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Donnerstag, 23. Juli 2020

EDISON - EIN LEBEN VOLLER LICHT


EDISON - EIN LEBEN VOLLER LICHT


Genre: Drama, Historie, Biografie
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Cast: Benedict CumberbatchMichael ShannonNicholas Hoult
Laufzeit: 104 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Concorde Filmverleih


Poster zum Edison - Ein Leben voller Licht - Bild 35 auf 42 - FILMSTARTS.de
(c) Concorde Filmverleih

 

Inhalt:

1880: Thomas Edison (Benedict Cumberbatch) hat die Tests tausender Designs hinter sich, als er endlich weiß, wie er eine marktfähige Glühbirne herstellen kann. Während Edison die finanzielle Unterstützung durch J.P. Morgan (Matthew Macfadyen) sichert, um fünf Blocks in Manhattan mit elektrischem Licht zu versorgen, erkennt George Westinghouse (Michael Shannon) die Grenzen der neuen Technologie. Der Geschäftsmann aus Pittsburgh arbeitet mit Wechsel- statt mit Gleichspannung und übernimmt einige von Edisons Entdeckungen. Ein Wettkampf spitzt sich zu: Auf der einen Seite der bescheidene, öffentlichkeitsscheue Westinghouse, der seiner Frau Marguerite Westinghouse (Katherine Waterston) treu ergeben ist – auf der anderen Seite Edison, der sich für ein Genie hält, die Anerkennung für seine Arbeit nicht teilen will und seine Frau Mary Edison (Tuppence Middleton) nebst den Kindern vernachlässigt…


Bewertung: 

Eigentlich sollte das im Winter 2016/17 gedrehte Historien-Drama „Edison – Ein Leben voller Licht“ bereits Ende 2017 groß in den US-Kinos und bald darauf auch im Rest der Welt anlaufen. Aber kurz nach der Premiere beim Toronto International Film Festival wurde die Arbeit von Regisseur Alfonso Gomez-Rejon („Ich und Earl und das Mädchen“) Opfer des Skandals um Harvey Weinstein, dem Boss des zuständigen US-Verleihs TWC (The Weinstein Company). Erst zwei Jahre später kam der Film dann doch noch auf die nordamerikanischen Leinwände und floppte spektakulär. Dabei war das Werk ursprünglich als aussichtsreicher Oscar-Kandidat gehandelt und vermarktet worden. Und schaut man sich die prominenten Namen auf der Besetzungsliste sowie der talentierten Crew-Mitglieder an, schien die eine oder andere Nominierung im Vorfeld ja tatsächlich nicht abwegig.

Gomez-Rejon nutzte die lange Wartezeit bis zum Kinostart, um mit finanzieller Hilfe des ausführenden Produzenten Martin Scorsese endlich die Post-Produktion (inklusive eines kompletten neuen Musik-Scores) zu finalisieren und den Film noch einmal um zehn Minuten zu kürzen. Zudem drehte er einen Tag lang zusätzliche Szenen mit Benedict Cumberbatch, Nicholas Hoult und Tuppence Middleton nach, um deren Charakteren mehr Tiefe zu geben. Darüber, inwieweit der Film dadurch tatsächlich verbessert wurde, kann an dieser Stelle allerdings nur spekuliert werden, denn die Besprechung basiert lediglich auf dem so entstandenen „Director’s Cut“, wie er auch in die deutschen Kinos kommt – und der kann auch in der noch einmal überarbeiteten Fassung kaum überzeugen.

Der deutsche Verleihtitel „Edison – Ein Leben voller Licht“ ist unglücklich gewählt. Er suggeriert ein Biopic über den Erfinder und Unternehmer sowie einstigen Halter von über tausend Patenten, was aber einfach nicht geboten wird. Freilich ist der Name Edison hierzulande deutlich bekannter als der von Westinghouse. Trotzdem sind die Figuren im Film gleichwertig, was ihre Präsenz und ihre Zeit auf der Leinwand angeht. Die Sympathien des Publikums dürften sich über weite Strecken ebenfalls halbwegs die Waage halten. Charakterlich kommt Westinghouse am Ende vielleicht sogar einen Tick besser weg. Außerdem erstreckt sich die Handlung nur über einen Zeitraum von 13 Jahren. Von einem klassischen Biopic kann also wahrlich nicht die Rede sein.


