Sonntag, 24. Juli 2016

Star Trek Beyond 3D



Facts:

Genre: SciFi, Action, Abenteur
Regie: Justin Lin
Cast: Chris Pine, Zachary Quinto, Simon Pegg
Laufzeit:  123 Minuten
FSK:  ab 12 Jahre
Verleih: Paramount Pictures Germany


(c) Paramount Pictures Germany

Inhalt: 
Das Raumschiff Enterprise wird wieder startklar gemacht und so geht die Crew um Captain Kirk (Chris Pine) auf eine neue, interstellare Mission. Doch noch während sie unterwegs im All sind, werden sie vom feindseligen Außerirdischen Krall (Idris Elba) und seinen Schergen angegriffen, was in einer Katastrophe mündet: Die Enterprise wird vollständig vernichtet und die einzelnen Besatzungsmitglieder müssen notgedrungen Zuflucht auf dem fremden Planeten Altamid suchen. Weit voneinander getrennt, müssen sie versuchen, sich auf unbekanntem Terrain durchzuschlagen. Der neuerdings ziemlich in sich selbst gekehrte Kirk findet sich mit dem jugendlichen Optimisten Chekov (Anton Yelchin) wieder, während Uhura (Zoe Saldana) und Sulu (John Cho) von Krall gefangen genommen werden. Spock (Zachary Quinto) und „Pille“ McCoy (Karl Urban) sind sich derweil nicht besonders grün und unterdessen freundet sich Scotty (Simon Pegg) mit der Alien-Kriegerin Jaylah (Sofia Boutella) an, die zu einer starken Gefährtin wird. Ob die Crew der Enterprise wieder zusammenfinden und Krall eins auswischen wird?

Bewertung: 
„Star Trek Beyond“ markiert nicht nur einen dezenten Kurswechsel, sondern auch einen Einschnitt in Form eines doppelten Abschieds: Der 2015 verstorbene legendäre Spock-Darsteller Leonard Nimoy und der diesmal mit mehr Leinwandzeit versehene Neu-Chekov Anton Yelchin, der im Juni 2016 nach Ende der Dreharbeiten im Alter von nur 27 Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, bekommen beide im Abspann eine angemessene Widmung. Doch die Trauer bestimmt den Film wenig und auch das im Vorfeld heiß diskutierte Outing des Mr. Sulu ist nur ein Randaspekt. Der Steuermann hat in „Star Trek Beyond“ einen Ehemann und eine junge Tochter, das alles inszeniert Justin Lin mit betont beiläufiger Gelassenheit. Wer nicht genau hinsieht, bekommt dieses bewusste Statement der Reboot-Crew für Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften kaum mit.

Der Film hat 150 Millionen Dollar gekostet und wie es sich für einen Sommer-Blockbuster gehört, zeigt Action-Spezialist Justin Lin gleich mal, wo das Geld geblieben ist: Er drückt mit einer krachenden, hyperaktiven Weltraumschlacht zu Beginn kräftig aufs Gas. Doch im Mittelteil gibt es auch einige herzhafte Faustkämpfe und bodenständige Raufereien im Retro-Jim-Kirk-Stil. Die Struktur der Sets auf dem steinigen Planeten Altamid erinnert dann ein wenig an die seligen Zeiten der Original-TV-Serie. Dort könnten auch gleich die jungen William Shatner, Leonard Nimoy und DeForrest Kelley um die Ecke kommen – mit ein bisschen mehr Budget im Nacken. Allerdings kommt es bei dieser ausgedehnten Hommage auch zu kleinen Längen, bevor das ganz große Spektakel in der Raumstation Yorktown beginnt und sich auch die Effektspezialisten noch einmal nachhaltig auszeichnen können.

