Facts:
Genre: Sci-Fi, Action
Regie: J.J. Abrams
Cast: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac
Laufzeit: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany
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| (c) Walt Disney Germany |
Inhalt:
Mehr als drei Jahrzehnte nach „Star Wars 6 – Die Rückkehr der
Jedi-Ritter“ wurde das Imperium durch die „Erste Ordnung“ abgelöst, eine
ebenfalls diktatorische Organisation mit anderem Namen, die Krieg gegen
den Widerstand führt. Von großer Politik aber weiß Rey (Daisy Ridley)
auf dem Wüstenplaneten Jakku zunächst nicht viel. Die junge Frau
verbringt ihre Tage damit, die karge Landschaft nach Schrott abzusuchen,
den sie danach verkauft. Sie ist allein, wartet auf ihre Familie – bis
sie die Bekanntschaft von Finn (John Boyega) macht, einem ehemaligen
Sturmtruppler, den die Untaten der Ersten Ordnung abgeschreckt haben. Er
hat nach einer besonders brutalen Invasion Fahnenflucht begangen und
dabei gleich noch dem Widerstand geholfen, durch die Befreiung des
gefangenen Piloten Poe Dameron (Oscar Isaac). Finn, Poe und mit ihnen
auch Rey geraten ins Visier des sinisteren Kylo Ren (Adam Driver), der
dem machtvollen Strippenzieher Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) dient
und die Mission vollenden will, die Darth Vader einst begann. Eine
Flucht nimmt ihren Lauf, die das Helden-Trio mitten in den Kampf
zwischen Erster Ordnung und Widerstand bringt, Seite an Seite mit den
legendären Rebellenhelden Han Solo (Harrison Ford) und Generalin Leia
(Carrie Fisher)…
Bewertung:
Den Gedanken, sich auf die Wurzeln von „Star Wars“ zu besinnen, nahm
Regisseur J.J. Abrams („Star Trek“) nahezu wörtlich. Der Meister der
Geheimhaltung hat bei „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ einmal mehr
die totale Nachrichtensperre verhängt und die Internet-Fangemeinde damit
in die Raserei getrieben (und zum Kartenkauf angestachelt). Obwohl
relativ viel Bildmaterial herausgegeben wurde, konnte über den Inhalt
nur wild spekuliert werden. Doch die Fans sollten es Abrams (dieses Mal)
danken, denn sein Film ist wie eine Bescherung kurz vor Weihnachten.
All das, was wir an der Original-Trilogie so lieben, bekommen wir mit
„Das Erwachen der Macht“ in bester Qualität neu aufbereitet. Die nahezu
komplette Handlungsstruktur von „Krieg der Sterne“ findet sich in „Das
Erwachen der Macht“ wieder, die neuen Figuren übernehmen Funktionen der
alten Helden, während diese selbst wichtige Eckpfeiler für die Saga
bleiben. Wollte sich George Lucas mit der Prequel-Trilogie von den
Originalen emanzipieren, beschwört Abrams auf Gedeih und Verderb deren
Geist – inklusive der unwiderstehlichen majestätischen Musik von John
Williams. Die neuen und alten Figuren harmonieren dabei prächtig, und
sie brauchen einander. Abrams wusste das und holte sich eine ganz
wichtige Konstante zurück an Bord: Drehbuchautor Lawrence Kasdan („Jäger
des verlorenen Schatzes“), der schon „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ schrieb und damit in besonderer Weise mit der Original-Trilogie verbunden ist.
Abrams und Kasdan liefern uns spektakuläre 3D-Weltraumschlachten, Jagdszenen auf mehreren Planeten unterschiedlicher Vegetationen (Wüste, Schnee, Tropen) und klirrende Laserschwertduelle – das alles wirkt wesentlich physischer als bei George Lucas‘ Prequels. So bieten sie die Action, die einem Mega-Budget von 200 Millionen Dollar angemessen ist, mit Spezialeffekten, die auf die Höhe der Zeit sind. „Das Erwachen der Macht“ ist aber keine drückende Effektorgie, denn es gelingt Abrams die unglaubliche Atmosphäre der Originale wieder zu erwecken. Die Handlung ist dabei, wenn man sie herunterbricht, eigentlich genauso simpel, wie bereits in der Ur-Trilogie: Es kämpft Gut gegen Böse. Welche Clous und Entwicklungen sich im Verlauf des Films ergeben, ahnt der kundige Zuschauer schnell, weil sie offensichtlich sind, aber das ist kein Malus. In „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ leben so die seligen Zeiten wieder auf, dazu braucht man es gar nicht kompliziert, weil Abrams eben genau den stimmigen Erzählton findet, mit dem man die alten Fans begeistert und neue hinzugewinnt. Wie in „Krieg der Sterne“ löst die Suche nach einer in einem Droiden gespeicherten Information (ein klassischer MacGuffin) eine Kette von Ereignissen aus. Doch im Kern geht es darum, das Schicksal Luke Skywalkers zu klären – dem größten aller „Star Wars“-Helden. „Wo ist Luke?“ – das hat sich im Vorfeld zu einem Slogan entwickelt. Die Frage wird hier beantwortet – auf welcher Seite der Macht Luke Skywalker nun steht ebenso.