Der deutsche Titel ist allerdings längst nicht das größte Problem von „Edison – Ein Leben voller Licht“, der in der englischsprachigen Welt als „The Current War“ präsentiert wird, was sich in etwa mit „Der Stromkrieg“ übersetzten ließe. Es ist vielmehr die Umsetzung der Geschichte, die – um es mal ganz platt zu sagen – einfach viel zu langweilig ist. Der Wettlauf der Geschäftemacher Edison und Westinghouse mag historisch bedeutend gewesen und auf dem Papier beziehungsweise im Wikipedia-Eintrag auch einigermaßen vielschichtig und ansatzweise spannend anmuten. Von Alfonso Gomez-Rejon verfilmt wirkt er allerdings ziemlich träge, weil einfach nicht genügend aufregende Dinge passieren und die zentralen Kontrahenten nahezu die gesamte Laufzeit über räumlich voneinander getrennt sind. Wie abwechslungsreich und mitreißend könnte man auch die immer gleichen Verkaufsgespräche mit Würdenträgern dutzender Städte mit „Meine Art von Strom ist sicherer“ gegen „Meine Art von Strom ist aber viel billiger“ umsetzen?

Diesen Umstand scheinen – zumindest insgeheim – auch Gomez-Rejon und sein Drehbuchautor Michael Mitnick selbst ein Stück weit realisiert zu haben. Schließlich haben sie eine Vielzahl von Nebenhandlungen eingebaut. Dabei gibt es einige schöne Szenen zu entdecken: Etwa Edisons verspielte Morsezeichen-Kommunikation mit seinem kleinen Sohn (Woody Norman) mitten in einem ansonsten eher unwichtigen Business-Meeting, die im späteren Verlauf, in einem besonders traurigen Moment, auf emotionale Weise wieder erneut aufgegriffen wird. Auch Westinghouses wiederkehrende, mentale Flashbacks in seine Zeit als Soldat im Sezessionskrieg sind kompetent umgesetzt, für den Fluss der Story aber eher irrelevant und verlangsamen ihn sogar noch mehr. Ein weiteres Beispiel ist die viel zu viel Raum einnehmende Erfindung und Konstruktion des elektrischen Stuhls plus die Schilderung seines ersten, alles andere als reibungslos vonstattengehenden Einsatzes.

All diese (und weitere!) Episoden sind für sich durchaus erzählenswert, machen das Gesamtwerk aber nie wirklich besser. Was nicht heißt, dass es überhaupt keinen Spaß machen würde, „Edison – Ein Leben voller Licht“ anzuschauen. Neben den engagiert aufspielenden Stars, zu denen auch die vom Skript vergleichsweise stiefmütterlich behandelten Nicholas Hoult („Tolkien“) und Tom Holland („Spider-Man: Far From Home“) sowie die als Ehefrauen der Protagonisten agierenden Katherine Waterston („Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“) und Tuppence Middleton („Sense8“) zählen, ist die Optik wirklich bemerkenswert: Kostüme, Kulissen und die während Eisenbahnfahrten, zur Darstellung der gigantischen Westinghouse-Fabrikhallen, ganzer Straßenzüge oder der legendären Illumination der Weltausstellung von 1893 in Chicago zum Einsatz kommenden CGI-Effekte sind größtenteils mehr als ansehnlich.

Dazu kommen die oft sehr nah dran gehenden, meist ausgesprochen ästhetischen Aufnahmen. Chef-Kameramann Chung-hoon Chung tobt sich hier richtig aus und findet jede Menge ungewöhnliche Einstellungen, indem er etwa mit Blendenflecken, schnellen Schwenks und Zooms oder einer Fischaugenlinse arbeitet, plötzlich den Winkel ankippt und so überraschende Vogelperspektiven bietet. Doch selbst diese Spielereien wirken irgendwann so, als ob sie nur integriert worden wären, um das von ihnen gezeigte, eher träge dahinplätschernde Geschehen aufzupeppen beziehungsweise von ihm abzulenken. Es sagt einiges aus, dass der beste Moment von „Edison – Ein Leben voller Licht“, wenn der Titelheld und sein Gegenspieler zum Ende endlich einmal zusammen im Bild sind, um sich zumindest kurz, dabei offen und ehrlich zu unterhalten, historisch nicht belegbar ist, sondern von Autor Mitnick dazu erfunden werden musste.

