Facts:
Genre: Action, Fantasy
Regie: Zack Snyder
Cast:Ben Affleck, Henry Cavill, Jesse Eisenberg
Laufzeit: 153 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih:Warner Bros. GmbH
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| (c) Warner Bros. GmbH |
Inhalt:
Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von „Man
Of Steel“ Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry
Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen
und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob
seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Bruce Wayne
alias Batman (Ben Affleck) hat sich klar auf die Seite derjenigen
geschlagen, die Superman gebändigt wissen wollen. Der dunkle Ritter
sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für
Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des
Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich
betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal
und mit Körpereinsatz. Doch während Bat- und Superman aufeinander
fokussiert sind, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide
zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex
Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass
sich die Mitglieder der Heldengruppe Justice League formieren…
Bewertung:
Christopher Nolan schuf mit seiner „Dark Knight“-Trilogie
seriöse, in der Realität verankerte und sorgfältig auserzählte
Superheldenfilme, die auch Nicht-Comicfans ohne Probleme toll finden
konnten. Bei „Man Of Steel“, an dem Nolan als Co-Produzent und –Autor
beteiligt war, blieb der grundsätzlich ernsthafte Tonfall erhalten, den
Regisseur Zack Snyder („300“, „Watchmen“) mit einer Tendenz zu
exzessiver Over-The-Top-Action anreicherte und damit „comichafter“
machte. Die Mischung ist in „Batman V Superman“ auch ohne wesentliche
Beteiligung des „Interstellar“-Regisseurs (er ist nur noch Ausführender
Produzent) eine ähnliche, aber dem Drehbuch fehlt diesmal jegliche
Stringenz. DC-Spezialist David S. Goyer und Oscar-Preisträger Chris
Terrio („Argo“) reihen mehr oder weniger gelungene Einzelszenen
aneinander, die sich allerdings kaum einmal überzeugend zu einem
größeren Zusammenhang fügen und schon gar keinen schlüssigen
Handlungsbogen ergeben. Supermans Selbstzweifel und Batmans Wut etwa
bleiben Behauptung, sie gewinnen nie erzählerisches Gewicht und besitzen
so keinerlei emotionale Kraft. Auch die „Motivation“ des überdrehten
Bonbonlutschers und Turnschuhträgers Lex Luthors besteht nur aus
pseudo-philosophischen Sprechblasen – er ist Welten nicht nur Welten
entfernt von den Abgründen, die etwa Heath Ledgers Joker offenbarte,
sondern kann auch seinen Rollenvorgängern nicht das Wasser reichen. Und
während man bei der Frage, was hier psychologisch glaubhaft ist und was
nicht, im Einzelnen sicher noch streiten kann, bleiben gewisse Einschübe
und Einzelheiten nahezu unverständlich.
Wenn es zu einem albtraumhaften Zeitsprung mit einer ominösen Begegnung zwischen den beiden Haupthelden kommt und aus dem Nichts The Flash (Ezra Miller) mit seinen besonderen Fähigkeiten eingeführt wird, dann muss man nicht nur verdammt schnell schalten, um den blitzartigen Kurzauftritt überhaupt mitzubekommen, es fällt einem auch unglaublich schwer, sich auf die Schnelle einen Reim auf die Szene zu machen. Während gewisse Insider-Hinweise am Rande (etwa auf das Schicksal von Robin und auf den Joker) einen Bonus für Experten bieten, ist dieser mögliche Flashback unabhängig vom Vorwissen der Zuschauer einfach schlecht erzählt. Immer wieder gibt es solche willkürlich wirkenden Szenen, bei denen statt „Aha!“ nur ein „Ach ja?“ als Reaktion bleibt. Manchmal holen die Schauspieler noch ein Minimum an Aussagekraft heraus, etwa wenn Clark Kent unvermittelt seinem toten Vater Jonathan (Kevin Costner) begegnet, doch viel zu oft laufen diese Augenblicke ins Leere und so erscheint insbesondere der Ernst des Ganzen zunehmend als aufgesetzt und wichtigtuerisch: Da wird von schweren Themen wie Selbstjustiz, Fremdenhass, Terrorgefahr und Erlösung geraunt, aber in diesem erzählerischen Einheitsbrei bleiben das nur Schlagworte. Und so ist dann auch der dramatische Höhepunkt des Finales nur vorübergehend wirksam, dann werden seine tragischen Konsequenzen zurückgenommen: Diesen Film könnte man im Nachhinein auch als 151-Minuten-Trailer für „Justice League: Part 1“ verstehen, mit dem das „DC Extended Universe“ 2017 seine vorläufig größte Ausdehnung erreichen soll.