„Das Erwachen der Macht“ funktioniert aber vor allem über die Figuren und das ist nicht nur den Autoren Kasdan und Abrams zu verdanken, sondern den Schauspielern selbst, die allesamt einschlagen. Im Zentrum steht die britische Newcomerin Daisy Ridley als Pendant zum jungen Luke Skywalker. Wie schon bei Mark Hamill einst, ist auch hier keine filigranen Schauspielkünste vonnöten, sondern die Fähigkeit, Empathie zu zeigen und Sympathie zu wecken. Hemdsärmelig und schlagkräftig pflügt die zierliche Ridley mit Angst-staunendem Schmollmund unerschrocken durch den Film. Welchen Weg sie gehen wird, ahnt jeder, der schon einmal einen „Star Wars“-Film gesehen hat. Ihr Kampf-Partner John Boyega („Attack The Block“) bringt als Deserteur der Ersten Ordnung hingegen etwas Neues hinzu: Erstmals wird ein Sturmtruppler menschlich. Das war Erzbösewicht Kylo Ren auch einmal. Seine Familienherkunft wird recht schnell und unmissverständlich geklärt. Mit einem geschickten Schachzug schützt Abrams Adam Driver („Girls“) davor, als Junior-Ausgabe von Darth Vader im direkten Vergleich mit dem übergroßen Vorbild zu scheitern. Wenn der charismatische Schauspieler gelegentlich die schwarze Maske absetzt, wird nicht nur Kylo Rens Antlitz irdisch, sondern auch die Ambivalenz des Charakters deutlich: Er ist nicht einfach nur abgrundtief böse. Im Verhältnis etwas im Hintergrund bleibt Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“), der nämlich über weite Strecken abwesend ist, aber vor allem zu Beginn und Ende zeigt, dass er noch wichtig werden will und kann. Was Ridley, Boyega und Isaac in den besten Momenten liefern, ist dynamisch, ergreifend, witzig, ungekünstelt - und damit all das, was die Prequels nicht waren. Der Film hat mit diesem Trio - oder Quartett, Driver mitgezählt - ein Herz, auf das Regisseur Rian Johnson auch in „Episode VIII“ setzen sollte.
Die Korsettstangen von „Das Erwachen der Macht“ sind jedoch vier alte Haudegen: Harrison Ford („Indiana Jones“) rockt den Film! Er ist die Seele! Mit verschmitztem Charme reißt Ford alle Szenen an sich, in denen er zu sehen ist – und das sind viele. Er hat nach Daisy Ridley, John Boyega und Adam Driver die meiste Leinwandzeit. Die Bewegungen mögen ein bisschen langsamer sein als früher, aber Ford ist gut in Schuss und viel vitaler als er in einigen vorab veröffentlichten Trailer-Ausschnitten zunächst wirkte. Han Solos unwiderstehlicher Sidekick Chewbacca ist dazu immer wieder für einen Lacher gut. Auch die Rückkehr von Carrie Fisher („Harry und Sally“) macht sich bezahlt, sie kabbelt sich mit Harrison Ford wie in guten alten Zeiten und hat so trotz weniger Szenen ihrer Momente. Auf Mark Hamill („Kingsman: The Secret Service“) müssen die Zuschauer dagegen lange warten – doch es lohnt sich. In einer absoluten Gänsehautszene reicht ein einziger Gesichtsausdruck, um die vergangenen 30 Jahre zu erklären. Das ist groß!