Fazit: 

Trotz jeder Menge Star-Power und beeindruckender visueller Schauwerte will der Funke aufgrund der leider ziemlich faden Story einfach nicht überspringen. Ein Film über Strom, dem die Spannung fehlt und daher von uns nur 4 von 10 Punkte bekommt. (mk)

Donnerstag, 9. Juli 2020

HARRIET - DER WEG IN DIE FREIHEIT


HARRIET - DER WEG IN DIE FREIHEIT


Genre: Biographie, Drama, Historie
Regie: Kasi Lemmons
Cast:
Cynthia Erivo, Leslie Odom Jr., Joe Alwyn

Laufzeit: 121 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Verleih: 
Universal Pictures Germany GmbH

 

Poster zum Harriet - Der Weg in die Freiheit - Bild 41 auf 43 -  FILMSTARTS.de
(c) Universal Pictures Germany GmbH

 


Inhalt:

Mitte des 19. Jahrhunderts lebt und arbeitet die Sklavin Minty (Cynthia Erivo) auf einer Plantage von Edward Brodess (Mike Marunde) in Maryland und träumt von einem besseren Leben für sich und ihre Familie in Freiheit. Mit dem Tod ihres Besitzers steht der Leibeigenen ein hartes Schicksal bevor, denn sie soll von ihrer Familie getrennt und an einen neuen Besitzer im Süden des Landes verkauft werden. Bevor es soweit kommen kann, ergreift sie die Flucht. Sie schafft es bis zur Anti-Slavery Society nach Pennsylvania, wo sie William Still (Leslie Odom Jr.) kennenlernt und sich fortan Harriet Tubmann nennt. Um unabhängig zu werden, hilft ihr die Unternehmerin Marie Buchanon (Janelle Monáe) dabei, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Ihr neues Leben kann Harriet nicht genießen, denn noch immer gibt es Menschen, die das gleiche Schicksal wie sie teilen und als Sklaven arbeiten. Kurzerhand fasst sie den Plan, ihren Mann John Tubmann (Zackary Momoh) zu retten, der ist zwar ein freier Mann, aber als Afroamerikaner in Maryland Freiwild. Sie reist in ihre alte Heimat zurück und macht sich als „Moses“ der „Underground Railroad“-Organisation einen Namen als Flüchtlingshelferin...



Bewertung:

Es ist schon erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis das erste Biopic über die Anti-Sklaverei-Aktivistin und Bürgerkriegs-Heldin Harriet Tubman in die Kinos kommt. Wobei: So überraschend ist das vielleicht gar nicht. Schließlich wurde selbst vor 20 Jahren noch mit der Idee gespielt, Julia Roberts in der Rolle zu besetzten – ein Studioverantwortlicher meinte damals, dass das Publikum doch bestimmt nicht wisse, dass Tubman schwarz gewesen sei, das sei schließlich alles schon so lange her. 2016 gab es hingegen fortgeschrittene Überlegungen des US-Finanzministeriums, Tubmans Konterfei zukünftig auf den 20-Dollar-Schein – auf dem aktuell noch der Ex-Präsident und Sklavenhalter Andrew Jackson prangt – zu drucken. Aber dieser Plan wurde nach der Wahl von Donald Trump wenig überraschend wieder zu den Akten gelegt.

Dass es mit dem Tubman-Biopic bis ins Jahr 2020 gedauert hat, ist auch deshalb schade, weil Regisseurin Kasi Lemmons mit „Harriet – Der Weg in die Freiheit“ nun einen Film vorlegt, der in den Neunzigern noch das Zeug zum Oscarfavoriten gehabt hätte – aber inzwischen ist das Genre einfach ein ganzes Stück weiter und Lebensstationen abklappernde Biopics sind (zum Glück) eher aus der Mode gekommen. So wirkt der allzu klassische Aufbau des Drehbuchs von Lemmons und Gregory Allen Howard („Gegen jede Regel“) arg altbacken. Dass der Film trotz des generischen Skripts über weite Strecken mitreißt, liegt an der absolut grandiosen Cynthia Erivo in der Titelrolle und zeigt, wie unbedingt erzählenswert die Geschichte von Harriet Tubman wirklich ist.


