Samstag, 26. März 2016

Batman vs Superman: Dawn Of Justice (OV)



Facts:
Genre: Action, Fantasy 
Regie: Zack Snyder
Cast:Ben Affleck, Henry Cavill, Jesse Eisenberg
Laufzeit: 153 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih:Warner Bros. GmbH


(c) Warner Bros. GmbH


Inhalt: 
Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von „Man Of Steel“ Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck) hat sich klar auf die Seite derjenigen geschlagen, die Superman gebändigt wissen wollen. Der dunkle Ritter sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal und mit Körpereinsatz. Doch während Bat- und Superman aufeinander fokussiert sind, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass sich die Mitglieder der Heldengruppe Justice League formieren… 

Bewertung:
Christopher Nolan schuf mit seiner „Dark Knight“-Trilogie seriöse, in der Realität verankerte und sorgfältig auserzählte Superheldenfilme, die auch Nicht-Comicfans ohne Probleme toll finden konnten. Bei „Man Of Steel“, an dem Nolan als Co-Produzent und –Autor beteiligt war, blieb der grundsätzlich ernsthafte Tonfall erhalten, den Regisseur Zack Snyder („300“, „Watchmen“) mit einer Tendenz zu exzessiver Over-The-Top-Action anreicherte und damit „comichafter“ machte. Die Mischung ist in „Batman V Superman“ auch ohne wesentliche Beteiligung des „Interstellar“-Regisseurs (er ist nur noch Ausführender Produzent) eine ähnliche, aber dem Drehbuch fehlt diesmal jegliche Stringenz. DC-Spezialist David S. Goyer und Oscar-Preisträger Chris Terrio („Argo“) reihen mehr oder weniger gelungene Einzelszenen aneinander, die sich allerdings kaum einmal überzeugend zu einem größeren Zusammenhang fügen und schon gar keinen schlüssigen Handlungsbogen ergeben. Supermans Selbstzweifel und Batmans Wut etwa bleiben Behauptung, sie gewinnen nie erzählerisches Gewicht und besitzen so keinerlei emotionale Kraft. Auch die „Motivation“ des überdrehten Bonbonlutschers und Turnschuhträgers Lex Luthors besteht nur aus pseudo-philosophischen Sprechblasen – er ist Welten nicht nur Welten entfernt von den Abgründen, die etwa Heath Ledgers Joker offenbarte, sondern kann auch seinen Rollenvorgängern nicht das Wasser reichen. Und während man bei der Frage, was hier psychologisch glaubhaft ist und was nicht, im Einzelnen sicher noch streiten kann, bleiben gewisse Einschübe und Einzelheiten nahezu unverständlich.

Wenn es zu einem albtraumhaften Zeitsprung mit einer ominösen Begegnung zwischen den beiden Haupthelden kommt und aus dem Nichts The Flash (Ezra Miller) mit seinen besonderen Fähigkeiten eingeführt wird, dann muss man nicht nur verdammt schnell schalten, um den blitzartigen Kurzauftritt überhaupt mitzubekommen, es fällt einem auch unglaublich schwer, sich auf die Schnelle einen Reim auf die Szene zu machen. Während gewisse Insider-Hinweise am Rande (etwa auf das Schicksal von Robin und auf den Joker) einen Bonus für Experten bieten, ist dieser mögliche Flashback unabhängig vom Vorwissen der Zuschauer einfach schlecht erzählt. Immer wieder gibt es solche willkürlich wirkenden Szenen, bei denen statt „Aha!“ nur ein „Ach ja?“ als Reaktion bleibt. Manchmal holen die Schauspieler noch ein Minimum an Aussagekraft heraus, etwa wenn Clark Kent unvermittelt seinem toten Vater Jonathan (Kevin Costner) begegnet, doch viel zu oft laufen diese Augenblicke ins Leere und so erscheint insbesondere der Ernst des Ganzen zunehmend als aufgesetzt und wichtigtuerisch: Da wird von schweren Themen wie Selbstjustiz, Fremdenhass, Terrorgefahr und Erlösung geraunt, aber in diesem erzählerischen Einheitsbrei bleiben das nur Schlagworte. Und so ist dann auch der dramatische Höhepunkt des Finales nur vorübergehend wirksam, dann werden seine tragischen Konsequenzen zurückgenommen: Diesen Film könnte man im Nachhinein auch als 151-Minuten-Trailer für „Justice League: Part 1“ verstehen, mit dem das „DC Extended Universe“ 2017 seine vorläufig größte Ausdehnung erreichen soll.

