Facts
Genre:
Fantasy, Drama
Regie: Francise Lawrence
Cast: Lennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Donald Sutherland, P.S. Hoffman
Laufzeit:
166 min.
FSK:
ab 12 Jahre
Verleih: StudioCanal Deutschland
 |
| (c) StudioCanal Deutschland |
Inhalt
Kurze Zeit nachdem es den Tributen Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence)
und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) mit einem Trick gelungen ist, die
74. Hungerspiele gemeinsam zu überleben, obwohl es ja eigentlich nur
einen Sieger geben darf, steht ihnen nun eine Propagandatour durch die
zwölf Distrikte bevor. Weil viele Zuschauer in Katniss‘ List mit den
giftigen Beeren jedoch keinen Akt der Liebe zu Peeta, sondern eine
Protestaktion gegen das Kapitol erkannt haben, macht Präsident Snow
(Donald Sutherland) der aufmüpfigen Siegerin eine klare Ansage: Entweder
sie und Peeta spielen während der Tour glaubhaft ein Liebespaar oder es
wird Krieg geben! Aber auch wenn sich Katniss alle Mühe gibt, klingen
ihre Huldigungen des Kapitols wie erzwungen und auswendig gelernt. Das
spürt auch das Publikum und tun immer mehr Protestler mit dem Pfeifen
der Melodie von Katniss‘ gefallener Mitstreiterin Rue ihren Unmut kund.
Gerade als Präsident Snow das Siegerpaar deshalb eliminieren lassen
will, kommt sein neuer Spielleiter Plutarch Heavensbee (Philip Seymour
Hoffman) auf die geniale Idee, zur Feier des Jubiläums bei den 75.
Hungerspielen ausschließlich ehemalige Sieger gegeneinander antreten zu
lassen. Als bisher einziger weiblicher Gewinner aus dem 12. Distrikt
müsste Katniss auf jeden Fall erneut in die Arena einziehen...
Nachdem die dystopische Gesellschaft um das tyrannisch herrschende
Kapitol, die unterjochten zwölf Distrikte und die live im TV
übertragenen Hungerspiele bereits in „Die Tribute von Panem – Tödliche
Spiele“ eingeführt wurden, handelt der zweite Teil nun davon, wie ein
Funken Hoffnung in der unterdrückten Bevölkerung den Willen zum Aufstand
entfacht. Für diese politische Ebene seiner Erzählung findet Regisseur
Francis Lawrence („Wasser für die Elefanten“, „Constantine“) noch
stärkere Bilder und Metaphern als sein Vorgänger Gary Ross. Er spielt
die Kontraste zwischen Reich und Arm, Mächtigen und Ausgebeuteten
wirkungsvoll aus und verdichtet sie zu treffsicherer anti-totalitärer
Gesellschaftskritik: Während die Menschen in den Distrikten hungern,
werden auf den dekadenten Partys des Kapitols spezielle Kotzdrinks
gereicht, nach denen man sich übergeben muss – sonst könnte man ja gar
nicht all die angebotenen leckeren Speisen probieren und das wäre doch
wirklich zu schade. Der von Luxus und Überfluss ausgeschlossenen
Mehrheit begegnet das Regime dagegen mit Verachtung und
willkürlich-brutalen Vergeltungsakten, die Lawrence durchaus nicht
beschönigt. Allein der Kamerablick auf den zerschundenen Rücken des
ausgepeitschten Gale (Liam Hemsworth bleibt einmal mehr die Rolle des
unglücklich Schmachtenden) spricht da Bände.
Der Höhepunkt des
Zynismus der Herrschenden wird erreicht, wenn Präsident Snow mit seinem
neuen Spielleiter eine an Perfidität nicht mehr zu übertreffende
Medienstrategie durchspricht: Sie wollen Bilder von Katniss‘
Hochzeitvorbereitungen (von der Kleiderwahl bis zum Kuchenprobieren) mit
Aufnahmen von Folterungen und Exekutionen in den Distrikten
zusammenschneiden – mit der manipulativen Montage soll die Heldin als
herzlos gebrandmarkt und die Liebe des Volkes zu ihr gebrochen werden.
