Facts:
Genre: Action, Sci-Fi
Regie: Bryan Singer
Cast: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence Laufzeit: 144 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Fox Deutschland
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| (c) Fox Deutschland |
Inhalt:
Die Welt hat sich verändert, Mutanten werden in der Gesellschaft nun
weitestgehend akzeptiert. Doch ein legendärer Bösewicht schickt sich an,
Menschen wie Mutanten zu unterjochen: der einst als Gott verehrte
Apocalypse (Oscar Isaac), der älteste und mächtigste Mutant der Welt. Er
ist unsterblich und unbesiegbar, weil er die Kräfte vieler
unterschiedlicher Mutanten vereint – und er ist bei seinem Erwachen nach
Tausenden von Jahren gar nicht glücklich darüber, wie sich die Welt
entwickelt hat. Zur Verwirklichung seines Plans einer neuen Weltordnung
bringt Apocalypse mächtige Mutanten unter seine Kontrolle: Magneto
(Michael Fassbender), Psylocke (Olivia Munn), Storm (Alexandra Shipp)
und Angel (Ben Hardy). Es ist an Raven (Jennifer Lawrence) und Prof. X
(James McAvoy), ein Team junger Mutanten anzuführen, das sich Apocalypse
in den Weg stellt…
Bewertung:
Der Film beginnt mit der Stimme von Professor Xavier, der das
grundlegende Dilemma der X-Men (und aller Superhelden) in einprägsame
Worte kleidet: „Gifts can be curses.“ Besondere Begabungen und
Fähigkeiten können ein Fluch sein. Auch das Wissen um die Zukunft, der
Blick in die Herzen und Hirne der anderen kann Angst machen. Schmerz und
Angst durchziehen den folgenden Film dann auch, das fängt schon im
Prolog an. Nach Xaviers prophetischen Sätzen katapultiert uns Regisseur
Bryan Singer („Die üblichen Verdächtigen“) ins alte Ägypten, ins Jahr
3600 vor Christus: Schier endlose Menschenmassen, pompöse Bauten,
schneidige Krieger bilden den Rahmen für eine pharaonische
Machtdemonstration. Und hinter dieser Kulisse, die dem Filmemacher die
Gelegenheit bietet, seiner Vorliebe fürs Monumental-Ornamentale freien
Lauf zu lassen, findet ein beunruhigendes Ritual statt. Es gibt
Widerstand, die Pyramiden stürzen ein und scheinen das drohende Unheil
unter sich zu begraben, aber fast 6000 Jahre später erwacht eine
schreckliche Macht.
Der gottgleiche Apocalypse wirkt in den 1980ern ein bisschen wie ein Jedi, der sich verlaufen hat (einer der wenigen Witze hier hat übrigens mit dem dritten „Star Wars“-Film zu tun, aber ansonsten bleibt das Zeitkolorit sehr dezent): Der Erzbösewicht ist irgendwie fehl am Platz, aber er trägt seinen Namen völlig zu recht. Er besitzt furchteinflößende Kräfte, die er über die Jahrtausende von anderen Mutanten auf sich übertragen hat und verfolgt mit kalter Konsequenz sein einziges zerstörerisches Ziel – das Ende der Welt. Angst und Schmerz kennt er nicht, ihm fehlen alle menschlichen Züge – der sonst so charismatische Oscar Isaac („Star Wars 7“) zeigt keine Regung und ist unter dem steinern wirkenden Make-up ohnehin nicht wiederzuerkennen. „Die interessieren mich nicht“, sagt er ohne Ausdruck in einer Szene zu Magneto und lässt eine Gruppe von Männern per Fingerzeig buchstäblich im Boden versinken. Apocalypse ist so etwas wie die Perfektion und die Perversion des Superhelden zugleich: Er will die absolute Macht nur um ihrer selbst willen, die Menschen mit allen ihren Schwächen sind da nur Störfaktoren. Und wenn er den verzweifelten Erik Lehnsherr nach Auschwitz führt, um seinen Hass zu schüren, dann legt er den Finger ungeniert in die Menschheitswunde.
