Freitag, 27. Dezember 2013

Fack Ju Göhte

Facts

Genre: Komödie
Regie: Bora Dagtekin
Cast: Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann

Laufzeit: 118 min. 
FSK: ab 12 Jahre 
Verleih: Constantin Filmverleih 


(c) Constantin Filmverleih

Inhalt

Kleinganove Zeki Müller (Elyas M'Barek) landet bei der Suche nach seiner Diebesbeute als Aushilfslehrer an einer Schule. Den Lehrerberuf führt er laut eigener Aussage nur nebenberuflich aus und das merkt man schnell: Er bedient sich unkonventioneller Methoden, wie beispielsweise seiner an Schülern erprobten Paintball-Pädagogik, und hat auch sonst keinen blassen Schimmer von den Unterrichtsthemen. Als Neuer an der Schule bekommt er gleich die Problemklasse aufs Auge gedrückt. Mit seinen rabiaten Mitteln und ungewöhnlichen Lehrmethoden mischt er die Chaosklasse und auch die Lehrerschaft ordentlich auf. Und schließlich ist da noch die Referendarin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth), die ihm nicht nur dank ihrer pädagogischen Ratschläge etwas bedeutet... Zeki muss sich entscheiden, ob er die Chance auf ein anständiges Leben und die große Liebe ergreifen will.

Bewertung

Über 2,3 Millionen Kinozuschauer in Deutschland amüsierten sich 2012 über die scharfzüngigen Techtelmechtel zwischen Elyas M’Barek und Josefine Preuß in der Culture-Clash-Komödie „Türkisch für Anfänger“. Regisseur und Autor Bora Dagtekin verpflanzte seine eigene Erfolgsserie einfallsreich vom Fernsehen auf die große Leinwand und sorgte so auch im Kino für frischen Wind. Statt nun den frech überspitzten deutsch-türkischen Reibereien einfach ein weiteres Kapitel hinzuzufügen (das folgt womöglich noch), nimmt er sich in seiner neuen Komödie „Fack ju Göhte“ erst einmal die Zustände in deutschen Klassen- und Lehrerzimmern vor. Dabei ist der Titel durchaus Programm: Erneut setzt Dagtekin auf unerhörte Pointen und fröhliche Unverschämtheiten, spielt dabei genüsslich mit Klischees und sorgt gemeinsam mit der wieder von Elyas M’Barek angeführten perfekten Besetzung für köstlich ungezwungene Unterhaltung. Seine oft groben Gags funktionieren zwar nicht immer, aber trotzdem ist „Fack ju Göhte“ vielleicht sogar noch lustiger als „Türkisch für Anfänger“. Wenn der Schulschwank insgesamt trotzdem ganz leicht hinter der Integrationskomödie zurückbleibt, liegt das daran, dass der neue Film stärker in Genrekonventionen verhaftet ist. Vergleichbare Hollywood-Konkurrenz wie „Bad Teacher“ lässt „Fack ju Göhte“ trotzdem locker hinter sich, denn Dagtekins launiges Lehrer-Lustspiel ist bei aller Frechheit auch warmherzig. 

Fazit

Bora Dagtekins zweite Kinoregiearbeit „Fack ju Göhte“ ist eine frech-witzige Komödie mit Lachern im Minutentakt, einer Prise Gefühl und glänzenden Darstellern – ganz in der Tradition seines Debüts „Türkisch für Anfänger“. (mk)

Samstag, 21. Dezember 2013

Der Hobbit - Smaugs Einöde 3D OV HRF

Facts

Genre: Fantasy
Regie: Peter Jackson
Cast: Sir Ian McKellen, Martin Freeman, Richard Armitage
Laufzeit: 161 min. 
FSK: ab 12 Jahre 
Verleih: Warner

(c) Warner


Inhalt

Im zweiten Teil "Der Hobbit - Smaugs Einöde" wird die Geschichte um die Abenteuer von Bilbo Beutlin (gespielt von Martin Freeman) fortgesetzt. Nachdem die Adler den Hobbit, Gandalf (Ian McKellen) und Thorin (Richard Armitage) sowie seine zwölf Gefährten gerettet haben, geht die Reise zum Einsamen Berg weiter. Doch neue Gefahren warten auf die illustre Schar. 

