Samstag, 28. Juli 2018

Ant-Man And The Wasp


Facts:
Genre: Action, SciFi, Abenteuer
Regie: Peyton Reed
Cast: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Pena
Laufzeit: 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany


(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
Seit den Ereignissen von „The First Avenger: Civil War“ steht Scott Lang alias Ant-Man (Paul Rudd), der im Spezialanzug seine Körpergröße massiv verändern kann, unter Hausarrest. Die meiste Zeit verbringt er nun einfach damit, ein guter Vater für seine Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) zu sein. Doch kurz vor Ablauf seiner Strafe wird er von seinem Mentor Dr. Hank Pym (Michael Douglas) und dessen Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly) aus seinem Alltagstrott und wieder zurück ins Abenteuer gerissen. Scott soll Hank und Hope bei der Suche nach Hopes Mutter Janet (Michelle Pfeiffer) helfen, die vor langer Zeit bei einer gefährlichen Mission im subatomaren Raum verschwand. Doch bei ihrer Mission geraten Scott, Hope und Hank mit der mysteriösen Ghost (Hannah John-Kamen) aneinander, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgt...


Bewertung:
Die beste Nachricht zuerst: Michael Peña hat Konkurrenz bekommen! Nachdem Peña als Scotts Geschäftspartner Luiz in „Ant-Man“ mit seinen ebenso trockenhumorigen wie ausufernden Geschichten noch mit riesigem Abstand die meisten Szenen gestohlen hat, ist ihm Randall Park als FBI-Agent Jimmy Woo diesmal ganz dich auf den Fersen – und am Ende bleibt Peña nur wegen eines Wahrheitsserums (nicht der cleverste, aber der mit Abstand lustigste Running Gag des Films) ganz knapp vorne.

Die Dichte an gelungenen Gags ist in „Ant-Man And The Wasp“ erfreulich hoch – und das betrifft nicht nur die gut getimten Dialogwitze und selbstironischen Charaktermomente (Ant-Man liest sturzbachheulend „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“), sondern vor allem auch die vielen markanten visuellen Einfälle: Mit denen werden hier nämlich nicht nur die erneut sehr abwechslungsreichen und kreativ inszenierten Actionszenen garniert (wobei dieses Mal ein klarer Fokus auf Verfolgungsjagden zwischen normalgroßen und auf Matchbox-Maße geschrumpften Autos gelegt wird), sie werden auch einfach mal so immer wieder eingestreut: Wenn im Hintergrund einer Szene eine fleißige Riesenameise mit ihrem Akkuschrauber herumwurschtelt, dann ist das einfach sehr spaßig anzusehen…

… und es lenkt zugleich etwas davon ab, dass das, was die Protagonisten da gerade im Vordergrund diskutieren, nicht nur ein ziemlicher technischer Schmarrn ist (Lang fragt einmal, ob Wissenschaftler eigentlich einfach vor jedes Wort ein „Quantum-“ setzen, und wir tendieren zu einem klaren „Ja!“ als Antwort), sondern auch ein bloßer MacGuffin: Es gibt da erst irgendein wichtiges elektronisches Teil und später gibt es ein noch wichtigeres auf Handkoffergröße geschrumpftes Labor, hinter dem einfach alle Fraktionen wie die Doofen herlaufen. Das war’s – und mehr braucht es für eine Action-Komödie eigentlich auch nicht, nur kann man es sich dann eben auch sparen, alle Dinge drei Mal zu erklären. Gerade Laurence Fishburne als Pyms alter Arbeitskollege bei S.H.I.E.L.D. betet gleich an zwei Stellen im Film minutenlang unnötige Erläuterungen herunter. Das bremst den Erzählfluss, wobei der Film zum Glück allgemein ein solch strammes Tempo vorlegt, dass ihn auch solche dramaturgischen Stolpersteine nie zum Stillstand bringen.

Während die Story (mit Ausnahme von einer, vielleicht zwei Szenen) also nicht nur für den Fortgang des MCU keine große Rolle spielt, sondern auch innerhalb von „Ant-Man And The Wasp“ hauptsächlich dazu dient, die Action-Sequenzen und Comedy-Einlagen lose miteinander zu verknüpfen, sieht es bei den Charaktermomenten schon ganz anders aus – von denen sind einige nämlich wirklich sehr gut gelungen, während an anderer Stelle auch in dieser Hinsicht eine Menge Potential auf der Strecke bleibt: So sammelt der Film etwa mit den emotionalen Verbindungen von Scott zu seiner aufgeweckten Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) sowie von Hope zu ihrer verschollenen Mutter eine Menge Pluspunkte.

Zugleich bleibt aber die Ausarbeitung der potentiell spannendsten Figur des Films in lobenswerten Ansätzen stecken: Die Idee eines Bösewichts, dem man eigentlich gar nicht böse sein kann, weil sein ganzes Leben praktisch nur aus unverschuldeten Schmerzen besteht, ist erst einmal absolut faszinierend. Aber dann nutzen die Macher Ava alias Ghost (Hannah John-Kamen) doch nur für – zugegebenermaßen verdammt coole – visuelle Sperenzchen, während einen ihr unfassbar tragisches Schicksal überwiegend völlig kalt lässt. Und mit welcher Beiläufigkeit ihre Geschichte im Finale abgehakt wird, ist schlicht ein schlechter Scherz – zum Glück aber einer von nur ganz wenigen in „Ant-Man And The Wasp“.

Fazit: 
Die Dichte der Gags ist in dem wunderbar kurzweiligen „Ant-Man And The Wasp“ sogar noch größer als im Vorgänger, dafür sind die Actionsequenzen nicht mehr ganz so überraschend und es wird zu viel Zeit auf die Erklärung eines Plots verwendet, der – seien wir ehrlich – in diesem Film sowieso weder das Publikum noch die Macher wirklich interessiert. Zudem hätte man hier mit der auf dem Papier extrem vielversprechenden Ghost einen wirklich spannenden, ambivalenten Bösewicht haben können – aber die Verantwortlichen lassen die Steilvorlage leider weitgehend ungenutzt. Abgesehen davon fühlten wir uns gut unterhalten und vergeben daher weniger kleinliche 7,5 von 10 Punkte. (mk)

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