Samstag, 16. Dezember 2017

Star Wars 8: Die letzten Jedi 3D



Facts:

Genre: SciFi, Action
Regie: Rian Johnson
Cast:
Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac,


Laufzeit: 172 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Walt Disney Germany

 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
Die planetenvernichtende Starkiller-Basis der Ersten Ordnung ist zwar zerstört, die Neue Republik nach der vorherigen Zerstörung von fünf Welten aber massiv geschwächt. Sie steht am Abgrund und wird nur noch von Generalin Leias (Carrie Fisher) Widerstand verteidigt, für den auch Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) und der desertierte Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) kämpfen. Rey (Daisy Ridley), mit den Erfahrungen ihres ersten großen Abenteuers in den Knochen, geht unterdessen bei Luke Skywalker (Mark Hamill) auf dem Inselplaneten Ahch-To in die Lehre. Luke ist der letzte Jedi, der letzte Vertreter des Ordens, auf dem die Hoffnung ruht, dass Frieden in der Galaxis einkehrt. Doch die Erste Ordnung wirft ihren Schatten auch auf Luke und Rey: Der verlorene, ehemalige Schützling des alten Meisters, Kylo Ren (Adam Driver), hat die finstere Mission noch längst nicht beendet, die ihm der sinistere Strippenzieher Snoke (Andy Serkis) auftrug…  

Bewertung: 
Nicht weniger als den Untergang des Abendlandes schienen viele Fans zu befürchten, als die Rechte für das „Star Wars“-Franchise 2012 von Lucasfilm an Disney gingen. Dabei ist es kurioserweise gerade der Mäuse-Konzern, der penibel genau auf die Befindlichkeiten der gigantischen Anhängerschar schaut: So kamen die Strategen offenbar zu dem Schluss, dass es George Lucas‘ umstrittener Prequel-Trilogie (1999 bis 2005) bei allen Qualitäten zuallererst am magischen ursprünglichen „Star Wars“-Feeling mangelt. Denn davon servierte J.J. Abrams im ersten Film des Franchises unter Disney-Ägide nahezu eine Überdosis, an der sich insbesondere die älteren Fans berauschen konnten. So mancher stieß sich zwar daran, dass der grandiose Nostalgie-Trip „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ als „gefühltes Remake“ daherkam, doch Disney bediente damit eine zweifellos vorhandene starke Sehnsucht. Bei „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ übernimmt jetzt Indie-Regisseur Rian Johnson das Zepter, von dem sich zumindest die murrenden Nostalgie-Gegner erhofften, dass er der Sternen-Saga eine ordentliche Frischzellenkur verabreichen würde.

Sein überwältigend-bombastisches Weltraum-Abenteuer „Star Wars: Die letzten Jedi“ fällt nun allerdings weniger kühn und mutig aus als von vielen Fans erhofft. Johnson führt den Mythos zwar souverän weiter, liefert aber letztlich wenig überraschend „nur“ eine Evolution statt einer echten Revolution. Gerade erzählerisch ist „Star Wars: Die letzten Jedi“ ziemlich konventionell, einzig mit der hier eher unerwarteten Maßnahme, bei allem existenziellen Überlebenskampf immer wieder trockenen Humor einzustreuen, der deutlich über das bisher übliche Augenzwinkern hinausgeht, setzt der Regisseur einen klaren neuen Akzent – und der erweist sich tatsächlich als erstaunlich wirkungsvoll. Und dann ist da schließlich auch noch das große Comeback von Mark Hamill alias Luke Skywalker – und der bringt Altes und Neues auf ganz eigene Art zusammen.
Der Regiestuhl hat sich bei „Star Wars“-Projekten zuletzt wiederholt in einen Schleudersitz verwandelt – so wurden Phil Lord und Chris Miller bei „Han Solo: A Star Wars Story“, Colin Trevorrow bei „Star Wars 9“ und Josh Trank von einem noch nicht festgelegten „Star Wars“-Spin-off gefeuert. Die Maxime Disneys bei den bisherigen Neubesetzungen (mit Ron Howard für „Han Solo“ und J.J. Abrams für „Star Wars 9“) war „Sicherheit zuerst, nicht zu viele Experimente“. Der einzige Überlebende des kreativen Massakers ist Indie-Darling Rian Johnson. Der erwarb sich höchstpersönlich den Segen der Verantwortlichen um Produzentin Kathleen Kennedy und Schreiber-Gralshüter Lawrence Kasdan - was zu dem kühnen Auftrag für Johnson führte, nach „Star Wars 9“ eine weitere, inhaltlich erstmals abseits des Skywalker-Clans angesiedelte Trilogie zu erschaffen. Dieser Ritterschlag erfolgte nach der Fertigstellung von „Star Wars: Die letzten Jedi“, was zugleich heißt: Disney ist sehr glücklich mit dem achten Teil der Fantasy-Saga.

