Donnerstag, 30. Juli 2015

Ant-Man 3D



Facts:

Genre: Action, Sci-Fi
Regie:
Peyton Reed


Cast: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Corey Stoll


Laufzeit: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany

Inhalt: 

Meisterdieb Scott Lang (Paul Rudd) saß im Gefängnis, nachdem er seinen Arbeitgeber um ein Vermögen erleichtert hatte. Wieder auf freiem Fuß besucht er seine Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson). Doch damit Lang sie öfter sehen darf, stellt seine Ex-Frau Maggie (Judy Greer) eine Bedingung: Der ehemalige Häftling soll sich einen Job suchen und mit dem Gehalt die ausstehenden Unterhaltszahlungen leisten. Als Lang merkt, dass es mit ehrlicher Arbeit mehr als ein Jahr dauern würde, bis er Cassie wiedersehen könnte, entscheidet er sich, auf das Angebot seines ehemaligen Zellengenossen Luis (Michael Peña) einzugehen und ihm bei einem Einbruch ins Haus des Biochemikers Dr. Hank Pym (Michael Douglas) zu helfen. Der Beklaute ist beeindruckt von Langs Fähigkeiten und statt ihn verhaften zu lassen, weiht er den Dieb in das Geheimnis des von ihm erfundenen Ant-Man-Anzugs ein, dessen Träger auf Ameisengröße schrumpfen und gleichzeitig an Stärke gewinnen kann – eine mächtige Technik, die auch Begehrlichkeiten bei zwielichtigen Personen wie Darren Cross (Corey Stoll) weckt. Er ist der Ex-Assistent des Anzugschöpfers und will die Schrumpftechnik für sinistre Zwecke missbrauchen. Pym, Lang und Pyms Tochter Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) versuchen, die Erfindung vor Cross zu schützen… 

Bewertung:

Während der durchschnittliche Kinogänger von der ganzen Kontroverse wahrscheinlich gar nichts mitbekommen hat, war „Ant-Man“ für viele Hardcore-Fans nach dem überraschenden Ausstieg von Nerd-Liebling Edgar Wright nur wenige Wochen vor Drehstart quasi gestorben. Aber entweder haben alle Ersatzregisseur Peyton Reed höllisch unterschätzt – oder Marvel-Chef Kevin Feige hatte Recht, als er ankündigte, dass „Ant-Man“ trotz des Ausstiegs ein Edgar-Wright-Film werden würde: Immerhin ist der Brite besonders für seine ebenso eigenwilligen wie abgefahrenen Actionszenen in Filmen wie „Hot Fuzz“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ oder „The World’s End“ bekannt – und denen steht „Ant-Man“ nun in nichts nach! Schon der erste Einsatz des Superhelden im Mini-Format ist visuell brillant: Nach der Flucht aus der Badewanne geht’s vorbei an einer Riesenratte zum Rodeo auf einem Schallplattenspieler - von den etlichen gewitzten Details in Bezug auf die von Ant-Man gesteuerten Ameisen (Stichwort: Zuckerwürfel) ganz zu schweigen. Zudem wagen die Macher noch einen überraschenden Schritt, der wunderbar den speziellen Look des Films ergänzt: „Ant-Man“ wurde passend zum Miniaturhelden im 1.85:1-Format gedreht und nicht wie die allermeisten Blockbuster heutzutage in Scope: Damit ist er neben „The Avengers“ der „schmalste“ aller Marvel-Filme.

Während das ursprüngliche Drehbuch von Edgar Wright und Joe Cornish („Attack The Block“) nach dem Regiewechsel strukturell weitgehend intakt blieb, war es die Aufgabe von Adam McKay („Anchorman“) und Hauptdarsteller Paul Rudd („Immer Ärger mit 40“), bei ihrer Überarbeitung für mehr Humor zu sorgen – und auch das ist gelungen: Während die erste halbe Stunde noch arg expositionslastig ausfällt und es ein wenig dauert, bis der Film voll in Fahrt kommt, punkten die anschließenden Szenen des Trios Paul Rudd, Michael Douglas und Evangeline Lilly (als Hanks Tochter Hope van Dyne) allesamt mit einem extrem trockenen, zugleich aber auch sehr warmherzigen Humor. Apropos warmherzig: Nach einem Superreichen (Iron Man), einem Superpatrioten (Captain America) und einem Gott (Thor) ist Scott Lang, dem es eigentlich nur darum geht, endlich seine kleine Tochter wiedersehen zu dürfen, der bisher „menschlichste“ aller Marvel-Leinwandhelden – und auch deshalb fiebert man im Finale so sehr mit, selbst wenn dabei „nur“ die Einrichtung eines Kinderzimmers zu Bruch geht. Bei zumindest einem speziellen Marvel-Problem kann aber selbst „Ant-Man“ trotz des vielen frischen Winds nicht helfen: Loki bleibt der einzige wirklich begeisternde Bösewicht in den Marvel-Kinofilmen – denn Corey Stoll („Midnight In Paris“) als Yellowjacket ist trotz seines laserstrahlenschießenden Miniaturanzugs gleich nach dem Abspann schon wieder vergessen.

