Mittwoch, 18. Juni 2014

Tiefe Wasser

Facts:

Genre: Drama 
Regie: Tomasz Wasilewski
Cast: Mateusz Banasiuk, Marta Nieradkiewicz
Laufzeit: 89 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Salzgeber u. Company Medien


(c) Salzgeber u. Company Medien
Inhalt:


Auf den jungen, hochtalentierten Leistungsschwimmer Kuba (Mateusz Banasiuk) prasseln von allen Seiten Ansprüche ein. Er wohnt gemeinsam mit Freundin Sylwia (Marta Nieradkiewicz) zuhause bei seiner Mutter (Katarzyna Herman). Die ist genervt von Sylwia und will sie aus der Wohnung haben – und Kubas Schwimmtrainer würde von seinem Schützling gerne mehr Trainingsfleiß sehen. Doch Kuba entzieht sich jeglicher Verantwortung, jeglichen Entscheidungen. Außerdem verheimlicht er seinem Umfeld sowohl, dass er illegale leistungssteigernde Mittel nimmt, als auch seine Homosexualität. Die Dinge ändern sich, als er Michal (Bartosz Gelner) kennen lernt. Der lässt Kuba zum ersten Mal daran glauben, sich in einen Mann verlieben zu können und gibt ihm die Kraft, sich auf die Suche nach einem Weg aus dem erdrückenden Umfeld zu machen…

Bewertung: 

Das Drama „Tiefe Wasser“ ist der zweite Spielfilm von Tomasz Wasilewski („In the Bedroom“). Die grundlegende Idee des polnischen Regisseurs war es, einen Queer-Film zu drehen, der für ein möglichst großes Publikum attraktiv ist. Dafür wählte er einen Protagonisten, der sich zwischen seiner langjährigen Partnerin und der leidenschaftlichen Liebe zu einem Mann entscheiden muss, wobei es gar nicht so sehr um die Frage geht, ob dieser Kuba nun hetero, schwul oder bi ist, sondern um innere Konflikte, die in ähnlicher Form jeder kennt. Mit viel Feingefühl und einem hervorragenden Hauptdarsteller bringt uns der Filmemacher die vielen Facetten dieser Suche nach dem persönlichen Glück nahe.

Die größte Stärke von „Tiefe Wasser“ sind die durchgehend sehr guten Schauspieler. Allen voran brilliert Mateusz Banasiuk in einer seiner ersten Kino-Hauptrollen. Kuba versucht sich nach außen cool und nonchalant zu geben. Aber in seinem Gesicht sind auch kleinste Gefühlsregungen und somit auch seine innere Verunsicherung ablesbar. Einerseits braucht Kuba den sicheren Hafen, den seine langjährige Freundin Sylwia ihm bietet. Zugleich spürt der Leistungssportler in seinem durchdisziplinierten Leben immer stärker den Wunsch, seine Leidenschaften auszuleben. Diesen etwas schematisch angelegten Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit auf der einen Seite sowie dem Verlangen nach persönlicher Selbstverwirklichung andererseits vertieft Tomasz Wasilewski, der auch das Drehbuch zu „Tiefe Wasser“ verfasst hat, durch seine überlegte Inszenierung.

Das Dilemma des Protagonisten fassen der Regisseur Tomasz Wasilewski und sein Kameramann Jakub Kijowski in sprechende Bilder: In gekonnt gerahmten Einstellungen erscheint der Schauplatz Warschau als kalte und unwirtliche moderne Großstadt. Dieses Umfeld spiegelt die Strenge einer Gesellschaft wider, die für abweichendes Verhalten nach wie vor wenig Raum und noch weniger Verständnis bietet. Als Michal sich eines Tages beim Essen bei seiner Familie dazu durchringt, sich gegenüber seinem Vater zu outen, geht jener einfach darüber hinweg, als ob gar nichts gesagt worden wäre. Und nachdem Kuba Michal in dessen Wohnung besucht hat, wird er anschließend im Treppenhaus von Rowdys als Schwuchtel beschimpft. Wutentbrannt jagt Kuba hinter ihnen her und schlägt einen von ihnen im Aufgang der Tiefgarage zusammen.

