Facts:
Genre: Drama
Regie: Richard Glatzer, Wash Westmoreland
Genre: Drama
Regie: Richard Glatzer, Wash Westmoreland
Cast: Julianne Moore, Kristen Stewart, Kate Bosworth
Laufzeit: 99 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: polyband Medien GmbH
FSK: ab 0 Jahre
Verleih: polyband Medien GmbH
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| (c) polyband Medien GmbH |
Inhalt:
Zunächst versucht die anerkannte Sprachwissenschaftlerin Dr. Alice
Howland (Julianne Moore) noch, ihre Krankheit zu verheimlichen.
Gelegentliche Orientierungslosigkeit in den Straßen von Manhattan und
Schwierigkeiten, einzelne Wörter zu finden, machen das Leben zwar
zunehmend schwerer, doch erst als Alice anfängt, auch Menschen zu
verwechseln, spricht sie mit ihrer Familie über ihren Zustand. Ihr
liebender Ehemann John (Alec Baldwin) ist genauso schockiert wie ihre
drei erwachsenen Kinder Anna (Kate Bosworth), Tom (Hunter Parrish) und
Lydia (Kristen Stewart), als sie erfahren, dass Alice an einer seltenen
Form von Alzheimer leidet, die auch vererbbar ist. Mit der Diagnose wird
das bislang harmonische Familien- und Alltagsleben, an dem Alice mit
allen Mitteln festhalten will, auf eine äußerst harte Probe gestellt…
Bewertung:
Es ist „Still Alice“ deutlich anzumerken, dass das Herzblut beider
Regisseure in das Projekt eingeflossen ist und so entfaltet das Drama
eine ungeheure emotionale Wucht. Diese starke Wirkung hängt in nicht
geringem Maße mit der großartigen Darstellung von Julianne Moore
zusammen, die dafür bereits einige Preise eingeheimst hat, unter anderem
für den Golden Globe nominiert wurde und zu den ganz heißen
Oscar-Anwärtern zählt. Die Rolle bietet eine immense Fallhöhe und Moore
bringt die gesamte Bandbreite zwischen den Extremen glaubhaft und
nuanciert auf die Leinwand. Als Linguistik-Professorin trumpft Alice zu
Beginn des Films beim „Nebenbei“-Scrabble-Spielen noch mit einem Wort
wie „HADJ“ auf, später wird ihr verschlechterter Zustand durch die
mickrigen fünf Punkte für „TONE“ festgemacht.
Dabei ist „Still Alice“ keine deprimierende Schauspielstudie, sondern auch emotional wird ein großes Spektrum abgesteckt. Wenn Alice sich zu Beginn ihres Leidenswegs ganz konkret ein geheimes Anleitungsvideo zum Selbstmord aufnimmt („Wenn du nicht mehr weißt, in welchem Monat du geboren bist, in welcher Straße du wohnst und wie deine älteste Tochter heißt, mach bitte Folgendes...“), wird ein unvermeidlicher, besonders intensiver Moment gegen Ende des Films vorbereitet, aber aus ihrem Zustand ergeben sich auch ganz triviale Dramen (Was tun, wenn man dringend auf Toilette muss und im eigenen Haus nicht mehr das Badezimmer findet?). Und der Humor muss trotzdem nicht zu kurz kommen, denn wenn Alice beschreibt, dass sie bei der Lektüre von Herman Melvilles „Moby Dick“ das Gefühl hat, sie würde immer wieder dieselbe Seite lesen, so ist dies ein Problem, das durchaus auch mit dem Buch zusammenhängen könnte.
Neben Moore zeigt Kristen Stewart wie zuletzt auch in „Die Wolken von Sils Maria“ ein weiteres Mal, dass sie sehr darauf bedacht ist, als ernsthafte Schauspielerin akzeptiert zu werden und in „Still Alice“ zeigt sie wohl ihre bisher überzeugendste Leistung. Jedenfalls porträtiert sie die anfängliche, über Jahre aufgebaute Distanz von Lydia zu ihrer Mutter mit der gleichen Eindringlichkeit und emotionalen Tiefe wie die spätere Annäherung. In ihrem Zusammenspiel mit Moore kommt die ganze Tragweite der Geschichte voll zum Ausdruck. Die hier verhandelten Gedanken und Gefühle stehen klar im Vordergrund, so ist auch die Inszenierung mit der Ausnahme eines visuell sehr auffälligen Besuchs bei „Pinkberry“ nie aufdringlich. Schon der Einstieg in die Handlung - ohne Vorspann geht es mitten in eine Geburtstagsfeier - wirkt, als soll der Zuschauer komplett vergessen, dass er einen Film sieht und sich stattdessen ganz in der Geschichte verlieren. Was dann auch auf vorzügliche Weise gelingt.