Bewertung
Mit dieser Medienschelte geht Francis Lawrence noch viel weiter als Gary
Ross mit seiner auch schon treffenden Castingshow-Satire im ersten
Teil, die hier mit dem erneuten Auftritt von Stanley Tucci als
aalglatter Showmaster Caesar Flickerman ebenfalls variiert wird. Dieses
Element wird diesmal wie einige andere Aspekte, die schon in „Tödliche
Spiele“ thematisiert wurden (wie etwa der Kampf um Sponsoren),
allerdings recht schnell abgehandelt, aber das ist angesichts einer
ohnehin schon recht langen Laufzeit von 147 Minuten gut zu verschmerzen.
Hier wurde ähnlich wie bei den „Harry Potter“-Filmen geschickt bei schon Bekanntem gekürzt, ohne die Treue und die Nähe zur Buchvorlage aufzugeben.
Was für einzelne Plot-Elemente gilt, die schon im ersten Teil vorkamen,
lässt sich auch von den wiederkehrenden Darstellern - von Josh
Hutcherson als Katniss‘ Co-Tribut und Fast-Ehemann Peeta bis zu Donald
Sutherlands charismatisch-fiesem Präsident Snow – sagen: Es wird
bewährte Qualität geboten. Für etwas Abwechslung sorgen dazu einige
Neuzugänge wie Philip Seymour Hoffman („Mission: Impossible 3“) als
zynischer Zeremonienmeister und Sam Claflin („Snow White and the
Huntsman“) als früherer Hunger-Games-Gewinner Finnick Odair, aber
letztlich gehört der Film ganz eindeutig Jennifer Lawrence. Und die ist
auch bei dem tödlichen Spektakel der Hungerspiele, das diesmal inmitten
eines von einer Dschungellandschaft umgebenen Sees beginnt, wieder voll
in ihrem Element. Als Katniss ins Wasser springt, um als erste zu ihrem
Bogen zu gelangen, treten aber auch die Unterschiede in den
Inszenierungen von „Tödliche Spiele“ und „Catching Fire“ endgültig
unübersehbar zu Tage: Wo Gary Ross mit seiner Wackelkamera noch auf eine
raue Realitätsnähe abzielte (und damit auch manchen Kinozuschauer
ziemlich nervte), behält Francis Lawrence seinen geleckten
Blockbuster-Look nun selbst während des fantastisch angehauchten
Kriegsspiels konsequent bei.
Der Oberflächenglanz erweist sich
als zweischneidige Angelegenheit. Wenn den Dschungelsets eine etwas
sterile Studioatmosphäre anhängt, passt das ganz gut, schließlich sind
die Hungerspiele nichts anderes sind als ein über alle moralischen
Grenzen hinweg auf die Spitze getriebenes Reality-TV-Format: „Germany‘s
Next Topmodel“ trifft „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ - und
wer nicht genügend Unterstützung von den Sponsoren erhält, der wird eben
im Leichensack abtransportiert! Weniger angebracht ist das
„Glattgebügelte“ hingegen, wenn es um die Kämpfe selbst geht: Bekommen
es die Protagonisten mit bissigen Affen oder giftigem Nebel zu tun, dann
hält die Kamera gerne und lange drauf, aber sobald sich zwei Tribute im
Zweikampf gegenüberstehen, ist das Duell entweder im Handumdrehen
beendet oder es findet gleich im Off statt. Hier war Gary Ross deutlich
konsequenter als sein Nachfolger, der die wirklich schmerzhaften Momente
ausblendet und damit die Gefahr in Kauf nimmt, den Schrecken zu
verharmlosen. Dabei wäre eine härtere Gangart allemal angemessen gewesen
– zumal hier vor den Hungerspielen eine solche Wut gegen das
faschistische Kapitol und seinen tyrannischen Herrscher angefacht wird.
So dürfte Francis Lawrence der Umstand, dass es im auf zwei Filme
aufgeteilten dritten und letzten Buch keine Hungerspiele mehr gibt, voll
in die Karten spielen und wenn er „Flammender Zorn 1 + 2“
mit derselben epischen Kraft inszeniert wie die erste Hälfte von
„Catching Fire“, dann stehen uns noch zwei starke Fantasy-Blockbuster
ins Haus.
Fazit
„Die Tribute von Panem 2: Catching Fire“ ist noch epischer und in seiner
Gesellschaftskritik noch treffsicherer, aber bei der Inszenierung der
Hungerspiele auch glattgebügelter als sein Vorgänger und hält so
insgesamt das überzeugende Niveau von „Tödliche Spiele“. (mk)