Kubas innere Unruhe zeigt sich nach außen dadurch, dass er ständig in Bewegung ist – nicht nur beim Schwimmen. In seiner Freizeit fährt er durch das nächtliche Warschau, an dessen nackten Betonwänden er im übertragenen Sinne abzuprallen scheint. Doch die buchstäblich bedrückende Atmosphäre ist kein Dauerzustand, insbesondere durch den Einsatz treibender elektronischer Musik schafft Wasilewski immer wieder eine gänzlich andere Stimmung. Einmal rauchen Kuba und Michal in einem Parkhaus im Auto sitzend einen Joint. Anschließend fahren sie ganz nach oben. Ein wummernder Sound setzt ein, während sich der Wagen immer weiter in die Höhe schraubt: Die so animierte Bewegung wird zum symbolischen Ausdruck für den Durchbruch der bisher unterdrückten schwulen Leidenschaft. Und wenn Kuba und Michal heimlich auf einen langsam anrollenden Güterzug aufsteigen und mitfahren - ziellos, aber mit Blick in die Sonne -, vereinen sich kindliche Verspieltheit und die Zärtlichkeit frisch Verliebter.

Fazit: 

Tomasz' Wasilewskis Film „Tiefe Wasser“ ist ein einfühlsames Drama über das Ringen mit verschiedenen Beziehungsmodellen, gesellschaftlichen Konventionen und der eigenen sexuellen Identität.Wir vergeben dafür 7,5 von 10 Punkten. (mk)

Freitag, 6. Juni 2014

Boyhood

Facts:

Genre: Drama 
Regie: Richard Linklater
Cast: Ethan Hawke, Patricia Arquette, Ellar Coltrane, Brad Hawkins

Laufzeit: 163 Minuten

FSK: ab 6 Jahre
Verleih: Universal Pictures Germany

 
(c) Universal Pictures Germany


Inhalt:

Das Leben des sechsjährigen Mason Jr. (Ellar Coltrane) wird auf den Kopf gestellt, als seine Mutter Olivia (Patricia Arquette) mit ihm und seiner Schwester Samantha (Lorelei Linklater) in ihre Heimat Texas zurückkehrt, um noch einmal das College zu besuchen. Dort bekommen die Kinder immerhin auch ihren Vater Mason Sr. (Ethan Hawke), der seit der Scheidung kaum für sie da gewesen ist, wieder öfter zu Gesicht. Mason Jr. muss sich mit seiner neuen Lebenssituation arrangieren – und durchlebt so die zwölf Jahre, die aus einem kleinen Jungen einen Mann machen: Es stehen Campingausflüge mit dem Vater an, es wird das erste Bier getrunken, der erste Joint geraucht und auch die erste große Liebe erlebt. Doch die Männergeschichten von Olivia sorgen immer wieder für Probleme…  

Bewertung:

Mit „Before Sunrise”, „Before Sunset” und „Before Midnight” erzählte Richard Linklater von 1995 bis 2013 im Abstand von jeweils neun Jahren drei Kapitel aus der Liebesgeschichte zwischen dem Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und der Französin Celine (Julie Delpy). Bei diesen weit auseinanderliegenden Momentaufnahmen bestand ein besonderer Reiz darin, zu sehen, wie sehr sich die Figuren in der langen Pause zwischen den Filmen verändert haben. Seit 2002 arbeitete Linklater aber neben der „Before“-Trilogie und anderen Werken auch noch an einem weiteren Langzeitprojekt, bei dem die Entwicklung des Protagonisten in ihrer Kontinuität im Mittelpunkt steht: Bis 2013 versammelte der Regisseur im Jahresabstand jeweils für ein paar Tage vier Stammschauspieler und wechselnde Nebendarsteller vor der Kamera, um die Kindheit und Jugend eines Jungen in Texas vom Anfang der Schulzeit bis zum Wechsel ans College nachzuzeichnen. Das Ergebnis heißt „Boyhood“ und ist nicht nur ein wunderbares Gegenstück zu den „Before“-Filmen, sondern vor allem ein ungemein faszinierendes Spielfilm-Dokument, das sich über 164 Minuten ganz ohne künstlichen Spannungsbogen entfalten darf und gerade dadurch umso wahrhaftiger wirkt.