Während Gandalf die Gruppe verlässt, um den Problemen in Dol Guldur und dem dort hausenden Nekromanten nachzugehen, warten auf Bilbo und die Zwerge neue Herausforderungen, unter anderem im Düsterwald. Dieser muss mit allen seinen Gefahren durchwandert werden, darunter Spinnen und aggressive Elben. Hier zeigt sich, dass vieles in Mittelerde zwischen den verschiedenen Völkern im Argen liegt. Für die Gruppe gibt es aber nur ein Ziel: Der Einsame Berg..

Im vergangenen Jahr war Bilbo Beutlin in Der Hobbit - Eine unerwartete Reise noch voller Überzeugung, dass der schlimmste Teil der Reise hinter ihm läge - wie sehr er sich da doch täuschte.

Bewertung

Die zweite Episode weist schon deutlich mehr Mittelerde-Flair als dies noch im letzten Jahr der Fall war. Dafür sorgen neben den bereits bekannten Gesichtern auch weitere Gastauftritte wie die von Legolas (Orlando Bloom). Auch ist der Film deutlich stimmiger im Erzählfluss, kommt ohne die für viele langatmige Einleitung des Vorgängers aus und bietet weitaus mehr Abwechslung hinsichtlich der Schauplätze und Ereignisse.

Erweiterungen und Neuerfindungen wie die Elbin Tauriel (Evangeline Lilly) sind sicherlich Geschmackssache. Jackson hatte in der Gestaltung vieler Elemente sehr frei agieren können, da es an den detaillierten Beschreibungen im Buch mangelt und was dem Charme des zweiten Teiles sehr zu Gute kommt. Das Drachendesign ist durchaus gelungen und Smaug gibt einen furchteinflößenden Gegenspieler ab, im Original eindringlich von Benedict Cumberbatch synchronisiert.

Jackson kann sich, aufgrund der Dreiteilung des Buches, deutlich besser in Mittelerde austoben als dies sonst der Fall gewesen wäre. Die Vorstellung, Beorn, Thranduil und seine Elben, die Spinnen des Düsterwalds und auch die Fässerfahrt bereits im ersten Teil zu sehen, erscheint geradezu verrückt, bedenkt man die Laufzeit, die allein in Der Hobbit - Smaugs Einöde dafür benötigt wird. 

Allein die HFR-Technik und der massive Cliffhanger sind die einzig wahren Kritikpunkte in meinen Augen. Mir persönlich sorgt die HFR-Technik zu einer zu realen Darstellung von Mittelerde und Co. - so dass man oft das Gefühl hat, es wurde mit einer Hobbycam gedreht und es nicht mehr als ein Road-Movie. Das offene Ende des Filmes ist natütlich dem Status des Mittelteiles einer Trilogie geschuldet. Dennoch hätte es etwas runder gestaltet werden können.

Fazit

Lohnt sich der Besuch von Der Hobbit - Smaugs Einöde? Ganz klar JA. 

Ich gebe dem Film 8,0 von 10 Punkten. 

(mk)

Freitag, 13. Dezember 2013

Die Tribute von Panem 2 - Catching Fire

Facts

Genre: Fantasy, Drama
Regie: Francise Lawrence
Cast: Lennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Donald Sutherland, P.S. Hoffman
Laufzeit: 166 min. 
FSK: ab 12 Jahre 
Verleih: StudioCanal Deutschland

