Montag, 22. Mai 2017

Guardians Of The Galaxy Vol. 2 3D



Facts:

Genre: SciFi, Fantasy, Action
Regie: James Gunn
Cast:  Chris Pratt, Zoe Saldana, Karen Gillian, David Hasselhoff, Kurt Russell
Laufzeit: 136 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 
Die „Guardians Of The Galaxy“ rund um Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt) sind mittlerweile im ganzen Universum bekannt und auch Ayesha (Elizabeth Debicki), die Anführerin der Sovereign People, einem Volk von genetisch zur Perfektion veränderten Wesen, bemüht sich um ihre Dienste. Die Guardians sollen für sie und ihre Mitbürger ein interdimensionales Monster bekämpfen. Im Ausgleich will sie ihnen Nebula (Karen Gillan) übergeben, so dass die Guardians die Killerin und Schwester von Gamora (Zoe Saldana) ins Gefängnis bringen können. Doch Rocket (Stimme im Original: Bradley Cooper) kann seine Finger mal wieder nicht bei sich behalten und klaut nach vollbrachter Tat ein paar mächtige Batterien. Ayesha ist darüber alles andere als begeistert und heuert die Ravagers an, die Guardians zu jagen und die Energiequelle zurückzuholen. Weil Yondu sich weigert, seinen Ziehsohn Star-Lord mit vollem Einsatz zu verfolgen, kommt es innerhalb der Ravagers zur Meuterei. Taserface (Chris Sullivan) übernimmt das Kommando und setzt Star-Lord und den Guardians nach. Bei deren Überführung von Nebula zum Nova Corps wiederum geht derweil wenig nach Plan und bald werden die Helden getrennt… 

Bewertung:
Auch in der Fortsetzung finden sich wieder zahlreiche Anspielungen auf die legendäre Sternenkriegssaga – bis hin zu den mit absoluter Selbstverständlichkeit eingeblendeten zunächst nichtssagenden Planetennamen. Denn auch die Vorliebe für mehrere parallele Schauplätze und Erzählstränge teilt Gunn dieses Mal mit dem „Star Wars“-Schöpfer George Lucas und lässt die Guardians-Gang getrennte Wege gehen. Doch diese Strategie zahlt sich nicht aus. Man mag noch darüber hinwegsehen, dass die Aufteilung inhaltlich sehr dürftig begründet wird und sie nur als Mittel zum erzählerischen Zweck erscheint, doch wer die Helden als Einzelkämpfer oder im Duo auftreten lässt, tut dies auf Kosten der einzigartigen Gruppendynamik der Guardians. Sie sind als Team am stärksten und so ist auch der Film am besten, wenn sie alle zusammen in Aktion treten wie zum Auftakt und im Finale. Dort erreicht die Fortsetzung trotzdem kaum die Qualität des Vorgängers.

Dazwischen ist „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ kurzweilig und hat lustige Momente, aber die erzählerische Stringenz lässt ein wenig zu wünschen übrig und die Spannung bleibt weitgehend auf der Strecke, zumal die Bösewichte nicht wirklich überzeugen. Man lacht immer wieder über eine wundervolle Hommage oder die ironische Brechung eines kitschigen Moments und freut sich über einen der vielen überraschenden Cameo-Auftritte oder die Entdeckung einiger Easter Eggs. James Gunn sorgt konstant für Humor, doch gibt er uns lange Zeit kaum Gelegenheit, mit den Figuren mitzufiebern. Sie sind meist zu zweit unterwegs und ergänzen sich jeweils gut, aber das großartige Potenzial der Figuren wird dabei nicht immer ausgeschöpft. Besonders amüsant ist die Paarung zwischen Drax und Egos Gehilfin Mantis (Pom Klementieff): Der naive Neuzugang wird von dem Hünen immer wieder wunderbar veräppelt. Die Schwestern Nebula und Gamora zelebrieren derweil einige nette Bad-Ass-Momente, während der langsame Aufbau einer besonderen Bindung zwischen Rocket und Star-Lords Ziehvater Yondu (absolut großartig: Michael Rooker) sich im Finale bezahlt macht.

Ausgerechnet der von Charisma-Bombe Chris Pratt gespielte Anführer Star-Lord bleibt dagegen dieses Mal trotz einiger cooler Sprüche etwas blasser. Zwischen ihm und dem in seiner menschlichen Form von Altstar Kurt Russell verkörperten lebenden Planeten Ego kommen trotz vieler gemeinsamer Momente keine rechten Vater-Sohn-Wiedervereinigungsgefühle auf. Dies wird einem noch einmal besonders klar vor Augen geführt, wenn gen Ende der Klassiker „Father And Son“ von Cat Stevens alias Yusuf Islam auf dem leider sehr abfallenden Soundtrack erklingt und den (nicht nur emotionalen) Höhepunkt des gesamten Films untermalt. Trotz des Songtitels geht es hier nämlich nicht um die Beziehung von Star-Lord und Ego (so viel kann verraten werden), sondern um eine andere, die ungleich besser ausgestaltet und erzählt wird.