Es liegt ein besonderer Reiz darin, jemanden buchstäblich vor der Kamera aufwachsen zu sehen. Das gilt für Langzeitdokumentationen wie „Die Kinder von Golzow“, wo 18 Menschen in insgesamt zwanzig Filmen über einen Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert porträtiert wurden, genauso wie für langlebige Fiktionen wie die TV-Serie „Lindenstraße“, in der ein Millionenpublikum verfolgen konnte, wie nicht nur aus dem kleinen „Klausi Beimer“ ein Mann wurde, sondern auch aus seinem Darsteller Moritz A. Sachs. Im Bereich des Kinofilm ist François Truffauts berühmter „Antoine Doinel“-Zyklus wohl das bekannteste Beispiel: In fünf Filmen spielte der 1944 geborene Jean-Pierre Léaud bis 1979 das Alter Ego Truffauts, zuerst als Jugendlichen, später als erwachsenen Mann. In „Boyhood“ ist der sonst meist auf eine ganze Reihe Filme oder gar Hunderte von Serienepisoden verteilte Prozess des Älterwerdens nun in einem Einzelwerk von knapp drei Kinostunden kondensiert. Hier kann der Zuschauer in einem einzigen Film mitansehen wie Ellar Coltrane und Richard Linklaters Tochter Lorelei von kleinen Kindern zu jungen Erwachsenen heranwachsen und sieht daneben auch noch wie die Kinostars Patricia Arquette („True Romance“) und Ethan Hawke („Gattaca“) sich über die Jahre verändern.

Auch wenn sich die insgesamt nur 39 Drehtage über ein Dutzend Jahre verteilt haben, ist „Boyhood“ ein Film wie aus einem Guss. Linklater teilt ihn nicht etwa starr und fein säuberlich in Jahreskapitel auf, sondern folgt stets einer inneren erzählerischen Logik und so sind die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Szenen ganz unterschiedlich groß – das können Stunden, Tage, Wochen, Monate oder auch mal ein ganzes Jahr sein. Die zeitliche Verortung erfolgt dabei ausschließlich über den Kontext der Handlung. Zu Beginn läuft eine Nachrichtensendung über den Irak-Krieg, wodurch deutlich wird, dass wir uns im Jahr 2003 befinden müssen. Später sehen wir den Ansturm bei der Veröffentlichung eines Harry-Potter-Buches oder Szenen aus Barack Obamas erstem Präsidentschaftswahlkampf, die bei der Einordnung helfen. Die klarsten und zugleich subtilsten Wegmarken setzt Linklater aber über die Popkultur und den Fortschritt er Technik. Da steht Lorelei erst auf Britney Spears und dann auf Lady Gaga, ihr Bruder schaut sich einmal Will Ferrells zu dem Zeitpunkt gerade super angesagten Kurzfilm „The Landlord“ in Dauerschleife an und preist später „The Dark Knight“, „Tropic Thunder“ und „Ananas Express“ als seine Lieblingsfilme des Jahres. Und nebenbei wird vom GameBoy Advance über die Xbox bis zur Wii die Entwicklung der Spielekonsolen eingefangen.

Zum natürlichen Fluss der Handlung passt auch Linklaters gänzlich unaufgeregter Erzählton. Es gibt zwar einzelne dramatische Zuspitzungen - etwa wenn sich Olivias zweiter Ehemann als prügelnder Alkoholiker entpuppt und sie Hals über Kopf mit den Kindern die Flucht antreten muss -, aber im Wesentlichen bekommen wir hier typische, oft ganz alltägliche Ereignisse aus dem Leben eines normalen Heranwachsenden zu sehen: schöne und weniger schöne Momente mit Freunden und Familie, Streit unter Geschwistern, Gespräche mit den Eltern. Das ist vor allem in der herausragenden ersten Hälfte des Films immer wieder sehr amüsant, so wenn sich Mason und seine Schwester ein Zimmer teilen müssen:  Sie spielt sich als Diva auf, raubt ihm den letzten Nerv und am Ende gelingt es ihr, es so aussehen zu lassen, als wäre nur er schuld an dem Streit. Die Besetzung dieser beiden Hauptrollen erweist sich dabei als doppelter Glücksgriff: Linklaters Tochter Lorelai gibt ganz herrlich die leicht blasierte Göre, während Masons Entwicklung vom zugleich aufgeweckten und verträumten Jungen, der mit großen Augen die Welt entdeckt, zum nachdenklichen Melancholiker mit Vorliebe für Kunstfotografie von Ellar Coltranes mit großer Natürlichkeit dargestellt wird. Mit dieser Wandlung verändert sich auch der zunächst leichte Ton des Films und wird etwas ernster.