Bei seiner lustvollen Zerstörungsorgie im Finale von „Man Of Steel“ nahm Zack Snyder scheinbar sorglos Kollateralschäden in Kauf, was prompt kritische Stimmen auf den Plan rief, die ein solches Blutvergießen nicht mit der Superman-Persönlichkeit für vereinbar hielten – auch nicht, wenn es im Off stattfindet. In „Batman V Superman“ nimmt Snyder diese Einwände nun auf: Erst macht er die Toten vom Showdown in Metropolis zum wesentlichen Motiv für Batmans tiefe Abneigung gegen Superman, dann sorgt er auf auffällige Weise dafür, dass die weitere Superhelden-Action fernab der Zivilbevölkerung stattfindet. Ansonsten bleibt er seinem Stil treu und frönt dem Exzess. Das ist mal gelungen (wenn Batman in einer fast an ein Ballett erinnernden Choreographie ein paar Soldaten im Nahkampf erledigt), mal misslungen (bei einer endlosen Verfolgungsjagd mit Batmobil). Und im finalen Kampf mit dem Weltuntergangsmonster Doomsday, der alle Dimensionen sprengt, ist die Steigerung ins Extrem zwar von der Idee her nachvollziehbar, wirkt aber eher ermüdend. Immerhin blitzt immer wieder Snyders Gespür für starke Bilder auf – vom desolaten Anblick eines einsamen Mädchens in der Trümmerwüste von Metropolis bis zum Begräbnis in karger Landschaft –, doch jeder Anflug von eigenständiger Atmosphäre wird von der hanebüchenen Handlungsführung unterlaufen. Dem können auch Hans Zimmer und Junkie XL mit ihrer bombastisch-abwechslungsreichen Musik nichts Entscheidendes entgegensetzen. Aber ein kleines Juwel haben sie zu bieten und das ist das prägnante Thema für Wonder Woman (Gal Gadot).

Anders als Aquaman (Jason Momoa) und Cyborg (Ray Fisher), die beide wie The Flash eine Minimaleinführung bekommen, ist Wonder Woman alias Diana Prince in mehreren Szenen (und Kostümen) zu sehen und Gal Gadot („The Fast and The Furious“) deutet eine vielversprechende Mischung aus zupackendem Selbstbewusstsein und geheimnisvoller Ausstrahlung an. Sie ist das Beste an „Batman V Superman“ und weckt die Vorfreude auf den angekündigten Solofilm mit der Lasso-Lady. Bei Ben Affleck fällt meine Bilanz dagegen durchwachsener aus. Als bekannt wurde, dass der zweifache Oscar-Gewinner der neue Batman werden würde, nahmen die üblichen Proteste bei der Neubesetzung einer so populären Figur ungeahnte Ausmaße an. Das Problem liegt hier allerdings nicht beim Schauspieler, der sich die Rolle durchaus überzeugend aneignet und den unvermeidlichen Vergleichen mit Christian Bales Dark Knight rein äußerlich durchaus standhält. Vielmehr leidet der durchtrainierte Affleck, der hier nichts Jungenhaftes mehr an sich hat, besonders unter den dramaturgischen Schwächen des Films. Die Ursprünge der Figur werden nur grob umrissen, eine kurze Szene von der Ermordung von Bruces Eltern nach einem Kinobesuch, einige Einstellungen von wild flatternden Fledermäusen und andere kleine Albträume müssen als Hintergrund reichen. Afflecks düsterer Version des (Anti-)Helden, der hier als gnadenloser Rächer auftritt („Wir waren schon immer Verbrecher“, sagt er zu Alfred), fehlt somit zumindest vorerst die erzählerische Unterfütterung.