Zu Recht? Vielleicht haben sich die Entscheider des Konzerns nach all den schlechten Nachrichten um die Regiepossen etwas voreilig in eine gewisse Euphorie hineingesteigert. Ja, Rian Johnson bringt einen satten „Star Wars“-Film mit eigener Note an den Start, aber er hält sich deutlicher zurück, als sich einige erhofft haben mögen. Und von den Haupthandlungssträngen in der „Star Wars“-üblichen Drei-Fronten-Erzählstruktur begeistert nur ein einziger auf ganzer Linie - zum Glück der wichtigste und ausführlichste um Rey, Kylo Ren und Luke Skywalker. Hier birst „Die letzten Jedi“ geradezu vor Emotionen, Energie und Tatkraft. Es ist zu spüren, dass es für die Beteiligten wirklich um alles geht. Daisy Ridleys („Mord im Orient-Express“) entschlossene Rey entpuppt sich dabei als die wahre Hauptfigur von „Die letzten Jedi“. Sie arbeitet sich an einem nun ambivalenten und zweifelnden Luke Skywalker („Die Zeit der Jedi ist zu Ende“) ab, der seinerseits seinen eigenen ganz großen Auftritt bekommt und dem auch mehr Leinwandpräsenz eingeräumt wird als etwa Han Solo in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“: eine gute Entscheidung. Adam Driver („Paterson“, „Girls“) wiederum bringt als Kylo Ren überzeugend seine innere Zerrissenheit zum Ausdruck, ohne an die finstere Bösewicht-Aura eines Darth Vader zu dessen besten Zeiten heranzukommen. Am inszenatorischen Höhepunkt des Films sind Kylo und Rey ebenfalls beteiligt, als sie sich im roten Thronraum von Anführer Snoke einen artistischen Lichtschwertkampf liefern. Hier hat Kylo seinen allerbesten Moment: Er tanzt gleichsam auf der Grenze zwischen Gut und Böse und ist hin- und hergerissen wie nie zuvor – ehe er schließlich eine überraschende Entscheidung trifft.

Die Szene im Thronsaal bietet neben tollen Schauwerten auch inhaltlich Unerwartetes. Von den vielen Raumschlachten und Weltraumverfolgungsjagden beim Evakuierungsplot um Generalin Leia lässt sich das dagegen kaum behaupten. Dort feuert Johnson einfach seine Spektakel-Munition ab - explodierende Sternenkreuzer, rasante Luftnahkämpfe zwischen Sternenjägern der Rebellion und ihren Gegnern der Ersten Ordnung sowie krachende Bodenattacken auf einem Salzsee. Johnson bedient sich am „Star Wars“-Erbe und fügt einige neue Schlachtenvariationen hinzu, wobei er die technischen Möglichkeiten des gegenwärtigen Blockbusterkinos voll ausschöpft. Doch die Aufregung bleibt hier zuweilen etwas äußerlich, denn die Kämpfe laufen mitunter arg vorhersehbar ab. Die große Ausnahme bildet eine mitreißende finale Auseinandersetzung, auf die wir hier aus Spoilergründen nicht näher eingehen wollen. Dort springt der magische „Star Wars“-Funke jedenfalls gleich mehrfach über.