Schon „Zukunft ist Vergangenheit“ war Ideenkino mit Popcorngeschmack, auch in „Apocalypse“ schrecken Bryan Singer und Drehbuchautor Simon Kinberg („Sherlock Holmes“) nicht vor großen Themen zurück: Die Frage nach der Natur des Menschlichen steht hier im Mittelpunkt, wobei Nicht-Mutanten mit Ausnahme der CIA-Agentin Moira Mactaggert (Rose Byrne) nur kleine Nebenrollen spielen und meist ängstlich oder feindselig auftreten. Schon der Kameraflug durch einen „Zeittunnel“ (allein dafür lohnt sich das 3D) vor der Titeleinblendung zeigt uns die Widersprüche im menschlichen Wesen. Und später stehen sich wieder die Positionen des versöhnlichen Charles Xavier, der für die Kollaboration zwischen Mutanten und Menschen eintritt, und des auf Konfrontation setzenden Skeptikers Magneto gegenüber – ein Konflikt, der hier eine neue Komplexität erreicht. Wenn der im Schoß einer neuen Familie zur Ruhe gekommene Erik aus seinem friedlichen inneren Exil aufgescheucht wird und in eine schicksalsschwere und toll gefilmte Konfrontation in einem polnischen Provinzwald gerät, dann fällt es gar nicht so leicht, Partei zu ergreifen. Und auch der eindrucksvolle emotionsgeladene Kurzauftritt von Hugh Jackmans Wolverine erweist sich als überaus ambivalenter Moment, an den übrigens in der obligatorischen Post-Credit-Sequenz angeknüpft wird, die überdies einen verklausulierten Hinweis auf einen möglichen nächsten Schurken liefert.
„X-Men: Apocalypse“ ist bis zum Ende ein Blockbuster mit moralischen Widerhaken und so darf Michael Fassbender („Inglourious Basterds“, „Shame“) noch weiter in die Tiefen seiner Figur eintauchen, während der Optimismus von James McAvoys („Abbitte“, „Wanted“) Professor immer wieder auf die Probe gestellt wird. Aber er gibt den Widerstand gegen Apocalypse nicht auf und hat dabei neben Beast (Nicholas Hoults bester Moment ist diesmal eine beiläufig hingehauchte Bekundung seiner Zuneigung zu Mystique) auch ein paar neue (alte) Mitstreiter an seiner Seite: Besonders beeindruckend fällt der Auftritt von Jean Grey („Game Of Thrones“-Star Sophie Turner) aus, die sich von einer unter ihren telepathischen Kräften leidenden Außenseiterin zu einer mutigen Kämpferin entwickelt und wie ein Phoenix zur Entscheidungsschlacht aufsteigt. Vor allem aber zeigt sie Mitgefühl und Einfühlungsvermögen, daher versteht sie auch Scott Summers/Cyclops (hervorragend: Tye Sheridan) so gut, dem tödliche, kaum zu kontrollierende Strahlen aus den Augen schießen. Die hin- und hergerissene Mystique (gut wie meist: Jennifer Lawrence) wiederum ist zuerst in einer etwas seltsamen Szene im Ost-Berlin der 80er zu sehen, in der sie Kurt Wagner/Nightcrawler (amüsant: Kodi Smit-McPhee) aus misslicher Lage befreit, danach drückt sie auch diesem Film ihren blauen Stempel auf und schließlich bekommt Quicksilver (Evan Peters), der Sonderling unter den Sonderlingen, wie schon in „Zukunft ist Vergangenheit“ einen großen Auftritt.