Obwohl Patricia Arquette deutlich mehr Leinwandzeit hat als Ethan Hawke (der vom Rebellen mit Oldtimer zum biederen Vater mit Familienkutsche ebenfalls eine bemerkenswerte Entwicklung durchläuft), sind es vor allem die kleinen Szenen mit ihm und den Kindern, die im Gedächtnis bleiben. Richard Linklater beweist hier einmal mehr, dass er ein famoser Drehbuchautor ist: wenn Mason Sr. nach anderthalb Jahren das erste Mal seine Kinder wiedersieht und beim Bowlen darüber diskutiert wird, warum ohne Seitenbegrenzung gespielt wird; oder wenn die Kinder rätseln, ob der Vater mit der Rothaarigen, die ihn gerade angesprochen hat, eine sexuelle Beziehung unterhält; oder wenn Mason Sr. seine 15 Jahre alte Tochter höchst umständlich aufzuklären versucht, ihr am Ende sagt, sie solle immer ein Kondom tragen und dann seinen kuriosen Lapsus bemerkt; oder wenn Vater und Sohn sich bei einer „Star Wars“-Diskussion näherkommen als jemals zuvor. Mit wunderbar auf den Punkt gebrachten und vor allem ungemein authentischen Dialogen machen Linklater und seine Schauspieler aus den scheinbaren Nichtigkeiten des Alltagslebens magische Kinomomente.

Richard Linklater verknüpft die Geschichte von Masons Coming of Age gleichsam nebenbei mit einer kleinen soziopolitischen Chronik des Erwachsenwerdens in seiner eigenen Heimat Texas, wo die durch und durch liberale Familie einige absurde Erlebnisse hat. Da wird in der Schule nach der Nationalhymne auch noch ein Loblied auf die texanische Flagge gesungen und zum 15. Geburtstag bekommt Mason von den strengkonservativen Eltern der neuen Frau seines Vaters eine Bibel und ein Gewehr geschenkt. Zu einer amüsanten Szene kommt es, als Mason Jr. beim Platzieren von Werbeschildern für den Wahlkampf von Barack Obama ausgerechnet bei einem Mann anfragt, der die Konföderiertenflagge gehisst hat. Nur einmal weicht Linklater gegen Ende etwas deutlicher von der locker-beiläufigen Art des Erzählens ab und die entsprechende „American Dream Come True“-Sequenz mit einem mexikanischen Restaurantmanager hat in ihrer überhöhenden Zuspitzung dann auch den Beigeschmack eines Hollywood-Klischees. Das passt nicht recht zum Rest des Films, aber es ließe sich zugunsten dieser Szene durchaus einwenden, dass das Leben manchmal eben auch das Kino imitiert. Zumal Linklater auch noch einen überzeugenderen Schlusspunkt folgen lässt.

Fazit: 

Richard Linklaters Mammutprojekt „Boyhood“ ist ein unbedingt sehenswerter Blick auf ein ganzes Kinderleben im „Schnelldurchlauf“ und ein wahrer Kino-Meilenstein. Der Film wurde zurecht auf der Berlinale 2014 gezeigt. Inhaltlich erhält der Film 8 von 10 Punkte. (mk)

Dienstag, 3. Juni 2014

Godzilla 3D

Facts:

Genre: SciFi, Fantasy 
Regie: Gareth Edwards
Cast: Bryan Cranston, Aaron Taylor-Johnson, Juliette Binoche, Elizabeth Olsen, Ken Watanabe