Der eigentliche Star im gegenüber Teil eins noch umfangreicheren Figurenarsenal ist neben Michael Rookers Yondu einmal mehr Groot - beziehungsweise nun Baby Groot. James Gunn hat zwar mehrfach gesagt, dass mögliche Spielzeug-Verkäufe rein gar nichts mit der Entscheidung zu tun hätten, das Baumwesen im kurz nach dem Ende des Vorgängers und so ebenfalls im Jahr 2014 angesiedelten Sequel im Baby-Alter zu belassen, doch bei Disney und den Merchandise-Partnern dürfte man sich trotzdem die Hände reiben. Denn Gunn tut alles dafür, dass Baby-Groot-Puppen der Renner werden. Ähnlich wie im ersten Film gibt es zwar erst ein Vorspiel in der Vergangenheit, doch danach gehört die Bühne ganz Groot. Wenn die Guardians etwa für die Sovereign das riesige Weltraummonster besiegen, findet die Action zum größten Teil nur im Bildhintergrund statt, denn der Fokus liegt auf dem munter durch die Szenerie tapernden Baum-Baby. Das hat zum Kampf nichts beizutragen, stellt allerlei Unsinn an und lenkt immer wieder die Kollegen ab, die sich Sorgen um den kleinen Racker machen. Dieser Auftakt nimmt viel vom späteren Ablauf vorweg: Im Zweifelsfall wird in diesem launigen Sequel Humor gegenüber Action und Thrill bevorzugt.

Fazit: 
Mich hat „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ nicht überzeugt und besser gesagt - sogar enttäuscht. Die Musik ist weit aus schlechter als im 1. Teil. Die Handlung besteht aus viel zu viel unsinnigem Gelaber und die Story ist selbst für das Scifi Genre zu weit hergeholt. Dafür gibts nur schwache 5 von 10 Punkte. (mk)

Donnerstag, 18. Mai 2017

Logan - The Wolverine



Facts:

Genre: Abenteuer, Action
Regie: James Mangold
Cast: Hugh Jackman, Patrick Steward, Dafne Keen
Laufzeit: 137 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Fox Deutschland


(c) Fox Deutschland

Inhalt: 
In der Welt des Jahres 2029 sind Mutanten Geschichte, beinahe jedenfalls: Der gealterte Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) ist einer der wenigen verbleibenden Menschen mit außergewöhnlichen Kräften und verbringt seine Tage an einem verlassenen Flecken Erde nahe der Grenze zu Mexiko, wo er sein Geld als Fahrer verdient und ihm nur zwei weitere Mutanten Gesellschaft leisten: Caliban (Stephen Merchant) und Charles Xavier alias Professor X (Patrick Stewart), dessen einst so brillanter und mächtiger Verstand von regelmäßigen Anfällen heimgesucht wird. Doch Logans selbstauferlegtes Exil endet eines Tages abrupt, als eine mysteriöse Frau ihn darum bittet, sich um die junge Mutantin Laura (Dafne Keen) zu kümmern und diese in Sicherheit zu bringen. Bald schon muss sich der krallenbewehrte Krieger mit dunklen Mächten und einem Bösewicht aus seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, um Laura zu beschützen…

Bewertung:
Dass ein Film wie „Logan“ überhaupt möglich ist, verdanken wir zu einem großen Teil dem Erfolg von „Deadpool“, der trotz - oder gerade wegen? - seines R-Ratings (das US-Pendant zu „ab 18 Jahren“) weltweit mehr als 780 Millionen Dollar eingespielt hat. Plötzlich erschien es den Verantwortlichen bei 20th Century Fox als eine gute Idee, einen so engagierten Star wie Hugh Jackman einfach mal machen zu lassen. Nachdem wir „Logan“ nun gesehen haben, können wir dazu nur sagen: Jackman und sein Regisseur-Komplize James Mangold haben ihre neugewonnene Freiheit bis an die absolute Schmerzgrenze ausgereizt.

… und diese Befürchtungen sind auch durchaus nachvollziehbar – was allerdings weniger an der Qualität des Films, als vielmehr an seiner rücksichtslosen Konsequenz liegt: „Logan“ fühlt sich an wie ein Mix aus „Terminator“ und einem abgründigen Anti-Western. Ein (zumindest für einen Comic-Blockbuster) ungewohnt gemächlich erzähltes Roadmovie trifft auf todessehnsüchtige Anti-Helden und megabrutale, knapp gehaltene Actionszenen. Es ist definitiv kein Zufall, dass sich Charles Xavier in seinem Hotelzimmer Szenen aus dem Western-Klassiker „Mein großer Freund Shane“ ansieht, dafür gibt es viel zu viele Parallelen zwischen den beiden Filmen.