Den kindlichen Humor der Prequel-Trilogie hat Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ausgetrieben, ein Jar Jar Binks ist weit und breit nicht in Sicht, was aber nicht heißt, dass der Film keinen Humor hat – im Gegenteil. Die schlicht und knackig gehaltenen Dialoge sprühen so vor trockenen Onelinern und erstaunlich vielen Gags. Schwächen leistet sich Abrams kaum. Natürlich ist Keylo Ren (noch) nicht so gut wie Darth Vader, aber der ist der vielleicht beste Bösewicht der Filmgeschichte. Ihm fehlt allerdings die starke Figur im Hintergrund. Supreme Leader Snoke ist nämlich bislang ein Schwachpunkt. Der buchstäblich überlebensgroße Ober-Antagonist lässt alle anderen wie Kleinwüchsige aussehen und passt stimmiger in „Der Herr der Ringe“ als in „Star Wars“. Ein zweiter kleiner Kritikpunkt ist eine Crux, denn J.J. Abrams unternimmt alles, um das alte „Star Wars“-Gefühl wiederzubeleben. Das gelingt ihm wie gesagt mit großem Erfolg, hat aber auch einen kleinen Preis: „Das Erwachen der Macht“ ist im Endeffekt eine Wiederholung von „Krieg der Sterne“ – allerdings auf immens hohem Niveau. So gibt es sogar einen neuen Todesstern. Der heißt jetzt Starkiller Base, ist aber um ein Vielfaches größer und noch bedrohlicher als das Original – und damit quasi das Sinnbild für den ganzen Film. Zu guter Letzt überlässt J.J. Abrams die schwierigste Aufgabe seinem Nachfolger Rian Johnson. Während Abrams den perfekten Fan-Service abliefert, sollte der nun zum Visionär werden. Es gibt nicht nur offene Fragen zu beantworten (Woher kommt die Erste Ordnung als Nachfolger des Imperiums und der Sith und wie wurde sie so mächtig?), sondern vor allem gilt es, den neuen Figuren weiter Raum zu geben und ihre Hintergrundgeschichten zu vertiefen. Der Boden dafür ist auf jeden Fall bereitet…
Fazit:
Abrams und Kasdan liefern uns spektakuläre 3D-Weltraumschlachten, Jagdszenen auf mehreren Planeten unterschiedlicher Vegetationen (Wüste, Schnee, Tropen) und klirrende Laserschwertduelle – das alles wirkt wesentlich physischer als bei George Lucas‘ Prequels. So bieten sie die Action, die einem Mega-Budget von 200 Millionen Dollar angemessen ist, mit Spezialeffekten, die auf die Höhe der Zeit sind. „Das Erwachen der Macht“ ist aber keine drückende Effektorgie, denn es gelingt Abrams die unglaubliche Atmosphäre der Originale wieder zu erwecken. Die Handlung ist dabei, wenn man sie herunterbricht, eigentlich genauso simpel, wie bereits in der Ur-Trilogie: Es kämpft Gut gegen Böse. Welche Clous und Entwicklungen sich im Verlauf des Films ergeben, ahnt der kundige Zuschauer schnell, weil sie offensichtlich sind, aber das ist kein Malus. In „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ leben so die seligen Zeiten wieder auf, dazu braucht man es gar nicht kompliziert, weil Abrams eben genau den stimmigen Erzählton findet, mit dem man die alten Fans begeistert und neue hinzugewinnt. Wie in „Krieg der Sterne“ löst die Suche nach einer in einem Droiden gespeicherten Information (ein klassischer MacGuffin) eine Kette von Ereignissen aus. Doch im Kern geht es darum, das Schicksal Luke Skywalkers zu klären – dem größten aller „Star Wars“-Helden. „Wo ist Luke?“ – das hat sich im Vorfeld zu einem Slogan entwickelt. Die Frage wird hier beantwortet – auf welcher Seite der Macht Luke Skywalker nun steht ebenso.
„Das Erwachen der Macht“ funktioniert aber vor allem über die Figuren und das ist nicht nur den Autoren Kasdan und Abrams zu verdanken, sondern den Schauspielern selbst, die allesamt einschlagen. Im Zentrum steht die britische Newcomerin Daisy Ridley als Pendant zum jungen Luke Skywalker. Wie schon bei Mark Hamill einst, ist auch hier keine filigranen Schauspielkünste vonnöten, sondern die Fähigkeit, Empathie zu zeigen und Sympathie zu wecken. Hemdsärmelig und schlagkräftig pflügt die zierliche Ridley mit Angst-staunendem Schmollmund unerschrocken durch den Film. Welchen Weg sie gehen wird, ahnt jeder, der schon einmal einen „Star Wars“-Film gesehen hat. Ihr Kampf-Partner John Boyega („Attack The Block“) bringt als Deserteur der Ersten Ordnung hingegen etwas Neues hinzu: Erstmals wird ein Sturmtruppler menschlich. Das war Erzbösewicht Kylo Ren auch einmal. Seine Familienherkunft wird recht schnell und unmissverständlich geklärt. Mit einem geschickten Schachzug schützt Abrams Adam Driver („Girls“) davor, als Junior-Ausgabe von Darth Vader im direkten Vergleich mit dem übergroßen Vorbild zu scheitern. Wenn der charismatische Schauspieler gelegentlich die schwarze Maske absetzt, wird nicht nur Kylo Rens Antlitz irdisch, sondern auch die Ambivalenz des Charakters deutlich: Er ist nicht einfach nur abgrundtief böse. Im Verhältnis etwas im Hintergrund bleibt Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“), der nämlich über weite Strecken abwesend ist, aber vor allem zu Beginn und Ende zeigt, dass er noch wichtig werden will und kann. Was Ridley, Boyega und Isaac in den besten Momenten liefern, ist dynamisch, ergreifend, witzig, ungekünstelt - und damit all das, was die Prequels nicht waren. Der Film hat mit diesem Trio - oder Quartett, Driver mitgezählt - ein Herz, auf das Regisseur Rian Johnson auch in „Episode VIII“ setzen sollte.