Nach der entlarvenden Idiotie, Julia Roberts in der Titelrolle besetzen zu wollen, war vor einigen Jahren auch noch Oscargewinnerin Viola Davis („Fences“) für den Part im Gespräch. Das hätte sicher auch gepasst, aber die aus London stammende Musical-Sängerin Cynthia Erivo („Bad Times At The El Royale“) ist als Harriet schlichtweg eine Offenbarung: Erivos Wandlung von der eingeschüchterten Sklavin Minty, in der trotzdem immer sichtbar der unbedingte Wille nach Freiheit lodert, hin zu der Abolitionismus-Aktivistin und Bürgerkriegs-Heldin Harriet, einer aufrecht gehenden, glühenden Anführerin, ist ebenso inspirierend wie mitreißend. Im Umfeld des US-Kinostarts kam der Hashtag #NotMyHarriet auf, weil sich einige Twitter-Nutzer lieber eine afroamerikanische und keine britische Schauspielerin in der Rolle gewünscht hätten – und während man über diese Frage der Repräsentation sicherlich trefflich streiten kann, ist Erivos Performance über jeden Zweifel erhaben.


Bei der Inszenierung und vor allem dem Drehbuch fällt das Lob hingegen nicht so uneingeschränkt positiv aus. Zwar merkt man „Harriet – Der Weg in die Freiheit“ zu keinem Zeitpunkt an, dass er mit nur 17 Millionen Dollar für ein Historien-Biopic dieser Größenordnung erstaunlich schmal budgetiert war. Da hat Kasi Lemmons („Luke Cage“) wirklich aus jedem einzelnen Dollar das Maximum herausgeholt. Aber durch die sprunghafte Dramaturgie des Skripts bekommt kaum eine der Stationen im Leben der Titelfigur den Raum, den sie verdient: Vor allem die entbehrungsreichen und brandgefährlichen Befreiungs-Missionen in den Süden wirken im Film täuschend simpel – weil kaum mehr gezeigt wird, als wie Harriet Tubman losgeht und wie sie ankommt, wird das wahre Ausmaß ihrer historischen Leistungen im Film kaum spürbar.

Möglichkeiten, inszenatorisch auch mal von den ausgetretenen Biopic-Pfaden abzuweichen, wären dabei durchaus vorhanden gewesen – zum Beispiel bei den „Visionen von Gott“, die die historische Harriet tatsächlich regelmäßig hatte und die womöglich auf eine schwere Kopfverletzung durch die Hand ihres Sklavenhalters zurückzuführen sind. Dem französischen Regisseur Bruno Dumont ist das etwa zuletzt bei seinem Jeanne-d'Arc-Doppel „Jeannette“ und „Jeanne d'Arc“ ganz hervorragend gelungen. Aber Lemmons, die mit „Black Nativity“ auch schon ein christliches Gospel-Erbauungs-Musical verfilmt hat, nimmt die Visionen einfach so als gegeben hin. Am Ende hält Harriet eine Rede vor mächtigen Politikern in New York, bevor ihre weiteren Taten vor allem während des folgenden Bürgerkriegs kurz zusammengefasst werden – und diese biographische Aufreihung der Errungenschaften von Harriet Tubman ist fast noch inspirierender als die ganzen zwei Stunden zuvor. Dem Biopic „Harriet – Der Weg zur Freiheit“ fehlt letztendlich genau jener Mut, den seine Hauptfigur im Überfluss besessen hat.

Fazit:

Ein rundherum solides Old-School-Biopic – aber die inspirierende Geschichte von Harriet Tubman und die in der Titelrolle brillierende Cynthia Erivo hätten mehr verdient. Etwas enttäuscht vergeben wir dennoch 7,5 von 10 Punkte für eine gute Inszinierung. (mk)