Fazit: 

„Ant-Man“ ist zwar nicht der größte, aber dafür der am kreativsten inszenierte aller bisherigen Marvel-Filme.  Wir fühlten uns sehr gut unterhalten und vergeben dafür 8 von 10 superheldenhafte Punkte. (mk)

Dienstag, 28. Juli 2015

AMY OmU



Facts:

Genre: Biografie, Dokumentation
Regie:
Asif Kapadia


Cast: Amy Winehouse, Mark Ronson, Tony Bennett


Laufzeit: 127 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: ProKino Filmverleih


(c) ProKino Filmverleih

Inhalt: 

Amy Winehouse war eine waschechte Ausnahmekünstlerin. Mit persönlichen Songtexten, die sie mit ihrer charakteristischen Soulstimme zum Leben erweckte, begeisterte und berührte die Britin eine weltweite Fangemeinde. Sie verkaufte mehrere Millionen Platten und gewann sechs Grammys. Aber ihre kometenhafte Karriere war nur von kurzer Dauer, schließlich sind ihr die Drogen zum Verhängnis geworden: Im Alter von gerade einmal 27 Jahren starb Winehouse an einer Alkoholvergiftung. Filmemacher Asif Kapadia widmet sich in seiner Dokumentation dem kurzen Leben der Sängerin. Mithilfe von zuvor unveröffentlichtem, privatem Material zeigt Kapadia, wie Winehouses Erfahrungen mit Familie, Freunden, anderen Musikern und Medien sich in ihrem künstlerischen Schaffen niedergeschlagen haben und stellt direkte Zusammenhänge her. 

Bewertung:

Kapadia hatte für sein Filmprojekt die volle Unterstützung von Winehouses Familie, er schont die Angehörigen bei seiner Aufarbeitung allerdings nicht, sodass Amys Vater Mitchell sich hinterher als Buhmann in die Ecke gedrängt sah, der ihren Tod hätte verhindern können. Wenn der Senior hier tatsächlich nicht im besten Licht erscheint, dann hat er sich das jedoch zum größten Teil selbst zuzuschreiben: Überaus vielsagend ist eine Szene, in der der umtriebige Mitchell unangemeldet mit der TV-Crew einer Dokusoap auf der Karibikinsel St. Lucia aufkreuzt, wo Amy auf der Flucht vor der Paparazzi-Meute bei einer Entziehungskur zur Ruhe zu kommen versucht. Der egoistischen Fahrlässigkeit des Vaters folgte der nächste Zusammenbruch der Tochter. Solche unglücklichen Episoden bezeugen den enormen Druck, der auf der jungen Frau lastete und an dem sie letztlich auch zu Grunde ging.

Amy Winehouse war nach Prinzessin Diana die wohl berühmteste Zielscheibe der berüchtigten britischen Boulevardpresse. Sie selbst ahnte früh, dass sie der ständigen unerbittlichen Beobachtung durch die Öffentlichkeit auf die Dauer nicht standhalten könnte und taumelte hilflos einem im Rückblick vorgezeichnet scheinenden Untergang entgegen - bis zu ihrem letzten Auftritt, jenem fatalen Konzert in Belgrad, bei dem sie torkelnd und lallend auftrat, ehe sie vorzeitig die Bühne verließ. Die beschämende Rolle von Teilen der Medien in Winehouses Leben beschönigt Asif Kapadia genauso wenig wie das Verhalten der Familie oder ihre eigenen Dämonen, umso befremdlicher ist es, dass er sich mit den Aasgeiern des Boulevards auf eine Stufe stellt, indem er selbst immer wieder so ausführlich auf Paparazzi-Videos und -Fotos zurückgreift. Bei der Abwägung zwischen Chronistenpflicht und angemessener Zurückhaltung fehlt zuweilen das Feingefühl - so bleibt trotz des erkennbaren Bemühens um ein faires und differenziertes Porträt ein unangenehmer Beigeschmack. 

Fazit: 

Kapadia setzt der viel zu früh verstorbenen Ausnahmesängerin Amy Winehouse in seiner akribischen Dokumentation „Amy“ kein schwärmerisches Denkmal, sondern würdigt eindrucksvoll ihr Talent und zeigt zugleich - schonungslos auch in der Wahl seiner Mittel - wie sie auf den Abgrund zuraste. Mit einer Träne im Auge und den Songs im Ohr vergeben wir 8,5 von 10 Punkte. (mk)

Freitag, 17. Juli 2015

Terminator: Genisys 3D



Facts:

Genre: Action, Sci-Fi
Regie: Alan Taylor
Cast: Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke, Emilia Clarke


Laufzeit: 126 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Paramount Pictures Germany


(c) Paramount Pictures Germany

Inhalt: 