Die Korsettstangen von „Das Erwachen der Macht“ sind jedoch vier alte Haudegen: Harrison Ford („Indiana Jones“) rockt den Film! Er ist die Seele! Mit verschmitztem Charme reißt Ford alle Szenen an sich, in denen er zu sehen ist – und das sind viele. Er hat nach Daisy Ridley, John Boyega und Adam Driver die meiste Leinwandzeit. Die Bewegungen mögen ein bisschen langsamer sein als früher, aber Ford ist gut in Schuss und viel vitaler als er in einigen vorab veröffentlichten Trailer-Ausschnitten zunächst wirkte. Han Solos unwiderstehlicher Sidekick Chewbacca ist dazu immer wieder für einen Lacher gut. Auch die Rückkehr von Carrie Fisher („Harry und Sally“) macht sich bezahlt, sie kabbelt sich mit Harrison Ford wie in guten alten Zeiten und hat so trotz weniger Szenen ihrer Momente. Auf Mark Hamill („Kingsman: The Secret Service“) müssen die Zuschauer dagegen lange warten – doch es lohnt sich. In einer absoluten Gänsehautszene reicht ein einziger Gesichtsausdruck, um die vergangenen 30 Jahre zu erklären. Das ist groß!
Den kindlichen Humor der Prequel-Trilogie hat Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ausgetrieben, ein Jar Jar Binks ist weit und breit nicht in Sicht, was aber nicht heißt, dass der Film keinen Humor hat – im Gegenteil. Die schlicht und knackig gehaltenen Dialoge sprühen so vor trockenen Onelinern und erstaunlich vielen Gags. Schwächen leistet sich Abrams kaum. Natürlich ist Keylo Ren (noch) nicht so gut wie Darth Vader, aber der ist der vielleicht beste Bösewicht der Filmgeschichte. Ihm fehlt allerdings die starke Figur im Hintergrund. Supreme Leader Snoke ist nämlich bislang ein Schwachpunkt. Der buchstäblich überlebensgroße Ober-Antagonist lässt alle anderen wie Kleinwüchsige aussehen und passt stimmiger in „Der Herr der Ringe“ als in „Star Wars“. Ein zweiter kleiner Kritikpunkt ist eine Crux, denn J.J. Abrams unternimmt alles, um das alte „Star Wars“-Gefühl wiederzubeleben. Das gelingt ihm wie gesagt mit großem Erfolg, hat aber auch einen kleinen Preis: „Das Erwachen der Macht“ ist im Endeffekt eine Wiederholung von „Krieg der Sterne“ – allerdings auf immens hohem Niveau. So gibt es sogar einen neuen Todesstern. Der heißt jetzt Starkiller Base, ist aber um ein Vielfaches größer und noch bedrohlicher als das Original – und damit quasi das Sinnbild für den ganzen Film. Zu guter Letzt überlässt J.J. Abrams die schwierigste Aufgabe seinem Nachfolger Rian Johnson. Während Abrams den perfekten Fan-Service abliefert, sollte der nun zum Visionär werden. Es gibt nicht nur offene Fragen zu beantworten (Woher kommt die Erste Ordnung als Nachfolger des Imperiums und der Sith und wie wurde sie so mächtig?), sondern vor allem gilt es, den neuen Figuren weiter Raum zu geben und ihre Hintergrundgeschichten zu vertiefen. Der Boden dafür ist auf jeden Fall bereitet…
Fazit:
„Star Wars“ ist zurück im Kino! Und J.J. Abrams feiert mit dem stark
nostalgisch gefärbten „Das Erwachen der Macht“ einen mehr als
verheißungsvollen, unglaublich unterhaltsamen Auftakt für eine neue
„Star Wars“-Trilogie. Wir vergeben 9 von 10 intergalaktische Punkte. (mk)



