Mittwoch, 17. August 2016

Legend of Tarzan



Facts:

Genre: Action, Abenteuer
Regie: David Yates
Cast: Alexander Skarsgard, Margot Robbie, Christoph Waltz
Laufzeit: 110 Minuten
FSK:  ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros GmbH

(c) Warner Bros GmbH


Inhalt:
Der englische Earl John Clayton von Greystoke (Alexander Skarsgard) wird vom belgischen König Leopold II. zu einem Besuch im Jahre 1889 in dessen Kolonie Kongo eingeladen. Der britische Premierminister (Jim Broadbent) schielt auf profitable Handelsbeziehungen und befürwortet diese Visite, das interessiert den hofierten Clayton aber nicht. Erst als ihn der US-Gesandte George Washington Williams (Samuel L. Jackson) bittet, die Gelegenheit zu nutzen, um mit ihm im Kongo nach Indizien für die Versklavung der Zivilbevölkerung zu suchen, wird er hellhörig. Schließlich überlegt es sich der einst selbst in unter der Obhut von Gorillas in dem afrikanischen Land aufgewachsene und unter dem Namen Tarzan berühmt gewordene Lord anders und nimmt neben Williams auch seine Frau Jane (Margot Robbie) mit auf den Trip. Nach der Ankunft in Afrika erweist sich die von Leopolds Handlanger Leon Rom (Christoph Waltz) eingefädelte Einladung aber schnell als Finte: Der skrupellose Captain hat dem einheimischen Häuptling Mbonga (Djimon Hounsou) als Gegenleistung für einen reichen Diamantenschatz die Auslieferung von Tarzan versprochen ...

Bewertung: 
„Legend Of Tarzan“ ist keine Herkunftsgeschichte, denn die wesentlichen Fragen nach Tarzans Herkunft und Vorgeschichte werden nur in geschickt eingewobenen kurzen Rückblenden beantwortet. Diese Struktur gibt dem Film dramatische Substanz: Die Vergangenheit erscheint ebenso als Zeit traumatischer Verletzungen wie als verlorenes Idyll. Der distinguierte Gentleman Greystoke passt ebenso wenig in den Dschungel wie der Naturmensch Tarzan in das regnerische England - daher liegt Alexander Skarsgard („True Blood“) immer eine leise Melancholie im Blick. Der Konflikt wird nicht wirklich aufgelöst, denn der muskelgestählte Protagonist muss sich immer stärker in Actionszenen bewähren und hat für existenzielle Krisen keine Zeit. Dafür macht er vom Oberhemd befreit eine so gute Figur, dass sich Regisseur Yates daran gar nicht satt sehen kann. Neben Skarsgards Torso (auf dem selbst die zahlreichen Narben attraktiv wirken) gibt es aber noch eine Menge weiterer Schauwerte.

Auch die natürliche Schönheit der afrikanischen Landschaften (gedreht wurden die Außenaufnahmen in Gabun) wird ausführlich zur Geltung gebracht. Besonders imposant sind die Luftaufnahmen des blitzartig von Liane zu Liane schwingenden Tarzan – hier kommen Tempo und Eleganz vorbildlich zusammen. Und wenn sich Mensch oder Tier an anderer Stelle gleichsam aus einem nebelverhüllten Nichts manifestieren, ergibt das ebenfalls denkwürdige Bilder. Ob Gorillas oder Löwen, ob Elefanten oder eine riesige Gnu-Herde - die allesamt aus dem Rechner stammenden Tiere wirken ähnlich realistisch wie neulich in Jon Favreaus „The Jungle Book“. Wenn die Gnus allerdings im Showdown eine ganze Festung niedertrampeln, dann überrennen sie auch ein wenig das eigentliche Drama und eine spektakulär beginnende Zugüberfallsequenz leidet im Detail ebenfalls unter auffälligen Schwächen.

Nachdem Jane in die Hände des ruchlosen Rom gerät, verwandelt sich „Legend Of Tarzan“ zunehmend in eine atemlose Hatz zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Der Gorillazögling jagt seiner geliebten Frau hinterher, im Schlepptau hat er Williams, der mit dem Tempo nicht Schritt halten kann und sich auch schon mal in der Liane vergreift. Samuel L. Jackson nimmt das alles mit gewohnter ironischer Coolness und erinnert uns in seiner Rolle des aufgeklärten Amerikaners mit saftigen Worten an die Verbrechen des belgischen Königs Leopold II. - selbst die Reue für die miese Behandlung der Indianer im eigenen Land darf dabei nicht fehlen. Die Drehbuchautoren signalisieren ein wenig aufdringlich Problembewusstsein und versuchen vor allem, das fragwürdige Afrika-Bild der meisten bisherigen Tarzan-Storys ein wenig geradezurücken. Das schlechte Gewissen wird hier gleichsam zum erzählerischen Motor.  