Im Jahr 2029 kämpft der Rebellenanführer John Connor (Jason Clarke) gegen die Übermacht des Skynet-Maschinenimperiums. Er schickt seinen loyalen Freund Kyle Reese (Jai Courtney) zurück ins Jahr 1983, um seine Mutter Sarah Conner (Emilia Clarke) vor einem Killer-Roboter zu beschützen und so die Zukunft der Menschheit sicherzustellen. Doch als Kyle Reese im Los Angeles der 1980er ankommt, muss er feststellen, dass die erwartete Vergangenheit nicht mehr existiert. Sarahs Eltern wurden von einem durch die Zeit gereisten Terminator ermordet, ein Android des Modells T-800 (Arnold Schwarzenegger) hatte das 9-jährige Mädchen danach beschützt und großgezogen. Kyle erklärt Sarah, was in der Zukunft geschehen wird, doch sie wehrt sich entschieden gegen die Vorstellung, dass ihre Geschichte schon vorherbestimmt ist – und nimmt den Kampf mit Gegnern wie dem T-1000 (Byung-hun Lee) auf…

Bewertung:

Zumindest wer den Original-„Terminator“ und dessen Fortsetzung „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ kürzlich noch mal gesehen oder sie sowieso sehr gut im Kopf hat, dürfte mit der ersten Dreiviertelstunde von „Terminator: Genisys“ durchaus seinen Spaß haben: Diese strotzt nämlich nicht nur vor Anspielungen auf die Vorgänger (etwa mit Lee Byung-hun als T-1000 in den flüssigen Fußstapfen von Robert Patrick), einige Szenen wurden sogar direkt aus den Klassikern übernommen (so der erschrocken dreinschauende Müllwagenfahrer bei der Ankunft des T-800). Dank der alternativen Zeitlinien gibt es diesmal zudem einen tricktechnisch erstaunlich gut (und um Welten besser als bei Schwarzeneggers CGI-Cameo in „Die Erlösung“) gelungenen Kampf zwischen einem jungen und einem alten Arnie zu bestaunen. Zwar kommt Regisseur Alan Taylor dabei nie an die Klasse der ersten beiden Teile heran - aber bis hierher ist „Genisys“ zumindest eine würdige und kurzweilige Verbeugung vor der Meisterschaft eines James Cameron.

Nach einem weiteren Zeitsprung ist es dann für „Genisys“ Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen – aber dies gelingt nicht, denn Regisseur Taylor ist viel zu sehr damit beschäftigt, seine Figuren den nicht besonders spannenden Plot erklären zu lassen. Wo es vor 30 Jahren zwischen Linda Hamilton als Sarah Connor und Michael Biehn als Kyle Reese auf der Leinwand noch mächtig knisterte, sprüht zwischen Emilia Clarke („Game Of Thrones“) und Jai Courtney („Stirb langsam 5“) nun nicht einmal das kleinste Fünkchen – und in den Momenten, in denen es dabei richtig dramatisch werden müsste, gibt es stattdessen nur unfreiwillige Komik (etwa bei der Offenbarung der Familienverhältnisse). Zudem mag Clarke Lederjacke und Schrotflinte tragen, trotzdem wirkt sie im Zusammenspiel mit Schwarzenegger und Courtney bis zum Schluss wie ein hilfloses Mädchen – da kann sie sich noch eine ganze Menge von wahren Action-Amazonen wie Hamilton in „Terminator 2“ oder Charlize Theron in „Mad Max: Fury Road“ abschauen. Die Actionszenen selbst sind allesamt solide inszeniert, aber es gibt auch keine einzige, die aus diesem Blockbuster-Sommer in irgendeiner Form herausragen würde - und das, obwohl direkt in der ersten Szene ganz San Francisco dem Erdboden gleichgemacht wird.

Jason Clarke („Planet der Affen: Revolution“) hat als John Connor zumindest einen vielversprechenden Twist auf seiner Seite – aber zum einen wurde der gegen den Willen des Regisseurs bereits in den Trailern verraten und zum anderen werden die ethischen und technologischen Implikationen nicht weiter vertieft (die Kritik an Konzernen wie Apple wirkt zumindest kein Stück durchdacht, sondern setzt allein auf eine allgemeine Technik-Panik). So bleibt am Ende nur noch Schwarzenegger, um die Show zu retten – und das gelingt ihm über weite Strecken sogar recht gut: Neben dem Robotergrinsen-Running-Gag nimmt der inzwischen 67-jährige Muskelprotz auch sein eigenes Alter mit der gebotenen Selbstironie auf die Schippe – und seine bewusst emotionslosen Oneliner (er ist und bleibt halt eine Maschine) sitzen heute fast genauso sicher wie vor drei Dekaden. Das einzige Problem: Obwohl er als Star des Films als einziger Darsteller vor dem Titel genannt wird, spielt Schwarzenegger an der Seite der eigentlichen Protagonisten Sarah und Kyle tatsächlich nur eine größere Nebenrolle. Sollte es also wie geplant noch zwei weitere „Terminator“-Filme geben, bleibt unsere Forderung dieselbe wie nach „Die Erlösung“: Wir wollen mehr Arnie sehen!

Fazit: 

Im Ansatz ein gut gemeinter Terminator Film, der zum Ende leider an Zugkraft verliert, da sich Regisseur Alan Taylor zu sehr vom Original Thema entfernt. Christian Bale wäre unserer Meinung nach einer Fortsetzung würdiger gewesen. 7 von 10 Punkte. (mk)