Während J.J. Abrams nie einen Hehl daraus gemacht hat, kein Trekkie gewesen zu sein, was ihm gern unter die Nase gerieben wurde, belebt nun der ausgewiesene „Star Trek“-Nerd Simon Pegg als Drehbuchautor das Miteinander der Figuren – deren Kabbeleien sind oft wichtiger als die überschaubare Handlung. Hier entspricht der Tonfall so wie noch nie im Reboot der Enterprise-Tradition, Roddenberrys Utopie des intergalaktischen Miteinanders und Friedens ist wieder präsenter als zuvor. Dazu zeigt sich die gesamte Crew in prächtiger Spiellaune. Kirk und Spock werfen sich Wortgirlanden an den Kopf, „Pille“ neckt sich mit Spock, der über seine Liebe zu Uhura philosophiert, und Maskottchen Scotty sorgt für eine Extraprise Menschlichkeit und Humor. Witz und Emotionen bekommen in „Star Trek Beyond“ insgesamt mehr Raum als in den beiden Vorgängerfilmen – so wird auch die etwas chaotische Handlungsführung launig übertüncht.

Zum Finale drehen Justin Lin und Co. nochmal richtig auf, der Showdown ist großes Kino für Augen und Ohren: Die vom Kultsong „Sabotage“ der Beastie Boys begleitete letzte Raumschlacht bietet spektakuläre Blockbuster-Unterhaltung. Das ist nicht der einzige originelle Musikeinsatz und nur einer von mehreren Action-Höhepunkten im sehr starken letzten Drittel des Films. Der finstere Bösewicht als Figur kann da nicht ganz mithalten, dafür ist dieser Krall mit seinem spät gelüfteten Geheimnis zu gewöhnlich. Aber immerhin hat er dank des hinter einer dicken Maske verborgenen „The Wire“-Stars Idris Elba eine beeindruckende Statur und starke Präsenz.

Fazit: 
Justin Lin hat die Herausforderung des „Star Trek“-Erbes von J.J. Abrams angenommen und mit „Star Trek Beyond“ einige eigene Akzente gesetzt – zum gewohnt großkalibrigen und staunenswerten Action-Bombast gesellen sich ein Hauch Nostalgie und etwas mehr launiger Humor. Dennoch bleibt der traurige Beigeschmack über den Verlust von Nimoy und Yelchin - und beide ein letzte mal auf der grossen Leinwand gesehen zu haben. Der Film bekommt melacholische 8 von 10 Punkte.

Ausblick:
Star Trek 4 wurde bereits angekündigt, auch mit der Rückkehr von Chris Hemsworth (bekannt als Thor aus dem Marvelfilmen), welcher bereits als Georg Kirk auftrat.

BFG - Big Friendly Giant 2D



Facts:

Genre: Kinderfilm, Animation
Regie: Steven Spielberg
Cast: Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton
Laufzeit:  117 Minuten
FSK:  ab 0 Jahre
Verleih: Constantin Filmverleih


(c) Constantin Filmverleih

Inhalt: 
Die Geisterstunde beginnt nicht um 0 Uhr nachts, so wie alle denken, sie beginnt um 3 Uhr morgens! Waisenkind Sophie (Ruby Barnhill) weiß das, denn sie kann in ihrem Kinderheim nicht schlafen und geht deswegen nachts auf Streifzug. Dabei beobachtet sie eines Morgens, wie eine über sieben Meter große Gestalt eine umgefallene Mülltonne wieder aufstellt – und wird von dem fremden, gigantisch großen Mann alsbald ins Reich der Riesen verschleppt. Zum Glück für Sophie ist sie in Obhut des Big Friendly Giant geraten, der ihr nichts Böses will, sondern sie stattdessen lieber auf Traumjagd mitnimmt. Doch es gibt noch andere Riesen, die sind größer als der BFG und die fressen Menschen. Sophie und ihr neuer Freund schmieden also einen Plan – der hat mit dem Buckingham Palace und der Königin von England (Penelope Wilton) zu tun… 