Der historisch verbürgte Oberschurke Leopold bekommt also ordentlich sein Fett weg, auch ohne persönlich in Erscheinung zu treten. Dafür hat er einen dämonischen Vertreter in der Fiktion: den halb erfundenen Schergen Leon Rom, der von Christoph Waltz - als wollte er Hans Landa mit Blofeld multiplizieren - mit grundsätzlicher, absolut unverhohlener Boshaftigkeit und Gier versehen wird. Ein unchristlicher Christ, dem Jane ins Gesicht spuckt. Ein Sadist mit Rosenkranz, der keine Grenze kennt, bis Tarzan einen dicken Hals bekommt. Apropos Jane: Sie gerät hier zwar in Gefangenschaft, aber sie ist eindeutig kein wehrloses Fräulein, sondern eine forsche und moderne Frau, die von Margot Robbie mit deutlichem Sendungs- und Selbstbewusstsein verkörpert wird. An ihrer Figur zeigt sich einmal mehr, wie Geschichte in diesem Film zur in die Gegenwart hineinstrahlenden Legende verwandelt wird.

Fazit: 
Die Legende von Tarzan ist eine etwas zu geradlinige, aber abwechslungsreiche Superheldengeschichte - spannend und kurzweilig erzählt. Dafür vergeben wir dschungelhafte 7,5 von 10 Punkte. (mk)

Montag, 15. August 2016

Ghostbusters OV 3D



Facts:

Genre: Action, Komödie
Regie: Paul Feig
Cast: Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon
Laufzeit: 117 Minuten
FSK:  ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany

(c) Sony Pictures Germany


Inhalt:
Abby Yates (Melissa McCarthy) hat schon immer an Gespenster geglaubt, es ist ihr ganz egal, ob man sie dafür belächelt. In einem heruntergekommenen Labor erforscht sie das Paranormale, unterstützt wird sie von der schrägen, aber genialen Ingenieurin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon), die allerlei abgefahrene Anti-Geister-Waffen bastelt. Abbys alte Freundin Erin Gilbert (Kristen Wiig) hat das umstrittene Forschungsgebiet hingegen schon lange für eine Karriere als seriöse Physikerin aufgegeben, was einst zum Bruch zwischen den beiden Partnerinnen geführt hat. Doch als Erin kurz vor einer Festanstellung an der renommierten Columbia-Universität steht, wird sie von der gemeinsamen Geisterforschervergangenheit eingeholt. Sie bittet Abby um Hilfe, aber die wittert schnell eine ganz andere Gelegenheit und schleppt Erin mit zu einem Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem es zu einer Geistererscheinung gekommen sein soll. Nach diesem Termin ist nichts mehr so wie vorher: Die Frauen mischen als Ghostbusters New York auf und erhalten durch die resolute U-Bahn-Angestellte Patty Tolan (Leslie Jones) weitere Verstärkung. 

Bewertung:
„Ghostbusters – Die Geisterjäger“ von 1984 ist ein Kultklassiker des blühenden Blödsinns – garniert mit grünem Geisterschleim. Besondere Höhepunkte waren dabei die fantasievollen, absolut ernsthaft vorgetragenen Dialoggirlanden pseudowissenschaftlichen Nonsens‘, die jeder noch so abstrusen Geistererscheinung eine scheinbar rationale Erklärung gaben. Diese unwiderstehliche innere Plausibilität streben auch Paul Feig und seine Co-Autorin Katie Dippold an, die bereits „Taffe Mädels“ gemeinsam schrieben, und sie sind dabei recht erfolgreich. Mit dem von Fremdwörtern und Technik-Slang durchzogenen Kauderwelsch kommen auch Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon bestens zurecht, davon hätte es ruhig noch etwas mehr geben dürfen. Überzeugend ist auch die nerdige Detailversessenheit der Gimmicks – von der Ausrüstung und den Waffen bis zum Ghostbusters-Mobil – in die Gegenwart übertragen worden. Für viel Vergnügen sorgt außerdem einmal mehr der Einfallsreichtum, der in die Gestaltung der Geister geflossen ist.
 
Dem legendären Marshmallow-Mann von vor 30 Jahren folgen nun ähnlich knuffige Ballongeister. Dass sie mittlerweile aus dem Computer stammen, tut ihrer Wirkung keinen Abbruch, allerdings ist die schiere Masse an Effekten speziell im Showdown am in die 1970er Jahre zurückversetzten Times Square zuviel des Guten. Die in Massachussetts gedrehte Sequenz ist zwar visuell beeindruckend,  aber auch überlang. Humor und Handlung geraten nicht nur hier gegenüber den reinen, zuweilen selbstzweckhaften Schauwerten ins Hintertreffen: Das unnötig hohe Budget von 144 Millionen Dollar ist diesen „Ghostbusters“ deutlich anzusehen, nicht immer gelingt Regisseur Paul Feig dabei eine so überzeugende Balance zwischen Spaß und Spektakel wie bei der Geisterjagd auf einem Heavy-Metal-Konzert. Und alle Effekte der Welt können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bösewicht Neil Casey (Rowan North) uninspiriert ist.