Batmans Hass auf Superman wirkt so trotz allem ein wenig an den Haaren herbeigezogen, auch der Mann aus Stahl kann die ganze Abneigung, die ihm entgegenschlägt, nicht so richtig verstehen. Wenn er dem maskierten Rächer dann widerwillig entgegentritt, dann möchte man ihnen zurufen: „Redet doch einfach miteinander“. Aber selbstverständlich schlagen sie sich die Köpfe ein, bis sie im letzten Moment doch noch ihre Gemeinsamkeiten entdecken (einer der haarsträubendsten Momente des Films). Dessen ungeachtet macht Henry Cavill weiterhin eine gute Figur im „Superman“-Cape und überzeugt auch als bebrillter Reporter Clark Kent durchaus, aber seine Doppelrolle bekommt hier keine neue Dimension, die Suche nach seinem Platz in der Welt erhält viel zu wenig Raum. Trotzdem zeigt der göttliche Held am ehesten eine menschliche Seite. Diese Gelegenheit haben die übrigen Darsteller nicht: Lois Lane wird immer wieder in letzter Sekunde von Superman gerettet und einmal steigt Clark Kent zu ihr in die Badewanne, sonst hat Amy Adams („American Hustle“) fast nichts zu tun. Auch die übrige Besetzung mit den Oscar-Preisträgern Holly Hunter („Das Piano“) als von Luthor manipulierte Politikerin, mit dem Neu-Alfred Jeremy Irons („Lolita“) sowie den Rückkehrern Diane Lane („Untreu“) und Laurence Fishburne („Matrix“) ist schlicht unterfordert.

Fazit:
Viel erwartet habe ich von DC nicht und dennoch wurde ich enttäuscht. Weder Batman noch Superman wissen zu überzeugen bzw. legen nachvollziehbare Verhaltensweisen an den Tag. Wo ist der Superhelden-Charme geblieben? Was heutzutage nur noch zählt sind grosse Zerstörungswut und Massenvernichtung an Material. Damit geht DC in die falsche (Kino)Richtung, was sich bereits nach einem guten Superman Film in einem schlechten Batman vs Superman Film fortsetzt. Dafür vergeben wir mehr als enttäuschende 4 von 10 Punkte. (mk)

Dienstag, 8. März 2016

Zoomania 2D



Facts:
Genre: Animation
Regie: Byron Howard, Rich Moore
Cast: Josefine Preuß, Rüdiger Hoffmann, Frederick Lau
Laufzeit: 108 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany


Inhalt: 
Zoomania, eine gigantische Stadt voller Möglichkeiten: Hier leben die unterschiedlichsten Tierarten Seite an Seite, sei es in Sahara-Wolkenkratzern oder Iglu-Appartements. Für jede Vorliebe findet sich der passende Wohnraum. Mitten in den Trubel dieser Großstadt wird die junge Polizistin Judy Hopps (Stimme im Original: Ginnifer Goodwin / deutsche Fassung: Josefine Preuß) versetzt, die hofft, nun endlich einmal einen großen Fall lösen zu dürfen. Aber als kleiner Nager zwischen lauter großgewachsenen Kollegen wird sie nur belächelt und so darf Judy lediglich Parksündern nachjagen. Als ihr Chef sie endlich mit einem spannenden Auftrag betraut, stellt die clevere Häsin schnell fest, dass sie Hilfe braucht, um die mysteriöse Verschwörung aufzudecken, die die Bewohner von Zoomania in Atem hält. Notgedrungen lässt sie sich auf eine Zusammenarbeit mit dem vorlauten Fuchs und Trickbetrüger Nick Wilde (Jason Bateman) ein.