Der Schwachpunkt des Films ist der unbedeutendste der drei zentralen Handlungsstränge, nämlich der Plot um den Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega), der im Gespann mit der Technikerin Rose Tico (Kelly Marie Tran) auf einem Sternenkreuzer einen Transponder deaktivieren soll, um so die Flucht der Rebellen zu ermöglichen. Allerdings ist das Ganze unnötig kompliziert eingefädelt und darunter leidet zunehmend auch die Spannung. Ähnliche Defizite gibt es teilweise auch bei der zweiten Haupthandlung mit den flüchtenden Rebellen. So fehlt den Szenen der Ende 2016 verstorbenen Carrie Fisher als Leia Organa ein wenig der Drive, was die „Star Wars“-Ikone mit ihrem Charisma zumindest teilweise ausgleicht. In ihrem Dunstkreis erweist sich Oscar Isaacs Pilotenass Poe Dameron wieder einmal als größter Aktivposten, der vor Dynamik und Abenteurerlust nur so sprüht.

„Star Wars: Die letzten Jedi“ ist lustig. Punkt! Und das geht klar über verschmitzten Han-Solo-Humor hinaus. Bei aller Ernsthaftigkeit und Düsternis vor allem der Szenen auf Ahch-To streut Regisseur Johnson immer wieder aus der Hüfte geschossene Gags ein. Das funktioniert erstaunlich gut, weil die Pointen oft völlig aus dem Nichts kommen und durch den Überraschungsfaktor noch wirkungsvoller ins Schwarze treffen. So gibt es amüsante Antworten darauf, wie sich Luke Skywalker eigentlich auf seinem kargen Eiland ernährt (jedenfalls nicht von den süßen Porgs, die Chewbacca auf den Grill packt). Dazu kommen kleine Slapstick-Einlagen, etwa wenn Luke gleich in der ersten Szene sein altes Lichtschwert wegschmeißt oder wenn BB-8 später einen Kampfläufer steuert. Mit diesen humorigen Einlagen hat Johnson am meisten gewagt - und gewonnen.

Neben den sachten Neuerungen und Akzentverschieben gibt es aber natürlich auch wieder reichlich Liebgewonnenes, wobei der Nostalgiefaktor dieses Mal gegenüber „Das Erwachen der Macht“ zumindest ein wenig reduziert wurde. Was wäre „Star Wars“ ohne John Williams‘ majestätisch-geniale Musik? Ohne den Millennium Falken, C-3PO, R2-D2? Oder ohne den Eröffnungslauftext? Also gibt es diese Standards frei Haus. Erfreulich ist zudem das Comeback eines alten „Star Wars“-Kempen, der zwar nur einen kleinen Gastaufritt hat, aber dabei für eine Menge Spaß sorgt. Und zu guter Letzt gibt der Film auch noch die Antwort auf die Frage, wer denn nun wirklich der letzte oder die letzten Jedi sind (der Originaltitel „The Last Jedi“ lässt schließlich beide Interpretationen zu).

Fazit: 
40 Jahre „Star Wars“ und kein Ende in Sicht: Rian Johnson liefert mit dem Fantasy-Spektakel „Die letzten Jedi“ einen starken Mittelteil der dritten Trilogie ab, der vor allem von der Rückkehr Mark Hamills als legendärer Luke Skywalker lebt. Gemeinsam mit Daisy Ridleys energischer Rey übertüncht er einige schwächere Elemente in den anderen Handlungssträngen. Auch nach zweimaligen Anschauen sind wir begeistert von der Story, den Effekten und lustigen Anspielungen aber auch den neuen Elementen. Dafür vergeben wir 8,5 von 10 Punkte. (mk)

Sonntag, 3. Dezember 2017

Coco - Lebendiger als das Leben!



Facts:

Genre: Animation, Fantasy, Abenteuer
Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina
Cast/ Stimmen: Heino Ferch, Benjamin Bratt, Anthony Gonzalez
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih:  Walt Disney Germany