Laufzeit: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros Germany

 
(c) Warner Bros Germany


Inhalt:

Japan, 1999. In einem Kernkraftwerk werden seit einiger Zeit massive Impulse, ähnlich einem Erdbeben, gemessen, die dem Verantwortlichen Joe Brody (Bryan Cranston) Sorgen bereiten. Eines Tages kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall, just in dem Moment, in dem seine Frau (Juliette Binoche) und ebenfalls Mitarbeiterin auf Sondierungssuche in einem sensiblen Trakt des Atomkraftwerks unterwegs ist. 15 Jahre später hat sich Joe von seinem mittlerweise erwachsenen Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) entfremdet. Nicht allein weil Ford als US-Lieutenant in Übersee stationiert ist, sondern weil Joe an seiner Theorie festhält, dass dieses Ereignis vor 15 Jahren niemals von einem Erdbeben herrühren konnte. Als beide erneut in Japan aufeinandertreffen und in ihrem alten Wohnbezirk Nachforschungen anstellen, wird schnell klar, dass die Regierung etwas Unvorstellbares vor der Öffentlichkeit verheimlicht und Joe mit seiner Überzeugung richtig liegt...

Bewertung:

Regisseur Gareth Edwards zeigt nach seinem Überraschungsfilm Monsters erneut, dass er sich mit Monstern auskennt und auch Big Budget-Produktionen stemmen kann. Weitaus besser sogar als so mancher alte Hase im Filmgeschäft. Hollywood braucht mehr Regisseure wie ihn, Duncan Jones und Josh Trank, die Ideen haben und denen auch größere Filme anvertraut werden sollten. Zwar wird man an Aliens - Die Rückkehr oder Starship Troopers erinnert, aber sofern dies seitens der Macher gewünscht war, ist es in Godzilla als Hommage zu sehen.

Sollte man also reingehen? Unbedingt, denn der Film macht Spaß und hievt das Monster aller Monster nach Emmerichs Version aus 1998 wieder auf eine höhere Ebene. Es sind keine unnötigen Witze wie in den Marvel-Filmen nötig, die die Handlung ins Lächerliche ziehen, zudem schafft es Edwards in vielen Szenen auch die Dramatik herauszuarbeiten. Anders als in Pacific Rim gibt es zwar monströse Schlachten mit unfassbar hohem Kollateralschaden, doch man ermüdet als Zuschauer nicht beim Wieder-und-wieder-und-wieder-Aufeinandereinschlagen. Trotz realistischer Herangehensweise behält Godzilla einen leichten Trashcharme. Wie sollte es auch anders sein, wenn über gigantische Monster und deren amüsante Ernährungsweise mit einer derart trockenen Überzeugung seitens der Wissenschaftler, allen voran Ken Watanabe, gesprochen wird?!

Unserer Ansicht nach wurde Godzilla auch endlich mal gut umgesetzt. Es ist nicht die typische Amerikanisierung von 1998, aber auch kein Typ im Kostüm, der sich nach vorne beugen muss, wenn Godzilla nach unten gucken soll. Er mag ein wenig moppsig wirken, aber das tut seiner Schlagkraft keinen Abbruch. Auch die Computereffekte im Film sind überwiegend sehr gut, nur in manchen Sequenzen, vor allem bei Wasserszenen, fällt deren künstlicher Stil wie schon in den Trailern auf.

Auch die Darstellerriege ist durchweg gut besetzt. Juliette Binoche und vor allem Bryan Cranston haben leider zu wenig Screentime und Aaron Taylor-Johnson, den wir als ausdrucksstarken, smarten Schauspieler sonst sehr schätzen, wirkt hier etwas blass, selbst wenn er zu den Hauptfiguren zählt. Elizabeth Olsen zeigt wie in ihren Filmen zuvor eine sehr emotionale Seite und spielt ihre Rolle sensibel und verletzlich. Watanabe wirkte auf uns in der Rolle des wortkargen Wissenschaftlers ein wenig zu konzentriert, zu verschlossen, aber das tut dem Schauspiel insgesamt keinen Abbruch.
Was jedoch ein wenig überrascht, ist, dass Trailer und Werbekampagne ein falsches Bild vom Film vermitteln. Teilweise kommen Szenen im Film nicht vor beziehungsweise wurden bewusst Elemente in den Trailern entfernt, die den Eindruck erwecken, als wäre Godzilla die Hauptbedrohung. Dabei gewinnt man später jedoch den Eindruck, dass Godzilla fast nur Nebencharakter ist, der ein wenig zu nett für unseren Geschmack wirkt. In der Tradition der japanischen Filme ist Godzilla also nicht zwingend der Schurke, sondern hilft unbewusst der Menschheit gegen andere MUTOs.