Bewertung:
Die Vermenschlichung von Tieren ist ja ohnehin eine alte Disney-Spezialität, aber in „Zoomania“ erreicht sie neue Dimensionen. Hier wird die ganze Vielfalt der Fauna in einer Stadt für alle Tiere vereint, die nicht nur als Spiegel- und Vorbild für unsere Menschenwelt fungiert, sondern den Designern und Animateuren auch die Gelegenheit gibt, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Wenn Judy mit dem Zug in Zoomania einfährt, dann entspricht ihr Staunen dem des Publikums bei der Entdeckung der originellen Bezirke – vom Sahara-Platz mit seinen Haus-Dünen über das eisige Tundratown bis zum dampfenden Amazonas-Viertel. Auch das Spiel mit den Größenunterschieden  führt immer wieder zu spaßigen Situationen, etwa wenn Judy sich bei einer Verfolgungsjagd plötzlich im Miniaturviertel der Kleinnager wiederfindet oder wenn die Hochzeitsfeier der Familie des Spitzmaus-Mafiosi von riesigen Eisbären bewacht wird. Der visuelle Einfallsreichtum ist beeindruckend und was bei dem ganzen städtischen Gewusel alles im Hintergrund passiert, lässt sich nur bei mehrmaligem Sehen ganz erfassen. Einige Figuren gehen zudem unmittelbar in den Kanon denkwürdiger Disney-Schöpfungen ein, wie der gutmütige Gepard Clawhauser (Nate Torrance) am Empfang des Polizeihauptquartiers und natürlich das Faultier Flash (Raymond S. Persi / Rüdiger Hoffmann) in der Kraftfahrzeugzulassungsstelle, das die mit einem Behördengang üblicherweise verbundene Geduldsprobe auf ein ganz neues Level hievt.

Die Chemie zwischen den beiden Protagonisten stimmt, aber zuweilen werden sie durch die Erfordernisse des Wir-überwinden-Hindernisse-und-Vorurteile-Plots gehemmt: Der schöne Theater-Prolog mit Judys großem Traum von der Polizei-Karriere und eine Eisdielen-Szene, in der sich ein Elefant weigert, einen Fuchs zu bedienen, und auch auf die ordnungshütende Häsin nicht hören will, sind sehr prägnant auf den Punkt gebracht, doch einige der späteren Volten über ethnische Vorurteile, Quotenregelungen, Angst vor Fremden, einen machohaften Polizeiapparat und andere brisante Themen wirken verkrampft. Manchmal scheint es so, als hätten die Macher den Titel des Songs von Gazelle (Shakira), dem Megastar aus Zoomania, allzu wörtlich genommen: „Try Everything“. Das lässt sich auch bei den wie gewohnt zahlreichen Zitaten und Anspielungen konstatieren, bei denen es gelegentlich überdeutlich zugeht. Selten kommen Augenschmaus und Fabulierlust, Nachdenkliches und Amüsantes so überzeugend zusammen wie in einem der großen komischen Highlights in einer Yoga-Nudisten-Oase, wo all die gezähmten und wohlerzogenen Tiere ungeniert die lästigen Kleider abschmeißen: Die Schweine können endlich mal die Sau rauslassen und sich im Schlamm suhlen, während die Raubkatzen in aller Ruhe die Krallen ausfahren dürfen, um sich zu putzen. Selbst als die Polizei zum Verhör erscheint, lässt sich eine tiefenentspannte Elefantendame nicht in ihrer Wellness-Idylle stören - sie vollführt weiter ihre Yoga-Verrenkungen und denkt nicht daran, ihre Blöße zu bedecken. Auch Schamgefühl ist relativ.

Fazit: 
In Disneys Animationskomödie über den Menschen im Tier stehen Fuchs und Hase im Mittelpunkt – der wahre Star ist aber ein Faultier. Dennoch weiß der Film gerade wegen der gelungenen Charaktere zu überzeugen. Dafür vergeben wir putzige 8,5 von 10 Punkte. (mk)