Als Alice zu einem zentralen Moment der Geschichte in fortgeschrittenem Krankheitszustand einen selbstverfassten Vortrag vor der Alzheimer-Gesellschaft hält (ein letztes Festhalten an ihrer wissenschaftlichen Karriere), erinnert das zwar ansatzweise an das Hollywood-Klischee der aufrüttelnden und schließlich mit riesigem Applaus belohnten abschließenden Rede (nicht nur aus „Der Club der toten Dichter“ und „Der Duft der Frauen“ bekannt), doch wie hier mit ganz subtilen, aber genialen Mitteln der auf der Vortragenden lastende Druck auch auf das Kinopublikum übergeht, das gab es in dieser Form selten zu sehen, und ausnahmsweise sehnt man sich hier selbst als abgebrühter Kritiker nach dem befreienden Beifall.
Fazit:
Dabei ist „Still Alice“ keine deprimierende Schauspielstudie, sondern auch emotional wird ein großes Spektrum abgesteckt. Wenn Alice sich zu Beginn ihres Leidenswegs ganz konkret ein geheimes Anleitungsvideo zum Selbstmord aufnimmt („Wenn du nicht mehr weißt, in welchem Monat du geboren bist, in welcher Straße du wohnst und wie deine älteste Tochter heißt, mach bitte Folgendes...“), wird ein unvermeidlicher, besonders intensiver Moment gegen Ende des Films vorbereitet, aber aus ihrem Zustand ergeben sich auch ganz triviale Dramen (Was tun, wenn man dringend auf Toilette muss und im eigenen Haus nicht mehr das Badezimmer findet?). Und der Humor muss trotzdem nicht zu kurz kommen, denn wenn Alice beschreibt, dass sie bei der Lektüre von Herman Melvilles „Moby Dick“ das Gefühl hat, sie würde immer wieder dieselbe Seite lesen, so ist dies ein Problem, das durchaus auch mit dem Buch zusammenhängen könnte.
Neben Moore zeigt Kristen Stewart wie zuletzt auch in „Die Wolken von Sils Maria“ ein weiteres Mal, dass sie sehr darauf bedacht ist, als ernsthafte Schauspielerin akzeptiert zu werden und in „Still Alice“ zeigt sie wohl ihre bisher überzeugendste Leistung. Jedenfalls porträtiert sie die anfängliche, über Jahre aufgebaute Distanz von Lydia zu ihrer Mutter mit der gleichen Eindringlichkeit und emotionalen Tiefe wie die spätere Annäherung. In ihrem Zusammenspiel mit Moore kommt die ganze Tragweite der Geschichte voll zum Ausdruck. Die hier verhandelten Gedanken und Gefühle stehen klar im Vordergrund, so ist auch die Inszenierung mit der Ausnahme eines visuell sehr auffälligen Besuchs bei „Pinkberry“ nie aufdringlich. Schon der Einstieg in die Handlung - ohne Vorspann geht es mitten in eine Geburtstagsfeier - wirkt, als soll der Zuschauer komplett vergessen, dass er einen Film sieht und sich stattdessen ganz in der Geschichte verlieren. Was dann auch auf vorzügliche Weise gelingt.
Als Alice zu einem zentralen Moment der Geschichte in fortgeschrittenem Krankheitszustand einen selbstverfassten Vortrag vor der Alzheimer-Gesellschaft hält (ein letztes Festhalten an ihrer wissenschaftlichen Karriere), erinnert das zwar ansatzweise an das Hollywood-Klischee der aufrüttelnden und schließlich mit riesigem Applaus belohnten abschließenden Rede (nicht nur aus „Der Club der toten Dichter“ und „Der Duft der Frauen“ bekannt), doch wie hier mit ganz subtilen, aber genialen Mitteln der auf der Vortragenden lastende Druck auch auf das Kinopublikum übergeht, das gab es in dieser Form selten zu sehen, und ausnahmsweise sehnt man sich hier selbst als abgebrühter Kritiker nach dem befreienden Beifall.
Fazit:
Ein toller Film über ein gesellschaftlich wichtiges Thema: kein
bleiernes Betroffenheitskino, sondern mitreißende Unterhaltung. Wir vergeben für diesen Film 9 von 10 Sterne (mk)

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