Der unvorstellbar schnelle Mutant darf seine Kräfte wieder in einer extrem verlangsamten Sequenz demonstrieren: Es ist, als bliebe die Zeit stehen und er könnte ein unentrinnbares Schicksal aufhalten – aber diesmal hat die virtuose Zeitlupen-Rettungseinlage (begleitet von Eurythmics‘ „Sweet Dreams“) eine stärkere dramatische Seite. Eine ähnliche Mischung aus Poesie und Angeberei präsentiert uns Singer in einer ausgedehnten und wundersamen Montagesequenz um das globale Nuklearwaffenarsenal, dazu hat Komponist (und Co-Cutter) John Ottman („The Nice Guys“) eine aufgemotzte Version des Allegrettos aus Beethovens 7. Sinfonie arrangiert – keine originelle, aber eine wirkungsvolle Wahl. Die zahlreichen und ausgedehnten Actioneinlagen fallen hier insgesamt vielleicht nicht so überraschend aus wie im vorigen Film der Reihe, aber die von Apocalypse und seinen Helfern entfachte Zerstörungsorgie (wieder einmal erwischt es einige berühmte Sehenswürdigkeiten) hat anders als in einigen anderen Comic- oder Katastrophenfilmen immer auch einen Rest von Erdenschwere: Zur Spektakel-Schaulust gesellt sich das Schaudern vor dem Abgrund. Denn „Apocalypse“ hat trotz aller Blockbuster-Mechanismen und Spezialeffektkaskaden ein großes Herz: Am schönsten zeigt sich dies in zwei ruhigen Szenen, in denen zwei Figuren unter ganz unterschiedlichen Umständen verlorene Erinnerungen gleichsam zurückgeschenkt bekommen.
Fazit:
Der gottgleiche Apocalypse wirkt in den 1980ern ein bisschen wie ein Jedi, der sich verlaufen hat (einer der wenigen Witze hier hat übrigens mit dem dritten „Star Wars“-Film zu tun, aber ansonsten bleibt das Zeitkolorit sehr dezent): Der Erzbösewicht ist irgendwie fehl am Platz, aber er trägt seinen Namen völlig zu recht. Er besitzt furchteinflößende Kräfte, die er über die Jahrtausende von anderen Mutanten auf sich übertragen hat und verfolgt mit kalter Konsequenz sein einziges zerstörerisches Ziel – das Ende der Welt. Angst und Schmerz kennt er nicht, ihm fehlen alle menschlichen Züge – der sonst so charismatische Oscar Isaac („Star Wars 7“) zeigt keine Regung und ist unter dem steinern wirkenden Make-up ohnehin nicht wiederzuerkennen. „Die interessieren mich nicht“, sagt er ohne Ausdruck in einer Szene zu Magneto und lässt eine Gruppe von Männern per Fingerzeig buchstäblich im Boden versinken. Apocalypse ist so etwas wie die Perfektion und die Perversion des Superhelden zugleich: Er will die absolute Macht nur um ihrer selbst willen, die Menschen mit allen ihren Schwächen sind da nur Störfaktoren. Und wenn er den verzweifelten Erik Lehnsherr nach Auschwitz führt, um seinen Hass zu schüren, dann legt er den Finger ungeniert in die Menschheitswunde.
Schon „Zukunft ist Vergangenheit“ war Ideenkino mit Popcorngeschmack, auch in „Apocalypse“ schrecken Bryan Singer und Drehbuchautor Simon Kinberg („Sherlock Holmes“) nicht vor großen Themen zurück: Die Frage nach der Natur des Menschlichen steht hier im Mittelpunkt, wobei Nicht-Mutanten mit Ausnahme der CIA-Agentin Moira Mactaggert (Rose Byrne) nur kleine Nebenrollen spielen und meist ängstlich oder feindselig auftreten. Schon der Kameraflug durch einen „Zeittunnel“ (allein dafür lohnt sich das 3D) vor der Titeleinblendung zeigt uns die Widersprüche im menschlichen Wesen. Und später stehen sich wieder die Positionen des versöhnlichen Charles Xavier, der für die Kollaboration zwischen Mutanten und Menschen eintritt, und des auf Konfrontation setzenden Skeptikers Magneto gegenüber – ein Konflikt, der hier eine neue Komplexität erreicht. Wenn der im Schoß einer neuen Familie zur Ruhe gekommene Erik aus seinem friedlichen inneren Exil aufgescheucht wird und in eine schicksalsschwere und toll gefilmte Konfrontation in einem polnischen Provinzwald gerät, dann fällt es gar nicht so leicht, Partei zu ergreifen. Und auch der eindrucksvolle emotionsgeladene Kurzauftritt von Hugh Jackmans Wolverine erweist sich als überaus ambivalenter Moment, an den übrigens in der obligatorischen Post-Credit-Sequenz angeknüpft wird, die überdies einen verklausulierten Hinweis auf einen möglichen nächsten Schurken liefert.
