Facts:
Genre: SciFi, Thriller
Regie: Denis Villeneuve
Cast: Ryan Gosling, Harrison Ford, Jared Leto
Laufzeit: 164 Minuten
FSK: ab 12
Jahre
Verleih: Sony Pictures Germnany
Inhalt:
Im Jahr 2023 wird die Herstellung von Replikanten – künstlichen
Menschen, die zum Einsatz in den Weltall-Kolonien gezüchtet werden –
nach mehreren schwerwiegenden Vorfällen verboten. Als der brillante
Industrielle Niander Wallace (Jared Leto) ein neues, verbessertes
Modell, den „Nexus 9“, vorstellt, wird die Produktion 2036 jedoch wieder
erlaubt. Um ältere und somit nicht zugelassene Replikanten-Modelle, die
sich auf der Erde verstecken, aufzuspüren und zu eliminieren, ist
weiterhin die sogenannte „Blade Runner“-Einheit des LAPD im Einsatz, zu
der auch K (Ryan Gosling) gehört. Bei seiner Arbeit stößt K auf ein
düsteres, gut gehütetes Geheimnis von enormer Sprengkraft, das ihn auf
die Spur eines ehemaligen Blade Runners bringt: Rick Deckard (Harrison
Ford), der vor 30 Jahren aus Los Angeles verschwand…
Bewertung:
Schon die erste Film-Sequenz auf einer Farm in der Nähe von Los
Angeles macht zwei Dinge ganz klar: Nach 13 erfolglosen
Nominierungen muss Kamera-Gott Roger Deakins
endlich seinen ersten Oscar bekommen! Vom grauen Grau des Auftakts über
die orangestrahlende Wüste von Las Vegas bis zum
spektakulär-minimalistischen Showdown in einer nächtlichen Brandung –
„Blade Runner 2049“ ist Deakins‘ absolutes Meisterstück! (Selbst die
ruhigsten Szenen sind derart spektakulär gefilmt, dass einem erst
hinterher auffällt, dass der Film trotz seiner stolzen Laufzeit von 163
Minuten völlig ohne ausufernde Action-Sequenzen auskommt.) Zum anderen
ist der Film von Anfang an ein emotionaler Volltreffer – und das, obwohl
sich hier mit Ryan Gosling und Dave Bautista
zwei eher als störrisch bekannte Schauspieler gegenüberstehen. Denis
Villeneuve peilt die größtmögliche Tragik an – und bei einem weniger
stilsicheren Regisseur hätte derselbe Plot womöglich sogar ins
Seifenopernhafte abgleiten können. Aber „Blade Runner 2049“ ist
insgesamt derart behutsam und subtil erzählt, dass die
zwischenzeitlichen Schläge in die Magengrube des Publikums umso
wirkungsvoller ihr Ziel treffen…
… woran übrigens auch Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch einen gehörigen Anteil haben. Nachdem der ursprünglich vorgesehene Villeneuve-Stammkomponist Johann Johannsson noch auf der Zielgeraden gefeuert wurde, weil seine Kompositionen laut Aussage des Regisseurs einfach nicht mehr dem Geist der unvergessenen Vangelis-Klänge des Originals entsprachen, haben Zimmer und Wallfisch trotz der knappen Zeit einen pointierten Score zwischen geheimnisumwobenem Grollen und sphärischer Melancholie geschrieben. Damit decken sie genau die beiden Extreme ab, zwischen denen auch „Blade Runner 2049“ als Ganzes immer wieder pendelt – entweder raubt uns der Film mit seiner visionären Bildgewalt den Atem oder er zerreißt uns mit seiner tiefen Tragik das Herz (gerade weil die Protagonisten selbst auf die fiesesten Schicksalsschläge meist mit einer stoischen Resignation und einer einzelnen Träne reagieren).
… woran übrigens auch Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch einen gehörigen Anteil haben. Nachdem der ursprünglich vorgesehene Villeneuve-Stammkomponist Johann Johannsson noch auf der Zielgeraden gefeuert wurde, weil seine Kompositionen laut Aussage des Regisseurs einfach nicht mehr dem Geist der unvergessenen Vangelis-Klänge des Originals entsprachen, haben Zimmer und Wallfisch trotz der knappen Zeit einen pointierten Score zwischen geheimnisumwobenem Grollen und sphärischer Melancholie geschrieben. Damit decken sie genau die beiden Extreme ab, zwischen denen auch „Blade Runner 2049“ als Ganzes immer wieder pendelt – entweder raubt uns der Film mit seiner visionären Bildgewalt den Atem oder er zerreißt uns mit seiner tiefen Tragik das Herz (gerade weil die Protagonisten selbst auf die fiesesten Schicksalsschläge meist mit einer stoischen Resignation und einer einzelnen Träne reagieren).