 
(c) Walt Disney Germany


Inhalt:
 Miguel (Stimme im Original: Anthony Gonzalez) ist zwölf Jahre alt und ein großer Fan von Musik – aber leider hasst seine Schusterfamilie alles, was mit Tönen und Instrumenten zu tun hat. Miguels Ururgroßvater verließ damals seine Frau und Tochter, um Musiker zu werden, seitdem fühlen sich die Riveras durch Musik verflucht. Doch Familie hin oder her – Miguel will seinem Idol, dem Sänger Ernesto de la Cruz (Benjamin Bratt), trotzdem nacheifern. Aus Versehen kommt er dabei ins Reich der Toten und betritt dadurch einen wunderschönen Ort, an dem er die Seelen seiner toten Verwandten trifft. Miguels Ururgroßmutter Imelda (Alanna Noel Ubach) ist darunter, und das nette Schwindler-Skelett Hector (Gael García Bernal). Zusammen suchen Skelett und Junge im Totenreich nach de la Cruz, wobei allerdings die Zeit drängt: Zu lange darf Miguel nicht in der Unterwelt bleiben…

Bewertung:
Der Dia de los muertos (der Tag der Toten) ist in Mexiko mehr als bloß irgendein Feiertag, die traditionellen Festivitäten zum Gedenken an die Verstorbenen sind von der UNESCO sogar auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Der jeweils vom 31. Oktober bis zu Allerseelen am 2. November andauernde feierliche Reigen steht exemplarisch für die besondere Verbundenheit der mexikanischen Bevölkerung mit ihren Familien und Vorfahren. Die Unverbrüchlichkeit verwandtschaftlicher Bindungen ist auch einer der höchsten Werte im Unterhaltungsimperium des Disney-Konzerns und da passt es durchaus, dass der der Tag der Toten und seine Folklore nun im Zentrum des 19. abendfüllenden Pixar-Abenteuers „Coco - Lebendiger als das Leben!“ stehen. 

Noch nie zuvor sind die Animationskünstler aus Kalifornien so tief in eine andere Kultur eingetaucht wie hier und das Ergebnis ist bemerkenswert: In jeder einzelnen Einstellung ist der Respekt vor den Traditionen der porträtierten Welt zu spüren, die Liebe zum Detail und der einmal mehr erstaunliche visuell Einfallsreichtum machen „Coco“ zu einem weiteren Meilenstein in der Animationskunst. Doch während Regisseur Lee Unkrich („Toy Story 3“) und sein Team technisch immer neues Terrain erobern, bleiben sie mit der allzu formelhaften Ein-Junge-geht-auf-eine-Reise-Geschichte erzählerisch deutlich hinter innovativen Vorgängern wie „Alles steht Kopf“ zurück.

Am Tag der Toten wird das Brückenschlagen durch Erinnerungen gefeiert, die gedeckten Erdtöne des Films werden vom Leuchten der Blüten gleichsam belebt. Von der Architektur bis zu den Skelett-Kostümen werden dazu mexikanische Traditionen auf die Leinwand gebracht – inklusive eines amüsanten Frida-Kahlo-Augenbrauen-Gags. Selbst der quirlige Hunde-Sidekick Dante ist nicht irgendein Vierbeiner, sondern gehört der einheimischen Rasse der Xoloitzcuintle (kurz Xolo) an. Die drolligen Eskapaden von Miguels treuem Gefährten sorgen für kleine Humoroasen in der über weite Strecken erstaunlich ernsten Geschichte, aber zur wirklich bemerkenswerten Figur wird der Racker erst als er im Reich der Toten mit den dortigen bunt leuchtenden, fliegendem Fabeltiere zusammentrifft, die dem vornehmlich in Erdtönen gehaltenen Design des Landes jenseits der Blumenbrücke nicht nur einen Farbtupfer geben, sondern auch einen kleinen surrealen Touch. Den wiederum unterstreicht Komponist Michael Giacchino (Oscar für Pixars „Oben“) subtil: Mit seiner marimba- und gitarrenlastigen Musik webt er dem Mexiko-Ausflug einen stilechten Klangteppich, während das Duo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez mit „Remember Me“ (deutsch: „Denk stets an mich“) einen eingängigen Mottosong beisteuert, der allerdings nicht die unwiderstehlichen Ohrwurmqualitäten ihres Superhits „Let It Go“ aus „Die Eiskönigin“ besitzt.

Fazit: 
Mit „Coco“ übertreffen sich die Macher von Pixar rein animationstechnisch wieder einmal selbst, erzählerisch dagegen bietet der Film trotz eines sehr emotionalen Finales weitgehend Durchschnitt.Dennoch vergeben wir 8 von 10 Punkte. (mk)