, die es ihnen erlaubt, die Hauptfigur und einige ihrer wesentlichen Charakterzüge in konzentrierter Form vorzustellen. Ihr Hercule Poirot ist ein kauziger Pedant, aber hinter seiner Suche nach zwei exakt gleich großen Vier-Minuten-Frühstückseiern lässt sich bald schon ein tiefsitzendes Bedürfnis nach Halt und Ordnung erahnen, das weit über solche Äußerlichkeiten hinausgeht. Das flamboyante Genie ist Branagh wie auf den Leib geschneidert und wenn Poirot verkündet, er sei der „wahrscheinlich größte Detektiv der Welt“ dann ist das in seiner Darstellung eine simple Feststellung voller eitler Selbstgewissheit, wie er sie auch schon in „Mary Shelley's Frankenstein“ oder in „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ an den Tag gelegt hat. An anderer Stelle dagegen zeigt das bereits in fünf verschiedenen Kategorien für den Oscar nominierte Multitalent uns Poirot als tiefmoralischen Grübler und wenn der Belgier das Foto seiner verflossenen Liebe betrachtend über Gut und Böse sinniert, dann hat das durchaus etwas von „Hamlet“ oder „Henry V.“.

Wie der auf Schwarzweißdenkmustern beharrende Protagonist sich zunehmend in den Grauzonen der menschlichen Natur verirrt, das ist das Spannendste an „Mord im Orient-Express“. Der vertrackte Mordfall mit seinen widersprüchlichen Indizien und den undurchsichtigen Verdächtigen ist in dieser Version allerdings nicht allzu aufregend. Das gilt selbst dann, wenn man die Vorlage nicht kennt, an die sich die Macher nach dem Prolog recht eng halten. Allerdings werden die erzählerischen Fäden teilweise nur recht notdürftig verknüpft, auch wenn der reinen Logik weitgehend Genüge getan wird. Und Branaghs Film ist eben auch stärker als psychologisches Drama angelegt und nicht bloß als kriminalistisches Rätselraten und in diesem Drama bleiben die seelischen Nöte der verdächtigen Passagiere zu großen Teilen unbehandelt. Am ehesten dürfen noch Michelle Pfeiffer als anstrengende Witwe und Josh Gad als überforderter junger Sekretär in jene Untiefen vorstoßen, die aus bloßen Figuren echte Menschen werden lassen. Dazu kommen ein beeindruckender Auftritt von Willem Dafoe mit deutschem Akzent, eine überzeugend eigenwillige Darbietung von Johnny Depp  und eine gelungene Aktualisierung des Stoffes durch die Besetzung des Arbuthnot (aus dem Major wird ein Arzt) mit dem schwarzen Schauspieler und Sänger Leslie Odom Jr. aus dem Broadway-Hit „Hamilton“.

Was die übrigen Darsteller angeht, so rücken sie gegenüber dem Zug (die Gelegenheit zu einigen imposanten Fahrtaufnahmen lässt sich Branagh nicht nehmen), dessen luxuriöser Einrichtung und den tollen historischen Kostümen von Alexandra Byrne ins zweite Glied. Die Schauwerte sind wie schon in Branaghs vorigem Film „Cinderella“ beachtlich und erinnern trotz der digitalen Bilder an das große klassische Hollywood-Kino, dazu kommen einige clevere visuelle Ideen wie die von oben gefilmte Entdeckung des Mordopfers. Eine kleine ins Drehbuch geschmuggelte Actionszene fügt der Story indessen nichts hinzu, hat aber immerhin Komponist Patrick Doyle („Merida“) zu einem der bewegtesten Stücke seiner ebenso klassischen wie abwechslungsreichen Filmmusik inspiriert. Dass Branagh die finalen mit Flashbacks gespickten Enthüllungen vom Speisewagen in einen Tunnel verlegt und dabei da Vincis „Abendmahl“ nachstellt, ist wiederum eine durchaus faszinierende Idee, aus der aber letztlich nur wenig gemacht wird. So ist dieser neue „Mord im Orient-Express“ eine zwar ziemlich kurzweilige, aber auch durchwachsene Angelegenheit.

Fazit: 
Kenneth Branaghs Neuverfilmung von Agathe Christies berühmtem Krimi überzeugt in der Darstellung des Hercule Poirot, hat aber auch deutliche erzählerische Schwächen. Dafür vergebe ich nur 6 von 10 Punkte. (mk)