Mit der Art, wie sich in „Blade Runner 2049“ der Rassismus gegenüber
Replikanten oft nur in vermeintlich harmlosen Alltagsformulierungen
bemerkbar macht , trifft Villeneuve den Nerv unserer Zeit. Noch
eindringlicher ist allerdings, wie konsequent er fast wie nebenbei die
Gedanken zur digitalen Liebe aus Spike Jonzes „Her“ weiterspinnt: Ryan
Goslings K ist nämlich mit dem als Hologramm auftretenden
Computerprogramm Joi zusammen. Zunächst ist Joi noch an das an der Decke des Apartments
entlangfahrende Kamerasystem gebunden, aber dann schenkt ihr K zum
Jubiläum ein tragbares Modell – und allein die kindliche Freude in ihren
Augen, als sie nach oben guckt und sich zum ersten Mal in ihrem „Leben“
ohne Kamera über sich frei bewegen kann, lässt einen ganz anders über
die Natur künstlicher Intelligenz nachdenken.
Und wenn Später im Film auch noch die KI-Sexszenen-Idee
aus „Her“
aufgegriffen und weitergeführt wird, dürfte nebenbei ziemlich
abschließend geklärt sein, welcher Film als Favorit für die Besten
visuellen Effekte in die anstehende Oscar-Saison gehen wird.
Der Moment, in dem die emotional-berührende und die visuell-visionäre Ebene von „Blade Runner 2049“ am kongenialsten zusammenkommen, ist Ks Besuch bei der Erinnerungs-Programmiererin Dr. Ana Stelline. Sie lebt wegen einer Krankheit allein in einer großen Glaskuppel und entwirft dort Erinnerungsfetzen, die dann den Replikanten eingepflanzt werden. Mit einem an eine Spiegelreflexkamera erinnernden Gerät füllt Stelline den isolierten Raum langsam erst mit einer Torte, dann mit Kerzen und schließlich mit lachenden Kindern, die die Kerzen ausblasen. Jedes Lächeln, jedes Pusten passt sie solange an, bis der Moment absolut perfekt ist – als würde sie in einer Art Zukunfts-Photoshop ein dreidimensionales Video bearbeiten. Wie sie nur aus ihrem abgeschirmten Glaskasten heraus, ohne die reale Welt zu erleben und zu spüren, solche vollendeten Erinnerungen kreieren kann, ist für uns Normalsterbliche ebenso unerklärlich wie die Herkunft der immer stimmigen und immer überraschenden Bilder, die Villeneuve und Deakins hier zwei Stunden und 43 Minuten lang auf die Leinwand zaubern. Und ehrlich gesagt wollen wir es auch gar nicht verstehen – es einfach nur zu genießen reicht vollkommen. „Blade Runner“ ist ein Film zum Staunen und Bewundern. „Blade Runner 2049“ ist ein Film zum Staunen, zum Bewundern und noch viel mehr…
Fazit:
Der Moment, in dem die emotional-berührende und die visuell-visionäre Ebene von „Blade Runner 2049“ am kongenialsten zusammenkommen, ist Ks Besuch bei der Erinnerungs-Programmiererin Dr. Ana Stelline. Sie lebt wegen einer Krankheit allein in einer großen Glaskuppel und entwirft dort Erinnerungsfetzen, die dann den Replikanten eingepflanzt werden. Mit einem an eine Spiegelreflexkamera erinnernden Gerät füllt Stelline den isolierten Raum langsam erst mit einer Torte, dann mit Kerzen und schließlich mit lachenden Kindern, die die Kerzen ausblasen. Jedes Lächeln, jedes Pusten passt sie solange an, bis der Moment absolut perfekt ist – als würde sie in einer Art Zukunfts-Photoshop ein dreidimensionales Video bearbeiten. Wie sie nur aus ihrem abgeschirmten Glaskasten heraus, ohne die reale Welt zu erleben und zu spüren, solche vollendeten Erinnerungen kreieren kann, ist für uns Normalsterbliche ebenso unerklärlich wie die Herkunft der immer stimmigen und immer überraschenden Bilder, die Villeneuve und Deakins hier zwei Stunden und 43 Minuten lang auf die Leinwand zaubern. Und ehrlich gesagt wollen wir es auch gar nicht verstehen – es einfach nur zu genießen reicht vollkommen. „Blade Runner“ ist ein Film zum Staunen und Bewundern. „Blade Runner 2049“ ist ein Film zum Staunen, zum Bewundern und noch viel mehr…
Fazit:
Nur selten hatte ich derart früh in
einem Film das Gefühl, nicht einfach nur einen verdammt guten
Blockbuster, sondern einen zeitlosen Klassiker zu sehen – und in den
folgenden zweieinhalb Stunden gab es keine einzige Sekunde, die mich an meinem anfänglichen Gefühl zweifeln ließ. Daher vergebe ich 9,5 von 10 replikatorenfreie Punkte. (mk)

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