Abgesehen von dem blassen Schurken legen die meisten anderen Nebenfiguren solide Auftritte hin, ohne für Denkwürdiges zu sorgen – am auffälligsten ist noch Andy Garcia als verpeilter Bürgermeister, auch wenn die ständige Vertuschung der übernatürlichen Gefahren ein bisschen aus dem ansonsten betont realitätsfernen Rahmen fällt. Vollends enttäuschend geraten dagegen zumindest zwei der mit Spannung erwarteten Gastauftritte der ursprünglichen Ghostbusters – das Wiedersehen mit Bill Murray lässt sich bestenfalls in der Kategorie „seltsam“ verbuchen, während bei Dan Aykroyd und Ernie Hudson der Unterschied zwischen einer lustlosen und einer charmanten Stippvisite studiert werden kann. Ein weiterer Überraschungsgast befindet dagegen (nach dem Abspann!) passenderweise: „Warnhinweise sind für Weicheier“.

Aufs Ganze gehen auf alle Fälle die vier neuen Hauptdarstellerinnen, wobei es angenehmerweise kaum eine Rolle spielt, dass es sich nun um Frauen handelt. Melissa McCarthy („The Boss“) sprüht wie immer vor Energie und ist so etwas wie die natürliche Anführerin des Teams – als Abby vereint sie Besessenheit (die sich auch schon einmal auf die Wantan-Suppe richten kann) mit Beharrlichkeit. Und sie ist damit die ideale Ergänzung zu Kristen Wiigs („The Martian“) leicht neurotischer Erin, die endlich ernstgenommen werden wollte und daher vorübergehend zur seriösen Physikerin geworden ist (unschwer ist in einer Montagesequenz, in der die Geisterjägerinnen lächerlich gemacht werden, auch ein Kommentar zu den negativen Vorabreaktionen auf den Film zu erkennen). Zu der Ungezügelten und der leicht Verklemmten gesellt sich mit Kate McKinnons Technikfreak Jillian eine wahrhaft originelle und ein wenig gewöhnungsbedürftige Figur.

Die gerade erst mit einer weiteren Emmy-Nominierung für ihre Promi-Imitationen in „Saturday Night Live“ geehrte McKinnon scheint zu agieren, wie es ihr gerade in den Sinn kommt. Sie nimmt auch schon mal vollkommen den Schwung aus einer Szene, denn Jillian lebt in ihrer eigenen Welt. Erst ganz am Ende zeigt sie in einer kleinen Ansprache ihre Gefühle – wenn dies nicht ganz die offensichtlich erhoffte emotionale Wirkung hat, liegt das nicht an der Darstellerin, sondern daran, dass es hier dann doch zu viel Geisterbrimborium gibt. Leslie Jones (eine weiteres Mitglied der „SNL“-Besetzung) als Vierte im Bunde hat dagegen kaum Profil und scheint in erster Linie zum Sprücheklopfen da zu sein. Das ist bisweilen zwar auch ganz witzig, aber trotzdem noch weit von Paul Feigs besten Frauenpower-Komödien „Brautalarm“ und „Spy – Susan Cooper undercover“ entfernt.

Der lustigste Moment und die beste Nicht-„Ghostbusters“-Hommage des Films ist ein irrwitziger Frauendialog über Patrick Swayze, aber am Ende stiehlt ein Superheld allen die Schau – Clark-Kent-Witz inklusive: Chris Hemsworth zeigt als unbedarfte und leicht begriffsstutzige Hilfskraft nicht nur seine Muskeln, sondern vor allem sein großartiges komisches Talent. Wie er auf die Frage, warum in seiner Brille keine Gläser seien, ohne sich das Geringste anmerken zu lassen, antwortet, dass die immer so schnell schmutzig würden, ist ein kleines Meisterstück. Kein Augenzwinkern, keine Ironie – was er tut und sagt, ist für ihn das Normalste von der Welt – sei es auch noch so merkwürdig. Und das erinnert wiederum ein wenig an die absurde Ernsthaftigkeit von Bill Murray und Co., die den ersten „Ghostbusters“-Film so komisch machte.

Fazit: 
Die neuen weiblichen „Ghostbusters“ ziehen sich achtbar aus der Affäre, aber für etwaige Fortsetzungen bleibt noch einige Luft nach oben. Dennoch fühlen wir uns gut unterhalten und vergeben geisterfreie 7,5 von 10 Punkte. (mk)