(c) StudioCanal Deutschland


Inhalt

Kurze Zeit nachdem es den Tributen Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) mit einem Trick gelungen ist, die 74. Hungerspiele gemeinsam zu überleben, obwohl es ja eigentlich nur einen Sieger geben darf, steht ihnen nun eine Propagandatour durch die zwölf Distrikte bevor. Weil viele Zuschauer in Katniss‘ List mit den giftigen Beeren jedoch keinen Akt der Liebe zu Peeta, sondern eine Protestaktion gegen das Kapitol erkannt haben, macht Präsident Snow (Donald Sutherland) der aufmüpfigen Siegerin eine klare Ansage: Entweder sie und Peeta spielen während der Tour glaubhaft ein Liebespaar oder es wird Krieg geben! Aber auch wenn sich Katniss alle Mühe gibt, klingen ihre Huldigungen des Kapitols wie erzwungen und auswendig gelernt. Das spürt auch das Publikum und tun immer mehr Protestler mit dem Pfeifen der Melodie von Katniss‘ gefallener Mitstreiterin Rue ihren Unmut kund. Gerade als Präsident Snow das Siegerpaar deshalb eliminieren lassen will, kommt sein neuer Spielleiter Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) auf die geniale Idee, zur Feier des Jubiläums bei den 75. Hungerspielen ausschließlich ehemalige Sieger gegeneinander antreten zu lassen. Als bisher einziger weiblicher Gewinner aus dem 12. Distrikt müsste Katniss auf jeden Fall erneut in die Arena einziehen...

Nachdem die dystopische Gesellschaft um das tyrannisch herrschende Kapitol, die unterjochten zwölf Distrikte und die live im TV übertragenen Hungerspiele bereits in „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ eingeführt wurden, handelt der zweite Teil nun davon, wie ein Funken Hoffnung in der unterdrückten Bevölkerung den Willen zum Aufstand entfacht. Für diese politische Ebene seiner Erzählung findet Regisseur Francis Lawrence („Wasser für die Elefanten“, „Constantine“) noch stärkere Bilder und Metaphern als sein Vorgänger Gary Ross. Er spielt die Kontraste zwischen Reich und Arm, Mächtigen und Ausgebeuteten wirkungsvoll aus und verdichtet sie zu treffsicherer anti-totalitärer Gesellschaftskritik: Während die Menschen in den Distrikten hungern, werden auf den dekadenten Partys des Kapitols spezielle Kotzdrinks gereicht, nach denen man sich übergeben muss – sonst könnte man ja gar nicht all die angebotenen leckeren Speisen probieren und das wäre doch wirklich zu schade. Der von Luxus und Überfluss ausgeschlossenen Mehrheit begegnet das Regime dagegen mit Verachtung und willkürlich-brutalen Vergeltungsakten, die Lawrence durchaus nicht beschönigt. Allein der Kamerablick auf den zerschundenen Rücken des ausgepeitschten Gale (Liam Hemsworth bleibt einmal mehr die Rolle des unglücklich Schmachtenden) spricht da Bände.

Der Höhepunkt des Zynismus der Herrschenden wird erreicht, wenn Präsident Snow mit seinem neuen Spielleiter eine an Perfidität nicht mehr zu übertreffende Medienstrategie durchspricht: Sie wollen Bilder von Katniss‘ Hochzeitvorbereitungen (von der Kleiderwahl bis zum Kuchenprobieren) mit Aufnahmen von Folterungen und Exekutionen in den Distrikten zusammenschneiden – mit der manipulativen Montage soll die Heldin als herzlos gebrandmarkt und die Liebe des Volkes zu ihr gebrochen werden.

Bewertung

 Mit dieser Medienschelte geht Francis Lawrence noch viel weiter als Gary Ross mit seiner auch schon treffenden Castingshow-Satire im ersten Teil, die hier mit dem erneuten Auftritt von Stanley Tucci als aalglatter Showmaster Caesar Flickerman ebenfalls variiert wird. Dieses Element wird diesmal wie einige andere Aspekte, die schon in „Tödliche Spiele“ thematisiert wurden (wie etwa der Kampf um Sponsoren), allerdings recht schnell abgehandelt, aber das ist angesichts einer ohnehin schon recht langen Laufzeit von 147 Minuten gut zu verschmerzen. Hier wurde ähnlich wie bei den „Harry Potter“-Filmen geschickt bei schon Bekanntem gekürzt, ohne die Treue und die Nähe zur Buchvorlage aufzugeben.