Bewertung:
Die CGI-Effekte der Riesen, allgemein die Kameraarbeit von Janusz Kaminski – „BFG“ ist visuell schlichtweg atemberaubend. Noch beeindruckender als die pure technische Brillanz ist die scheinbar unerschöpfliche Kreativität, mit der Spielberg sein riesenhaftes Abenteuer in Szene setzt: Das geht schon los mit dem ersten Auftritt des BFG, wenn der Riese mit Hilfe allerlei geschickter Schattenspielereien unbemerkt durchs nächtliche London schleicht – da verschwinden plötzlich ganze Seitenstraßen oder auf der anderen Seite der Allee steht mit einmal ein Baum mehr. Apropos Schatten: In einer der berührendsten Szenen des Films pusten Sophie und der BFG einem kleinen Jungen einen Traum durchs Fenster – und während der schlafende Junge im Vordergrund zu lächeln beginnt, sehen wir als Schattenspiel auf der Zimmerwand, wie der US-Präsident den verblüfften Vater anruft und ihm erzählt, dass er unbedingt und ganz dringend mit seinem Sohn sprechen müsse, denn nur der könne die Situation jetzt noch retten.

Spielberg spielt – jedenfalls was die inszenatorische Finesse angeht - einmal mehr in seiner ganz eigenen Liga: Wie er innerhalb einzelner Kamerafahrten immer wieder zwischen den Größenmaßen der Menschen und der Riesen hin und her wechselt, ist nicht weniger als ganz, ganz große Kinokunst. Das ist mal ein bewusst auffälliger Effekt, etwa wenn die Brille von Sophie in Nahaufnahme gezeigt wird, während der klein weit im Hintergrund stehende BFG sie aufhebt – und plötzlich seine gigantischen Finger von oben ins Bild ragen. Noch öfter sind diese Perspektivverschiebungen aber auch ganz subtil und natürlich in den Filmfluss eingewoben. Spätestens bei der Traumjagd und dem folgenden Traumbrauen wird mancher Spielberg-Verächter wieder laut „Kitsch!!!“ schreien – aber auch hier ist der Einfallsreichtum verblüffend: Braucht der Traum noch ein wenig mehr „Armee“, dann gibt man einfach noch etwas aus der grünen Flasche dazu, aus der dann Mini-Soldaten-Träume mit Fallschirmen in den Traummixer gleiten.

Mitunter droht die zentrale Freundschaft und damit der eigentliche Kern des Außenseiter-Märchens ein wenig hinter dem visuellen Rausch zurückzustehen – aber letztendlich wird das durch die schiere Präsenz der beiden überragenden Hauptdarsteller verhindert: Der zwölfjährigen Ruby Barnhill steht definitiv eine große Karriere als Kinderstar ins Haus – abseits der klassischen Hollywood-Vorstellungen von „süß“ agiert sie mit keckem Selbstbewusstsein und großer emotionaler Intelligenz. Hätte Spielberg „BFG“ wie einst geplant bereits vor 15 Jahren verfilmt, hätte Robin Williams die Titelrolle spielen sollen. Aber so sehr wir den 2014 verstorbenen Komiker auch schätzen, mit Mark Rylance ist der Film nicht nur ein ganz anderer, sondern sehr wahrscheinlich auch ein besserer geworden: Der frischgebackene Oscarpreisträger verleiht dem BFG mit seiner gewohnt subtilen Performance eine tiefe Tragik und kraftvolle Ernsthaftigkeit. Trotzdem ist er in den explosiven Pupsszenen und mit seiner Interpretation der Dahl’schen Fantasiesprache Gobblefunk immer wieder auch urkomisch.

Fazit: 
Ein vor allem visuell bahnbrechendes Kinomärchen. Dennoch halte ich die Freigabe ab 0 Jahren für falsch, was gerade den Teil der Story um die Queen und die Armee Invasion ins Riesenland anbelangt. Damit kann keiner unter 10 Jahren etwas anfangen. Daher vergebe ich märchenhafte 7 von 10 Punkte.