„X-Men: Apocalypse“ ist bis zum Ende ein Blockbuster mit moralischen Widerhaken und so darf Michael Fassbender („Inglourious Basterds“, „Shame“) noch weiter in die Tiefen seiner Figur eintauchen, während der Optimismus von James McAvoys („Abbitte“, „Wanted“) Professor immer wieder auf die Probe gestellt wird. Aber er gibt den Widerstand gegen Apocalypse nicht auf und hat dabei neben Beast (Nicholas Hoults bester Moment ist diesmal eine beiläufig hingehauchte Bekundung seiner Zuneigung zu Mystique) auch ein paar neue (alte) Mitstreiter an seiner Seite: Besonders beeindruckend fällt der Auftritt von Jean Grey („Game Of Thrones“-Star Sophie Turner) aus, die sich von einer unter ihren telepathischen Kräften leidenden Außenseiterin zu einer mutigen Kämpferin entwickelt und wie ein Phoenix zur Entscheidungsschlacht aufsteigt. Vor allem aber zeigt sie Mitgefühl und Einfühlungsvermögen, daher versteht sie auch Scott Summers/Cyclops (hervorragend: Tye Sheridan) so gut, dem tödliche, kaum zu kontrollierende Strahlen aus den Augen schießen. Die hin- und hergerissene Mystique (gut wie meist: Jennifer Lawrence) wiederum ist zuerst in einer etwas seltsamen Szene im Ost-Berlin der 80er zu sehen, in der sie Kurt Wagner/Nightcrawler (amüsant: Kodi Smit-McPhee) aus misslicher Lage befreit, danach drückt sie auch diesem Film ihren blauen Stempel auf und schließlich bekommt Quicksilver (Evan Peters), der Sonderling unter den Sonderlingen, wie schon in „Zukunft ist Vergangenheit“ einen großen Auftritt.
Der unvorstellbar schnelle Mutant darf seine Kräfte wieder in einer extrem verlangsamten Sequenz demonstrieren: Es ist, als bliebe die Zeit stehen und er könnte ein unentrinnbares Schicksal aufhalten – aber diesmal hat die virtuose Zeitlupen-Rettungseinlage (begleitet von Eurythmics‘ „Sweet Dreams“) eine stärkere dramatische Seite. Eine ähnliche Mischung aus Poesie und Angeberei präsentiert uns Singer in einer ausgedehnten und wundersamen Montagesequenz um das globale Nuklearwaffenarsenal, dazu hat Komponist (und Co-Cutter) John Ottman („The Nice Guys“) eine aufgemotzte Version des Allegrettos aus Beethovens 7. Sinfonie arrangiert – keine originelle, aber eine wirkungsvolle Wahl. Die zahlreichen und ausgedehnten Actioneinlagen fallen hier insgesamt vielleicht nicht so überraschend aus wie im vorigen Film der Reihe, aber die von Apocalypse und seinen Helfern entfachte Zerstörungsorgie (wieder einmal erwischt es einige berühmte Sehenswürdigkeiten) hat anders als in einigen anderen Comic- oder Katastrophenfilmen immer auch einen Rest von Erdenschwere: Zur Spektakel-Schaulust gesellt sich das Schaudern vor dem Abgrund. Denn „Apocalypse“ hat trotz aller Blockbuster-Mechanismen und Spezialeffektkaskaden ein großes Herz: Am schönsten zeigt sich dies in zwei ruhigen Szenen, in denen zwei Figuren unter ganz unterschiedlichen Umständen verlorene Erinnerungen gleichsam zurückgeschenkt bekommen.
Fazit:
Auch im x-ten X-Men Film bleiben weder die Handlung noch die Charaktere auf der Strecke. Singer schafft es mal wieder eine tolle Story zu erzählen und dabei die Entwicklung der Mutanten nicht aus den Augen zu verlieren. Einer der besten X-Men Filme für uns. Daher vergeben wir mutantenhafte 9 von 10 Punkte. (mk)

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