Fazit:

„Godzilla“ hat einen starken emotionalen Beginn und großartige Monster-Action im Finale, dazwischen gibt es allerdings einigen Leerlauf – nicht zuletzt wegen des Fehlens von (menschlichen) Identifikationsfiguren. Aber allein der gekonnte Einsatz der Titelfigur sind 8 von 10 Punkte wert. (mk)

Sonntag, 1. Juni 2014

Edge of Tomorrow 3D OV

Facts:

Genre: SciFi, Drama
Regie: Doug Liman
Cast:  Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton
Laufzeit: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
Verleih: Warner Bros Germany

 
(c) Warner Bros Germany


Inhalt:

Die Kriege, die Leutnant Bill Cage (Tom Cruise) führt, sind üblicherweise nicht allzu schweißtreibend. Seit die Mimics die Erde angriffen und nahezu ganz Europa erobert haben, sorgt Cage in einem medialen Krieg dafür, dass es genug neue Rekruten gibt. Doch nun steht die Endschlacht gegen die Mimics bevor und darin wird jeder Soldat gebraucht, auch Cage. Der ist alles andere erfreut darüber, in der Schlacht als Kanonenfutter zu enden - und so kommt es dann auch. Wie alle Soldaten stirbt Cage inmitten einer blutigen Schlacht, schafft es aber, einen Alpha-Mimic mit in den Tod zu reißen. Plötzlich gefangen in einer Zeitschleife, muss Cage jeden Tag aufs Neue hinaus in den Kampf, nur um erneut und erneut und erneut zu sterben. Mit jedem Tag, der vergeht, wird aus Cage ein besserer, ein effizienterer Kämpfer, doch den Ausgang der Schlacht kann er nicht beeinflussen. Erst als er auf die Soldatin Rita Vrataski (Emily Blunt) inmitten dieses täglichen Gemetzels trifft, scheint es so etwas wie Hoffnung auf das Ende des Krieges zu geben...

Bewertung: 
 
Bereits 2010 schrieb Autor Dante Harper im Auftrag der eigentlich auf TV-Sitcoms spezialisierten Firma 3 Arts Entertainment ein Drehbuch nach dem Roman „All You Need Is Kill“. Es war ein gewagter Schritt für die kleine Firma, der sich auszahlte: Das Skript sorgte für Aufsehen in Hollywood und wurde schließlich für satte drei Millionen Dollar von Studioriese Warner gekauft. Doch ganz zufrieden war man dort noch nicht, man engagierte neben anderen den britischen Regisseur und Autor Joby Harold („Awake“) für Überarbeitungen. Bei der finalen Filmfassung haben nun weder Harper noch Harold einen Credit bekommen, stattdessen werden die Liman-Vertrauten Jez und John-Henry Butterworth („Fair Game“) sowie Tom-Cruise-Kumpel Christopher McQuarrie („Die üblichen Verdächtigen“) im Vorspann als Autoren genannt. Wer nun aber glaubt, dass dieses in der Branche nicht unübliche Wechselspiel nach dem Motto „Zu viele Köche verderben den Brei“ für einen unausgegorenen Film sorgt, ist schiefgewickelt. Es ist im Gegenteil beeindruckend, wie geradlinig und punktgenau die Handlung von „Edge of Tomorrow“ aufgebaut ist – das zeigt gleich der Anfang beispielhaft: Mit in die Studio-Logos zu Beginn geschnittenen Nachrichtenfetzen und Talk-Show-Ausschnitten wird die Ausgangslage etabliert, es folgt ein kurzer Disput zwischen Cage und seinem vorgesetzten General und schon landet der Protagonist als einfacher Soldat in der Militärbasis und ab da geht es richtig los.