Bei seiner lustvollen Zerstörungsorgie im Finale von „Man Of Steel“ nahm Zack Snyder scheinbar sorglos Kollateralschäden in Kauf, was prompt kritische Stimmen auf den Plan rief, die ein solches Blutvergießen nicht mit der Superman-Persönlichkeit für vereinbar hielten – auch nicht, wenn es im Off stattfindet. In „Batman V Superman“ nimmt Snyder diese Einwände nun auf: Erst macht er die Toten vom Showdown in Metropolis zum wesentlichen Motiv für Batmans tiefe Abneigung gegen Superman, dann sorgt er auf auffällige Weise dafür, dass die weitere Superhelden-Action fernab der Zivilbevölkerung stattfindet. Ansonsten bleibt er seinem Stil treu und frönt dem Exzess. Das ist mal gelungen (wenn Batman in einer fast an ein Ballett erinnernden Choreographie ein paar Soldaten im Nahkampf erledigt), mal misslungen (bei einer endlosen Verfolgungsjagd mit Batmobil). Und im finalen Kampf mit dem Weltuntergangsmonster Doomsday, der alle Dimensionen sprengt, ist die Steigerung ins Extrem zwar von der Idee her nachvollziehbar, wirkt aber eher ermüdend. Immerhin blitzt immer wieder Snyders Gespür für starke Bilder auf – vom desolaten Anblick eines einsamen Mädchens in der Trümmerwüste von Metropolis bis zum Begräbnis in karger Landschaft –, doch jeder Anflug von eigenständiger Atmosphäre wird von der hanebüchenen Handlungsführung unterlaufen. Dem können auch Hans Zimmer und Junkie XL mit ihrer bombastisch-abwechslungsreichen Musik nichts Entscheidendes entgegensetzen. Aber ein kleines Juwel haben sie zu bieten und das ist das prägnante Thema für Wonder Woman (Gal Gadot).
Anders als Aquaman (Jason Momoa) und Cyborg (Ray Fisher), die beide wie The Flash eine Minimaleinführung bekommen, ist Wonder Woman alias Diana Prince in mehreren Szenen (und Kostümen) zu sehen und Gal Gadot („The Fast and The Furious“) deutet eine vielversprechende Mischung aus zupackendem Selbstbewusstsein und geheimnisvoller Ausstrahlung an. Sie ist das Beste an „Batman V Superman“ und weckt die Vorfreude auf den angekündigten Solofilm mit der Lasso-Lady. Bei Ben Affleck fällt meine Bilanz dagegen durchwachsener aus. Als bekannt wurde, dass der zweifache Oscar-Gewinner der neue Batman werden würde, nahmen die üblichen Proteste bei der Neubesetzung einer so populären Figur ungeahnte Ausmaße an. Das Problem liegt hier allerdings nicht beim Schauspieler, der sich die Rolle durchaus überzeugend aneignet und den unvermeidlichen Vergleichen mit Christian Bales Dark Knight rein äußerlich durchaus standhält. Vielmehr leidet der durchtrainierte Affleck, der hier nichts Jungenhaftes mehr an sich hat, besonders unter den dramaturgischen Schwächen des Films. Die Ursprünge der Figur werden nur grob umrissen, eine kurze Szene von der Ermordung von Bruces Eltern nach einem Kinobesuch, einige Einstellungen von wild flatternden Fledermäusen und andere kleine Albträume müssen als Hintergrund reichen. Afflecks düsterer Version des (Anti-)Helden, der hier als gnadenloser Rächer auftritt („Wir waren schon immer Verbrecher“, sagt er zu Alfred), fehlt somit zumindest vorerst die erzählerische Unterfütterung.