Los geht es mit der neuen Konsequenz gleich in der ersten Szene: Der in seiner Limousine seinen Rausch ausschlafende Logan will eigentlich nur seine Ruhe haben, bekommt es aber doch mit einer mexikanischen Gang zu tun, die ihn direkt mit einer Schrotflinte niederstreckt (was aber natürlich nur von kurzer Dauer ist). Schon während dieses knappen Auftakts werden dem Zuschauer mehrere Dinge klar: Zum einen ist Wolverine nicht mehr der unbesiegbare, in Sekundenbruchteilen selbstheilende Superheld, wie wir ihn aus den ersten „X-Men“-Filmen kennen. Sein ganzer Körper ist vernarbt und die Heilung dauert bedeutend länger. Zum anderen achtet er beim Einsatz seiner Klauen nicht mehr auf mögliche jugendliche Zuschauer – ist früher kaum mal ein Tropfen Blut geflossen, wenn Wolverine seinen Adamantiumstahl in seine Widersacher gerammt hat, spritzt der rote Saft jetzt nicht nur in Strömen, es werden auch regelmäßig Gliedmaßen abgetrennt, Körper aufgerissen, Köpfe durchbohrt: Stellenweise lässt sich „Logan“ ohne Übertreibung mit einem 80er-Jahre-Splatterfilm vergleichen.

Ein großes Fragezeichen stand im Vorfeld hinter der kindlichen Mutantin Laura, die Logan auf dem Poster zum Film so süß die Hand reicht. Aber „Logan“ ist kein zweiter „Iron Man 3“, in dem Tony Stark ein kleiner Junge als (durchaus gelungener) sentimentaler Sidekick zur Seite gestellt wird. Die väterlichen Gefühle sind hier auf ein Minimum reduziert (wobei die wenigen offen emotionalen Szenen zum Ende hin ehrlich gesagt auch nicht so richtig gut funktionieren), aber Laura tritt andererseits auch nicht in die Fußstapfen von Hit-Girl: Zwar hat auch Chloë Grace Moretz als vermeintlich harmloses kleines Mädchen in den beiden „Kick-Ass“-Filmen ihre Widersacher reihenweise auf superbrutale Weise eliminiert, allerdings stets mit einem gewissen Augenzwinkern. Lauras Metzelarien haben hingegen nicht den geringsten Funken Humor an sich – vielmehr agiert sie, zumal sie in den ersten zwei Dritteln des Films nicht spricht, tatsächlich wie ein in die Enge getriebenes Tier – und das ist natürlich noch mal eine ganz andere Hausnummer als bei Logans Szenen. Will ein Mainstream-Publikum wirklich sehen, wie eine Zehnjährige mit einem abgetrennten Kopf (mit gut erkennbarer Luft- und Speiseröhre) Bowling spielt? Wir sind gespannt.

Auch was das gedrosselte Erzähltempo und die auf ein Minimum reduzierte Handlung angeht, dürfen sich Fans der üblichen Marvel-Blockbuster auf eine – je nach persönlichem Geschmack – schöne oder unschöne Überraschung einstellen. Es gibt in „Logan“ lediglich eine Handvoll Actionszenen – und die erschöpfen sich meist in knackig-brutalem Nahkampf. Wenn Logan mit seiner Limousine einen in der Stoßstange feststeckenden Stacheldrahtzaun ein Stück weit mitschleift, dann ist das fast schon das höchste der Gefühle – so etwas wie die Flughafensequenz in „Civil War“ sucht man hier zumindest vergebens. Stattdessen setzt James Mangold ganz auf die grimmig-dreckige Atmosphäre seines abgefuckt-düsteren New-Hollywood-Spätwestern, der nun gleichsam mit 40 Jahren Verspätung auf das ganz große Kinopublikum losgelassen wird. Dass „Logan“ nicht einfach nur ein Hugh-Jackman-Starvehikel ist, sondern Teil einer Multimilliarden-Dollar-Comic-Kinoreihe, macht die Konsequenz der Filmemacher nur noch überraschender – und es lässt uns auch leichter darüber hinwegsehen, dass „Logan“ thematisch am Ende sicherlich nicht so tiefschürfend ist, wie er zwischendurch manchmal tut.

Fazit: 
Ein Anti-Western mit Adamantium-Twist – „Logan“ ist die erste Verfilmung, die dem Wolverine aus den Comics tatsächlich gerecht wird. Düster, depressiv, gewalttätig... trotz der teilweise zu gewaltätigen Szenen von Nachwuchs Wolverine Dafne Keed vergeben wir stahlglatte 8,5 von 10 Punkte. (mk)