Was für einzelne Plot-Elemente gilt, die schon im ersten Teil vorkamen, lässt sich auch von den wiederkehrenden Darstellern - von Josh Hutcherson als Katniss‘ Co-Tribut und Fast-Ehemann Peeta bis zu Donald Sutherlands charismatisch-fiesem Präsident Snow – sagen: Es wird bewährte Qualität geboten. Für etwas Abwechslung sorgen dazu einige Neuzugänge wie Philip Seymour Hoffman („Mission: Impossible 3“) als zynischer Zeremonienmeister und Sam Claflin („Snow White and the Huntsman“) als früherer Hunger-Games-Gewinner Finnick Odair, aber letztlich gehört der Film ganz eindeutig Jennifer Lawrence. Und die ist auch bei dem tödlichen Spektakel der Hungerspiele, das diesmal inmitten eines von einer Dschungellandschaft umgebenen Sees beginnt, wieder voll in ihrem Element. Als Katniss ins Wasser springt, um als erste zu ihrem Bogen zu gelangen, treten aber auch die Unterschiede in den Inszenierungen von „Tödliche Spiele“ und „Catching Fire“ endgültig unübersehbar zu Tage: Wo Gary Ross mit seiner Wackelkamera noch auf eine raue Realitätsnähe abzielte (und damit auch manchen Kinozuschauer ziemlich nervte), behält Francis Lawrence seinen geleckten Blockbuster-Look nun selbst während des fantastisch angehauchten Kriegsspiels konsequent bei.

Der Oberflächenglanz erweist sich als zweischneidige Angelegenheit. Wenn den Dschungelsets eine etwas sterile Studioatmosphäre anhängt, passt das ganz gut, schließlich sind die Hungerspiele nichts anderes sind als ein über alle moralischen Grenzen hinweg auf die Spitze getriebenes Reality-TV-Format: „Germany‘s Next Topmodel“ trifft „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ - und wer nicht genügend Unterstützung von den Sponsoren erhält, der wird eben im Leichensack abtransportiert! Weniger angebracht ist das „Glattgebügelte“ hingegen, wenn es um die Kämpfe selbst geht: Bekommen es die Protagonisten mit bissigen Affen oder giftigem Nebel zu tun, dann hält die Kamera gerne und lange drauf, aber sobald sich zwei Tribute im Zweikampf gegenüberstehen, ist das Duell entweder im Handumdrehen beendet oder es findet gleich im Off statt. Hier war Gary Ross deutlich konsequenter als sein Nachfolger, der die wirklich schmerzhaften Momente ausblendet und damit die Gefahr in Kauf nimmt, den Schrecken zu verharmlosen. Dabei wäre eine härtere Gangart allemal angemessen gewesen – zumal hier vor den Hungerspielen eine solche Wut gegen das faschistische Kapitol und seinen tyrannischen Herrscher angefacht wird. So dürfte Francis Lawrence der Umstand, dass es im auf zwei Filme aufgeteilten dritten und letzten Buch keine Hungerspiele mehr gibt, voll in die Karten spielen und wenn er „Flammender Zorn 1 + 2“ mit derselben epischen Kraft inszeniert wie die erste Hälfte von „Catching Fire“, dann stehen uns noch zwei starke Fantasy-Blockbuster ins Haus.

Fazit

„Die Tribute von Panem 2: Catching Fire“ ist noch epischer und in seiner Gesellschaftskritik noch treffsicherer, aber bei der Inszenierung der Hungerspiele auch glattgebügelter als sein Vorgänger und hält so insgesamt das überzeugende Niveau von „Tödliche Spiele“. (mk)