Batmans Hass auf Superman wirkt so trotz allem ein wenig an den Haaren herbeigezogen, auch der Mann aus Stahl kann die ganze Abneigung, die ihm entgegenschlägt, nicht so richtig verstehen. Wenn er dem maskierten Rächer dann widerwillig entgegentritt, dann möchte man ihnen zurufen: „Redet doch einfach miteinander“. Aber selbstverständlich schlagen sie sich die Köpfe ein, bis sie im letzten Moment doch noch ihre Gemeinsamkeiten entdecken (einer der haarsträubendsten Momente des Films). Dessen ungeachtet macht Henry Cavill weiterhin eine gute Figur im „Superman“-Cape und überzeugt auch als bebrillter Reporter Clark Kent durchaus, aber seine Doppelrolle bekommt hier keine neue Dimension, die Suche nach seinem Platz in der Welt erhält viel zu wenig Raum. Trotzdem zeigt der göttliche Held am ehesten eine menschliche Seite. Diese Gelegenheit haben die übrigen Darsteller nicht: Lois Lane wird immer wieder in letzter Sekunde von Superman gerettet und einmal steigt Clark Kent zu ihr in die Badewanne, sonst hat Amy Adams („American Hustle“) fast nichts zu tun. Auch die übrige Besetzung mit den Oscar-Preisträgern Holly Hunter („Das Piano“) als von Luthor manipulierte Politikerin, mit dem Neu-Alfred Jeremy Irons („Lolita“) sowie den Rückkehrern Diane Lane („Untreu“) und Laurence Fishburne („Matrix“) ist schlicht unterfordert.
Fazit:
Wenn es zu einem albtraumhaften Zeitsprung mit einer ominösen Begegnung zwischen den beiden Haupthelden kommt und aus dem Nichts The Flash (Ezra Miller) mit seinen besonderen Fähigkeiten eingeführt wird, dann muss man nicht nur verdammt schnell schalten, um den blitzartigen Kurzauftritt überhaupt mitzubekommen, es fällt einem auch unglaublich schwer, sich auf die Schnelle einen Reim auf die Szene zu machen. Während gewisse Insider-Hinweise am Rande (etwa auf das Schicksal von Robin und auf den Joker) einen Bonus für Experten bieten, ist dieser mögliche Flashback unabhängig vom Vorwissen der Zuschauer einfach schlecht erzählt. Immer wieder gibt es solche willkürlich wirkenden Szenen, bei denen statt „Aha!“ nur ein „Ach ja?“ als Reaktion bleibt. Manchmal holen die Schauspieler noch ein Minimum an Aussagekraft heraus, etwa wenn Clark Kent unvermittelt seinem toten Vater Jonathan (Kevin Costner) begegnet, doch viel zu oft laufen diese Augenblicke ins Leere und so erscheint insbesondere der Ernst des Ganzen zunehmend als aufgesetzt und wichtigtuerisch: Da wird von schweren Themen wie Selbstjustiz, Fremdenhass, Terrorgefahr und Erlösung geraunt, aber in diesem erzählerischen Einheitsbrei bleiben das nur Schlagworte. Und so ist dann auch der dramatische Höhepunkt des Finales nur vorübergehend wirksam, dann werden seine tragischen Konsequenzen zurückgenommen: Diesen Film könnte man im Nachhinein auch als 151-Minuten-Trailer für „Justice League: Part 1“ verstehen, mit dem das „DC Extended Universe“ 2017 seine vorläufig größte Ausdehnung erreichen soll.
Bei seiner lustvollen Zerstörungsorgie im Finale von „Man Of Steel“ nahm Zack Snyder scheinbar sorglos Kollateralschäden in Kauf, was prompt kritische Stimmen auf den Plan rief, die ein solches Blutvergießen nicht mit der Superman-Persönlichkeit für vereinbar hielten – auch nicht, wenn es im Off stattfindet. In „Batman V Superman“ nimmt Snyder diese Einwände nun auf: Erst macht er die Toten vom Showdown in Metropolis zum wesentlichen Motiv für Batmans tiefe Abneigung gegen Superman, dann sorgt er auf auffällige Weise dafür, dass die weitere Superhelden-Action fernab der Zivilbevölkerung stattfindet. Ansonsten bleibt er seinem Stil treu und frönt dem Exzess. Das ist mal gelungen (wenn Batman in einer fast an ein Ballett erinnernden Choreographie ein paar Soldaten im Nahkampf erledigt), mal misslungen (bei einer endlosen Verfolgungsjagd mit Batmobil). Und im finalen Kampf mit dem Weltuntergangsmonster Doomsday, der alle Dimensionen sprengt, ist die Steigerung ins Extrem zwar von der Idee her nachvollziehbar, wirkt aber eher ermüdend. Immerhin blitzt immer wieder Snyders Gespür für starke Bilder auf – vom desolaten Anblick eines einsamen Mädchens in der Trümmerwüste von Metropolis bis zum Begräbnis in karger Landschaft –, doch jeder Anflug von eigenständiger Atmosphäre wird von der hanebüchenen Handlungsführung unterlaufen. Dem können auch Hans Zimmer und Junkie XL mit ihrer bombastisch-abwechslungsreichen Musik nichts Entscheidendes entgegensetzen. Aber ein kleines Juwel haben sie zu bieten und das ist das prägnante Thema für Wonder Woman (Gal Gadot).
