Freitag, 5. Oktober 2018

Venom 3D


Facts:
Genre: Action, SciFi
Regie: Ruben Fleischer
Cast: Tom Hardy, Michelle Williams, Riz Ahmed
Laufzeit: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Sony Pictures Germany


(c) Sony Pictures Germany


Inhalt:
Als Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed), Chef der mysteriösen Life Foundation, in den Besitz eines Organismus außerirdischen Ursprungs kommt, benutzt er diese sogenannten Symbionten, um mit ihnen Experimente an Menschen durchzuführen. Dank des Tipps der Konzern-Insiderin Dr. Dora Skirth (Jenny Slate) bekommt der Reporter Eddie Brock (Tom Hardy) Wind von Drakes fragwürdigen Machenschaften und beschließt – entgegen der Warnung seiner Freundin Anne (Michelle Williams) – der Sache auf den Grund zu gehen, schließlich versucht er schon seit langem, Drake das Handwerk zu legen. Bei seinen Nachforschungen in den Labors der Life Foundation kommt Eddie jedoch selbst mit einem Symbionten in Kontakt, der mit ihm zu einem neuen Wesen verschmilzt: dem mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Venom.


Bewertung:
Vor allem in der ersten Stunde nehmen sich die Macher noch angenehm viel Zeit, um ihren unkonventionellen Helden als engagierten Journalisten einzuführen, der auch schon mal heimlich den Laptop seiner Freundin durchsucht, um an eine gute Story zu kommen. Und wenn sich Brocks dann bei einer bemerkenswert brachial inszenierten Verfolgungsjagd mit seinem neuen Untermieter arrangieren muss, läuft dabei nicht nur Tom Hardy („The Revenant“) zu körperlicher und komödiantischer Höchstform auf. Die inneren Dialoge zwischen Brocks und Venom, die sich ständig um die Hoheit über den Körper balgen, kommen zwar leider recht kurz, sorgen aber immer wieder für angenehm trockenen Witz. Auch das Skript findet hier eine stimmige Balance aus treffsicherer Situationskomik, spektakulären Actionszenen (Venom ist quasi ein Schutzengel auf Acid) und der schleichenden Bedrohung, die von dem unberechenbaren Parasiten aus dem All ausgeht.

Obwohl die Marvel Studios - im Gegensatz zu den neuen „Spider-Man“-Solofilmen – nicht in die Produktion von „Venom“ involviert waren, orientiert sich Ruben Fleischer offensichtlich am immer auch humorigen Tonfall der Marvel-Blockbuster. Zugleich reizen die Macher die Möglichkeiten eines PG-13-Ratings aber durchaus aus: So düster und – zumindest in Andeutungen - brutal war bislang kein Film aus dem MCU. Und ja, Venom darf seinen Opfern auch in der jugendfreien Fassung die Köpfe abbeißen. Allerdings kollidieren der leichtfüßige Tonfall und die derbe Inszenierung in der zweiten Filmhälfte zunehmend: Denn nach einer zwar nicht ganz vorlagengetreuen, aber immerhin launig erzählten Originstory überspringt der Film praktisch seinen kompletten zweiten Akt, um direkt in ein Finale überzugehen, das so ganz ohne Vorbereitung vor allem aus unübersichtlichem Getöse und unterdurchschnittlichen CGI-Effekten besteht.

Dabei wäre es der zweite Akt gewesen, in dem Brock und Venom alle Zeit der Welt gehabt hätten, um sich über die Vorherrschaft im Körper zu zanken. Stattdessen wird der eigentlich zentrale Konflikt in der jetzigen Fassung in einigen wenigen, vornehmlich lustigen Szenen abgehandelt. Die Abgründigkeit und Ambivalenz der Doppelfigur Brock/Venom bleibt dabei fast vollständig auf der Strecke: Ja, er bringt ein paar Menschen um, aber auch wirklich nur, wenn er ganz, ganz sicher ist, dass sie es auch verdient haben. Die Frage, ob es sich nun um einen Helden oder einen Anti-Helden handelt, stellt sich im Kino im Gegensatz zu den Comics gar nicht erst.

Und wenn es schließlich darum geht, die Pläne des größenwahnsinnigen Drake zu vereiteln, dann bleibt der Bösewicht derart blass und seine Motivation derart austauschbar, dass der finale Kampf alles andere als ein abschließendes Highlight darstellt. So ganz ohne einen emotionalen Zugang sehen wir auf der Leinwand lediglich, wie CGI-Figuren gegeneinander kämpfen – und ob nun gerade Venom oder sein Widersacher die Oberhand gewinnt, lässt sich auch nicht wirklich sagen. Marvel hat ja bekanntermaßen eh ein Bösewicht-Problem – aber Drake ist da noch mal ein deutlicher Ausreißer nach unten.

Fazit: 
„Venom“ hat eine große Stärke: Tom Hardy, der vor allem im inneren Widerstreit mit seinem außerirdischen Parasiten einen wunderbar trockenen Humor an den Tag legt. Aber dieser Teil des Films kommt genauso zu kurz wie die Ambivalenz der Titelfigur, die beim Sprung von den Comicheften auf die Kinoleinwand zugunsten eines austauschbaren Superhelden-Blockbusters geopfert wurde. Dennoch vergeben wir antiheldenhafte 6 von 10 Punkte. (mk)

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