Nachdem die nötigen Vorinformationen auf ebenso schnörkellose wie elegante Weise geliefert wurden, zelebriert Regisseur Doug Liman das anschließende Aufwachen-Kämpfen-Sterben-Wieder-Aufwachen-Wechselspiel in bester „… und täglich grüßt das Murmeltier“-Manier: mit viel Humor. Wie Bill Murrays Wetterexperte Phil in Harold Ramis‘ existenzialistischer Komödie erlebt auch Tom Cruises unfreiwilliger Soldat reichlich amüsante Momente, wenn er Situationen antizipiert und den verdutzten Kameraden vorhersagt oder mit seinem Vorwissen die Autorität eines Offiziers (Bill Paxton) untergräbt. Und hier gibt es anders als bei Ramis zusätzlich noch reichlich gut inszenierte Action dazwischen. Mit feinem erzählerischen Gespür verlässt Liman diese Action-Humor-Schleife dann rechtzeitig bevor es in ihr langweilig zu werden droht, dann folgt eine Wendung in der Handlung und es geht in eine neue Richtung weiter. So schaffen es der Regisseur und seine Autoren, dass „Edge of Tomorrow“ auf knapp zwei Stunden Laufzeit durchweg kurzweilig und spannend bleibt. Damit der Zuschauer beim freien Umgang mit den Gesetzen der Physik nicht den Überblick verliert, werden ihm gut dosierte Erklärungen an die Hand gegeben. Das geschieht wiederum so beiläufig, dass selbst die Klischee-Erklärer-Figur des unkonventionellen Wissenschaftlers (Noah Taylor) nicht weiter stört – nur verbohrte Logik-Puristen bekommen dann am Ende noch etwas zu mäkeln.

„Edge of Tomorrow“ soll mehr als 175 Millionen Dollar gekostet haben. Wer den fertigen Film sieht, glaubt diese Schätzung sofort: Die Aliens sind beeindruckende leicht glibberige Monster mit riesigen Tentakeln, während die futuristischen Kampfanzüge der Menschen ein starkes Gimmick für imposante Actionszenen abgeben. Sie fungieren als Rüstung und Waffe zugleich, mit ihrer Kraft lassen sich schwere Gegenstände wegschleudern, an ihnen sind Kanonen unterschiedlichster Größe montiert und selbst die geballte Faust ist bestens geeignet, einen Alien-Schädel zu zertrümmern. Diese Schauwerte funktionieren letztlich aber nur so gut, weil die Darsteller trotzdem im Mittelpunkt stehen. Die Hauptrolle – in der Vorlage ein japanischer Rekrut – wurde Tom Cruise auf den Leib geschrieben. Seine Figur hat null Kampferfahrung, ist aber sonst ein alter Hase, dessen eigentliche Waffe das Wort ist. So versucht er sich zu Beginn aus jeder Situation erst einmal herauszureden. Den perfekten Widerpart dazu gibt Emily Blunt („Fast verheiratet“, „Looper“), die hier die eiskalte Militär-Veteranin (Spitzname in der Truppe: Full Metal Bitch) spielt. Das Reizvolle an der Figurenkonstellation ist der fast schon tragische Unterschied zwischen den Erlebnishorizonten: Er lernt sie nach und nach immer besser kennen, so dass sie ihm ans Herz wächst. Sie dagegen fängt jeden Tag bei null an, denn sie verliert nach jeder Zeitschleife die Erinnerung an ihn. So schreckt sie auch nicht davor zurück, ihm beim Training eine Kugel in den Kopf zu jagen, also gleichsam den Reset-Button zu drücken. Wenn ihre harte Fassade irgendwann trotzdem bröckelt, ist das umso wirkungsvoller.

Fazit: 

So einfach kann unterhaltsames Blockbuster-Kino sein: zwei charismatische Stars und gute Schauspieler, eine geradlinige, nicht zu komplexe, aber spannende Story, gute Action und eine gehörige Portion Humor.7,5 von 10 Punkten. (mk)