Anders als Aquaman (Jason Momoa) und Cyborg (Ray Fisher), die beide wie The Flash eine Minimaleinführung bekommen, ist Wonder Woman alias Diana Prince in mehreren Szenen (und Kostümen) zu sehen und Gal Gadot („The Fast and The Furious“) deutet eine vielversprechende Mischung aus zupackendem Selbstbewusstsein und geheimnisvoller Ausstrahlung an. Sie ist das Beste an „Batman V Superman“ und weckt die Vorfreude auf den angekündigten Solofilm mit der Lasso-Lady. Bei Ben Affleck fällt meine Bilanz dagegen durchwachsener aus. Als bekannt wurde, dass der zweifache Oscar-Gewinner der neue Batman werden würde, nahmen die üblichen Proteste bei der Neubesetzung einer so populären Figur ungeahnte Ausmaße an. Das Problem liegt hier allerdings nicht beim Schauspieler, der sich die Rolle durchaus überzeugend aneignet und den unvermeidlichen Vergleichen mit Christian Bales Dark Knight rein äußerlich durchaus standhält. Vielmehr leidet der durchtrainierte Affleck, der hier nichts Jungenhaftes mehr an sich hat, besonders unter den dramaturgischen Schwächen des Films. Die Ursprünge der Figur werden nur grob umrissen, eine kurze Szene von der Ermordung von Bruces Eltern nach einem Kinobesuch, einige Einstellungen von wild flatternden Fledermäusen und andere kleine Albträume müssen als Hintergrund reichen. Afflecks düsterer Version des (Anti-)Helden, der hier als gnadenloser Rächer auftritt („Wir waren schon immer Verbrecher“, sagt er zu Alfred), fehlt somit zumindest vorerst die erzählerische Unterfütterung.
Batmans Hass auf Superman wirkt so trotz allem ein wenig an den Haaren herbeigezogen, auch der Mann aus Stahl kann die ganze Abneigung, die ihm entgegenschlägt, nicht so richtig verstehen. Wenn er dem maskierten Rächer dann widerwillig entgegentritt, dann möchte man ihnen zurufen: „Redet doch einfach miteinander“. Aber selbstverständlich schlagen sie sich die Köpfe ein, bis sie im letzten Moment doch noch ihre Gemeinsamkeiten entdecken (einer der haarsträubendsten Momente des Films). Dessen ungeachtet macht Henry Cavill weiterhin eine gute Figur im „Superman“-Cape und überzeugt auch als bebrillter Reporter Clark Kent durchaus, aber seine Doppelrolle bekommt hier keine neue Dimension, die Suche nach seinem Platz in der Welt erhält viel zu wenig Raum. Trotzdem zeigt der göttliche Held am ehesten eine menschliche Seite. Diese Gelegenheit haben die übrigen Darsteller nicht: Lois Lane wird immer wieder in letzter Sekunde von Superman gerettet und einmal steigt Clark Kent zu ihr in die Badewanne, sonst hat Amy Adams („American Hustle“) fast nichts zu tun. Auch die übrige Besetzung mit den Oscar-Preisträgern Holly Hunter („Das Piano“) als von Luthor manipulierte Politikerin, mit dem Neu-Alfred Jeremy Irons („Lolita“) sowie den Rückkehrern Diane Lane („Untreu“) und Laurence Fishburne („Matrix“) ist schlicht unterfordert.
Fazit:
Viel erwartet habe ich von DC nicht und dennoch wurde ich enttäuscht. Weder Batman noch Superman wissen zu überzeugen bzw. legen nachvollziehbare Verhaltensweisen an den Tag. Wo ist der Superhelden-Charme geblieben? Was heutzutage nur noch zählt sind grosse Zerstörungswut und Massenvernichtung an Material. Damit geht DC in die falsche (Kino)Richtung, was sich bereits nach einem guten Superman Film in einem schlechten Batman vs Superman Film fortsetzt. Dafür vergeben wir mehr als enttäuschende 4 von 10 Punkte. (mk)

